Emmendingen

[758] Emmendingen, Bezirksamtsstadt im bad. Kreis Freiburg, am Schwarzwald, an der Elz und der Staatsbahnlinie Mannheim-Konstanz, 202 m ü. M. Es hat eine evang. Kirche mit schönem Turm und der Statue des Markgrafen Karl II., eine kath. Kirche, Synagoge, ein stattliches Rathaus (an demselben das Brustbild des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden und Hochberg und vor demselben ein Denkmal Bismarcks), eine alte Burgvogtei, in der früher die Markgrafen von Hochberg residierten (jetzt Hospital), Realschule, Landesirrenanstalt, Amtsgericht und Forstamt, betreibt Spinnerei, Seidenspulerei, Gerberei, Fabrikation von photographischen Apparaten, Bindfaden, Papier, Maschinen, Zigarren, künstlichem Dünger etc., Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Ziegeleien, Steinbrüche und Kunstmühlen, Handel mit Holz, Hanf, Seegras, Tabak und Vieh und zählt (1900) 6219 meist evang. Einwohner. Auf dem alten Friedhof ist das Grab von Goethes Schwester Cornelia (gest. 1777), deren Gatte, Joh. Georg Schlosser, eine Zeitlang als Oberamtmann in E. lebte. In der Nähe sind die Ruinen der Burg Hochberg, wo jetzt eine Ackerbauschule ist. – E. ist altbadisch und war ehemals der Hauptort der Grafschaft Hochberg. Es ward 1418 vom Kaiser Siegmund zum Marktflecken erklärt, 1581 vom Markgrafen Jakob III., der von 1580–90 hier residierte, mit Mauern umgeben und 1590 zur Stadt erhoben. Auf Veranlassung des genannten Markgrafen fand hier 1590 ein Religionsgespräch (Colloquium Emmendingense) zwischen den Katholischen und Lutherischen statt. Am 19. und 20. Okt. 1796 waren hier siegreiche Gefechte der Österreicher gegen die Franzosen. Vgl. Maurer, E. vor und nach seiner Erhebung zur Stadt (Emmend. 1890).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 758.
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