Transpiration der Pflanzen

[666] Transpiration der Pflanzen, die Wasserabgabe durch Verdunstung an ihrer Oberfläche. Die Transpiration ist in erster Linie ein physikalischer Vorgang, dessen Intensität einerseits von der Größe der verdunstenden Oberfläche, anderseits von der Wärme, dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft und ihrem Bewegungszustand abhängig ist. Die Organisation der Pflanze beeinflußt aber den Prozeß biologisch, insofern als die Bedeckung der Oberflächen mit einer Kork- oder Wachsschicht oder mit einer Behaarung (s. Hautgewebe), die Ausbildung von regulierbaren Spaltöffnungen in Verbindung mit einem Durchlüftungssystem (s. Durchlüftungsgewebe) hemmend oder fördernd auf den physikalischen Vorgang einwirkt. Für die Lebenserscheinungen der Pflanzen kommt die Transpiration insofern besonders in Betracht, als sie eine Energiequelle für die Wasserbewegung und damit für die Stoffwanderung im allgemeinen liefert (s. Ernährung der Pflanzen, S. 60). Außerdem macht sie die Pflanzen abhängig von dem Vermögen der Wurzel, aus dem Boden Wasser aufzunehmen. In wasserarmen Böden, in kalten, sauerstoffarmen Sumpfböden, in denen die Wurzel nur eine geringe Saugtätigkeit entwickeln kann, vermögen nur solche Pflanzen zu leben, bei denen die Transpiration durch besondere Organisationsverhältnisse auf ein Minimum reduziert ist. An Standorten mit stark schwankendem Feuchtigkeitsgehalt der Unterlage sind an oder in den dort gedeihenden Pflanzen häufig besondere Wasserspeicher (s. Speichergewebe) ausgebildet, aus denen der Transpirationsverlust während der Trockenzeit gedeckt werden kann. Unter Verhältnissen, in denen die Intensität der Transpiration der Wasserbewegung im Pflanzenkörper nicht genügt, tritt neben der Transpiration eine Ausscheidung flüssigen Wassers ein, die in der Regel durch besondere Organe (Hydathoden, s. d.) bewirkt wird. Die Menge des aus der lebenden Pflanze durch Transpiration abgegebenen Wassers beträgt bei einer Sonnenrose von ca. 2 m Höhe mehr als 1 Lit., bei einer freistehenden mittelgroßen Birke mit etwa 200,000 Blättern durchschnittlich 60–70 L., an einem heißen, trockenen Tage ca. 400 L. täglich. Ein Hektar Buchenhochwald gibt im Durchschnitt täglich 30,000 L. Wasser ab, ein Morgen mit Kohlpflanzen verdunstet in vier Monaten 2 Mill. L., ein solcher mit Hopfen 3–4 Mill. L. Wasser. Vgl. Burgerstein, Die Transpiration der Pflanzen (Jena 1904).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 666.
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