Chinesische Tusche

[42] Chinesische Tusche (Chinesische Tinte), wird aus dem Ruße von mehreren Pflanzen u. Ölen, bes. aus Sesamöl u. dem Öl des Ölrettigs bereitet. Die Ingredienzen werden gemengt, der Saft eines Baumes u. thierischer Leim zur Verbindung, sowie zuweilen Campher u. Moschus u. der Saft von Carthanus tinctoria zugesetzt u. der Teig in hölzerne Formen gedrückt. Die Ch. T. ist gewöhnlich in 2 Zoll lange, 1 Zoll breite u. 2–4 Linien dicke Stücken geformt. Sie ist völlig schwarz, brüchig, auf dem Bruche glasartig, läßt sich in Wasser leicht zerreiben, sinkt in demselben langsam unter, u. auf die Haut gestrichen, springt sie nicht ab, wenn man diese runzelt. Auf den Stücken (Riegeln) sind chinesische Buchstaben angebracht, welche auch wohl vergoldet od. blau gefärbt u. das Fabrikzeichen sind. Eine geringere Sorte wird in China aus Fichtenkohle gefertigt, welcher vorher das Harz entzogen ist. Man macht die Ch. T. in Europa ziemlich gut nach. Man nimmt dazu Schalen von Aprikosenkernen, die in einem verschlossenen Tiegel verkohlt u. dann sein gepulvert u. mit Gummiwasser abgerieben werden, auch seiner Öl- od. Kienruß, der in einem verschlossenen Tiegel geglüht u. dann mit Gummiwasser, etwas Berliner Blau u. Ambra abgerieben wird. Auch gut geschlämmter Eisentohr gibt eine schöne schwarze Tusche. Um den angenehmen Geruch der chin. T. nachzuahmen, mischt man etwas Moschus zu.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 42.
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