Condé [1]

[346] Condé (spr. Kongdeh), 1) (C. sur l'Escaut, spr. C. für Lescoh), Stadt u. Festung 3. Ranges im Arrondissement Valenciennes des französischen Departements Nord am Einfluß der Hesne in die Schelde, unmittelbar an der belgischen Grenze, in einer sumpfigen Gegend; Brauereien, Gerbereien, Ölraffinerien, Schiffsbau, Salinen, Vieh-, Leder- u. Kohlenhandel; die Festungswerke sind von Chevalier de Ville u. Vauban (nach dem Vaubanschen System) gebaut u. bestehen aus 10 Bastionen, 7 Ravelins u. 3 nach der Seite von Tournay (Belgien) vorgeschobenen Redouten; die Fronten nach der Schelde u. Hesne zu können vermittelst Schleußen vollständig unter Wasser gesetzt werden; 5430 Ew. (ohne Garnison). – Aus früherer Zeit ist C. unbekannt; im 12. Jahrh. gehörte es als Baronie zu Enghien; 1487 brachte Maria von Luxemburg ihrem Gemahl Franz von Bourbon die Herrschaft C. mit andern zu, dessen Enkel, Ludwig, das Haus C. stiftete; es wurde 1676 von den Franzosen erobert u. 1678 im Nymweger Frieden an Frankreich abgetreten; 11. Juni 1793 von den Österreichern unter General Otto u. dem Prinzen von Württemberg genommen, 29. August 1794 von den Franzosen durch Capitulation wieder gewonnen, im Sommer vom niederländischen Kriegsheere belagert u. mittelst Capitulation genommen; die Stadt erhielt hierauf bis 1818 hannöversche Besatzung; von ihr führen die französischen Prinzen Condé den Namen; während der Revolution hieß es Nord-Libre, 2) (C. sur Noireau, spr. C. für Noaroh), Stadt im Arrondissement Vire des Departements Calvados, am Zusammenfluß des Noireau u. der Drouance, Civiltribunal, Handelsgericht, Wollspinnerei, Baumwollenweberei, Färberei, Gerberei, Nagelschmieden, Handel mit Pferden, Flachs, Garn, Honig u.a.; 5900 Ew.; 3) (C. sur Iton), Stadt im Arrondissement Evreux, Departement Eure; Hochöfen, Eisenhammer; 1200 Ew.; 4) (C. sur Vire), Stadt im Arrondissement St. Lô, Departement Manche, am Vire; 2000 Ew.; 5) (C.-Vieux, spr. C. Wiöh), Stadt im Arrondissement Valenciennes, Departement Nord, an der Schelde unweit C. 1), Steinkohlenlager, Baumschulen; 3700 Ew.; 6) mehrere kleinere Orte in Frankreich mit verschiedenen andern Beinamen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 346.
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