Hatto

[87] Hatto (Atto). I. Erzbischöfe von Mainz: 1) H. I. aus Schwaben, studirte im Kloster Ellwangen, wurde 888 Abt in Reichenau u. 891 auch Erzbischof von Mainz; als Kaiser Arnulf, dem er die Erhebung auf den erzbischöflichen Stuhl verdankte, 900 gestorben war, führte er während der Minderjährigkeit für Ludwig das Kind die Regentschaft[87] mit u. behielt seinen Einfluß auch unter Konrad I. In der Babenberger Fehde nahm er Partei gegen die Babenberger; für Kaiser Konrad I. stellte er dem Herzog Heinrich von Sachsen nach, indem er ihm bei einer Unterredung ein künstliches erdrosselndes Halsband umwerfen wollte, wurde aber, da der Goldschmied den Anschlag verrieth, von Heinrich seiner Besitzungen in Thüringen u. Sachsen beraubt. In der Kirche drang er auf strenge Kirchenzucht, suchte die geistliche Macht über die weltliche zu erheben u. vertrat die Rechtsansprüche deutscher Bischöfe gegenüber den Eingriffen des Papstes. Er st. 913; zu der Sage, der Teufel habe ihn geholt u. seine Leiche in den Ätna geworfen, gab seine Herrschsucht, Gewaltthätigkeit, Treulosigkeit in seinem politischen u. kirchlichen Wirken Veranlassung. 2) H. II., studirte in Fulda u. wurde hier 942 Abt; 961 begleitete er den Kaiser Otto I. nach Italien, wurde 968 Erzbischof von Mainz u. st. 969 (970); von ihm wird gewöhnlich die Sage erzählt, daß er den Mäusethurm bei Bingen erbaut habe u. wegen seiner Umbarmherzigkeit gegen die Armen darin von den Mäusen gefressen worden sei, s.u. Bingen. II. Bischöfe: 3) H. (Haito, Aito, Hetten), geb. 763, studirte im Kloster Reichenau, wurde Vorsteher der dortigen Schule u. 805 Bischof von Basel u. 806 zugleich Abt von Reichenau; 811 ging er als Gesandter Karls des Großen nach Constantinopel u. litt auf dem Rückwege Schiffbruch; 823 gab er seine Ämter auf u. lebte als Mönch in Reichenau, wo er 836 starb. Er schr.: De visione Wettini (von Walafrid Strabo in Verse gebracht), in Mabillons Acta Sanctorum; u. XXV capita (eine Art Pastoralanweisung), im 1. Bande von d'Acherys Spicilegium. 4) H., um die Mitte des 10. Jahrh. Bischof von Vercelli; er schr.: Statuta ecclesiae Vercellensis, De pressuris ecclesiasticis, Polypticus, Commentar zu den Paulinischen Briefen, Briefe u. Predigten, herausgegeben Vercelli 1768, 2 Bde.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 87-88.
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