Hannover

759. Hannover.
759. Hannover.
Nordwestdeutschland. I. (Karten) 1. Helgoland 2. Norderney 3. Oldenbg. 4. Lübeck 5. Schwerin 6. Hannover 7. Bremen 8. Wilhelmshav. 9. Prov. Sachsen
Nordwestdeutschland. I. (Karten) 1. Helgoland 2. Norderney 3. Oldenbg. 4. Lübeck 5. Schwerin 6. Hannover 7. Bremen 8. Wilhelmshav. 9. Prov. Sachsen

[758] Hannover, preuß. Provinz [hierzu Karte: Nordwestdeutschland I], 38.511 qkm, (1900) 2.590.939 E. (338.906 Katholiken, 20.640 Israeliten), zum größten Teil der norddeutschen Tiefebene angehörig, in Flußniederungen und Marschen fruchtbar, Lüneburger Heide unfruchtbar, bewässert von der Elbe, Weser und Ems mit zahlreichen Zuflüssen, Dümmersee, Steinhuder Meer. Haupterwerbszweig Ackerbau, mit Vieh-, bes. Pferdezucht; wichtig Tabak-, Textil-und Metallindustrie, im gebirgigen S. (Harz) Forstwirtschaft und Bergbau mit Hüttenbetrieb; in Ostfriesland Schiffbau, Seefischerei und blühender Handel, Universität (Göttingen), Technische Hochschule (Hannover), Bergakademie (Clausthal), Forstakademie (Münden). Oberlandesgericht in Celle, 9 Landgerichte. 6 Reg.-Bez.: H., Hildesheim, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Aurich. Oberpräsidium in H. Wappen: Weißes Roß in rotem Felde [Abb. 759]; Provinzialfarben gelb und weiß.

Geschichte. H. bildete früher einen Bestandteil der braunschweig. Erblande (s. Braunschweig, Herzogtum). Wilhelm der Jüngere, der mit seinem ältern Bruder Heinrich 1546 teilte, wurde der Stifter der Linie Braunschweig-Lüneburg, die bis 1866 in H. regierte. Erst mit Ernst August, der die Primogenitur einführte, 1692 zum Kurfürsten erhoben [758] ward und durch seine Vermählung mit der Enkelin Jakobs I. von England Anwartschaft auf den engl. Thron für sein Haus erwarb, ward H. bedeutender. Sein Sohn Georg Ludwig folgte ihm 1698 und bestieg 1714 als Georg I. den Thron von Großbritannien. Dessen Sohn Georg II. (1727-60) verwickelte durch seinen Bund mit Friedrich d. Gr. das Land in den Siebenjähr. Krieg. Unter seinem Sohne, dem ganz engl. Georg III. (1760-1820), lag die Regierung tatsächlich in den Händen des Adels. 1803 wurde H. von den Franzosen besetzt, 1806 an Preußen abgetreten, 1807 ward ein Teil, 1810 der Rest zum Königr. Westfalen geschlagen, 4. Nov. 1813 trat die brit. Regierung wieder ein. H. wurde auf dem Wiener Kongreß 1814 zum Königreich erhoben und durch Ostfriesland, Meppen, Lingen und das nördl. Eichsfeld vergrößert. Georg IV. (1820-30) ließ die Verwaltung H.s in den Händen des Grafen Münster, der 1819 gegen die Wünsche des Landtags eine Verfassung mit dem Zweikammersystem einführte; unter Wilhelm IV. (1830-37) brachen daher 1831 Unruhen aus, die den Sturz des Grafen Münster und die Erhebung des Herzogs von Cambridge zum Vizekönig von H. zur Folge hatten; die Stände beschlossen ein neues Staatsgrundgesetz, das 26. Sept. 1833 publiziert ward. Als 20. Juni 1837 die brit. Krone der weiblichen Linie zufiel, wurde H. von England wieder getrennt, Ernst August, Herzog von Cumberland, bestieg den hannov. Thron; dieser rief durch Aufhebung der Verfassung von 1833 einen Verfassungsstreit hervor; erst 6. Aug. 1840 kam eine neue Landesverfassung zustande, die 1848 in liberalem Sinne umgestaltet wurde. 1851 trat H. dem Zollverein bei. Auf Ernst August folgte 18. Nov. 1851 sein blinder Sohn als Georg V., der 1. Aug. 1855 unter Mitwirkung seines Ministers Vorries die Verfassung von 1840 wieder oktroyierte, worauf die ärgste Reaktion folgte. Im Konflikt Preußens mit Österreich stimmte H. in der Bundestagssitzung vom 14. Juni 1866 für den österr. Mobilisierungsantrag, und als es das preuß. Ultimatum vom 15. Juni ablehnend beantwortete, überschritten die Preußen die hannov. Grenze und rückten 17. Juni in die Hauptstadt ein. Trotz des siegreichen Treffens bei Langensalza (27. Juni) mußten die hannov. Truppen die Waffen strecken. Durch den Frieden von Prag (23. Aug.) fiel H. an Preußen, vergebens protestierte Georg V. 23. Sept.; auf Grund des Gesetzes vom 20. Sept. 1866 erfolgte 3. Okt. die Besitzergreifung H.s, in welchem 1. Okt. 1867 die preuß. Verfassung in Kraft trat. Nach Georgs V. Tod (12. Juni 1878) hielt sein Sohn Ernst August, Herzog von Cumberland (s.d.), die Thronansprüche auf H. aufrecht. – Vgl. Geschichte von Heinemann (3 Bde., 1884-92), Köcher, 1648-1714 (Bd. 1 u. 2, 1884-96), Thimme, 1806-13 (2 Bde., 1893-95), E. von Meier, 1680-1866 (2 Bde., 1898-99), von Hassell (1894-1901).

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 758-759.
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