Maria, Mutter Jesu

[64] Maria, Mutter Jesu, die Mutter Jesu. Nur Weniges ist es, was uns die Bibel über die Mutter Jesu berichtet, aber auch das Wenige ist hinreichend, Verehrung gegen dieselbe einzuflößen. Sie stammte aus einer verarmten Familie der Nachkommen David's und war als Jungfrau an einen Zimmermann, Namens Joseph, verlobt. Da trat einst ein Engel des Himmels zu ihr und brachte ihr die[64] Botschaft, daß ihr Wandel Gott wohlgefällig und sie auserkohren sei, einen Sohn zu gebären, der ein Sohn des Höchsten heißen, und der erwartete Messias, der Erlöser seines Volkes werden solle. In unschuldiger Jungfräulichkeit erschrack Maria über die Nachricht und erwiderte in der Erschütterung ihres Herzens: »Wie soll das zugehen, da ich von keinem Manne weiß?« Beruhigt durch die Hindeutung auf die Allmacht Gottes, welche selbst bei ihrer betagten, allgemein für unfruchtbar gehaltenen Freundin Elisabeth das scheinbar Unmögliche wahr gemacht und ihr die Hoffnung einer nahen Niederkunft gegeben habe, rief sie im frommen Gottvertrauen und in kindlicher Ergebung aus: »Ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast.« In ihrer jungfräulichen Bescheidenheit war ihr Geist mächtig angeregt worden, und in freudiger Begeisterung strömte ihr Gefühl, bei dem Zusammentreffen mit der Elisabeth über in einen Lobgesang auf den Herrn, der sie zu so Hohem ersehen. Heilige Wonne durchglühte ihr ganzes Wesen bei dem Gedanken an den Segen, der durch sie der Menschheit kommen sollte. Die Ereignisse bei ihrer Niederkunft, der Segen des frommen Simeon im Tempel gaben ihr Bestätigung ihres frommen Ahnens, ihrer süßesten Hoffnung. Sie war ihrem Sohn überall nur zärtlich besorgte Mutter. Daher machte sie ihm auch keine Vorwürfe, wie er als zwölfjähriger Knabe im Tempel zu Jerusalem zurückblieb. Nur seine kindliche Liebe will sie anregen, wenn sie spricht: »Mein Sohn, warum hast du uns das gethan?« Als Jesus sein Lehramt angetreten hatte, folgte sie ihm wahrscheinlich auf seinen Reisen, denn wir treffen sie öfterer bei ihm. Dabei fügte sie sich willig in den Gedanken, daß er der Welt mehr angehöre, als ihr und seinen Verwandten. Ihr Schmerz fand keine Worte, als sie unter dem Kreuze des Heißgeliebten stand. Hier finden wir sie auch zum letzten Male, an der Seite des Jüngers Johannes, dem sie Jesus als Mutter empfahl. Seit dem 4. Jahrhundert finden sich Spuren von der Verehrung der heiligen Jungfrau,[65] der Himmelskönigin. – Wir übergehen die Streitigkeiten, welche in verschiedener Hinsicht über die Maria geführt worden sind, glauben aber, daß sie wegen der Unschuld und Jungfräulichkeit ihres himmlisch-reinen Gemüthes für alle Zeiten Verehrung verdient. Denn ihrem Schooße ist der Meister entsprossen, der Heil, Leben und Seligkeit über alle Geschlechter gebracht hat. – Die evangelische Geschichte erwähnt noch mehrerer Frauen, welche den Namen Maria führten. 1) Die Schwester des Lazarus in Bethanien, die gelehrige Schülerin Jesu. 2) Maria von Magdala, welche Jesus von einer Krankheit geheilt hatte. Dafür begleitete sie ihn nun überall. Sie weinte unter seinem Kreuze, sie war bei seiner Beerdigung, sie sah ihn zuerst am Auferstehungsmorgen. Sie darf aber nicht mit Maria, der Sünderin zu Nain, verwechselt werden. 3) Maria, die Mutter des Apostels Jakobus, des Cleophas Frau. 4) Maria, die Schwester der Mutter Jesu. Sie war ebenfalls mit unter dem Kreuze und bei dem Grabe Jesu.

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Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 7. [o.O.] 1836, S. 64-66.
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