Afrikanische Gesellschaften

[157] Afrikanische Gesellschaften, Vereine, die sich die Erforschung Afrikas, namentlich des noch unbekannten Innern, zur Aufgabe machen. Der erste Verein dieser Art war die 1788 gegründete Association for promoting the discovery of the interior ot Africa in London, die zahlreiche Forschungsreisende (Layard, Mungo Park, Hornemann u.a.) aussandte. Aus ihm ging 1830 die Londoner Geographische Gesellschaft hervor. In Berlin bildete sich 19. April 1873 die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung Äquatorialafrikas, die sich 28. April 1878 mit dem am 18. Dez. 1876 in Berlin gegründeten Nationalkomitee zur Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland vereinigte und mit Unterstützung des Reiches viele Forscher (Güßfeldt, Lenz, Pogge, Schütt, Buchner, Wissmann, Kund, Tappenbeck, Wolf, Büttner, Flegel, Rohlfs und Stecker, Kaiser, Böhm und Reichard) aussandte und unterstützte. Die Gesellschaft gab ein »Korrespondenzblatt« (1873–78) und »Mitteilungen« (1878–89) heraus. 1891 löste sie sich auf, da das Reich die bislang bewilligten Mittel selbst zu verwenden beschloß. Auf Anregung des Königs der Belgier wurde 1876 zu Brüssel die Commission internationale d'exploration et de civilisation de l'Afrique gegründet, die außer wissenschaftlicher Forschung auch Handel und die Unterdrückung des Sklavenhandels in ihr Programm aufnahm. Daneben entstanden nationale Komitees in den meisten Staaten Europas. Unabhängig von der Internationalen Kommission bestehen in Italien die Società d'esplorazione commerciale in Africa zu Mailand (seit 1879) und die Società africana d'Italia zu Neapel (seit 1880). Das von der Londoner Geographischen Gesellschaft begründete African Exploration Fund Committee wurde 1880 aufgelöst. Dagegen konstituierte sich 1890 in Paris das Comité de l'Afrique centrale zur Verbindung der französischen Besitzungen am Mittelmeer mit Französisch-Kongo.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 157.
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