Mazeppa

[491] Mazeppa, Iwan Stepanowitsch, Kosakenhetman, geb. um 1640 in Mazepintzi (Gouv. Kiew), gest. 22. Sept. 1709 in Bender, kam als Page an den Hof des Königs Johann Kasimir von Polen. Aus Eifersucht ward er von einem polnischen Magnaten 1663 nackt auf den Rücken seines eignen Pferdes gebunden und von diesem übel zugerichtet nach der Ukraine gebracht, wo er bald zum Sekretär und Adjutanten des Kosakenhetmans Iwan Samoilowitsch und nach Entsetzung desselben im Juli 1687 einhellig vom Volke zum Hetman erwählt wurde. Mit Geschick befestigte er seine Macht und schützte die Grenzen gegen die Anfälle der Türken und Tataren. Als Peter d. Gr. gegen die Türken zog, leistete ihm M. wichtige Dienste. Wiederholt wurde er einer rebellischen Gesinnung gegen Rußland beschuldigt, aber Peter hatte unbegrenztes Zutrauen zu M. Bald aber suchte sich M. unabhängig zu machen. Zwar zog er noch 1704 und 1705 gegen die Schweden und Leszczynskis Anhänger; nach dem Frieden von Altranstädt aber erbot er sich Karl XII., zur polnischen Partei überzutreten, wenn ihm schwedischer Schutz zugesagt würde. Jedoch brachte er kaum 7000 Mann zusammen (im Oktober 1708). Menschikow vernichtete seine bisherige Residenz Baturin. Karl zog durch Mazeppas Geschicklichkeit die Saporogischen Kosaken in sein Interesse. Allein die Schlacht bei Poltawa vernichtete Mazeppas letzte Hoffnungen, und er entfloh mit dem[491] König nach Bender. Lord Byron hat ihn zum Helden eines seiner schönsten Gedichte, Bulgarin zum Helden eines Romans, Gottschall zu dem eines Dramas gemacht, Horace Vernet ihn durch zwei Gemälde verherrlicht. Vgl. Umanez, Der Hetman M. (russ., Moskau 1897).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 491-492.
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