Saint-Saëns

[450] Saint-Saëns (spr. ßäng-ßāng), Charles Camille, Organist, Klavierspieler und Komponist, geb. 9. Okt. 1835 in Paris, erhielt seine Ausbildung am Konservatorium durch Stamaty, Benoît, Maleden und Halévy, wurde 1855 Organist an St.-Méry und 1858 an Ste. – Madeleine, gab jedoch um 1870 diese Stellung sowie seine Lehrtätigkeit an der Niedermeyerschen Kirchenmusikschule auf, um sich ausschließlich der Komposition zu widmen. Es gelang ihm früh, sich unter den französischen Komponisten der Gegenwart eine der ersten Stellungen zu erringen, besonders als Instrumentalkomponist; namentlich erlangten seine symphonischen DichtungenLe rouet d'Omphale«, »Phaëthon«, »Danse macabre«, »La jeunesse d'Hercule«) eine weit über Frankreichs Grenzen hinausreichende Popularität. Auch mehrere seiner Konzerte (5 Klavierkonzerte, 3 Violinkonzerte, ein Konzertstück und Havanaise für Violine, Cellokonzert, Flötenromanze, Tarantelle für Flöte, Klarinette und Fagott) und größere symphonische Werke (3 Symphonien, 2 Suiten) und Kammermusikwerke (Trompetensextett,[450] Klavierquintett, 2 Quartette) haben seinen Namen in den deutschen Konzertsälen heimisch gemacht. Auch erwarb er sich durch zahlreiche Reisen den Ruf eines vorzüglichen Klavier- und Orgelvirtuosen. Als Opernkomponist hat er zwar eine Anzahl mittlerer Erfolge aufzuweisen (große Opern: »Simson und Dalila«, Weimar 1877; »Etienne Marcel«, Lyon 1879; »Heinrich VIII.«, Paris 1883; »Proserpina«, 1887; »Ascanio«, 1890; »Frédégonde«, 1895; »Les Barbares«, Paris 1901; »Parysatis«, 1902 im antiken Theater zu Beziers; »Andromaque«, Paris 1900; auch Musik zu Gallets »Déjanire«, Paris 1898; komische und lyrische Opern: »La princesse jaune«, 1872; »Le timbre d'argent«, 1877; »Phryne«, 1893; Ballett »Iavotte«, Brüssel 1896; »Le création d'Hélène«, Monte Carlo 1904), doch hat keins dieser Werke nachhaltig gewirkt. Meyrere Messen, ein Requiem, Oratorium (Le déluge) und ein weltliches Chorwerk: »La lyre et la harpe«, sind noch ergänzend zu nennen. Durch seine Beiträge zu der Zeitung »Voltaire« (gesammelt u. d. T.: »Harmonie et mélodie«, 1885; deutsch von Kleefeld, 2. Aufl., Berl. 1905) hat er sich auch als geistvoller Musikkritiker ausgezeichnet. Außerdem erschienen von ihm: »Rimes familières« (1886, neue Ausg. 1902); »Notes sur les décors de théâtre dans l'antiquité romaine« (1886), »Problèmes et mystères« (1894), »Portraits et souvenirs« (1900), »Essai sur les lyres et cithares antiques« (1902, in der Akademie) u.a. Seit 1881 ist S. Mitglied der Akademie der schönen Künste. Vgl. Neitzel, Camille S. (Berl. 1899); E. Baumann, L'œuvre de Camille S. (Par. 1905).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 450-451.
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