Suēven

[187] Suēven (Sueben, Sweben), german. Völkerbund, der die an der Elbe und Havel wohnenden, weniger von Ackerbau als von Jagd und Viehzucht lebenden kriegerischen, wanderlustigen Stämme umfaßte. Cäsar, der die nach Gallien eingedrungenen S. unter Ariovist 58 v. Chr. besiegt hatte, begreift unter diesem Namen die hinter den Ubiern und Sigambern wohnenden Germanen und berichtet, daß sie 100 Gaue mit je 10,000 streitbaren Männern gezählt, aber sich bei seinem Rheinübergang weit, nach dem Wald Bacenis, zurückgezogen hätten. Sie sollen keine festen Wohnsitze gehabt haben, sondern alljährlich zum Teil auf kriegerische Unternehmungen ausgezogen sein. Tacitus nennt das ganze östliche Germanien von der Donau bis zur Ostsee Suevia. Die Hermunduren gelten ihm als das vorderste, die Semnonen als das angesehenste, die Langobarden als das kühnste unter den suevischen Völkern. Der Dienst der Nerthus (Hertha) war allen S. gemeinschaftlich. Der Markomanne Marbod vereinigte suevische Völker unter seinem Zepter; noch zu Markaurels Zeiten werden Markomannen und Quaden als S. bezeichnet. Kern und Überrest des alten Suevenbundes waren nun die Alemannen. In der Zeit der Völkerwanderung beschränkte sich der Name S. auf die Semnonen. Ein Teil von ihnen nahm 406 an dem Zug des Radagaisus teil. 409 drangen sie mit Wandalen und Alanen[187] über die Pyrenäen und breiteten sich unter Rechila nach Süden über Lusitanien und Bätica aus. Rechilas Sohn Rechiar verlor 456 gegen den westgotischen König Theoderich II. Sieg und Leben, und sein Nachfolger Remismund erkannte die Oberhoheit des Westgoten Eurich an. König Theodemir trat vom Arianismus zum Katholizismus über. 585 ward das suevische Reich dem westgotischen einverleibt. In Deutschland hat sich der Name S. in dem der Schwaben erhalten; einen Gau Svevon südlich von der Bode gab es noch im 13. Jahrh.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 187-188.
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