Abd-el-Kader

[20] Abd-el-Kader (El Hadschi A.- e.-K. Ubid-Mahiddin), geb. 1807 in der Ghetna (Unterrichtsanstalt) bei Maskara, stammt aus einer Priesterfamilie, die ihr Geschlecht bis auf die fatimit. Khalifen zurückführt, Sohn des Sidi Mahiddin u. der Zora, wurde zum Marabut erzogen u. machte, erst 8 Jahre alt, eine Pilgerreise nach Mekka, besuchte 1827 Ägypten u. studirte zu Fez die Wissenschaften. Bei der Eroberung Algiers durch die Franzosen wählten die Araber seinen Vater zu ihrem Feldherrn, dieser übergab jedoch diese Würde bald seinem Sohne. Wie er mit Muth u. Klugheit seit 1830–34 seine Landsleute führte, s. Algier (Gesch.). Durch den Vertrag vom 26. Febr. 1834 mit den Franzosen wurde er Sultan von Maskara u. durch den Sieg über Schech Mussa el Darkui bei Hausch-Amara auch Sultan von Oran u. Titeri. Seine große Macht brachte ihm neuen Krieg mit den Franzosen, welcher in dem Frieden an der Tafna den 30. Mai 1837 beendigt wurde, s. Algier (Gesch.). Den Frieden mit Frankreich benutzte er zur Erweiterung seiner Herrschaft in der Wüste u. unter den Kabylen. Im Nov. 1839 begann er von Neuem den Krieg mit den Franzosen, welcher nach mannigfaltigem Wechsel, u. nachdem auch der Kaiser von Marokko am Kampfe gegen ihn Theil genommen hatte, mit seiner Ergebung an den franz. General Lamoricière am 23. Dec. 1847 am Passe von Kerbens endigte, s. Algier (Gesch.). Was ihm Lamoricière u. der Herzog von Aumale als Bedingung seiner Ergebung bewilligt hatten, daß er nach Ägypten od. Syrien übergesiedelt werden sollte, wurde ihm von der franz. Regierung nicht gehalten, sondern er wurde nach seiner Ankunft in Toulon am 29. December mit den Seinen erst in das dortige Fort Lamalgue, dann Ende April 1848 nach dem Schlosse zu Pau in Bearn gebracht. Im Dec. 1852 von dem Kaiser Ludwig Napoleon freigelassen, schiffte er sich mit seinem Gefolge in Marseille ein u. ging nach Brussa, wo er, ganz zurückgezogen lebend, sich der Wissenschaft, der Dichtkunst u. der Erziehung seiner Kinder widmete; in Folge des Erdbebens 1855 verließ er diese Stadt u. wendete sich nach Damask. Lebensbeschreibungen von Delacroix, Par. 1845, von Laménaire, 1848, u. von Bautruche, 1848.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 20.
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