Sarg

[929] Sarg, 1) Behältniß, in welchem ein Leichnam in die Erde begraben od. in einer Gruft beigesetzt wird. Bei Völkern, bei denen das Einbalsamiren gewöhnlich war, wie bei den Ägyptiern, hatte man Särge von Sykomorenholz, od. eine Art Futterale aus Zeug, welche nach der Gestalt der Mumie gearbeitet waren u. das Gesicht der Leiche, mit einer Maske bedeckt, frei ließen. Diese Särge wurden nun in größere Steinsärge, Sarkophage, gelegt, welche meist aus Kalkstein, seltener aus Marmor od. Basalt, für Könige u. Priester von Granit waren, innen u. außen mit Hieroglyphen u. Bildern religiöser Bedeutung. Wenn bei den Griechen u. Römern die Leichen unverbrannt begraben wurden, so wurden sie zuweilen in einem steinernen Sarkophag (s.d.) eingeschlossen, so soll in einem solchen der König Numa Pompilius unter dem Janiculus beigesetzt worden sein. Solche Steinsärge wurden gewöhnlich seit der Kaiserzeit in der Form von viereckigen Kisten u. mit Reliefs geschmückt auf die Monumente gesetzt. Die Reliefs auf Särgen sind Darstellungen aus der Götter- u. Heldensage, bes. aus der des Dionysos u. Prometheus, außerdem Kämpfe, Jagden, Triumphzüge etc. Von den auf unsere Zeit erhaltenen Sarkophagen sind bes. berühmt der sogenannte Sarkophag Homers im Besborodkoschen Garten in Petersburg, der Sarkophag Alexanders d. Gr., aus der Kirche des St. Athanasios in Alexandria im Britischen Museum. Übrigens hieß bei den Griechen ein S. Soros od. Larnax, bei den Römern Sarcophagus, Arca, Loculus, Capsa, Capulus. Im Mittelalter kamen für Große die metallenen Särge aus Kupfer, Zinn, Blei, für Fürsten auch wohl aus Silber bestehend,[929] auf, welche dann wieder in hölzerne gesetzt wurden. Sie sind mit niedrigen Füßen, auf dem Deckel mit Schnitzwerk, an den Seiten mit Blechschildern u. Handhaben versehen. Die gewöhnlichen Holzsärge sind länglich viereckig u. mit brauner od. schwarzer, zuweilen auch weißer Farbe angestrichen. In England sind die Särge oben ganz flach, haben also die Form von Druhen. In Deutschland sind an mehren Orten Sargmagazine errichtet, wo Särge von verschiedener Größe unter Aufsicht der Behörde zu festbestimmten Preisen verkauft werden. 2) (Hüttenw.), ein Dach beim Hohofen, unter welchem die Arbeiter ruhen, welche auch bei Nacht das Einschütten des Erzes u. der Kohlen besorgen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 929-930.
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