11. Die alexandrinische Komödie und Posse

[273] Dunkel ist die Geschichte des Theaters von Alexandria; wir wissen aber, daß daselbst alle Gattungen, sogar noch das Satyrdrama654, nachgeahmt wurden. Für die Komödie sind wir auf bloße Nachrichten angewiesen, und zwar solche, die nicht einmal von wirklichen Komödien, sondern von dramatisch gestalteten Satiren oder von Phlyakenpossen handeln. So mag eine völlig literarisch erzeugte Komödie der Mnesiptolemos des Epinikos gewesen sein, eine Satire auf den gleichnamigen mächtigen Geheimschreiber Antiochos des Großen655, ein Phlyakograph dagegen war Sopatros656, der unter Alexander und noch bis auf Ptolemäos Philadelphos lebte. Seine Stücke, über deren Inhalt nicht viel zu ermitteln ist, heißen auch Parodien und waren wahrscheinlich bloß zum Lesen bestimmte dramatische Pasquille. Auch die zur Zeit des Ptolemäos Lagi aufgekommene Hilarotragödie gehört hieher, welche vielleicht nicht wie die mittlere Komödie das komische Auftreten mythischer Personen und Götter zum Gegenstand hatte, sondern die wirklich tragischen Ereignisse des Mythus possierlich wiedergab657. Deutlich wird uns als Komödiendichter nur Machon aus Sikyon genannt, der seine Stücke in der Zeit nach der Pleias in Alexandria zur Aufführung brachte658. Sonst gab in der Komödie jedenfalls Athen lange noch den Ton an und blieb für dieselbe die selbstverständliche oder doch weit vorherrschende Lokalität.

Was nun aber die diadochische Zeit im allgemeinen betrifft, so herrschte dionysisches Treiben überall, sowohl an den Höfen als in den Hauptquartieren[273] als in den Städten. Überall, wohin Griechen kamen und man die Mittel aufbringen konnte, wurden Theater gebaut, und die Aufführungen wurden von großen Vereinen »dionysischer Künstler« unternommen, die ihre Zentralstätte in Teos hatten; das Agonale samt den Choregien aber war vom Theater verschwunden. Durch die dionysischen Künstler lebte die neuere Komödie weiter, freilich mit der Zeit wohl nur in ihren namhaftesten Vertretern, und daneben mag die Posse eine große Rolle gespielt haben. Es war nicht das am meisten Moralische, was man so den Ägyptern, Syrern und Kleinasiaten brachte, und Polyb hielt es für das Auflösende schlechthin und braucht für das Treiben der Schauspieler, Dekorateure, Sänger usw. das harte Wort von der ionischen und schauspielerischen Zügellosigkeit659, das seinen Grund gehabt haben wird. Allein, wenn irgend etwas die Griechen im weiten Orient vom Strand des Nils bis hinauf zum Tigris und Indus zusammenhielt, so war es das Theaterwesen. Die Schaulust war etwas, das jeder mitbrachte, und wie das Schauspiel für die Griechen das Verbindende war, so war es für die Orientalen das Anlockende, wobei Mythologie und Kunst unwillkürlich mitgingen. So möchte gerade diese schauspielerische Zügellosigkeit das Panier und Feldzeichen der weit herum zerstreuten Griechen gewesen sein.

In der römischen Kaiserzeit, als von der Tragödie nur noch die festen (d.h. iambischen) Teile aufgeführt wurden660, scheinen wenigstens während der zwei ersten Jahrhunderte noch vollständige Aufführungen von Komödien stattgefunden zu haben; vom dritten an scheinen sie größtenteils durch den Pantomimus verdrängt worden zu sein, von dessen Glanz uns Apulejus in seiner Schilderung des »Paris auf dem Ida«661, die lebhafteste Vorstellung gibt.[274]


Fußnoten

1 Dürftig lautet dagegen die Meinung des Sokrates in der platonischen Apologie, 22, c: die Dichter schüfen οὐ σοφίᾳ τινὶ ἀλλὰ φύσει καὶ ἐνϑουσιάζοντες und wüßten, wie die Manteis, gar nicht, was sie sagten.

2 Bei den Juden zieht freilich nur die Rauchsäule, d.h. der Opferaltar voran.

3 Vgl. Band II, S. 35.

4 Vgl. Bion, Id. III, 7 Ὡς εὗρεν πλαγίαυλον ὁ Πὰν, ὡς αὐλὸν Ἀϑάνα, ὡς χέλυν Ἑρμάων, κίϑαριν δ᾽ ὡς ἁδὺς Ἀπόλλων.

5 Ἀνϑρώπων τλημοσύναι, Hymn. Hom. in Apoll. 186 f. Nach Apollodor III, 5, 8 hat auch die Sphinx ihr Rätsel nicht selber erfunden, sondern von den Musen gelernt.

6 Plut. de cohib. ira 6. Alkib. 2. Athen. XIV, 7.

7 Pausan. X. 30, 5.

8 Ein später, gehörig hyperbolischer Preis des echten Gesanges im Mythus findet sich Antonin. Lib. 9: Als die neun Töchter des Pieros im Wettstreit mit den Musen auf dem Helikon sangen, wurde alles dunkel, und nichts achtete auf ihren Reigen; bei den Musen aber stand der Himmel still und Sterne und Meer und Flüsse, und der Helikon, bezaubert von der Wonne, stieg empor bis in den Himmel, bis auf Poseidons Geheiß Pegasos diesem ein Ende machte, indem er mit dem Huf auf den Gipfel schlug.

9 So Apollodor III, 10, 2.

10 Dies Prellers Annahme, Griech. Mythol. II, 340.

11 Il. II, 594 ff.

12 Philipp der Blinde, der die sämtlichen Gedichte der Serben auswendig wußte, starb 1833 unweit Semlin. Auch in der Vita Homeri gebiert Kritheis ihren Melesigenes τυφλὸν ἀλλὰ δεδορκότα; er wird erst später in Kolophon infolge einer Krankheit blind.

13 Sänger und Seher sind überhaupt Wechselbegriffe. – Hymn Hom. Ap. Del. 172 f. bezeichnet sich ein später Homeride als τυφλὸς ἀνὴρ, οἰκεῖ δὲ Χίῳ ἐν παιπαλοέσσῃ, τοῦ περ καὶ μετόπισϑεν ἀριστεύσουσιν ἀοιδαί.

14 O. Müller weist, Lit.-Geschichte S. 39 ff., der ersten Klasse den Olen, Philammon und Chrysothemis zu, der zweiten die Eumolpiden, Lykomiden, Pamphos, Musäos und Orpheus, der dritten den Marsyas, Olympos und Hyagnis.

15 Vgl. O. Müller, S. 44 f.

16 Vgl. O. Müller S. 139.

17 Hesiod. Theog. 22 ff. – Eine Seitensage ist die von dem lydischen Karios, dem Schüler der dortigen Musen-Nymphen, der aber von ihnen, als er um einen See herumschweifte, nur im allgemeinen die Musik lernte und den Lydern mitteilte. Nikol. Damasc. fragm. 17 (Dindorf I, p. 19).

18 Theog. 57 gebiert sie ihre Mutter Mnemosyne dem Zeus als λησμοσύνην τε κακῶν ἄμπαυμά τε μερμηράων.

19 Über die rhythmische Gelenkigkeit des Griechischen vgl. die bekannte Stelle Aristot. Poet. IV: πλεῖστα γὰρ ἰαμβεῖα λέγομεν ἐν τῇ διαλέκτῳ τῇ πρὸς ἀλλήλους, ἑξάμετρα (al. τετράμετρα) δὲ ὀλιγάκις καὶ ἐκβαίνοντες τῆς λεκτικῆς ἁρμονίας (in erregtem Tone). Die Rede ging offenbar leicht in ein Metrum über.

20 Über diese älteste Poesie vgl. Band II, S. 33 f. – Es gab noch spät gewiß uralte Reste von Hymnen volkstümlicher Art. Ein solcher war der von Herodot IV, 35 angeführte Hymnus, den die Weiber auf Delos beim Gabensammeln sangen und worin die Hyperboreerinnen Arge und Opis genannt waren, gedichtet von dem Lykier Olen, der auch die andern alten Hymnen schuf, die man auf Delos sang. Vgl. auch die Anrufung des Dionysos durch die elischen Frauen mit dem Refrain ἄξιε ταῦρε, Plut. Quaest. Graec. 3 b u.a.

21 Später fingierte man aus ihm den oben (S. 60) genannten Sänger. – Varianten sind die Sagen von Ialemos, Skephros, Lityerses, Bormos, Hylas, samt Adonis; vgl. O. Müller, Lit.-Gesch. I, S. 30.

22 Dies sind die ἐαρινοὶ παιᾶνες. – Auch der Päan bei Tische, unmittelbar nach der Spende, bevor das Symposion begann, ist zu erwähnen.

23 Sehr auffallend ist, daß Odyss. VIII, 256 ff. Demodokos zum Tanz der Jünglinge seine Geschichte von Ares und Aphrodite singt.

24 Die Krähen gelten für ehelich sehr treu, Älian, Hist. anim. III, 9. Vgl. auch das Krähen(bettel)lied des Phönix (um Ol. 118) bei Bergk, Anthol. lyr. S. 217.

25 Die orphischen Hymnen, welche Pausanias IX, 30, 5 f. für echt hält, waren wohl erst Machwerke aus der Zeit seit dem VI. Jahrhundert. – Ein besonderer Gesang mit Nachahmung der Stimme und Sprache aller Völker samt (kastagnettenartiger?) κρεμβαλιαστύς wird im homerischen Hymnus auf den delischen Apoll 162 erwähnt, vielleicht als Darstellung des Herumirrens der Leto bei allen Völkern.

26 Nach der bereits angeführten Stelle Odyss. XVII, 383 ff.

27 Vgl. oben S. 61 Anm. 13.

28 Vgl. die Aufzählung bei O. Müller Lit.-Gesch. S. 53. Eine wichtige Aussage enthält auch noch das certamen Homeri et Hesiodi bei Westerm. Biogr. S. 36. 40. 41, indem es nähere Umstände angibt. Hier wird eine fürstliche Leichenfeier des IX. Jahrhunderts bereits der Anlaß zu einem gymnischen und zugleich musischen Wettkampf (nicht bloß ῥώμῃ καὶ τάχει, sondern auch σοφίᾳ). – Vgl. auch Hesiod. fragm. 35.

29 Vgl. Talvj, Volkslieder der Serben S. XXI. – Bei Plut. Symposiaca IX, 1, 2 bittet bei einem Philosophengelage, da man schon stark debattiert, der Gastgeber einen Gast zur Lyra zu singen, und dieser singt die Stelle aus Hesiods Werken und Tagen V. 11 ff. οὐκ ἄρα μοῦνον ἔην ἐρίδων γένος.

30 Vgl. O. Müller S. 55 ff.

31 Pausan. X, 5, 4. Von Olen sagte die Sängerin Boio: πρῶτος δ᾽ ἀρχαίων ἐπέων τεκτάνατ᾽ ἀοιδάν.

32 στασιμώτατον καὶ ὀγκωδέστατον, Poet. 24, 5. – Über drei vermeintliche Ausartungen, die ἀκέφαλοι, λαγαροί und μείουροι Athen. XIV, 32.

33 Band II, S. 35 f.

34 Man muß bei diesem Worte nur nicht gleich an Schriftliches denken. Was einen Stand und einen besonderen Lebensberuf voraussetzt, ist eben Kunst, und diese epische Kunst war wahrhaftig schwer genug.

35 Ebenso mag es sich auch mit germanischer und nordischer Heldendichtung verhalten haben.

36 Ausgelassen, da nicht von Burckhardt, sondern Zusatz von Oeri.

37 Darüber, daß die Hörer doch am liebsten das Neueste, d.h. den Bericht vom zuletzt Geschehenen hörten, vgl. Odyss. I, 351 f.

38 Vgl. hierüber O. Müller, Lit.-Gesch. S. 63, wo alle möglichen Beweise für die späte Schriftlichkeit der homerischen Gedichte zusammengetragen werden.

39 Eur. Palam. fragm. 2, Theseus fragm. 7 mit der Beschreibung der sechs Buchstaben des Namens ΘΗΣΕΥΣ.

40 So nach Pausan. VIII, 20, 1 f. τὰ ᾀδόμενα εἰς τὴν Δάφνην als ein Kreis von Liedern. – Auch Wolfram von Eschenbach konnte weder lesen noch schreiben; aber sein Parzival hätte ihn nicht um ein Jahr überlebt, wenn er nicht etwa einem Schreiber diktiert worden wäre.

41 Vgl. Max Müller, Gesch. der Religionen S. 176-185.

42 Lukian, Demosth. encom. 9 χρόνον τὸν ἡρωικὸν ἢ τὸν Ἰωνικὸν (διδόασιν αὐτῷ).

43 Aus später, wenn auch noch vorrömischer Zeit ist dieser βίος das Werk eines kleinasiatischen Literaten, zum Teil offenbar geschrieben, um eine Anzahl von Fragmenten, die man nur noch als solche besaß, und von sehr wertvollen kleinen Gedichten, die man laut Tradition wohl oder übel für homerisch hielt;, in eine Art von biographischem Zusammenhang zu bringen. Der Autor bedient sich dabei der freiesten Fiktion, indem er den Sänger herumreisen läßt. Hie und da aber hat er offenbar alte lokale Sagen von Homers Auftreten an bestimmten Stellen in seine Erzählung verwoben. Auch bekommt von den Städten, welche sich um Homer stritten (bei Gellius Noct. Att. III, 11 sind es Σμύρνα, Ῥόδος, Κολοφὼν, Σαλαμῖν, Ἴος, Ἄργος, Ἀϑῆναι; doch gibt es auch andere Aufzählungen), hie und da eine einen Spott zu hören, weil sie ihn bei Lebzeiten verkannt hatten. Mit großem Eifer wird (c. 37) darauf beharrt, daß er kein Dorer und kein Ionier, sondern nur ein Äolier gewesen sei und gewesen sein müsse. Auffallend und von sonstiger griechischer Art völlig abweichend ist, daß alle mythische Verherrlichung Homers durch göttliche Abstammung, besonderen Götterschutz in der Jugend usw. mit einer wahren Absicht vermieden wird. Homer ist ein Bastard der allerarmseligsten Herkunft, der von einem gütigen Stiefvater dessen Schulmeisterei erbt. Die Schrift ist in einer Zeit entstanden, da es längst keine lebendigen Rhapsoden mehr gab, wohl aber Schulmeister, welche den Zöglingen den Homer beibrachten, und ganz als ein solcher tritt hier schon Homer selbst z.B. in Chios auf: διδασκαλεῖον κατασκευασάμενος ἐδίδασκε παῖδας τὰ ἔπεα (c. 25). Auch darin liegt eine recht absichtliche Prosa, daß der Autor immer wieder darauf zurückkommt, wovon Homer in den verschiedenen Zeiten und Tagen eigentlich gelebt habe. Schon in seiner Jugend nimmt ihn ein Leukadier auf Reisen und zahlt ihm dabei eine Besoldung, und später, schon erblindet, fällt der Arme (c. 15) einem schlimmen Schulmeister in die Hände, der ihn nötigt, ihm seine Gedichte gegen Lebensunterhalt abzutreten usw. – Wenn der Autor von einer volkstümlichen Ansicht, die damals in Ionien herrschte, bedingt war, so mag es die gewesen sein, daß man sich Homer schon arm, ja. als Bettler dachte. Zu einem Zauberer, wie in der Kaiserzeit bei Virgil, reichte es noch nicht; einen kleinen Ansatz allenfalls zum Wettermacher oder doch. zum Wetterpropheten finden wir c. 19. Auch in anderen βίοι kommt die uneheliche Geburt Homers vor, freilich auch die Erzeugung durch einen musischen Dämon (Bios II ὑπό τινος δαίμονος τῶν συγχορευτῶν Μούσαις). Nach andern wird er Pflegesohn, ja wirklicher Sohn des Maion, des Stammheros und Königs der Lyder (der nach Suidas mit den Amazonen nach Smyrna gekommen war) und also selbst Lyder. Wieder andere machen, was nicht befremden kann, den Flußgott Meles und die Nymphe Kritheis zu seinen Eltern und im certamen erfährt man, Kaiser Hadrian habe die Pythia gefragt und die Antwort erhalten: Homer sei ein Ithakesier und zwar Sohn des Telemachos und der Nestortochter Epikaste gewesen. Dies, heißt es, solle man für wahr annehmen, sowohl wegen dessen, der gefragt, als dessen, der geantwortet. – Eine merkwürdige Sage über die Erblindung gibt einer der βίοι (Westerm. Biogr. S. 31); er sei zu dem Grab Achills gekommen, habe darum gebetet, ihn in Waffen zu sehen und sei von dem Glanze der Waffen geblendet worden, habe aber bei Thetis und den Musen Mitleid gefunden.

44 Worte O. Müllers, Lit.-Gesch. I, S. 137.

45 Ebenda S. 144.

46 Proklos bei Westermann, Biogr. S. 26: τοσαῦτα γὰρ καὶ εῖδεν ἄνϑρωπος ὅσ᾽ οὐδεὶς πώποτε.

47 Lit.-Gesch. I, 108-111.

48 So O. Müller a.a.O.S. 69. – Noch Kinäthos in der 69. Olympiade war ein Homeride. Über den Anspruch von Chios auf Homer, weil dort noch Homeriden von seinem Geschlechte lebten, vgl. Strabo XIV, 1, 35, p. 645. Freilich die Smyrnäer hatten laut ebd. 37 p. 646 ihr Ὁμήρειον, eine vierseitige Halle mit dem Tempel Homers, und auch eine Münze hieß bei ihnen Homereion.

49 Nach Heraklides Ponticus empfing er sie auf Samos von den Nachkommen des Kreophylos.

50 S. Band II, S. 290 f.

51 Womit nicht ausgeschlossen ist, daß hie und da einmal im attischen Interesse auch ein Vers hineinpraktiziert wurde.

52 Über das Verhalten des Lykurg, Peisistratos und Onomakritos zu den Gedichten vgl. auch Bähr bei Pauly III, 1432 ff. – Peisistratos läßt ein Epigramm (bei Westermann, Biogr. S. 29) sagen: ὃς τὸν Ὅμηρον ἤϑροισα, σποράδην τὸ πρὶν ἀειδόμενον. – Die Aufzeichnung kann nur auf Pergament geschehen sein. Noch Pherekydes erhielt keinen Papyrus aus Ägypten und schrieb auf Schaffell (διφϑέρα). Schon zu Herodots Zeit hatten dann die einzelnen Abenteuer ihren besondern Namen; so heißt es von des Paris Irrfahrt II, 116, Homer gedenke derselben ἐν Διομήδους ἀριστείῃ.

53 Lit.-Gesch. I, S. 86.

54 Unnütze Fragen sind, warum denn den Griechen so vieles, wie z.B. die von Nestor (II, 363) angeratene große Musterung und besonders der Bau des Walles erst im zehnten Jahre einfalle und was sie voraussetzlich in den vorherigen neun Jahren müßten getan haben? Dies alles kann dem Leser, könnte aber nie dem Hörer einfallen.

55 Eine Zutat von Sängern, welche das Ganze des Gedichtes nicht im Gedächtnis hatten, und die daher im Widerspruch mit dem übrigen Gedichte steht, ist der Schiffskatalog im zweiten Buche. Auf historische Genauigkeitmacht er übrigens vielleicht keine stärkeren Ansprüche als irgendeine Aufzählung von achäischen und troischen Helden, wie sie einander umbringen, und daß z.B. Korinth und Sikyon dem Agamemnon Heeresfolge leisten, braucht nicht im mindesten historisch zu sein. Auch die Berechnung der Schiffe und Mannschaften ist jedenfalls nur sehr obenhin angestellt. Wenn irgendein besonderer Grund für Einzelnennungen soll erraten werden, so wäre es der Consensus einer Anzahl von Aöden, neben den nicht zu umgehenden Hauptstädten, diejenigen Orte zu nennen und durch schöne Epitheta auszuzeichnen, wo sie wohl waren empfangen worden. Auch kann der Schiffskatalog bei den einzelnen Rhapsoden sehr verschieden gelautet haben, und was wir jetzt besitzen, wäre dann eine Art von Auswahl, die sich (484 ff.) als Offenbarung durch die Musen gibt, womit es sehr ernst genommen scheint. Man muß sich vergegenwärtigen, daß die Griechen eine vom Gegenstand unabhängige Wonne des Aufzählens kannten, die uns ganz fremd ist. – Ähnlich wie mit dem Schiffskatalog steht es mit der Musterung der Troer.

56 Z.B. Il. VI, 20.

57 In der Schlacht von Fossalta (Secchia rapita, canto VI) reißt ihn die Erzählung ganze Seiten entlang hin, so daß er ernst pathetisch erscheint, bis dann wieder ein paar schrecklich barocke Übertreibungen zeigen, daß man es mit Burlesco zu tun hat.

58 Lukian, Demosth. encom. 7 (Ὁμήρου) τοῦ μεταξὺ τῆς ἀκμαιοτάτης μάχης διαλόγους ἀναπλάττοντος καὶ μύϑοις τὴν φορὰν σκεδαννύντος.

59 Vermutlich gab es ein ganzes großes, die lykische Stammsage darstellendes Gedicht, welches noch die Sage von Sarpedon mitenthielt.

60 Wir erinnern hier noch an die Vergleichung des Euphorbos mit einem Ölbaum (XVII, 53) und des Menelaos mit einem Löwen (ebd. 61), sowie des betrübten Patroklos mit einem weinenden Kinde (XVI, 7).

61 Die Bestattung Achills wird dann im letzten Buche der Odyssee nachgeholt, aber in einer bei aller Pracht offenbar später eingelegten Partie, wobei sich auch die spätere Denkweise mehrfach verrät. Die Rhapsoden mochten ein solches Prachtstück aus einem andern Gedicht, vielleicht einer Achilleis oder dergleichen, vorrätig haben. Die Geschichte vom Roß dagegen paßt in die Odyssee ganz gut und zwar in den Gesang des Demodokos (VIII, 500 ff.) – Über Beschränkung und Fülle des Stoffes der Ilias findet sich eine Erörterung zum hohen Ruhme Homers (gegenüber der Kompositionsweise der Kykliker) bei Aristoteles, Poetik 23. – Wir erinnern daran, daß auch von Achills Vorgeschichte in der Ilias kein Gebrauch gemacht ist.

62 Z.B. Il. II, 271 mit dem (278) nachfolgenden: ὣς φάσαν ἡ πληϑύς oder XII, 317, wo sich die Volksstimme der Lykier mit dem τις äußert. Vgl. in der Odyssee XVIII, 400, XXI, 361. 396, XXIII, 148. 152; auch das ἄλλος XXI, 401 und a.a.O.

63 Hesiod ist Hirte gewesen, aber durch die Weihe der Musen wird er gerade nicht bukolischer Dichter, sondern lehrhafter Theogoniker und Georgiker.

64 Sehr selten sind die mythischen Divergenzen zwischen den beiden Dichtungen. Friedländer nennt nur folgende: In der Ilias fahren die Winde nach eigenem Belieben und in der Odyssee stehen sie unter der Herrschaft des Äolos; dort ist Hephästos der Gemahl der Charis und hier der der Aphrodite, d.h. beidemale wird das Schönste zur Kunst gesellt.

65 Proklos bei Westermann, Biogr. S. 26 schließt aus der ἀνυπέρβλητος ἀκρίβεια τῶν πραγμάτων auf das vorgerückte Alter Homers.

66 Auch im XXI. Buch wird besonders der Haß gegen Antinoos gesteigert. Vgl. Vv. 85. 168. 288.

67 Recht bezeichnend ist Pindars Polemik gegen Homers angebliche Überschätzung des Odysseus, Nem. VII, 28 (Böckh 20). – Ferner ist bezüglich seines Charakters zu beachten, daß von seiner mit Arglist und böser Gewalttat erfüllten Vorgeschichte in der Odyssee so wenig Gebrauch gemacht wird als in der Ilias von der blutigen Vorgeschichte Achills.

68 Der heftige Wunsch, ein »Mehreres Wissender« in Sachen der Heimat zu werden, würde ihn ohne seine Veranstaltung auch zum Opfer der Sirenen gemacht haben, die dies XII, 184 ff. versprechen. Es ist der echte Durst des fernen Seefahrers nach Kunde von der Heimat.

69 Von Sophokles gab es dann einen Ὀδυσσεὺς μαι νόμενος.

70 Hier ist 271 auch ein Auszug aus einer Oedipodie.

71 Ohne eine Hilfe, wie sie Preller II, 333 gewährt, wäre nicht daraus klug zu werden.

72 Vgl. IV, 602, 605, 635, 845; VI, 103 der Taygetos und Erymanthos, XIX, 172 Kreta umständlich und genau.

73 Vgl. damit die spätere Ausmalung der Hyperboreer, besonders bei Pindar, Pyth. X, 41, wo sie frei von Krankheit, Alter, Mühe, Streit und Nemesis sind.

74 Apollonius Rhodius IV, 992 läßt dann schon die Argonauten umständlich hier verkehren. Daß sie Totenschiffer seien, ist nicht mit Welcker anzunehmen.

75 Vgl. z.B. den Schluß von Buch II, von 405 an.

76 Vgl. VIII, 111. XIII, 50.

77 De garrulitate 5.

78 Herodot V. 67.

79 Vollends unmöglich wäre die Konkurrenz durch irgendein lokales sikyonisches Gedicht gewesen. Die Argiver zeigten sich übrigens Homer dadurch dankbar, daß sie ihn bei jedem Staatsopfer, welchem Gotte es auch gelten mochte, neben Apollon einluden. Älian V.H. IX, 15.

80 Plut. Lyk. 4 legt sich dies auf seine Weise dahin zurecht, daß Lykurg bei ihm mit dem Vergnüglichen und Üppigen das Politische und Erzieherische glücklich gemischt gefunden habe.

81 Als Alkibiades in einer Knabenschule eine Rhapsodie Homers verlangte und der Lehrer sagte, er habe keine, mißhandelte er ihn körperlich. Älian V.H. XIII, 38.

82 An der wichtigen Stelle I, 2, 3, p. 15, wo es auch von den Lehrern zu Strabos Zeit heißt: καὶ μόνον ποιητὴν ἔφασαν εἶναι τὸν σοφόν.

83 Plut. Philop. 4 τῶν Ὁμηρικῶν ὅσα τὰς πρὸς ἀνδρείαν ἐγείρειν καὶ παροξύνειν ἐνόμιζε φαντασίας, τούτοις προσεῖχε.

84 Z.B. bemerkt Strabo VIII, 3, 8, p. 340, daß er in Wendungen wie ἀν᾽ Ἑλλάδα τε Φϑίην den Gebrauch habe, das Ganze und den Teil nebeneinander zu nennen.

85 Strabo XII, 1, 69, p. 616.

86 Ομηρικώτεροι, ebd. VIII, 3, 7, p. 339. Vgl. auch VIII, 3, 23, p. 348 über Homer als Hauptquelle.

87 Ebd. VIII, 3, 3, p. 337.

88 S.u.a. Diog. Laert. VI, 1, 15-18 bei Anlaß des Antisthenes; bei Hesych werden noch von Longinos drei homerische Abhandlungen zitiert. Auch dessen Schüler Porphyrios schrieb περὶ τῆς Ὁμήρου φιλοσοφίας. Ergötzlich läßt Lukian, Charon 7 und passim selbst Charon noch von ihm profitieren.

89 Αλις πάντεσσιν Ὅμηρος, Theokrit. Id. XVI, 20.

90 Die Verse waren nach allen möglichen Eigenschaften sortiert, wovon Athen. X, 87 die Beispiele gibt. – Wir erwähnen bei diesem Anlasse auch andere philologische Spiele, wie die Gedichte ohne Sigma, Athen. X, 80-82. Die Griechen sind hierin die Vorgänger der Araber.

91 Hist. August. Maximin. minor. 4 wird erzählt, daß dem jungen Maximinus Thrax, noch ehe sein Vater Kaiser war, als er in die Schule des Grammatikers kam, eine Verwandte den ganzen Homer, mit goldenen Buchstaben geschrieben, geschenkt habe.

92 Vitruv VII, Proöm.

93 Älian V.H. XII, 48 Dio Chrysostom. Or. LIII De Homero, p. 155 M.

94 Vgl. Matter, école d'Alexandrie II, 9. Älian V.H. XIII, 22.

95 Über den Spott gegen die Gestalten des Mythus vgl. Band II, S. 108 ff.

96 Dagegen kommt die wüste Blumauerische Travestie homerischer Gestalten in lächerliche Figuren bei den Alten nicht vor.

97 Von diesem sollte auch der Margites sein, Kinkel, fragm. epic. Graec. p. 65.

98 Diog. Laert. III, 1, 5. VI, 6, 95.

99 Unsere Hauptquelle über die Parodisten ist die unordentliche Notizensammlung Athen. XV, 55 f. Hier findet sich eine Probe von Hexametern des Hipponax auf eines seiner Opfer und ein Stück von Hegemons poetischem Tagebuch (oder Reisebeschreibung?).

100 περιβόητος ἦν λέγων τὰ ἔπη πανούργως καὶ ὑποκριτικῶς, Athen. IX, 72.

101 Athen. IV, 13 teilt daraus über 100 Verse mit, und ebenso XV, 54 eine Probe aus einem Gedichte auf zeitgenössische Dichter.

102 Dessen Fragmente bei Bergk S. 126 f.

103 Eine Nekyia bei dem späten Komiker Sopatros und eine εἰς Ἅιδου κατάβασις des Sotades erwähnt Hesych.

104 Nach O. Müller Lit.-Gesch. S. 129 ff. ist der auf den delischen Apoll, der einen Homeriden von Chios zum Verfasser hat, noch aus sehr alter Zeit, der auf den pythischen nur vor Ol. 47, der auf Hermes wegen der siebensaitigen, nachterpandrischen Lyra erst nach Ol. 30 gedichtet; auch der auf Demeter ist relativ spät, während der auf Aphrodite in Ton und Ausdruck noch viel vom Echthomerischen an sich hat; die Äneaden vom Ida sollen freilich bis auf den peloponnesischen Krieg geherrscht haben.

105 Ebenso wohl auch von den kleinern der VII. auf Dionysos bei den Piraten und der XIX. auf Pan.

106 Das Lied des Demodokos über Ares und Aphrodite würde nicht in diese Reihe passen, weil darin keine Gottheit entschieden verherrlicht wird.

107 Eine Ausnahme macht vielleicht Hymn. XXXII. auf Selene mit der sehr speziellen Göttin Pandeia, ihrer Tochter.

108 Invokatorisch ist auch der XXIV. (al, XXXIV.) auf Dionysos, aber er schmeckt nach später, alexandrinischer Gelehrsamkeit, die sich in Varianten des Mythus ergeht, und könnte ein Fragment aus einem längeren epischen Hymnus eines Verseschmiedes wie Kallimachos sein.

109 O. Müller, Lit.-Gesch. S. 111.

110 So meldet z.B. schon Herodot (IV, 32) bezweifelnd, daß Homer auch die »Epigonen« gedichtet habe.

111 Für alle Einzelheiten des Zyklus sei hier auf Welckers »epischen Zyklus«, O. Müllers Lit.-Gesch. und Kinkels fragmenta epicorum Graecorum verwiesen.

112 Bei Photios, Bibl. cod. 239. Es ist wohl nicht der späte Neuplatoniker, sondern eher ein Grammatiker des II. Jahrhunderts.

113 Die Späteren scheinen den Zyklus in einem großen Sammelwerk vor sich gehabt zu haben. So sagt Athen. VII, 5, p. 277 schon von Sophokles: ἔχαιρε τῷ ἐπικῷ κύκλῳ ὡς καὶ ὅλα δράματα ποιῆσαι ἀκολουϑῶν τῇ ἐν τούτῳ μυϑοποιίᾳ. Proklos freilich war der Meinung, man studiere und erhalte den Zyklus weniger um des inneren Wertes als um der Vollständigkeit willen (διὰ τὴν ἀκολουϑίαν τῶν ἐν αὐτῷ πραγμάτων).

114 Nur die Namen sind erhalten von den hesiodischen Epyllien: »Hochzeit des Keyx«, »Hochzeitslied auf Peleus und Thetis«, »Theseus Hadesfahrt« u.a.

115 Pausanias X, 25, 5, auch 26 und 27, beweist, daß Polygnot die Zerstörung Trojas des Lesches vor sich gehabt haben muß.

116 Clem. Alex sagt: μάλιστα ἐν τοῖς πάνυ παλαιοῖς τοὺς τοῦ κύκλου ποιητὰς τιϑέασιν (Strom. XXI, 132).

117 Wohin gehört wohl Melesandros von Milet, welcher nach Älian V.H. XI, 2 den Kampf der Kentauren und Lapithen »schrieb«?

118 Xen. Mem. IV, 2, 10. Immerhin geht aus dieser Stelle hervor, daß die Rhapsoden sich ihn anschafften.

119 Ein Verzeichnis solcher Partien gibt Älian XIII, 14 und Plato, Ion, p. 535 b.

120 So ließ nach der Hauptstelle über die Rhapsoden, Athen. XIV, 12 Empedokles seine Weihesprüche in Olympia durch einen gewissen Kleomenes rhapsodieren, während Xenophanes nach Diog. Laert. IX, 18 seine Sachen selbst rhapsodierte, wobei freilich nicht ein festlicher Pompvortrag gemeint zu sein braucht, sondern eher ein habitueller, vor einem vielleicht täglichen Publikum.

121 Von der Art der Rezitation erfährt man aus Aristot. Poet. XXVI, § 3, daß einzelne Rhapsoden, so gut als Schauspieler, auf der Szena die Gesten übertrieben, so ein gewisser Sostratos. – Daß Homer und Hesiod, wie auch andere Dichter, auch in Musik gesetzt wurden (μελῳδηϑῆναι), sagt Athenäus a.a.O.

122 Xenoph. conviv. 3, 5 gibt Nikeratos dem Sokrates zu, daß er kein ἔϑνος ἠλιϑιώτερον als die Rhapsoden kenne, welche τὰς ὑπονοίας der Dichter nicht verständen und Mem. IV, 2, 10 verneint Euthydemos, der sich die sämtlichen ἔπη Homers angeschafft, die Frage, ob er Rhapsode werden wolle, mit dem Satze: τοὺς γάρ τοι ῥαψῳδοὺς οἶδα τὰ μὲν ἔπη ἀκριβοῦντας, αὐτοὺς δὲ πάνυ ἠλιϑίους ὄντας. Auch der platonische Ion ist auf sein Rhapsodentum überaus eitel und daneben ohne jeden Sinn für alle andern Dichter außer Homer.

123 A.a.O. Xen. conviv. 3, 5 ὀλίγου ἀν᾽ ἑκάστην ἡμέραν.

124 De legg. II, 4, p. 658.

125 Athen. XIV, 12.

126 O. Müller, Lit.-Gesch. S. 176.

127 Diog. Laert. IX, 18 und 20.

128 Vgl. Band I, S. 35 f.

129 Kinkel, ep. gr. fragm. p, 266. – Vgl. auch O. Müller, Lit.-Gesch. II. S. 296.

130 Es ist noch nicht das omnis et antiqui vulgata est fabula saecli.

131 In dieser verrät er gleich, daß er an sich denkt: νῦν δ᾽ ἂν ἐγὼ μυϑησαίμην (I, 20), μνησώμεϑα (23) πευϑόμεϑα (123).

132 Später (966) kommt auch der Ekbasios; dies wiederholt sich dann öfter.

133 Ein echter halbkomischer Zug ist hier, daß (532) unter Herakles das Schiff zu sinken droht, ebenso (1168), daß ihm das Ruder in der Hand bricht.

134 Freilich noch erstaunlicher bei Diodor IV, 56.

135 Vgl. die so viel besser motivierte Schilderung einer Wirkerei bei Catull, epithal. Pelei 50 ff.

136 Wie spät dieses Füllsel zum Teil war, vgl. Preller II, 223.

137 Vgl. I, 985-8. 1107-52.

138 Bei dieser Gelegenheit möge auf die Menge von ausgeführten Bildern aus der Tierwelt aufmerksam gemacht werden; hier wird 1243 Polyphemos mit einem vom Gehöfte ausgeschlossenen wilden Tiere und gleich darauf 1265 Herakles mit einem von der Bremse verfolgten Stier verglichen.

139 Auch Älian V.H. 4, 1 meldet es.

140 In Virgils Dido hat trotz Entlehnung einiger Details das Ganze einen andern Zug! Die wahre Parallele dieser Medea ist aber nicht Dido, sondern die Pharmakeutria des Theokrit, neben deren vehementer Wahrheit die Medea so weit zurücksteht.

141 Phrixos, Chalkiopes Gemahl, hatte Argos und seine drei Brüder nach Orchomenos geschickt; sie mußten aber unterwegs scheitern, mit den Argonauten zusammentreffen und nach Kolchis zurückkehren, wo (253) eine ganz unnütze Willkommsszene mit ihrer Mutter eingefügt ist.

142 Man beachte auch das 506 ff. in Worten entwickelte Heldenpathos, welches dann gar nicht verwertet wird.

143 E. Rohde, Griech. Roman, S. 21 und Nota deutet nur sehr kurz auf das Sentimentale in Medea, gibt aber S. 30 ff. von Sophokles abwärts die Zunahme der Liebesleidenschaft bei den Tragikern.

144 Was Virgil für Dido entlehnte, beschränkt sich im Grunde darauf, daß statt der bisherigen Amme die Schwester Konfidente ist, auf das Vorkommen von Träumen und etwa auf ein Bild.

145 Dieser ganz müßige Zug ist ein rechtes Sujet der Bewunderung für Sainte Beuve, welcher meint, Virgil habe ihn nur weggelassen, weil er zu kenntlich gewesen wäre. Übrigens braucht das Nox erat (Än. IV, 522) nicht notwendig von hier entlehnt zu sein.

146 Dies Bild hat Virgil wirklich entlehnt, aber nicht auf Dido, sondern erst VIII, 18 ff. auf Äneas angewandt.

147 Wie viel ergreifender und wahrer als diese pathologische Schilderung ist Theokrit in der Pharmakeutria, 88 ff., 106 ff.

148 Kallimacheisch (vgl. S. 97, Anm. 108) klingt von den Homerischen Hymnen nur der untergeschobene XXVI. auf Dionysos, welcher dem Gotte berichtet, was die Leute für verschiedene Ansichten über seinen Geburtsort hätten (wobei für Nysa entschieden wird), auch wasmaßen seine Mutter Semele auch Thyone genannt werde.

149 Das Bild vom assyrischen Strome, der Schmutz und Unrat mit sich führt (108), soll ein Hieb auf Apollonios sein; Kallimachos perhorreszierte eben die üblichen mythischen Epen überhaupt; mit dem Satze ἐχϑαίρω τὸ ποίημα τὸ κυκλικὸν οὐδὲ κέλευϑῳ χαίρω, τίς πολλοὺς ὧδε καὶ ὧδε φέρει (Epigr. 29) sagt er, daß es das Ausgetretene sei, was ihn abstößt.

150 Laut den Kommentatoren dichtete Kallimachos diesen Hymnus dorisch für Argos, wo man bei einem Feste das Bild der Pallas im Inachos zu baden pflegte.

151 Auch der metrisch sehr künstliche chorisch-lyrische Hymnus eines unbekannten Dichters bei Bergk, S. 546 dürfte alexandrinischen Ursprungs sein; er erörtert höchst gelehrt die verschiedenen Angaben über diejenigen Gegenden in und außer Griechenland [Griechenlands], wo zuerst Menschen entstanden.

152 Ein Hieb auf die nicht sowohl Homer feindlichen, als mit ihm wetteifern wollenden Dichter findet sich bei ihm Id. VII, 47, wo sein Ziegenhirte sagt: mir sind verhaßt jene Vögel der Musen (d.h. Dichter), welche sich vergeblich bemühen, dem Sänger von Chios entgegenzukrähen, d.h. er haßt, wie Kallimachos, den gewöhnlichen kyklischen Kunstbetrieb. Andererseits aber verhöhnt er auch (XVI, 20) diejenigen, welche, um keinen Dichter zu unterstützen, sagen: ἅλις πάντεσσιν Ὅμηρος.

153 Hier ist das Gedicht umständlich über das Viehwesen.

154 Das Drama wird davon nicht berührt. – Das Wort »idyllisch« vermeiden wir, weil es nicht eine bestimmte Gattung der Poesie, sondern nur den kleinen Umfang bezeichnet. Bukolisch heißt diese Poesie darum, weil der βουκόλος der vornehmste Hirt war; die Hirten galten übrigens, auch wenn sie Sklaven waren, nicht für Banausen, während die Bauern es waren. Aber der Ziegenhirt gilt bei Theokrit doch im ganzen überhaupt für geringer, wenn er auch nicht, wie bei Homer (Od. XVII, 217. XX, 185), im Gegensatz zum Schweinehirten und Rinderhirten der Böse, sondern bisweilen (Id. I) gut Freund mit dem Rinderhirten und dafür wieder (Id. V) der Feind des Schafhirten ist. Dem kranken Daphnis wird (I, 86) gesagt: βώτας μὰν ἐλέγευ νῦν δ᾽ αἰπόλῳ ἀνδρὶ ἔοικας.

155 Bei Theokrit wird Daphnis von der Liebe aufgezehrt, bei Ovid in Stein verwandelt; eine andere Version (Älian V.H. X, 18) ließ ihn erblinden; natürlich wurde er auch zum Erfinder der bukolischen Poesie.

156 Vgl. hierüber O. Müller, Lit.-Gesch., S. 366. – Nach Athen. XIV, 10 soll ein gewisser Diomos, den Epicharm erwähnt, das Genre erfunden haben; er war Hirte und Kunstdichter zugleich.

157 Laut Suidas s.v. Sophron gab es μίμους ἀνδρείους und γυναικείους. Welche Zwischenstufen liegen zwischen diesem Sophron und dem späten Lukian, und kommt für die Bukolik nicht auch Epicharm, etwa mit komischen Bauern, in Betracht?

158 Im ersteren Gedichte soll von Sophron, laut dem Argument wenigstens, die Magd Thestylis herstammen; das letztere hieß bei ihm die »Isthmiazusen«. Älian, H.A. XV, 6 erwähnt auch das angenehme Gespräch der Thunfischfänger, dem vielleicht die »Fischer« nachgedichtet sind.

159 Über den stummen Hirten bei Homer vgl. S. 77.

160 Vgl. Argum. de poeseos characteribus: ἐξέφευγε (αὕτη ἡ ποίησις) τὸ ἄγαν ἁβρὸν καὶ ὑπέρογκον τῆς ποιήσεως.

161 Id. V, 5 und 8 redet einer den andern an »δῶλε« und dieser antwortet ironisch »ὦλεύϑερε«.

162 Aus noch viel früherer Zeit waren die dem Orpheus zugeschriebenen Bakchika des Eleaten Nikias, Westermann, Biogr. S. 78. – Über Dionysios s. ebd. S. 69. – Über Soterichos ebd. S. 86.

163 Ebd. S. 75.

164 Freilich darf man, wenn es nicht ausdrücklich ἐποποιός heißt, an Prosaredaktionen denken, und andererseits geht ἐποποιός bei Suidas auch auf didaktische Dichtungen, wenn sie nur in Hexametern waren. So hat bei Westermann, S. 74, Kikilios von Argos diesen Namen wegen seiner ἁλιευτικά, S. 71 Dionysios von Korinth wegen seiner οἰκουμένης περιήγησις δι᾽ἐπῶν.

165 Ebd. S. 76.

166 Vielleicht behielt das Epos noch den Vorrang vor den Romanen und erreichte leichter den Verkauf der Kopien.

167 Vgl. den Namen Στησίχορος. – Übrigens ist der Name Hesiod beizubehalten, schon weil er allein Werke und Tage und Theogonie zusammen umfaßt.

168 Lit.-Gesch., S. 135 ff. – Über die Nuancen in der Sprache gegenüber Homer ist hier S. 143 in der Anm. gehandelt.

169 Darüber, daß die Böotier am Helikon Hesiod nur die Werke und Tage zuerkannten, vgl. Proklos bei Kinkel, fragm. p. 79, wo auch ein Verzeichnis alter Pseudo-Hesiodea, und Pausan. IX, 31,4.

170 Lit.-Gesch. S. 150. Vgl. besonders die Stelle Vv. 296-324.

171 Vgl. O. Müller, Lit.-Gesch., 145 f.

172 Merkwürdig ist V. 501 ff. die sehr umständliche Beschreibung des harten Winters mit dem niedlichen Bilde des im Zimmer seiner Mutter wohlverwahrten Mädchens.

173 So im Alten Testament, wenigstens zum Teil, in den Sprüchen Salomons, dem Kohelet und der Weisheit Salomons.

174 In beiden Gedichten verherrlicht er die Musen, und Theog. 95 spricht er – freilich in einem angezweifelten Verse – von den ἄνδρες ἀοιδοὶ καὶ κιϑαρισταί. Andererseits hat er für einen Aöden zu wenig Sympathie mit Bettlern.

175 Ein noch älteres Lehrgedicht als die Werke und Tage wurde laut der Sage Pittheus, dem Großvater des Theseus, zugeschrieben. Plut. Thes. 2 zitiert daraus den Vers: μισϑὸς δ᾽ανδρὶ φίλῳ εἰρημένος ἄρκιος ἔστω.

176 Vgl. Band II, S. 37 ff.

177 Der häusliche und ökonomische Geist der Werke und Tage blickt auch in der Theogonie durch bei der Geschichte von Pandora. Nur kommen hier die Übel nicht vom Faß, sondern von Pandora selbst, von der die Weiber stammen.

178 Darüber, wie die Anfangspartien mit den Proömien an die helikonischen und olympischen Musen auseinanderzulegen sind, vgl. Müller, Lit.-Gesch. 165 f.

179 Man beachte jedoch immerhin die vielen wichtigen Fragmente, die im Gedicht keine Stelle finden.

180 Über den Katalogos und die Eöen vgl. oben S. 98.

181 Diog. Laert. I, 11, 6 und Clem. Alex, Strom. VI, p. 71. – Für Gesetze, Bündnisse usw. war übrigens gewiß die Prosa schon längst üblich.

182 Müller, Lit.-Gesch. I, 433.

183 Wie Müller ebendaselbst tut.

184 Über ihn und Xenophanes vgl. oben S. 100, Anm. 120.

185 Vgl. Apul. Florida, ed. Bip. I, 130: Pherecydes, qui primus versuum nexu repudiato conscribere ausus est passis verbis, soluto locutu, libera oratione.

186 Es möge daran erinnert sein, daß die Elegie sich inzwischen auch der politischen Betrachtung und Paränese bemächtigt hatte.

187 Außerdem καϑαρμοί und ἰατρικά, was O. Müller als Teil- und Nebentitel von φύσεως faßt.

188 Das aureum carmen klingt ungefähr in seinem moralisierenden Tone wie Pseudo-Phokylides. – Wie weit aber ahmt Lukrez den Empedokles nach? Emp. 134-144 klingt ganz lukrezisch. Vgl. Bähr bei Pauly III, S. 118.

189 Unter die Katharmen hat Mullach u.a. das prächtige Fragment an die Agrigentiner gestellt, und ebenso die Schilderung des goldenen Zeitalters.

190 Richtig sagt Sokrates (Plato, Phädon 61, b): es sei Sache des Dichters μύϑους ἀλλ᾽ οὐ λόγους ποιεῖν, und da er nun nicht μυϑολογικός sei, habe er im Kerker äsopische Fabeln versifiziert.

191 Herod. II, 82. – Vgl. Band II, S. 285.

192 Dieser sagte bezeichnenderweise zu ihm: εὐδοξότερον ποιήσεις τὸν Εὔδοξον, Westermann, Biogr., S. 53. – Ebenda S. 57 werden noch sieben andere Verfasser von φαινόμενα genannt, aber es wird nicht deutlich ausgesprochen, ob sie in Versen schrieben.

193 Plato Gorg. 518 b.

194 Nach Athen. I, 7 hieß das Werk bei andern auch Γαστρονομία oder Δειπνολογία oder Ὀψοποιία. – Ein Fragment über Weine findet sich Athen. I, 52. – Vgl. über ihn noch III, 63. 77. 88. VII, 7 f.

195 Athen. III, 84.

196 Athen. I, 8. Westermann, Biogr. S. 86.

197 Die heutigen Chinesen und Gälen haben eine fünftönige Skala. Vgl. v. Jan bei Baumeister, S. 975.

198 Athen. XIV, 9 nach dem unter Augustus schreibenden Tryphon.

199 Ebenda 10 und 11.

200 Auch diese sangen übrigens Mythologie. Eurip. Ion 195 sagt der Chor von Kreusas athenischen Frauen: ἐμαῖσι μυϑεύεται παρὰ πήναις ἀσπιστὰς Ἰόλαος.

201 Vgl. S. 114, Anm. 156.

202 Insofern es Volkslied geworden, nennen wir das Kalyke-Lied hier mit, obwohl es von Stesichoros gedichtet war; die Frauen sangen es, während die Mädchen das Harpalyke-Lied sangen.

203 Z.B., als jene Sklavin auf Lesbos zur Handmühle sang: Ἄλει, μύνα, ἄλει˙ καὶ γὰρ Πιττακὸς ἀλεῖ μεγάλας Μιτυλήνας βασιλεύων, Plut. VII sap. conv. 14.

204 Vgl. z.B. Pind. Pyth. XII, 19, wo Athene nach der Tötung der Gorgo durch Perseus die Flöte schafft, um darauf die feinen Töne der Schlangen nachzuahmen.

205 O. Müller, Lit.-Gesch., S. 267.

206 Laut einer mythischen Anschauung tat dies schon Amphion in Theben, Paus. IX, 5, 4. In Theben zeigte man noch die πύλαι Νηΐσται, die darnach benannt waren, daß er die Saite νήτη dort erfunden hatte; ebd. 8, 4.

207 Über das Chronologische vgl. Athen. XIV, 37.

208 Vgl. Band I, S. 108.

209 Plut. de mus. 4. – Nach Strabo IX, p. 646 sollen sie hier freilich erst nach dem krisäischen Kriege (591) eingeführt worden sein. – Über den musischen Agon in Delphi von seinen mythischen Anfängen an vgl. Pausan. X, 7, 2 ff.

210 Plut. de mus. 9.

211 Dionys Hal. (de comp. verb. p. 63 R) sagt, die Musik brauche die Oktave, Quinte, Quarte, καὶ τὸ διάτονον καὶ τὸ ἡμίτονον ὡς δέ τινες οἴονται, καὶ τὴν δίεσιν αἰσϑητῶς. Also bestanden Zweifel an ihrer Hörbarkeit.

212 Über die gegenteilige Ansicht Westphals, wonach der Gesang vieler zwar unisono vorgetragen wurde, eine Begleitung durch Instrumente aber in andern Tönen vorbehalten wird, wagen wir nicht zu entscheiden; in diesem Falle hätten die Griechen eine Ahnung der Harmonie im jetzigen Sinne gehabt.

213 Nach Athen. XIV, 42 sang Stesandros von Samos homerische Schlachten zur Kithar.

214 Reste von Notenschrift finden sich für Pindars I. pyth. Ode und für die Hymnen des Mesomedes und des Dionysios von Alexandria.

215 plut. De Ei apud Delph. 21 sagt, daß dieselbe, anfangs durchaus Trauerinstrument, erst spät und neulich auch ἐφ᾽ ἱμερτοῖοι gebraucht worden sei. Homer erwähnt sie noch selten, Hesiod bloß beim Komos. Außer ihrem phrygischen Ursprung wird auch ein libyscher [lydischer] behauptet, Athen. IV, 9.

216 O. Müller, Lit.-Gesch., S. 281.

217 Der Gegensatz der Instrumente mußte auch einen mythischen Ausdruck finden. Herakles und Athene sollten die Flöte verworfen haben.

218 Pausan. II, 22, 8 f. sagt ausdrücklich, daß der Haß, den Apollon gegen die Flöte von Marsyas her hatte, Sakadas zulieb aufgehört habe. Daß man die Einführung des Πυϑικόν αὔλημα in Delphi als ein ganz großes Ereignis betrachtete, beweist auch der Umstand, daß die Erinnerung daran am Grabe des Sakadas zu Argos haftete. Nach V, 7, 4 wurde es auch in Olympia zum Pentathlon gespielt.

219 Pausan. X, 7, 3. Sie erschien nicht als ein ἄκουσμα εὔφημον, weil μέλη αὐλῶν τὰ σκυϑρωπότατα καὶ ἐλεγεῖα vorgetragen wurden.

220 Plut. de mus. 8 ἐν ἀρχῇ γὰρ ἐλεγεῖα μεμελοποιημένα οἱ αὐλῳδοὶ ᾖδον. Dies erhelle aus τῇ τῶν Παναϑηναίων γραφῇ τῇ περὶ τοῦ μουσικοῦ ἀγῶνος.

221 Man hatte dafür drei besondere Flöten; denn erst Pronomos, der Lehrer des Alkibiades, brauchte für alle drei Tonarten dasselbe Instrument, Pausan. IX, 12, 4.

222 Pausan. IV, 27, 4.

223 Über Sambyke usw. ausführlich Athen. XIV, 34 ff. – Auf der 20-saitigen Magadis spielte Anakreon; andere nannten so ein Blasinstrument.

224 Athen. XIV, 42. – Andere Aussagen ebd. 10.

225 Ebd. V, 33. Unmittelbar nachher folgten freilich 2000 goldgeschmückte Stiere. – Hist. Aug. Car. 19 werden ludi Romani geschildert, wo je 100 salpistae, camptaulae, choraulae und pithaulae auftreten. Mit allem ist aber nicht gesagt, ob jede Gruppe für sich spielte, oder ob sie zusammen wirkten. Selbst in diesem Falle könnten alle eine und dieselbe Melodie gespielt haben, ohne Harmonie.

226 Älian V.H. IV, 2 sagt der Kitharist Nikostratos im Hinblick auf den Kitharöden Laodokos, er wolle lieber in einer kleinen Kunst groß als in einer großen klein sein. – Daß auch der Aulöde dem Kitharöden nachstand, erfahren wir aus Cicero, pro Mur. 13, 29: ut aiunt in Graecis artificibus eos auloedos esse qui citharoedi fieri non potuerint.

227 Athen. XIV, 4 (mit Beziehung auf alexandrinische Zeit?): δίδοται δὲ ὁ στέφανος τῷ ἱ λαρῳδῷ καὶ τῷ αὐλῳδῷ, οὐ τῷ ψάλτῃ οὐδὲ τῷ αὐλητῇ.

228 Dies alles nach Müller, Lit.-Gesch. S. 287 ff.

229 Ebd. S. 291 f.

230 Pausan. IV, 4, 1. IV, 33, 3.

231 Pausan. IX, 12, 4.

232 Über das πλῆϑος χορῶν vgl. die Klage Platos, de legg. VII, 800 c. ff. – Ebenda ist von den von draußen gemieteten Chören die Rede, welche bei Leichenzügen in karischen Weisen sangen. – Gerne wüßten wir, wie früh man einzelnen Chören berühmte Gesänge anderswo nachsang und wie früh Chöre aufgezeichnet und in dieser Gestalt gesammelt wurden. – Einen Chor, der es stark betont, daß er neu und noch nie von andern gebraucht sei, s. Bergk, Anthol. lyr., p. 533 Σοί, Βάκχε κτλ. – Wie und wann schied sich ferner der freie und der gemietete Chor?

233 Athen. IV, 84 aus Chamäleon.

234 Plut. Alk. 2.

235 Band II, S. 152 f.

236 Pausan. V, 15, 8 spricht von dem, was die Elier noch zu seiner Zeit im Prytaneion von Olympia sangen, zwar undeutlich, aber in der Voraussetzung hohen Altertums.

237 Athen. XIV, 25 ff.

238 Plut. Theseus 21.

239 Lucian, de salt. 10. – Nach dieser Schrift (7) beginnt der Tanz mit dem alten Eros und dem Reigen der Gestirne, dann heißt Rhea die Kureten und Korybanten tanzen usw.

240 Was sonst später als Pyrrhiche galt, war dionysisch und viel weniger streng; statt Speere wurden Thyrsen, auch νάρϑηκες und Fackeln gebraucht; es war eine dramatische Darstellung der Kämpfe des Dionysos mit den Indern und der Geschichte des Pentheus.

241 Auch dieser Tanz wurde in seinen Untergattungen (ὠσχοφορικοί, βακχικοί) auf Dionysos bezogen.

242 Unterabteilungen davon waren die προσοδιακοί und ἀποστολικοί oder παρϑένιοι u.a.

243 An der angeführten Stelle aus Athenäos wird von Tänzen gesprochen, welche μανιώδεις seien; einer heißt παροίνιος, einer hieß »Weltbrand« (κόσμου ἐκπύρωσις), einige waren γελοῖαι.

244 Band I, S. 233 ff.

245 Lucian, de saltat. 15. – Über das ἐξορχεῖσϑαι vgl. Band II, S. 195.

246 Athen. I, 39.

247 Bergk, Anthol. lyr. p. 476.

248 Odyss. VIII, 370 ff. – Athen. I, 26 sagt: ἐφρόντιζον εὐρυϑμίας οἱ σφαιρίζοντες und zitiert dazu aus dem Komiker Damoxenos die zierliche Schilderung eines 16 bis 17-jährigen Ballspielers: ἥ τ᾽ εὐρυϑμία τό τ᾽ ἦϑος ἡ τάξις ϑ᾽ ὅση ἐν τῷ τι πράττειν ἢ λέγειν ἐφαίνετο κτλ. Es gab sogar einen Autor über das Ballspiel.

249 Athen. I, 39 f.

250 Athen. IV, 12. Theophr. Charakt. 12.

251 Pro Murena 6. Andere Stellen bei Pauly VI, 716.

252 Porphyr, vit. Pyth. 32.

253 Xenoph. Sympos. II, 16.

254 Anab. VI, 1, 5 ff.

255 Vgl. S. 59 ff.

256 Plut. de mus. 14.

257 Porphyr. vit. Pyth. 30, 33.

258 Apollonios bei Keller, Paradoxogr. p. 49.

259 Über das Verhältnis der Musik zur Stimmung gab es indes doch sehr verschiedene Ansichten. Z.B. Plutarch conjug. praec. 38: Ὀρϑῶς ὁ Εὐριπίδης αἰτιᾶται τοὺς τῇ λύρᾳ χρωμένους παρ᾽ οἶνον˙ ἔδει γὰρ ἐπὶ τὰς ὀργὰς καὶ τὰ πένϑη μᾶλλον τὴν μουσικὴν παρακαλεῖν ἢ προσεκλύειν τοὺς ἐν ταῖς ἡδοναῖς ὄντας.

260 Her. I, 24. – Über das pomphafte Auftreten eines Kann-Nichts an den Pythien, vielleicht in diadochischer Zeit, vgl. Lucian, adv. indoct, 8 f.

261 Älian V.H. III. 43.

262 Athen hatte dafür seit Perikles einen eigenen Raum an dem Odeion.

263 Vgl. Band I, S. 194.

264 Polyän. V, 44, 1 und VI, 10.

265 Nach Athen. VIII, 19 gab es von Timotheos eine Kitharmelodie, welche »der Sturm« (χειμών) hieß; dazu sagte doch der Flötenspieler Dorion spottend, er habe in einem Kochtopf mit siedendem Wasser schon einen stärkern Sturm gesehen.

266 Vgl. Athen. XIV, 42.

267 Plut. coniug. praec. 45.

268 Plut. de mus. 3.

269 Hieher würde freilich eine Parallele mit der Stellung der Musik im Orient gehören, wenn wir etwas davon wüßten! Von den Juden gibt es nur Notizen über heilige Musik.

270 Band I, S. 108 ff.

271 Er nennt hier u.a. das μιξολυδιστί als eine ϑρηνώδης ἁρμονία, wovon gerade Plutarch de mus. 16 sagt, daß es als παϑητικόν mit dem Dorischen als μεγαλοπρεπές verbunden, zur Tragödie passe.

272 Auch Plutarch, de mus. 26, kennt diese Beziehung der Musik zur Erziehung. Er weiß, daß die Alten glaubten, die Seelen der Jugend durch die Musik zum Schönen bilden und stimmen zu sollen.

273 Plato, de rep. IV, 3. – In der Vita Platonis eines Anonymus wird ausgeführt, daß nach Plato die γράμματα das λογιστικόν der Seele bilden, die Musik das ϑυμικόν, die Gymnastik das ἐπιϑυμητικόν. Von der heutigen Musik erwartet und verlangt dies doch niemand.

274 Strabo X, 3, 9 f., p. 467 f., Vgl. Band II, S. 193.

275 Vgl. S. 131 f.

276 Plato, de legg. III, 15.

277 De mus. 6.

278 Ebd. 12. 18. 21.

279 Ebd. 32. 42. – Plato, de legg. II, 5.

280 Athen. XIV, 8. Bergk, Anthol. lyr. p. 475.

281 Auch dem Phrynis hatte laut Plut. Agis 10 der Ephor Ekprepes von einem neunsaitigen Instrument zwei Saiten mit dem Beil heruntergehauen, und von einer ähnlichen Exekution der Argiver berichtet Plut. de mus. 37.

282 Dies alles nach Plato. de legg. III, 15.

283 Plato Gorg. 501 e und 502, Plut. de mus. 27.

284 De legg. II, 658 e.

285 Plut. de mus. 29 sagt (nach O. Müllers Übersetzung), er hätte überhaupt den Rhythmen seiner Lieder eine dithyrambische Haltung und freiere Bewegung gegeben, wobei ihm die Vieltönigkeit der Flöten, die er vorzugsweise anwandte, zu Hilfe kam, und er folgert: πλείοσί τε φϑόγγοις καὶ διεῤῥιμμένοις χρησάμενος εἰς μετάϑεσιν τὴν προϋπάρχουσαν ἤγαγε μουσικήν.

286 Plut. de mus. 30.

287 Plut. de mus. 12.

288 Ebd. 31.

289 Dionysii Halic, opp. rhet. ed. Sylburg, p. 19.

290 Plut. de mus. 15.

291 Ebd. 30. O. Müller nimmt an, daß sie von dem Unternehmer des Festspiels besonders besoldet wurden.

292 Lucian, adv. indoct. 5.

293 Eine freche Anwendung des alten Aödenruhms auf einen Virtuosen, Anaxenor, welcher ein Günstling des Antonius war, berichtet Strabo XIV, 1, 41, p. 648. Seine Vaterstadt Magnesia am Mäander, die ihn zum Priester des Zeus Sosipolis im Purpur gemacht, setzte ihm im Theater eine eherne Statue mit der Inschrift: ἤτοι μὲν τόδε καλὸν ἀκουέμεν ἐστὶν ἀοιδοῦ τοιοῦδ᾽ οἷος ὅδ᾽ ἐστι ϑεοῖς ἐναλίγκιος αὐδῇ. Dagegen gab es laut Athenäos VIII, 18 einen »alten« Spruch: ἀνδρὶ μὲν αὐλητῆρι ϑεοὶ νόον οὐκ ἐνέφυσαν, ἀλλ᾽ ἅμα τῳ φυσῆν χὡ νόος ἐκπέταται.

294 Vgl. O. Müller, Lit.-Gesch. II, S. 289.

295 Plut. an seni sit c. 23.

296 Athen. XIV, 18.

297 Plato de legg. II, 6.

298 Bei Athen. XIV, 31.- Vgl. Band I, S. 301 f.

299 Z.B. lehrte Pindars Vater, Skopelinos, selbst ein Flötenbläser, seinen Sohn das Flötenspiel, erkannte dann aber in ihm eine Begabung, die er nicht selbst zu Ende ausbilden könne und gab ihn dem berühmten Dichter und Musiker (μελοποιός) Lasos zum Unterricht, und von diesem wurde er in der Lyrik ausgebildet. Bios I bei Westermann, Biogr. S. 90.

300 Die erhaltenen Reste der carmina popularia siehe bei Bergk, Anthol. lyr. p. 531 ff., darunter besonders das schöne Bettelliedchen ἦλϑ᾽, ἦλϑε χελι δών. – Die homerische εἰρεσιώνη dagegen ist in Hexametern verfaßt.

301 Zum Lob des Pentameters vgl. O. Müller, Lit.-Gesch. S. 190. – Die Verehrung für das Distichon spricht aus der Notiz, daß Pigres, der Bruder der Artemisia, zwischen homerische Hexameter Pentameter eingeschoben habe. Siehe Bähr bei Pauly s.v. Pigres.

302 Dagegen bezeichnet das ältere, vielleicht aus Asien übernommene Stammwort ἔλεγος allerdings schon speziell ein Klagelied.

303 Vgl. O. Müller a.a.O.

304 Über die Persönlichkeit des Tyrtäos, der seine Sachen vielleicht selbst beim Symposion vortrug, siehe Strabo VIII, 4, 10, p. 262. Vgl. auch Band I, S.109.

305 Völlig gnomische Prosa enthält z.B. das längere Stück 903 ff. über Sparen und Verschwenden.

306 Bergk S. 35. – Hat er wohl gar an seine Philosophie als Gesprächsgegenstand gedacht? Diese würde doch auch kaum zum Symposion gepaßt haben.

307 Bergk, S. 95 f.

308 Ebd. S. 98 f.

309 Ebd. S. 103 f.

310 Plut. consol. ad Apollon. 9: ἐξαριϑμησάμενος τὰς ἡρωϊκὰς συμφορὰς, τοῖς ἀλλοτρίοις κακοῖς ἐλάττω τὴν ἑαυτοῦ ποιῶν λύπην.

311 Bergk, S. 126 ff.

312 Ebd. S. 134. – Athenäus XII, 72 weist ihm dabei erst noch einige chronologische Irrtümer nach.

313 Bergk, S. 139.

314 Ebd. S.142 ff.

315 Bergk S. 181.

316 Ebd. S. 411.

317 Seine Epigramme ebd. S. 453 ff.

318 Z.B. in der Grabschrift auf eine ertrunkene Festgesandtschaft (109): τούσδε ποτ᾽ ἐκ Σπάρτας ἀκροϑίνια Φοίβῳ ἄγοντας ἕν πέλαγος, μία νυξ, εἷς τάφος ἐκτέρισεν.

319 Vgl. die Antithesen in 96 (οὐδὲ τεϑνᾶσι ϑανόντες), 106, 123.

320 Ähnlich gut wird bei der Widmung eines Altars des befreienden Zeus (140) die Sache ans Ende gebracht.

321 Auch das ξεῖνε der Grabschriften (92, 98) gehört hieher.

322 Σῶσος καὶ Σωσὼ σωτήρια τόνδ᾽ ἀνέϑηκαν, Σῶσος μὲν σωϑεὶς, Σωσὼ δ᾽ ὅτι Σῶσος ἐσώϑη. – Hiemit ist zu vergleichen das gleichfalls im Stil an das si procul a Proculo Proculi campana fuisset erinnernde Epigramm des Empedokles auf Akron, Bergk, S. 98.

323 Die dem Simonides fälschlich zugeschriebenen Epigramme gehen zum Teil auf notorisch spätere Personen. Schön und nur ein wenig zu geschwätzig, um echt zu sein, ist das eine auf Anakreon mit der Anrede an die Weinrebe (183).

324 Bergk, S. 94.

325 Ebd. S. 100.

326 Ebd. S. 107 ff.

327 So 11: ναυηγοῦ τάφος εἰμ᾽, ὁ δ᾽ ἐναντίον ἐστὶ γεωργοῦ, ὡς ἁλὶ καὶ γαίῃ ξυνὸς ὕπεστ᾽ Ἀΐδης. Ebenso (12) die ans Land geschwemmte und hier erst des Kleides beraubte Leiche. – Wunderschön dagegen auf die Eretrier in Susiana.

328 In den unechten platonischen Epigrammen tritt der spätere Geschmack noch deutlicher zutage. Es finden sich anathematische Witze, wie der vom ehernen Frosch (5), vom Spiegel der Laïs (4) und dergleichen, auch geistreiche Verse über Kunstwerke, welche selbst reden, wie der Satyr als Brunnenfigur (22) und Aphrodite, welche nach Knidos kommt und fragt, wo Praxiteles sie nackt gesehen habe (ganz als wäre Plato ein Enthusiast für die Skulptur gewesen). – Hier möge auch erwähnt werden, daß unter dem Namen des Aristoteles der sogenannte Peplos, d.h. 64 Distichen auf Gräber der heroischen Zeit überliefert ist; das Thema ist in den verschiedensten Wendungen behandelt.

329 Vgl. Band II, S. 167 f.

330 In einzelnen Staaten freilich war die Grabschrift auf den bloßen Namen beschränkt und in Sparta außer für Schlachtgefallene und Priesterinnen sogar verboten.

331 Vgl. den μουσοποιός bei Eurip. Troad. 1188 f.

332 Der Dank für andere Verdienste um die Mitbürger kommt im Epigramme kaum vor; er wurde eher prosaisch in Form eines Psephismas ausgesprochen. Eine Ausnahme macht das Epigramm auf einen großen Arzt, den seine Vaterstadt Gela öffentlich begrub (508).

333 Vgl. das verklärte Erdendasein, das in dem Epigramm Antipaters von Sidon (27) Anakreon genießt.

334 Z.B. Lukian 30: τὴν Παφίην γυμνὴν οὐδεὶς ἴδεν, εἰ δέ τις εἶδεν, οὗτος ὁ τὴν γυμνὴν στησάμενος Παφίην.

335 Vgl. z.B. Anthol. Skopt. 122: ein Arzt hat mit vier verschiedenen Methoden ihrer 20 getötet, καὶ πᾶσιν μία νύξ, ἓν φάρμακον, εἷς σοροπηγός, εἷς τάφος, εἷς Ἀίδης, εἷς κοπετὸς γέγονεν. Hier ist deutlich Simonides 109 (bei Bergk) parodiert. – Eine lächerliche Anwendung eines Sprichwortes ist z.B., wenn der Dieb, welcher eine Hermesstatue aus dem Gymnasion trägt, dazu sagt: πολλοὶ μαϑηταὶ κρείσσονες διδασκάλων.

336 Selbstverständlich spielt auch hier der Hades eine große Rolle: Der Melograph Eutychides ist gestorben: ihr drunten, flieht! er bringt Oden mit! Man hat laut Testament mit ihm 12 Kitharen verbrennen müssen und 25 Kisten Weisen (νόμοι). – Ein Schwätzer will noch unterwegs den seelengeleitenden Hermes belehren. – Pluto will den Redner Markos nicht aufnehmen: »wir haben schon Hunds genug an Kerberos.«

337 Beispiele der Hyperbel über gealterte Hetären: Skopt. 67, 71; über magere Leute ebenda 110.

338 Skopt. 68.

339 Skopt. 157.

340 Geringere Varianten dieses und des Epigramms von der Fichte 99 und 131.

341 Vgl. oben S. 155.

342 O. Müller, Lit.-Gesch. I, 229.

343 An den Demeterkult und dessen Späße weiß O. Müller S. 236 auch den Archilochos zu knüpfen, indem er an die Verehrung der Göttin auf Paros und Thasos und an dessen Demeterhymnus erinnert.

344 Über den Reflex der kriegerischen Taten in seiner Poesie vgl. oben S. 152.

345 Vgl. O. Müller S. 239.

346 Epist. I, 19, 23 ff. Parios ego primus iambos ostendi Latio numeros animosque secutus Archilochi, non res et agentia verba Lycamben.

347 Ebd. S. 243. Wir verweisen für das Metrische überhaupt auf Müllers Ausführungen.

348 Ebd. S. 247.

349 Rhet. III, 8 heißt es, er sei ἡ λέξις τῶν πολλῶν. Vgl. auch oben S. 62, Anm. 19.

350 Vgl. oben S. 93.

351 Wir erwähnen hier noch den oft mit Hipponax zusammengenannten Ananios, von dem (Bergk S. 210) u.a. eine Aufzählung von Speisen nach Jahreszeiten in hinkenden iambischen Tetrametern erhalten ist. Anakreons realistisches Hohngedicht auf Artemon (Fragm. 21) ist in bewegtern Rhythmen gehalten. Dagegen scheint der Skazon auch später noch gerne für das Höhnische gebraucht worden zu sein; in ihm ist z.B. die Hohngrabschrift des Äschrion auf die Hetäre Philänis verfaßt (Bergk S. 216). – Ferner ist er das Metrum des hübschen Bettelliedes des Phönix (um Ol. 118), einer künstlerisch gemilderten Umdeutung des Bettelliedes, dessen populäre Form in dem rhodischen ἦλϑ᾽, ἦλϑε χελιδών erhalten ist (Bergk S. 217). – Für die Tierfabel (αἶνος μῦϑος λόγος), die in allen möglichen Formen (in Prosa, Hexametern, Distichen, Iamben) vorhanhanden war (vgl. die Fragm. bei Bergk, S. 171 ff. und Fragm. 86 des Archilochos), bediente sich Babrios dieser Form, vielleicht nach dem Vorgange des Archilochos. [(Auch die Mimiamben des Herondas sind bekanntlich darin gedichtet.)] In gewöhnlichen Iamben dagegen waren die χρεῖαι des Alexandriners Machon verfaßt, aus denen Athenäos (VIII, 41) die Anekdoten des Kitharöden Stratonikos und (XIII, 39 ff.) allerlei derbe Geschichten von Hetären mitteilt.

352 Bergk, S. 129.

353 Diese Ausführung nach O. Müller, S. 295 ff.

354 Die Hauptstelle über ihn findet sich bei Strabo XIII, 2, 3, p. 617, wo auch über seine politische Stellung gegenüber dem von ihm bekämpften Pittakos und den übrigen Mächtigen von Lesbos berichtet wird.

355 Es gab in Athen fünf komische Dichter, die sie auf die Szene brachten.

356 O. Müller, S. 320. Wir verweisen für Sappho überhaupt auf Müllers Ausführungen.

357 Ihre Reste bei Bergk, S. 375. – Nach anderer Version gehörte Erinna erst in eine viel spätere Zeit. – Noch in römischer Zeit wurde von einer Dichterin Melinno die schöne sapphische Ode auf Roma verfaßt.

358 S. 326 f.

359 Den Nachweis von deren Unechtheit siehe bei Müller, S. 338.

360Ausgelassen, da nicht von Burckhardt, sondern Zusatz von Oeri.

361 Vgl. Müller, S. 341 ff., auf den für das Skolion überhaupt verwiesen sein möge.

362 Bergk rechnet S. 380 drei alkäische und eine sapphische Strophe – alles von Alkäos – mit unter die Skolien. Es sind zum Teil die von Horaz nachgeahmten Stücke. Ferner gibt es ziemlich bedeutende Fragmente von Skolien Pindars.

363 Nach Aristoph. Ach. 980, 1093 ist es sogar für Dikaiopolis selbstverständlich. Vgl. Athen. XI, p. 503 e.

364 Bei Bergk S. 530, 22.

365 Vgl. oben S. 151, Anm. 300.

366 Plut. Quaest. Gr. 36.

367 Wie weit der Aufwand ging, vgl. besonders Antiphon or. VI. (de choreuta) 11 ff.

368 Vgl. oben S. 134 f. – Über die Ausdehnung des musikalischen Betriebes vgl. Müller, S. 348 f.

369 Strabo VIII, 3, 20, p. 347.

370 S. 114.

371 Polyän V, 46.

372 So Müller, S. 367, auf den wir für diese Dichter überhaupt verweisen.

373 Müller nimmt an, der Dithyrambos sei aus dem κῶμος hervorgegangen, einem Liede, das ziemlich regellose Ausbrüche hochgesteigerter Empfindung enthalten und von regellosen Ausbrüchen (ὀλολυγμοῖς) strotzen mochte.

374 Höchst präzis lautet Herodots Aussage I, 23: διϑύραμβον πρῶτον ἀνϑρώπων τῶν ἡμεῖς ἴδμεν οὐνομάσαντα καὶ διδάξαντα ἐν Κορίνϑῳ. – Vom frühern Dith. sagt Archilochos fragm. 77: καλὸν ἐξάρξαι μέλος οἶδα διϑύραμβον.

375 In Athen waren κυκλιοδιδάσκαλοι und Dithyrambendichter identisch.

376 So Müller, S. 373, welcher zur Vergleichung die etwa bei solchen Anlässen geschenkten gymnastischen Vasen mit der Aufschrift καλὸς ὁ παῖς herbeizieht.

377 Man lese z.B. in fragm. 2 die Furcht des Alternden vor der Liebe.

378 Vgl. oben S. 156 f.

379 Als nach Aristot. Rhet. III, 2, 14 jemand, der mit Maultieren gesiegt, nur ein kleines Honorar bot, wollte er nicht dichten, ὡς δυσχεραίνων εἰς ἡμιόνους ποιεῖν, – als aber jener ihm genügenden Lohn bot, dichtete er: »χαίρετ᾽ ἀελλοπόδων ϑύγατρες ἵππων,« – καίτοι καὶ τῶν ὄνων ϑύγατέρες ἦσαν. – Immerhin meldet Herodot I, 23 schon von Arion, daß er in Italien und Sizilien große Schätze erworben.

380 Fragm. 4 heißt es von den in den Thermopylen Gefallenen: βωμὸς δ᾽ ὁ τάφος, πρὸ γόων δὲ μνᾶστις, ὁ δ᾽ οἶκτος ἔπαινος.

381 Über die Hiebe, welche die beiden Dichter sich versetzten, vgl. Müller, S. 390.

382 Über ihn vgl. oben S. 125. 145.

383 Nach dem ersten Bios (von Eustathios) war er εὐσεβής und ehrte besonders Pan, Rhea und Apollon, weil er aber auch als ϑεοφιλής galt, genoß er bei den Hellenen auch gewaltige Ehre. Bei delphischen Apollonopfern rief ihn der Priester, bevor er (abends) den Tempel schloß, zum Mahle des Gottes. Den Pan sah man leibhaft zwischen Kithäron und Helikon einen Päan Pindars singend, und dieser dichtete ihm dann ein ᾆσμα zum Danke. Demeter hielt ihm im Traum vor, warum er sie noch nie besungen, sie allein von allen Göttinnen? worauf er auf sie einen Gesang (πότνια ϑεσμοφόρε) dichtete und ihr und dem Pan einen Altar vor seinem Hause errichtete. Theoren, welche zum Ammonium fuhren, mußten für ihn erbitten, was für einen (Götter)liebling das beste Menschenlos sei, und im nämlichen Jahre starb er. Vielleicht gereichte es ihm zu ganz besonderem Glanz, daß er Fremdgötter wie die Göttermutter und den Ammon (zu dem auch Pausan. IX, 16, 1 zu vergleichen ist) neben den heimischen verehrte. – Anderes über sein Verhältnis zu den Göttern berichtet Pausanias IX, 23, 2 ff. Es mochte für einen so vielseitig in Anspruch genommenen Chordichter von großem Werte sein, wenn er nicht nur als fromm, sondern als persönlich mit Göttern im Umgang stehend galt.

384 Vielen, welche keinen Pindar bezahlen konnten, mußte wohl das τήνελλα καλλίνικε, d.h. ein gesungener Tusch genügen.

385 Vgl. Pyth. XI, 64. Isthm. I, 3. Vgl. besonders das naive Geständnis Isthm. II, Anfang.

386 Über seinen Gefährten Aineias vgl. Ol. VI, 150 und Schol. – Pindar war, wenn er selbst kam, wohl auch von der betreffenden Stadt eingeladen.

387 Pyth. XII ist auf einen Flötenspieler gedichtet, Nem. XI das Enkomion eines Prytanen.

388 Vgl. Band II, S. 343.

389 Eigentümlich wirkt auf uns angesichts der Schätze des pindarischen Pathos auch die Erwägung, daß die betreffenden Sieger oft nur Wagen, Rosse und Lenker an den Kampfesort sandten, und die wirklichen νικαφόροι dann die Roßknechte und Wagenlenker waren.

390 Die Idealisierung dieser ganzen Kompositionsweise siehe bei O. Müller, S. 402 ff.

391 Vgl. Band I, S. 33. – Hauptbeispiele von umständlichen Darstellungen des Mythus sind. Ol. VI die Iamidengeschichte zum Preise des Agesias und Pyth. IV die Argofahrt zu Ehren des Battiaden Arkesilaos. Wir erinnern ferner daran, daß alle vornehmen Ägineten Äakiden sind; den Mythus von Äakos enthält Ol. VIII. – Nach der Plut. de glor. Athen. c. 4 mitgeteilten Anekdote war es Korinna, die ihm riet, Mythen in die Oden aufzunehmen.

392 Schon Hesiod sagt in den Werken und Tagen etwas oft: »Ich will jetzt das und das sagen«, aber als Lehrdichter darf er es, und von den poetischen Philosophen hebt besonders Empedokles mehrmals umständlich von seiner Absicht an; dies ist aber alles wenig im Vergleich mit aristophanischen Parabasen, einer der größten in die Illusion gelegten Breschen.

393 Seine enorme Geltung bei Lebzeiten spricht aus der Erzählung des Pausanias (IX, 23, 3), daß Pythia den Delphiern befohlen hätte, von allem, was sie dem Apoll als Erstlingsopfer darbrächten, auch Pindar den gleichen Teil zukommen zu lassen. (Hat eine gewaltige Protektion in Delphi dies wirklich zustande gebracht? Es soll freilich geschehen sein, als er schon in ganz Hellas berühmt war.)

394 Bei Athen. XIII, 33 mit dem Schlußwort σὺν δ᾽ ἀγάνκᾳ πᾶν καλόν. – Man beachte auch die Härte und Unrichtigkeit einzelner Bilder, so in dem Fragment bei Athen. XI, 21, wo die Angetrunkenen genannt werden φρένας ἀμπελίνοις τόξοις δαμέντες.

395 Pindar war dabei in Syrakus zugegen. – Eine andere Mahnung an Hieron Pyth. II, 131. Vgl. Müller, S. 395. Hieron ließ unter Umständen Genossen töten, und Epicharmos warf es ihm fast direkt vor; vgl. Plut. de adulatore c. 27.

396 Müller geht doch wohl zu weit, wenn er S. 410 annimmt, daß schon im Verhältnis des Iason zu Pelias, des edlen Verbannten zum eifersüchtigen Tyrannen, eine Warnung für Arkesilaos in seinem Verhältnis zu Damophilos liege.

397 Vgl. Band II, S. 358 f.

398 S. 412.

399 Wenn es im zweiten Bios von den Epinikien heißt: οἳ καὶ περιάγονται μάλιστα διὰ τὸ ἀνϑρωπικώτεροι εἶναι καὶ ὀλιγόμυϑοι καὶ μηδὲ πάνυ ἔχειν ἀσαφῶς κατάγε τὰ ἄλλα, so würden wir eher das Gegenteil vermuten.

400 Bergk, S. 97: ἀώνιον ἀεροφοίταν ἀστέρα μείναμεν ἀελίου λεκοπτέρυγα πρόδρομον.

401 Wir wollen hier auch daran erinnern, daß von Sappho in dem schönen Doppeldistichon auf das Grab der Timas (119) eine der besten frühern Grabschriften stammt.

402 Der Dichter läßt ihn z.B. sagen: τῶν διϑυράμβων γὰρ τὰ λαμπρὰ γίγνεται ἀέρια καὶ σκοτεινὰ καὶ κυαναυγέα καὶ πτεροδόνητα; dabei rühmt er sich, der κυκλιοδιδάσκαλος zu sein, um den sich alle Phylen streiten.

403 Lukian, Demosth. encom. c. 27.

404 Die Kunde von der Würde des griechischen Dramas, vermittelt durch Aristoteles und Seneca, ist nie ganz erloschen.

405 Athen. XIV, 15. In Sikyon hießen solche Grimaciers Phallophoren, anderswo Autokabdalen, in Großgriechenland φλύακες, in Theben ἐϑελονταί, an den meisten Orten σοφισταί. Dergleichen fand später sogar Eingang in die Literatur; es gab alexandrinische Phlyakographen, wie in der Malerei Rhopo- und Rhyparographen usw.

406 Vgl. Band II, S. 157 ff.

407 Vgl. Müller, I, S. 38, 346, 380, II, S. 72 und oben S. 133.

408 Einer allzukurzen Tragödie konnte wegen der Kürze der erste Preis entgehen.

409 Poet. c. 4.

410 Vgl. oben S. 177 f.

411 Laut Suidas erfand Arion den τραγικὸς τρόπος, worunter wahrscheinlich eine tragische Abzweigung des Dithyrambos verstanden ist.

412 Aristot., Poet. 4 sagt, die älteste Tragödie haben den Charakter eines Satyrdramas gehabt. Eine Konstruktion des ursprünglichen Satyrs der Tragödie gibt Nietzsche, Geburt der Trag. S. 35. N. stellt (S. 41) den Satz auf, daß der Chor die Realität, das auf der Scena Vorgehende eine Vision darstelle, und schildert den Augenblick, da zum erstenmal außer dem Chor als Vision desselben Dionysos auftrat, jetzt als epischer Held, redend.

413 Nietzsche (S. 51) hat die Anschauung, alle spätern tragischen Gestalten seien eigentlich nur Masken von Dionysos, so Prometheus und Ödipus, ihre Idealität stamme daher, daß hinter ihnen eine Gottheit stecke.

414 D.h. als Äschylos zwei Schauspieler aufstellte, wird es wohl Phrynichos auch getan haben.

415 Ausgelassen, da nicht von Burckhardt, sondern Zusatz von Oeri.

416 Daß es um diese Zeit mit den Zuschauern einstürzte, s. Suidas s.v. Pratinas, wo an dies Ereignis der Bau eines steinernen Theaters geknüpft wird.

417 Bei den Alexandrinern kommen dann einzelne historische Themata vor; nur ein Lesedrama ist Senecas Octavia.

418 O. Müller, Bd. II, S. 37: Man wollte durch die Poesie in eine höhere Welt erhoben, nicht an die Trübsale der Gegenwart erinnert werden.

419 Vgl. jedoch Wecklein, Münchener Sitzungsber. 1887, I, 78.

420 O. Müller, Bd. II, S. 38.

421 Suidas sagt von Pratinas, dem Rivalen des Chörilos und Äschylos: καὶ πρῶτος ἔγραψε Σατύρους. Gab es vielleicht eine Zeit, da man das Satyrdrama der bloßen possenhaften Improvisation überließ und deshalb nicht schriftlich fixierte? – Laut der zweiten Vita des Euripides gab es unter 92 Stücken dieses Dichters nur acht Satyrdramen, die Gattung mag seinem pathetischen Wesen widerstrebt haben; auch Sophokles dichtete, wie es scheint, wenige. Wer sorgte wohl dafür, daß doch regelmäßig eines gespielt wurde?

422 Vielleicht vom Drama aus fand Busiris dann auch in burleskester Form seinen Weg auf eine ganze Anzahl von Vasen. Vgl. Helbig, Annali del inst. XXXVII, S. 298 f.

423 Vgl. oben S. 140.

424 Ausgelassen, da nicht von Burckhardt, sondern Zusatz von Oeri.

425 In den Acharnern (408 muß z.B. Dikäopolis zu Euripides sagen: Rolle dich vor (ἐκκυκλήϑητι).

426 S. oben S. 33 f. – Vgl. Vitruv VII, praef.: Agatharchus primum Athenis Aeschylo docente tragoediam scenam fecit et de ea commentarium.

427 Im Bios des Äschylos, Westerm. S. 121 heißt es: πρῶτος Αἰσχύλος πάϑεσι γεννικωτέροις τὴν τραγῳδίαν ἐπηύξησε, τὴν δὲ σκηνὴν ἐκόσμησε καὶ τὴν ὄψιν τῶν ϑεωμένον κατέπληξε τῇ λαμπρότητι, γραφαῖς καὶ μηχαναῖς βωμοῖς τε καὶ τάφοις, σάλπιγξιν, εἰδώλοις, Ἐρινῦσι, τούς τε ὑποκριτὰς χειρῖσι σκεπάσας καὶ τῷ σύρματι ἐξογκώσας, μειζοσι τε τοῖς κοϑόρνοις μετεωρίσας. Darüber, welche Stellung in der Entwicklung des Theaters und des Dramas man später dem Äschylos zuschrieb, vgl. auch Philostrat. vit. soph. I, 9. – Über die Skenographie vgl. Wörmann, Gesch. d. Malerei, S. 42 f.

428 Vergebens fragen wir uns auch, auf welche Weise es bei der Aufführung des Rhesos angedeutet wurde, daß die Handlung bei Nacht spielt.

429 Dieser sagt Nigrin. 11: ὑποκριταῖς ἐκείνοις... οἳ πολλάκις ἢ Ἀγαμέμνονος ἢ Κρέοντος ἢ καὶ Ἡρακλέους αὐτοῦ πρόσωπον ἀνειληφότες, χρυσίδας ἠμφιεσμένοι καὶ δεινὸν βλέποντες καὶ μέγα κεχηνότες μικρὸν φϑέγγονται καὶ ἰσχνὸν καὶ γυναικῶδες καὶ τῆς Ἑκάβης ἢ Πολυξένης πολὺ ταπεινότερον. – Auch Piscator 31 spricht er von weichlichen und dünnstimmigen Schauspielern in heroischen Rollen.

430 Darüber, daß daneben doch eine gewisse Natürlichkeit verlangt wurde, vgl. Aristot. Rhet. III, 2, 4; wo der Redner ermahnt wird, natürlich und ungekünstelt zu scheinen, so wie auf dem Theater die Stimme des Theodoros gewesen, nämlich wie die des Sprechenden (ἡ μὲν γὰρ τοῦ λέγοντος ἔοικεν εἶναι, αἱ δ᾽ ἀλλότριαι). – Über das feine Ohr der Athener vgl. die bekannte Anekdote von dem Schauspieler Hegelochos, der sich dadurch den Spott der Komiker zuzog, daß die Wortverbindung γαλήν᾽ὁρῶ (Eurip. Orest. 279) in seinem Munde wie γαλῆν ὁρῶ klang.

431 Eine Anzahl nahmhafter Schauspieler des Sophokles findet sich bei Pauly, Realenc. VI, S. 1298 aufgezählt. – Über den Aufwand, den das Theater erheischte, vgl. noch Plut. de glor. Ath. c. 6. – Zu der prächtigen Ausstattung der Schauspieler vgl. den Hohn Lukians, Anachars. 23, Icaromenipp. 29, Jup. tragoed. 41, somn. 26. Von welcher Zeit redet Lukian, Piscator 33, wenn er sagt, ein Schauspieler, der eine Gottheit unwürdig darstelle, könne auf Verfügung der Agonotheten den Mastigophoren zum Geißeln übergeben werden, während es ein geringerer Schade sei, wenn Sklaven- und Botenrollen ungeschickt gegeben würden? Vgl. auch Apolog. merc. cond. 5.

432 Ausgelassen, da nicht von Burckhardt, sondern Zusatz von Oeri.

433 So Äsch. Sieben 181 ff. Agam. 1072 ff. Eurip. Ion 1436 ff.

434 Vgl. z.B. die Monodie des Ion 82-183; den äußersten Exzeß stellt die des zerschleiften Hippolytos (1346-88) dar.

435 O. Müller, II, S. 75.

436 Die Hauptaussage hierüber findet sich Aristot. Rhet. III, 1, 9. Indem vom Drama als Nachahmung ausgegangen wird, heißt es hier, man sei zu den Iamben übergegangen, weil dies Metrum der gewöhnlichen Rede (τῷ λόγῳ) am ähnlichsten sei. So habe man auch von den Worten diejenigen aufgegeben, welche der Umgangssprache nicht entsprächen (ὅσα παρὰ τὴν διάλεκτόν ἐστιν), womit die Frühern sich schmückten und auch jetzt noch diejenigen, welche Hexameter machen; denn es wäre lächerlich, die Leute mit einer Sprechweise nachahmen zu wollen, die sie selber nicht mehr haben.

437 Über den Charakter des schwierigen äschyleischen Dialogs mit seinen Onomatopöien, Epithetis, Metaphern und allem, was dem Ausdruck den ὄγκος verlieh, vgl. Äschyl. Bios I (Westermann S. 118).

438 Besonders gerne nimmt man sich in diesem raschen Dialog das Verbum vom Munde weg.

439 Ausgelassen, da nicht von Burckhardt, sondern Zusatz von Oeri.

440 Älian V.H. II, 13.

441 Varro bei Gellius XIV, 4.

442 Älian V.H. II, 8 bei Anlaß des Xenokles.

443 Plato, Sympos. p. 173 a, 174 a.

444 Ebenda p. 223 d.

445 Suidas s.v. Ion.

446 Über das hohe Alter vieler griechischer Dichter vgl. Lukian, Macrobii 24 ff.

447 Diese ἰσχνοφωνία kann noch immer eine stattliche Stimme mit umfassen, denn nur die ganz außerordentliche konnte irgend genügen. Nach der lateranensischen Statue traut man ihm den herrlichsten Bariton zu. – Übrigens machte er in seiner Tragödie Thamyris eine Ausnahme, wo er, selber ein Virtuos auf der Kithara, dieses Instrument in Person schlug.

448 Laut dem Bios des Euripides hätten diesem freilich Kephisophon und Timokrates von Argos die Melodien gemacht.

449 Wir schließen dies aus Plato Symp. p. 194 b.

450 Die zwei Söhne des Äschylos, Bion und Euphorion, sein Schwestersohn Philokles und dessen Söhne Morsimos und Melanthios, Iophon, der Sohn und Sophokles, der Enkel des Sophokles, waren sämtlich Tragiker, und von den Söhnen des Euripides führte wenigstens der jüngste, Euripides, einige Stücke des Vaters auf, während der zweite Schauspieler wurde.

451 Laut Justin III, 6 half er auch den Peloponnes verwüsten. – Vgl. auch die Älian V.H. III, 8 von Phrynichos mitgeteilte Geschichte, den die Athener zum Strategen wählten, weil er in einer Tragödie für die Pyrrhichisten besonders geeignete kriegerische Weisen erfunden hatte; wer das könne, fanden sie, müsse auch ein trefflicher Kriegsanführer sein.

452 In den Fröschen des Aristophanes (52 f.) erzählt Dionysos, wie er auf einer Seefahrt die Andromeda des Euripides gelesen habe.

453 Über die Mnemonik vgl. Pauly s.v. Simonides. Eine künstliche Erziehung des Gedächtnisses muß bei dem so vieles nur mündlich aufbewahrenden Griechenvolk schon frühe vorhanden gewesen sein. Schon das genaue Rezitieren der Opferformeln und dann besonders die Tätigkeit der Aöden setzt eine solche voraus; sodann waren alle, die ein Wissen pflegten, darauf angewiesen, bis auf die Sophisten, von denen jeder omnia sua secum portans war; die Mnemonik des Hippias wird ausdrücklich erwähnt. Indes ist nicht zu bezweifeln, daß eine Mnemonik, also eine Theorie der Gedächtniskunst, schon vor ihm existierte, und zwar die des Simonides (καὶ τὴν μνημονικὴν τέχνην εὗρεν οὗτος), heißt es in seinem Bios). Die Sophisten würden eine so glänzende Sache nicht, »um ihr bessern Eingang zu verschaffen, auf den berühmten lyrischen Sänger zurückgeführt« und also auf ihre eigene Urheberschaft verzichtet haben.

454 Noch im Agamemnon des Äschylos machen die Chorgesänge reichlich zwei Fünftel des Ganzen aus, wobei etwaige sonstige Tanzmomente und Instrumentalmusik ungerechnet sind.

455 Darüber, wie der Eumenidenchor des Äschylos das Volk erschreckte, vgl. dessen ersten Bios (bei Westermann, S. 119 f.)

456 Laut Suidas schrieb er auch λόγον καταλογάδην περὶ τοῦ χοροῦ, πρὸς Θέσπιν καὶ Χοιρίλον ἀγωνιζό μενος, also eine theoretische Prosaschrift über den Chor.

457 Eine ähnliche Stelle ist der Gesang Hekabe 444 ff., wo Phthia, Delos und Athen genannt werden.

458 Wie die Moira und die Götter in der griechischen Anschauung alternieren s. Band II, S. 115 ff.

459 Dies war die Ansicht O. Müllers, II, S. 121.

460 Poet. 6, 1 nach der Übersetzung von Susemihl.

461 Für die verschiedenen Erklärungen verweisen wir auf Susemihl.

462 Es ist schon viel, wenn in der euripideischen Andromache die Heldin mit gebundenen Händen (555) samt ihrem Knaben vor Menelaos niedersinkt (537) und dies gleich nachher vor Peleus wiederholt (572).

463 Horaz, ars poet. 180 ff.

464 Lukian, Anachars. 23.

465 Äschines, Bios III bei Westermann S. 269.

466 Äsch., Agam. 1382 ff. Auch die Nekyia der Odyssee (XI, 404 ff.) ist bei dieser Geschichte sehr realistisch.

467 Soph., Antig. 1238 f.

468 Eurip., Med. 1136 ff.

469 Diese heißen, wenn sie die Schlußkatastrophe melden, ἐξάγγελοι. – Gerne kennten wir den Grad der Gestikulation dieser Boten, wie wir auch gerne wüßten, ob die nicht Sprechenden mit stummem Spiele beschäftigt waren.

470 Eurip., Bakch. 677 ff.

471 Ebenda 1043 ff.

472 Bei der Gleichgültigkeit der Griechen gegen jede Genauigkeit in Tatbeständen machte dies nichts aus, weder für die Abweichung in den Schicksalen, noch für diejenige in den Charakteren. Und vollends auf die Örtlichkeit kam nicht viel an; schon Strabo bemerkt (VIII, 6, 19, p. 377), daß Euripides in einem und demselben Drama dieselbe Stadt bald Mykenä, bald Argos nenne.

473 Die clemenza di Tito des Metastasio wurde im Laufe der Zeiten von zehn Komponisten zugrunde gelegt, bis Mozart kam. – Für die Griechen vgl. die von Susemihl (Komment, z. Arist. Poetik, Anm. S. 181, 188) gegebenen, zum Teil langen Verzeichnisse aller derjenigen Tragiker, welche einen Ödipus, Orest, Alkmäon, Meleager, Thyestes, Telephos, Aias, Ixion, Perseus, Achilleus, Hektors Lösung, Penelope, Philoktet, Troades usw. gedichtet. Erhalten ist in zwei Bearbeitungen (Äschylus Sieben vor Theben und Euripides Phönissen) die Rettung Thebens, in dreien (Aeschylus Choëphoren, Sophokles und Euripides Elektra) die Rache für Agamemnon.

474 Vgl. oben S. 194 f.

475 Iokaste erzählt am Beginn der Phönissen mit großer Breite den ganzen bisherigen thebanischen Mythus. – Im Prolog der Hekabe weiß der ermordete Polydor auch den (im Stück) bevorstehenden Opfertod seiner Schwester Polyxena voraus. In den Troades findet sich sogar ein Pro-Dialog zwischen Poseidon und Pallas, worin der in dem Stücke sonst nicht mehr angedeutete Untergang der griechischen Flotte verabredet wird, so daß O. Müller darin den Beweis dafür finden konnte, daß eine Schlußszene verloren gegangen sei. – Aristophanes parodiert diese Prologe am Anfang der Ekklesiazusen in Praxagoras' Anrede an ihre Laterne.

476 Müller II, S. 92.

477 In der Elektra des Euripides wird dann rationalistisch gegen die Beweiskraft von Locke und Fußspur polemisiert. Uns würde scheinen, die Personen der Tragödie hätten den Göttern danken sollen, wenn niemand an ihr Fußgestell dachte.

478 So im Bios, bei Westermann S. 119. Ebenda wird nach Aristoph. Ran. 911 ff. daran erinnert, wie die äschyleische Niobe und Achill in den Ἓκτορος λύτρα (anders als bei Homer) die längste Zeit stumm und regungslos dasitzen. Auch der Mangel an Sentenzen und Rührstellen wird erwähnt.

479 Wir nennen als Gegenstück beispielsweise La tour de Nesle von A. Dumas.

480 Erst Euripides hadert mit seinen Mythen, indem er die einen als unwahr verwirft und in den andern die Charaktere umdeutet.

481 Ein gewisser Grad von Täuschung wurde freilich auch durch die griechische Tragödie hervorgebracht, und Gorgias (fragm. 19 bei Mullach) sagt darüber ganz hübsch: τὴν τραγῳδίαν εἶναι ἀπάτην, ἣν ὅ τε ἀπατήσας δικαιότερος τοῦ μὴ ἀπατήσαντος καὶ ὁ ἀπατηϑεὶς σοφώτερος τοῦ μὴ ἀπατηϑέντος.

482 Ausgelassen, da nicht von Burckhardt, sondern Zusatz von Oeri.

483 Nach Preller, Griech. Mythol. II, 177 wäre dies laut der Sage nicht nötig gewesen; Sophokles hat es aus höherem poetischen Grunde so angeordnet oder auch am Ende nur, damit ein und derselbe Schauspieler sowohl Deianira als Herakles geben konnte.

484 Überblicken wir hier die Handlung einiger Stücke, und zwar zunächst die der Andromache. Diese geht in Phthia vor. Andromache, die als Sklavin des Neoptolemos diesem den Knaben Molottos geboren hat, hat sich an das Thetisheiligtum geflüchtet; in Abwesenheit Neoptolems ist sie der Hermione, dessen angetrauter Gattin, preisgegeben, und deren Vater Menelaos ist expreß von Sparta gekommen, um Andromache quälen und töten zu helfen, weil diese sie durch Zauber unfruchtbar gemacht haben soll. Andromache wird endlich gezwungen, ihr Asyl zu verlassen, indem ihr vorgespiegelt wird, daß dann ihr Kind am Leben bleibe, worauf Vater und Tochter dennoch Anstalt machen, beide zu töten, und zwar wird, wie es später (517) heißt, Menelaos die Andromache und Hermione den Knaben töten; denn es sei Torheit, daß Feinde ihre Feinde am Leben lassen, wenn sie sie töten und das Haus von Sorgen freimachen können (N.B. dies im Frieden und gegen absolut Wehrlose). Mit gebundenen Händen wird Andromache und neben ihr Molottos abgeführt; beide klagen wehmütig. (In diesen Szenen drängt sich nun überall der Haß gegen den König von Sparta (Menelaos) und dessen Tochter als Spartanerin vor. Euripides widmet ihnen eine Anzahl von Insolenzen ad hoc und schildert den Menelaos als erbärmlich. Aber auch abgesehen davon ist die Handlung höchst nachlässig gefügt, so vorzüglich gesagt die Reden und Gegenreden sind; es ist schon schwer begreiflich, daß Menelaos, der doch im Phthia des Peleus nur als Gast weilt, solche Souveränitätsfrevel unternehmen kann; er hat (426) Diener zur Exekution bei sich).

Nun erscheint der alte Peleus, und es kommt zwischen ihm, Andromache und Menelaos zu einem längern Gespräch. Dabei droht Peleus (588) dem Menelaos, ihm mit dem Stab den Kopf blutig zu schlagen. Dieser läßt aber auch, nachdem er die Aufforderung (639) gehört hat, mit seiner Tochter das Land zu verlassen, seine Zunge noch walten und wirft dem Peleus u.a. die Ermordung seines Halbbruders Phokos (687) vor, was auf keine Weise hieher gehört. Endlich (715) werden der Andromache, welche bisher gekniet hat, die Riemen gelöst, und nun folgt die erbärmliche Rede des Menelaos: er sei nicht gesonnen, in Phthia Gewalt zu üben noch zu dulden; jetzt habe er keine weitere Muße und müsse heim, um eine Nachbarstadt (von Sparta) zu bekämpfen, nach deren Überwindung er wiederkommen werde, um dann mit Neoptolemos irgendwie abzurechnen. Dann geht er fort und nach kurzer Zwiesprache auch Peleus und Andromache.

Im folgenden Akt meldet eine Amme dem Chor, Hermione, von ihrem Vater verlassen und reuig wegen der gehabten Absichten, drohe, sich zu töten; dann erscheint diese selbst und benimmt sich verzweifelt, worauf die Amme sie tröstet: Neoptolem werde sie doch nicht verstoßen. Und nun tritt Orest auf, der sich auf dem Wege nach Dodona befindet, erkundet die Kusine und will sich ihrer annehmen. Sie sagt, ihr Vater sei vor Peleus davongegangen aus Furcht (αἰ δοῖ γε) und klagt, durch das Geschwätz böser Weiber verführt worden zu sein; Orest nimmt sie als frühere Braut in Anspruch und läßt dann erraten, daß er den Neoptolem in Delphi (wo er Einverständnisse hat) zu ermorden gedenke. Hierauf müssen sie beide (vor dem Chor V. 1009) Phthia verlassen haben.

Nachher tritt Peleus auf und erfährt, daß sie fort sind und welche Mordabsicht Orest geäußert habe, und gleich darauf erscheint schon der Bote, der die Ereignisse von Delphi umständlich und prächtig erzählt, und zugleich wird die Leiche des Neoptolem gebracht. Nach großem Jammer des Peleus erscheint Thetis als dea ex machina und kündet dem Peleus, er solle wieder zu ihr kommen und unsterblich sein.

An den Phönissen tadelt die Hypothesis zunächst mit Recht die Teichoskopie der Antigone, welche sich am Anfang des Stückes von dem (später nicht mehr auftretenden) Pädagogen die argivischen Helden einzeln explizieren läßt. Erstens ist dies ein klägliches Plagiat aus Ilias III, wo Helena auf dem skäischen Tor die Erklärerin ist, und das viel weniger schwerfällig. Zweitens, wenn ein Bild des argivischen Angriffes im Zuhörer erweckt werden mußte, so versieht dies in den Sieben des Äschylos (39 ff.) so unendlich viel besser der Späher, welcher nicht von den Mauern herab, sondern aus dem Lager die Kunde bringt, daß er die Sieben vereint bei dem furchtbaren Stieropfer gesehen hat. (Nachher kommt in den Sieben dann schon die Einzelaufzählung, aber am rechten Orte.) Euripides bringt etwa 100 Verse damit hin und entwickelt in der Antigone unnützes Pathos und im Pädagogen antiquarisches Wissen thebanischer Örtlichkeiten.

Das Auftreten des unter dem Schutze eines Vertrages in die Stadt gelassenen Polyneikes zum Redestreit mit Eteokles und Iokaste, obwohl von der Hypothesis getadelt, hat doch sein gutes Recht, und Euripides hätte sich diese Partie, welche Äschylos nicht hat, ohnehin nicht nehmen lassen. Die anfängliche Rührung der Iokaste ist recht schön; aber sehr erkältend wirken (387 ff.) die Monosticha über Vaterland, Exil usw., die aber wohl um der Athener willen nicht wegbleiben durften. – In der Gegenrede des Eteokles (499 ff.) wird dann mit der größten Naivität festgestellt, man gebe eine Herrschaft, die man habe, ganz einfach nicht mehr auf; denn um ihretwillen täte man geradezu alles. Auf dies hin folgen die Warnungen der Iokaste, diese meisterhaft.

Dramatisch und zugleich militärisch äußerst schwach ist dann (690 ff.) der Diskurs zwischen Eteokles und Kreon über die Verteidigung von Theben; da je gegen ein Tor sieben argivische Heerführer seien, müßten an den Toren auch sieben Männer zur Gegenwehr aufgestellt werden. – Den Teiresias, welchen Kreon durch seinen Sohn Menoikeus hat holen lassen, braucht der Dichter (834 ff.), damit er die gegenseitige Tötung von Eteokles und Polyneikes weissage und Kreon die Tötung des eigenen Sohnes, eben dieses Menoikeus, befehle, als Sühne an Ares, dessen Quelldrachen einst Kadmos getötet; ein Sparte muß sterben, und zwar ein unvermählter Jüngling, was Menoikeus allein ist. – In dem folgenden Gespräch stellt sich dieser auf das Verlangen des entsetzten Vaters zur Flucht bereit, verkündet dann aber nach dessen Abgang mit größtem Edelmut seinen Opferentschluß. Auf der Zinne der Stadt will er sich töten und sterbend in das tief dunkle Drachengrab hinabstürzen. Dann geht er ab, um diesen Entschluß sofort auszuführen.

Es kommt der erste Bote, welcher der Iokaste und dem Chor den Sieg der Thebaner, dann aber auch die Bereitstellung der Söhne zum Zweikampf berichtet. Iokaste bricht mit Antigone auf, um denselben zu hindern. Kreon erscheint; er hat die Leiche des Menoikeus gefunden und hergetragen, und Iokaste soll ihn waschen; diese ist aber noch mit Antigone abwesend. Der zweite Bote meldet dann den Untergang der beiden Brüder und den Selbstmord der Iokaste, welche im Tode beide umschlang.

Antigone eilt herbei und gibt ihrem Jammer in einer Monodie Ausdruck; sie ruft den Ödipus hervor, und dessen Auftreten ist – gegen die Hypothesis – sehr wohl zu rechtfertigen; er würde fehlen, wenn er nicht käme, nur müßte es großartiger gegeben sein. Er erfährt nun in Gegenwart aller vier Leichen alles, wird von Kreon aus dem Lande gewiesen, vernimmt auch noch das Verbot der Bestattung des Polyneikes und geht mit Antigone fort, um auf Kolonos zu sterben.

Das schlimmste Beispiel frecher Veränderung des Mythus gibt Euripides im Orestes. In den allbekannten Hergang werden Situationen hineingeschoben, die ihn und die Charaktere übel entstellen. Der Moment ist eine Woche nach Klytämnestras Tode. Die Täter, vom argivischen Volk mit Steinigung bedroht, sind im Palast wie belagert. Menelaos wird erwartet, Helena ist schon da und sendet Hermione mit Spenden auf Klytämnestras Grab. Währenddessen schlummert Orest. Erwachend schaut er dann abwechselnd Erinyen und die ihn hütende Elektra. (Um dieser wirklich bedeutenden Szene willen mag das Stück so viel gegolten haben.) – Menelaos erscheint; Orest, im Gespräch mit ihm, hofft Rettung durch ihn; aber auch Klytämnestras Vater Tyndareos kommt und verlangt das Gewährenlassen der Steinigung, obwohl er die Taten seiner beiden Töchter preisgibt. Orest betont in seiner Gegenrede, männermordende Weiber müßten aus praktischen Gründen gestraft werden; Tyndareos beharrt aber dabei, Orest und Elektra seien todeswürdig. Auf eine nochmalige Rede Orests an Menelaos, verspricht dieser bloß halb, beim Volk zur Mäßigung zu reden, und geht ab.

Pylades erscheint, und Orest erzählt ihm, was Menelaos und Tyndareos gesagt; sie beschließen, zum Grab Agamemnons zu gehen und dann zum Volke, um sich zu verantworten. Die ganze hierauf erfolgte Volksdebatte und das Todesurteil mit der schwachen Milderung, daß die Schuldigen sich selbst das Leben nehmen dürfen, meldet der Elektra ein Bote.

Es folgt, durch ein Rührungsduett zwischen Orest und Elektra eingeleitet, das niederträchtige Trio: Orest-Elektra-Pylades. Zunächst äußert sich die Erbitterung gegen Menelaos, der selber Argos zu erobern hoffe, dies aber nun ebenfalls büßen soll. Pylades rät, Menelaos solle durch die Tötung Helenas gekränkt werden, die es ohnehin auch verdient habe, und wenn dies nicht geraten sollte, durch Anzündung des Palastes. (Das ist der Pylades, welcher in der Hypothesis noch von den Unedeln (φαῦλοι) exzipiert wird). Elektra fügt bei, Hermione, wenn sie vom Grab Agamemnons zurückkehre, sei als Pfand zu packen, damit Menelaos den Tod der Helena nicht rächen könne. Dann rufen alle drei aufs andächtigste die Hilfe und Segnung Agamemnons an, worauf Orest und Pylades sich in den Palast begeben.

Gleich darauf hört man Helena schreien. Ein Phryger, aus dem Palast entwichen, erzählt dem Chor, wie Helena mörderisch angegriffen worden, aber plötzlich verschwunden, Hermione durch Orest und Pylades ergriffen worden sei. Orest kommt und holt den Phryger, damit dieser nicht die Stadt aufrufe, und dann schicken sie sich an, Feuer an den Palast zu legen.

Menelaos erscheint unten, oben aber die drei mit der mörderisch bedrohten (N.B. völlig unschuldigen) Hermione; sie erklären mit Bedauern, Helena sei ihnen »entrückt« worden, und Orest droht dem Menelaos, wenn er ihnen nicht beim Volk Rettung verschaffe, und muntert die Schwester auf, Mordbrennerin zu sein (1618 ὕφαπτε δώματα). Nun endlich erscheint Apoll und entscheidet: Helena ist unter die Götter versetzt, Orest muß ein Jahr nach Parrhasia (wie Max im Freischütz), dann zum Gericht nach Athen, dann heiratet er Hermione und behält Argos; Pylades bekommt die Elektra, Menelaos regiert in Sparta weiter. Endlich verspricht Apoll auch, τὰ πρὸς πόλιν zu ordnen, d.h. die Gemüter der Argiver zu Orests Gunsten zu stimmen.

485 Vgl. S. 211 f.

486 Seine Rede kommt auf den Befehl hinaus: »Einstweilen macht, daß ihr fortkommt, und keiner unterstehe sich zu brummen.«

487 Vgl. über den d.e. m.O. Müller II, S. 152.

488 Ausgelassen, da nicht von Burckhardt, sondern Zusatz von Oeri.

489 Vgl. O. Müller II, S, 145 Anm.: »Im ganzen hat in der alten Tragödie jede Person bis zu einem gewissen Grade in ihrer Denkweise recht; das schlechthin Nichtige, Verwerfliche hat keinen Platz darin«. Analog verfährt in seinen Reden auch Thukydides.

490 ϑεῖα πάντα πρόσωπα sagt der Bios, und zwar von der ganzen Trilogie »οἱ Προμηϑεῖς.« – Vgl. über das Stück Nietzsche, Die Geburt der Tragödie, S. 47.

491 Dafür, daß Io mehr Opfer des Zeus als der Hera ist, vgl. besonders V. 671 f.

492 Dieses letzte Geheimnis, nämlich die furchtbare Folge einer möglichen Ehe des Zeus mit Thetis, weiß N.B. das Publikum. Bei Pindar Isthm. VII, 66 plaudert schon Themis alles aus.

493 Unrichtig sind, dem Schicksale des Prometheus gegenüber, O. Müllers Tröste (II, 96 ff.), »die Tragödie habe unmöglich bei dem Gegensatz und Konflikt, der innern Freiheit eines Einzelnen und des allwaltenden Schicksals stehenbleiben können, sondern die streitenden Mächte dadurch aussöhnen müssen, daß jeder ihre rechte Stelle angewiesen wird«; die Härte des Zeus sei nur »eine notwendige Erscheinung des Überganges«; im »Gelösten Prometheus« habe dann Zeus eine allgemeine Amnestie verkündet; dadurch, daß der dreizehnte Nachkomme der Io den Prometheus befreien werde, erscheine zugleich die Liebe des Zeus zu Io in einem höhern Licht und werde auch für Prometheus Schicksal »eine Art Beruhigung gewonnen«; wenn auch zuzugeben sei, daß Herakles den Prometheus auf eigenen freien Antrieb erlöse, so geschehe es doch offenbar »durch Zulassung des Zeus«. Man müsse annehmen, daß am Ende des Stückes die Majestät des Zeus und die tiefe Weisheit seiner Ratschlüsse sich in solcher Herrlichkeit offenbarte, daß des Prometheus Trotz völlig gebrochen wurde. – Uns erscheint dies alles in Verkennung des wesentlichen Pessimismus der griechischen Weltanschauung postuliert. Zeus hat im »Gelösten Prometheus« ohne Zweifel nachgeben müssen, und jedenfalls mußte die mittlere, erhaltene Tragödie ganz notwendig und trotz ihren zwei Seitenstücken eine isolierte Wirkung hervorbringen und zwar: Bewunderung für den erhabenen Trotz des Dulders.

494 Bei Hygin, Fab. 117 hat Klytämnestra von Oiax, dem Bruder des von den Achäerfürsten gemordeten Palamedes, fälschlich erfahren, Agamemnon bringe Kassandra als pellex mit sich; Äschylos kannte dieses Motiv nicht oder verschmähte es.

495 Wenigstens, wenn 1335 ff. der Dichter aus dem Chor redet.

496 Vorher (1476) nannte sie ihn τὸν τριπάχυντον δαίμονα γέννας τῆσδε.

497 Vgl. Müller II, S. 123, wo die Vergleichung noch weiter ausgeführt wird.

498 Etwa einmal hat auch schon Sophokles einen realistisch wüsten Zug; so Öd. Kol. 1259 den Schmutz (πίνος) des Greises.

499 O. Müller II, S. 178.

500 Aristot. Poet. 25. – Man vergleiche dazu Lysipps Wort, die Alten hätten die Menschen dargestellt, wie sie seien, er, wie sie zu sein schienen. Plin. 34, 65.

501 Sie und Orest töten dann Klytämnestra aus übermäßiger Rachsucht und bereuen es nachher, und auch die Dioskuren tadeln den Apoll darob.

502 Vgl. die Darstellung Nietzsches (Geb. d. Trag.) S. 56, wie Euripides »den Zuschauer auf die Bühne brachte«. Aristophanes gab zu, von ihm gelernt zu haben; doch nehme er seine Gedanken weniger aus dem täglichen Treiben des Marktes. O. Müller II, 156.

503 Nach fragm. 698 (Nauck) sollten sie ἀλκτήρια τύχης sein; er wollte arm scheinen.

504 Auch Hek. 518 ff. spricht Talthybios von seinen Tränen.

505 In den Troades findet sich der Abschied des (stummen) Astyanax von der Mutter und die Empfangnahme der zerschmetterten Leiche durch die Großmutter – so müßig wie alles in diesem Stücke, wo nichts aneinander hängt. – Über die Rührung am Schlusse des Hippolytos vgl. oben S. 219.

506 Dies hindert nicht, daß auf die Sophisten etwa auch ein Hieb fällt, wie Hek. 1187 ff., wo es heißt, sie verständen τἄδικ᾽ εὖ λέγειν, zuletzt aber gehe es ihnen schlecht.

507 So heißt der Dichter bei Athenäos XIII, 11.

508 Die Malice auf die Bogenschützen, der hier entgegengetreten wird, ist alt. Vgl. Ilias XI, 385. – Bald ersetzte dann allerdings Iphikrates den Bogenschützen durch den Peltasten.

509 Hek. 581 sagt z.B. Talthybios am Schlusse seiner Erzählung von Hekabe:

παιδὸς ϑανούσης εὐτεκνωτάτην τέ σε

πασῶν γυναικῶν δυστυχεστάτην ϑ᾽ ὁρῶ.

Eine bei Euripides oft vorkommende rhetorische Figur ist auch das Oxymoron, d.h. der witzige Kontrast von Begriffen, die sich gegenseitig aufheben, z.B. Hippol. 1037:

ἐσωφρόνησεν οὐκ ἔχουσα σωφρονεῖν,

wo mit dem Doppelsinn von σωφρονεῖν (1. sana mente esse, 2. prudenter agere) gespielt wird. Hiezu die Parallelstellen und der Hohn des Aristophanes (Acharn. 395) bei den Auslegern.

510 Übrigens ist sehr geschickt, daß zuerst Polyneikes spricht, dessen Unrecht in der Herbeiziehung eines fremden Heeres gegen die Heimat liegt, und dann Eteokles, der sich um der Herrschaft willen alles für erlaubt hält. – Man vgl. hiezu die langen Prozesse in den Komödien (Ritter, Wespen, Frösche).

511 Über Sokrates' Besuch der euripideischen Stücke, auch im Theater des Piräus vgl. Älian V.H. II, 13.

512 Die Hypothesis des Aristophanes von Byzanz zu den Phönissen meint: ἔστι δὲ τὸ παρὸν δρᾶμα τῶν ἄγαν ἐξαιρέτων, διανοίαις καὶ γνώμαις πολλαῖς καὶ καλαῖς καὶ ποικίλαις ἀνϑοῦν καὶ μεταχειρίσει ἀρίστῃ καὶ διὰ πάντων ἀκμάξον κ. τ. λ.

513 Er darf sogar (1283) den drohenden Agamemnon mit einem »ἀλγεῖς ἀκοῦων« noch höhnen.

514 Vgl. V. 1602: ἵν᾽ ἡ δόκησις Ξοῦϑον ἡδέως ἔχῃ.

515 Vgl. oben. S. 217, Anm.

516 Athen. VIII, 39 berichtet auch von Äschylos, daß er nach einer Niederlage gesagt habe, er weihe seine Tragödien der Zeit.

517 Plut. Nikias 29.

518 Ebenda folgt noch die Geschichte von dem Schiffe, welches die Kaunier erst zuließen, als Leute darauf ᾄσματα des Euripides wußten. Zu der enormen. Popularität des Euripides vgl. auch den Traum des athenischen Strategen Thrasyllos vor der Arginusenschlacht bei Diodor XIII, 97. – Aus späterer Zeit vgl. die Stelle bei Lukian, quo modo historia, 1, 2., wonach (in der Zeit des Königs Lysimachos) die Abderiten von ihm besessen werden und beständig rezitieren, besonders aus der Andromeda.

519 Laut Bios I des Eur., bei Westermann S. 137.

520 Darüber, daß die Diktion des Euripides sorgfältig aus der gewöhnlichen Rede zusammengelesen ist, vgl. Aristot. Rhet. III, 2, 4, wo es heißt, der Redner verberge seine Kunst, wenn er ἐκ τῆς εἰωϑυίας διαλέκτου ἐκλέγων συντιϑῇ, ὅπερ Εὐριπίδης ποιεῖ καὶ ὑπέδειξε πρῶτος.

521 Merkwürdigerweise findet sich auch bei Euripides eine Szene, welche völlig wie eine aristophanische Komödienszene wirkt, nämlich die letzte zwischen Pentheus und Dionysos, Bakch. 912 ff.

522 Vgl. über diesen Anspruch die von Valerius Max. III, 7 mitgeteilte Geschichte von Euripides, der, als das Volk von ihm die Weglassung einer sententia (also eines moralischen Satzes, nicht bloß einer ästhetisch anstößigen Stelle) verlangte, den Stolz hatte, auf die Bühne zu steigen und dem Volke zu erklären: se ut eum doceret, non ut ab eo disceret fabulas componere solere. Man möchte nur, daß er immer danach gehandelt hätte. – Vgl. auch Olympiodor, vit. Plat. p. 3 μετὰ ταῦτα δὲ (d.h. nach Platos Beschäftigung mit Gymnastik, Musik usw. in der Jugend) καὶ παρὰ τοῖς τραγικοῖς ἐπαιδεύϑη παιδευταῖς νομιζομένοις εἶναι τῆς Ἑλλάδος.

523 Plut. X orat vitae s.v. Lycurgus.

524 Vgl. O. Müller II, 184 ff.

525 Diodor XIV, 53.

526 Auch sein gleichnamiger Sohn war Tragiker.

527 Über Sophokles vgl. oben S. 225 f. Bei Eurip. spricht z.B. Hel. 216 der Chor von der Erzeugung Helenas durch Zeus als Schwan und 258 diese selbst von ihrer Geburt aus einem Ei, sowie 375 von der Liebschaft Kallistos, welche vierfüßig (freilich hier als Löwin, nicht als Bärin) das Lager des Zeus bestieg, und daneben läuft das ganze gleichzeitige Dasein Helenas als wirkliche Person und als Scheinbild. Auch in den Bakchen, wo am Ende alles tot oder todesmatt zu Boden liegt, läßt der Dichter den Mythus förmlich wüten.

528 πλεῖν ἢ μυρία Εὐριπίδου πλεῖν ἢ σταδίῳ λαλίστερα. ἐπιφυλλίδες ταῦτ᾽ ἐστὶ καὶ στωμύλματα, χελιδόνων μουσεῖα, λωβηταὶ τέχνης. γόνιμον δὲ ποιητὴν ἂν οὐχ εὕροις ἔτι.

529 Plato Gorg. 502, c. Für die supponierte Zeit des Dialogs, bald nach dem Tode des Perikles (503 c.), also bei Lebzeiten des Sophokles, ein hartes Urteil, und auch vom Standpunkt der Abfassungszeit des Dialogs gesagt sind es immerhin Worte des resignierten Tragikers Plato.

530 Dies nach Plato de legg. II, p. 659 b. Er führt dann aus, wie dies zunächst die Dichter verderbte, die sich nach der Lust der Menge richteten, und dann auch das Publikum selbst. Während dieses durch Anhören besserer ἤϑη als der eigenen ein edleres Vergnügen erreichen sollte, erfolge jetzt gerade das Gegenteil.

531 Über Mamerkos vgl. Plut. Timol. 31, über Eu phantos Diog. Laert. II, 10, 6 (110). Wo ihre Stücke aufgeführt wurden, ist unbekannt. – Ein eigentümlicher Tragiker wäre auch der Zyniker Diogenes, der sieben Tragödien gedichtet haben soll; doch wird dies bestritten.

532 Über die massenhafte Verwertung der Liebe vgl. E. Rohde, Roman, S. 35 ff.

533 Älian, V.H. XIV, 12.

534 Vgl. O. Müller II, 190.

535 Westermann S. 145.

536 Ebenda S. 147.

537 Gorg. 502 c.

538 Aristot. Rhet. III, 1, 4: παϑάπερ ἐκεῖ (in den musischen Agonen) μεῖζον δύνανται νῦν τῶν ποιητῶν οἱ ὑποκριταὶ (so gelte auch bei den politischen Agonen der Vortrag mehr als die Sache).

539 Gellius VII, 5.

540 Dabei wird er auch die Pas gemacht haben. Aber ersparte er sich vielleicht die Aufstelzung und, da er ja in derselben Szene alle Charaktere geben mußte, auch die Maske? Hier dürfte trotz der Enormität des Lokals deren Konsequenz, die künstliche Vergrößerung und das dröhnende Rezitieren der Schauspieler, fallen gelassen worden sein, welches vom Anfang des Dramas an jede Nuancierung des Ausdruckes muß unmöglich gemacht haben.

541 Sie wurden nach Lukian quomodo bist. 1. 2. von einem heftigen Fieber ergriffen, das am siebenten Tage in Nasenbluten und Schweiß überging. Lächerlicherweise verfielen sie darauf alle auf die Tragödie, sprachen Iamben und riefen sehr laut und sangen besonders Arien aus der Andromeda des Euripides, und die Rede des Perseus sangen sie, und die ganze Stadt war voll von jenen blassen, abgemagerten Tragöden, und dies ging so lange, bis Winter und Eis der Sache ein Ende machten. Die Veranlassung aber scheint Archelaos, der Tragöde, der damals berühmt war, gegeben zu haben, indem er mitten im Sommer und bei großer Hitze die Andromeda tragierte, so daß die meisten schon vom Theater an ins Fieber fielen und dann, wieder davon aufstehend, in die Tragödie hineinglitten, indem die Andromeda von ihrem Gedächtnis Besitz genommen hatte und Perseus mit der Medusa eines jeden Geist umschwebte. – Hievon mögen drei Viertel Anekdote sein; aber die Macht des Einzelschauspielers für ein ganzes Stück bleibt unleugbar, ebenso wie der Zauber des Euripides ein Jahrhundert nach seinem Tode.

542 Athen. XIII, 87 gibt aus ihm Muster einer langen Beschreibung von mehreren schlafend hingesunkenen und halb entblößten Weibern; Mond und Sonne schauen auf die Nuditäten. – Ebenda eine Beschreibung von Blumen. (Sind die Verse aus Antiphanes bei Athen. XIV, 50 – eine Lobrede auf Philoxenos – zugleich ein Hieb auf Chäremon?)

543 Aristot., Rhet. III, 12, 2. – An derselben Stelle erfahren wir auch, daß der Dithyrambiker Likymnios zum bloßen Lesen dichtete.

544 Plut. X orat. vit. 8. p. 165. – Die große Hauptaussage über die Pantomime gibt Lukian in de saltatione.

545 Vgl. oben S. 189.

546 O. Müller II, S. 194.

547 Dagegen glauben wir je länger je weniger an O. Müllers Ansicht (II, 195 f.), daß die Befreiung von den Gesetzen des Anstandes und der sittlichen Würde, »die in jener Zeit noch sehr streng aufrecht erhalten wurden, nur eine momentane gewesen sei, nur eine Trunkenheit und ein Karnevalsschwank, nach welchem man die Erinnerung von allem, was man dort gesehen und erfahren, wieder von sich abgeschüttelt habe« – »wenn nicht eben ein tieferer Ernst des komischen Dichters in den Herzen der σοφοί einen Stachel zurückgelassen hatte.« – Vielmehr halten wir die Komödie mehr und mehr für ein freilich groteskes Bild des wirklichen Athen, bösartig und liederlich, wie es wirklich war.

548 So tun noch die Mysten in den Fröschen 416 ff. Nach einer antiken Notiz (bei Westermann, Biogr. 160, Nota) wäre gar das längst vorhandene öffentliche Höhnen von Staatswegen in der Komödie und ihren Dichtern kanalisiert worden.

549 O. Müller II, S. 201. – Aristoteles, Poet. 5 sagt, erst spät habe der Archon einen Chor von Staatswegen hergegeben, früher hätten ihn Freiwillige gebildet.

550 Wespen 57 ff.

551 Auch die oskischen Atellanen mit ihren stehenden Charaktermasken gehören hieher; sie standen unter griechischem Einflusse.

552 Athen. XV, 6.

553 Ganz anders hielten es dann die Schauspieler der neuern Komödie, welche nach dem Zeugnisse der Malerei zu Plautus und Terenz zwar oft affrös lächerliche Masken trugen, ihre Tuniken und Pallien aber so zugeschnitten hatten wie die betreffenden Personen im Leben.

554 Man hatte offenbar den vollen Chor einer tragischen Tetralogie halbiert, um zu dieser Zahl zu kommen.

555 O. Müller II, 210, nach welchem diese ganze Darstellung der Teile der Komödie gegeben ist.

556 Wer brachte diesen Verkehr mit dem Publikum, den ja auch Pindar stellenweise hat, zuerst auf? Derselbe war wohl uralt; er hat sein Analogen im Treiben des saltimbanque, des Quacksalbers, des Taschenspielers. Bei Aristophanes ist er übrigens nicht auf die Parabase beschränkt. In den Fröschen will z.B. Dionysos (297) vor der Empusa zu dem vorn sitzenden Dionysospriester flüchten. In den Wolken (1201) insultiert Strepsiades die Zuschauer, nachdem (1104) der δίκαιος λόγος zu ihnen geflohen ist.

557 Man betrachte z.B. die Apostrophe an die Zuschauer in den Wolken 518 ff., wo Aristophanes seine Mühe und sein Gelingen rühmt, auf die Konkurrenten schimpft, denen er bei der ersten Aufführung des Stücks unterlegen ist, von seinen frühern Dichtungen und deren Erfolg spricht, seine stets neue Erfindung rühmt, und wie er keiner Roheit bedürfe, seine Ideen nicht zu Tode reite, auf seinen Opfern einmal, aber nicht permanent herumtrete (mit Euripides hielt er es dann freilich anders), seine Figuren nicht von andern borge, wie Eupolis die betrunkene Alte von Phrynichos, und wo er dann zuletzt findet: »Wenn ich euch einleuchte, wird man euch verständig finden.« Die zweite Parabase (1113-30) enthält dann einen humoristischen Aktschluß der Wolken an die Richter, denen sie alles Gute versprechen, wenn sie ihnen Beifall spenden, und alles Unheil in Aussicht stellen, wenn man ihnen Unehre antue. – Mit einer ähnlichen Anrede schließt auch die zum Teil höchst respektlose zweite Parabase der Vögel (1101-17). – Ähnliches Selbstlob wegen seiner Komödien, wie die der Wolken, enthält die Parabase der Wespen (1009-1121), wo der Chor zuletzt patriotisch mit seinen frühern Verdiensten in den Perserkriegen renommiert und aus richterlicher Schärfe und bürgerlicher Biderbigkeit eins macht, und die des Friedens (729-818), wo der Dichter sich auch seines Kampfes gegen Kleon rühmt. – Auch in der der Acharner rühmt er seinen politischen Freimut, von dem die Kunde bis zum Großkönig gedrungen sei. – Die Klage, daß die alten Dichter (Magnes, Kratinos, dem freilich nur scheinheiliges Mitleiden gespendet wird, und Krates) nicht mehr in Ehren stünden, findet sich in der ersten Parabase der Ritter (498-610). – Übrigens kommt es etwa auch in den kleinern Chorgesängen, welche sonst entweder schön idealen Inhalts sind oder Anhäufungen von persönlichen Invektiven enthalten, vor, daß der Dichter in eigener oder in seines Faches Sache spricht, wie in den Anapästen der Parabasen. So Acharn. 1143-73 der Angriff gegen Antimachos, der auf ein Gesetz gegen namentliche Ausfälle der komischen Dichter angetragen hatte, mit einem Schlußhieb gegen Kratinos.

558 Z.B. die zweite Parabase der Ritter (1264-1315).

559 Dies der mehrmalige Inhalt der Epirrheme. So ist in den Fröschen (674-737) die zweite Parabase eine wie vom Himmel gefallene, rein politische Anrede an die Athener, ohne den mindesten Zusammenhang mit dem Stück oder mit dem Theater überhaupt. Der Redner, der Aufhebung der Atimie für die Anhänger der Vierhundert und Anstellung von nobeln, liberalen Leuten statt der hergelaufenen verlangt, scheint sich auch anfangs deshalb zu entschuldigen, indem er (686 ff.) dem Chor eine Art politischer Mahnung vindiziert. Laut der Didaskalie gefiel aber gerade diese Tendenzpredigt den Athenern sehr und verschaffte den Fröschen die nicht häufige Ehre der zweiten Aufführung.

560 Dies geschieht in den Wespen 1071 ff., besonders aber hält sich Aristophanes in der langen Parabase der Vögel (676-800) und ebenso in der Nebenparabase (1058-1117) gewissenhaft an die Fiktion, daß Vögel sprechen.

561 O. Müller II, S. 248 (vgl. 198) hält diese Mysten für die, »welche die Freiheit und Lust der Komödie auf die rechte Weise zu genießen wissen«, und nach den Worten der Parabase (356) wäre dies wohl zuzugeben; aber Parabasen sind für die Gesamtbedeutung des Chores nirgends maßgebend, und der Rest der betreffenden Parabase spricht von ganz anderm. Übrigens erinnert das εὐφημεῖν χρὴ κἀξίστασϑαι τοῖς ἡμετέροισι χόροισι κ. τ. λ., wo der Chorführer benützt wird, um ihm eine Abweisung gegen eine Reihe von Menschengattungen in den Mund zu legen, an die Inschrift der Abbaye de Thélème bei Rabelais.

562 Vollends toll ist es, daß im Dialog so oft tragische Verse zitiert werden, und zwar nicht bloß, um Euripides lächerlich zu machen, sondern auch schöne von Äschylos und Sophokles.

563 Noch in der nachherigen Rede an Strepsiades (412 ff.) halten die Wolken den idealen Stil inne, worauf sie ihm Erfolg in allen seinen Schlechtigkeiten versprechen. – Auch in die große Parabase gibt der Dichter zwei Einlagen des idealen Stiles: die Strophen des Gesamtchores an Zeus, Poseidon und Äther und dann an Apoll, Artemis, Athene und Dionysos. – In den Fröschen klingt der Chor der Eingeweihten (324 ff.) sehr schön und wonnig, aber die Parabase teilt nach ernstem Anfang athenische Lokalhiebe aus, und der weitere Gesang des Chores repräsentiert die beim Eleusiszug üblichen Spöttereien, zuletzt bis in den tiefsten Schmutz hinein. Was irgend die Mysten anfangs bedeuten mögen, am Ende werden sie hier ein Stück des wirklichen Athens (vgl. oben S. 238, Anm. 547); der Schluß aber (441 ff.) ist dann wieder wie der Anfang mehr im idealen Stile gehalten.

564 Eine schöne lyrische Einlage ist auch mitten in der Nebenparabase die Stelle (1088-1100), wo die Vögel ihr glückliches Leben schildern, ohne alle Beziehung auf Nephelokokkygia, und auch der Schlußhochzeitsgesang ist höchst pomphaft und schön.

565 Lysias bei Athen. XII, 76 sagt in seiner Rede gegen den verrufenen Komödiendichter Kinesias: οὐχ οὖτός ἐστιν ὁ τοιαῦτα περὶ ϑεοὺς ἐξαμαρτάνων, ἃ τοῖς μὲν ἄλλοις αἰσχρόν ἐστι καὶ λέγειν, τῶν κωμῳδιδασκάλων δ᾽ ἀκούετε καϑ᾽ ἔκαστον ἐνιαυτόν; da in der Folge von Kinesias und Konsorten gesagt wird καταγελῶντες τῶν ϑεῶν, so mag Lysias z.B. auch die Behandlung des Dionysos in den Fröschen ebenso taxiert haben.

566 Der Mauerbau dieser Stadt (Vögel 1124 ff.) ist ein besonders schönes Beispiel der komischen Phantastik. Laut dem Bericht des Boten wird die Mauer oben so breit, daß die Wagen des X. und Y. (folgen zwei Namen von stadtbekannten Aufschneidern) einander ausweichen können, obschon einer davon Pferde hat wie das hölzerne Pferd von Troja. Es folgt dann umständlich, was die Vögel beim Bau alles getan. Selbst Peisthetäros sinkt bei diesen Lügen in tiefes Nachdenken, »ἴσα γὰρ ἀληϑῶς φαίνεταί μοι ψεύδεσιν« (1167).

567 Wesp. 54 sagt der Sklave Xanthias: φέρε νυν κατείπων τοῖς ϑεαταῖς τὸν λόγον und schildert hierauf den Zustand seines Herrn, des Phileliasten Philokleon. Ähnlich Ritter 36 und Frieden 50.

568 Frieden 739 ff. – Immerhin scheute er sich nicht, auch von den Vorgängern dies und jenes zu entlehnen; so hatte er nach einem Scholion des Ravennas das saubere Motiv der Umgestaltung des Mnesilochos zum Weibe (Thesmoph. 233 ff.) den »Idäern« seines alten Vorgängers Kratinos entnommen.

569 Nach V. 1053. Der vorhergehende Vers wird auch dem Psephismenhändler und nicht dem ἐπίσκοπος gehören, dem er zugeteilt wird.

570 Moses Chorenazi, vgl. Baumgartner, Ztschr. d. deutsch. morgenl. Gesellschaft Bd. 40, S. 468.

571 Vgl. V. 103 πλεῖν ἢ μαίνομαι.

572 Sehr stark ist es, wie (529) Dionysos, nachdem Xanthias wegen seines Wortbruches die Sache den Göttern hat überlassen wollen, als athenischer Atheist fragt: »Was für Göttern denn?«, dann aber bald (628), um der Folter zu entgehen, seine Unsterblichkeit geltend macht. Nachher wirft ihm Euripides wegen seiner Bewunderung des Äschylos vor, er sei ein einfältiger Kerl gewesen (917) und er entgegnet: »Es kommt mir selber auch so vor«. Als präsidierender Agonalrichter benimmt er sich so erbärmlich als möglich und wagt (1411 ff.) keinen Entscheid, um sich mit keinem von beiden Dichtern zu verfeinden (τὸν μὲν γὰρ [Αἰσχύλον] ἡγοῦμαι σοφὸν, τῷ δ᾽ [Εὐριπίδῃ] ἥδομαι). Erst auf das schließliche Drängen Plutons läßt er die beiden sich über Alkibiades aussprechen und wählt dann den Äschylos, wie er (1471) zugibt, gegen seinen früher dem Euripides gegebenen Schwur. Als eidbrüchig ist er schließlich noch ein rechter Athener.

573 Vgl. z.B. Vögel 1549 ff. Prometheus ist gekommen, um dem Peisthetäros den Zustand der Götter zu verraten, bittet diesen aber, den Sonnenschirm über ihn zu halten, damit er, wenn Zeus ihn erblicke, einer Jungfrau in der Prozession zu folgen scheine.

574 Wolken 300, vgl. S. 244.

575 D.h. innerhalb ihres Bereiches; denn außerhalb desselben geschah es schon.

576 Sehnsüchtige Stellen wie 994 ff. sollten recht eigentlich den Athenern nicht sowohl das Herz schwer machen als den Mund lüstern.

577 Der antizipierte Friede (1185 ff.) nimmt sich besonders fatal aus, wenn man erwägt, wie es den Athenern dann später ging. – Auch in den Rittern (792 ff.) wird übrigens sehr stark auf den Frieden gedrungen. – Die Tragödie hat den Ausdruck der Friedenssehnsucht in Bezug auf irgendeinen Moment des Peloponnesischen Krieges, u.a. in einem schönen Chorliedchen des Euripides, Kresphontes, fragm. 15.

578 Freilich sagt uns Pseudo-Xenophon, de rep. Ath. II, 14, daß die Kriegspolitik von den demokratischen Massen getragen gewesen sei, und daß der Demos furchtlos (ἀδεῶς) gelebt habe, weil er gewußt habe, daß nichts von dem Seinigen verbrannt oder umgehauen werde, und es kann wahr sein, daß das Volk die Leiden der Bauern und Grundbesitzer leicht nahm; aber die Leidenden waren doch wohl zahlreich genug, um für die Komödie und deren Parteiwahl ins Gewicht zu fallen, und auch die Masse war trotz diesem furchtlosen Leben gewiß friedenssehnsüchtig.

579 ἡμῶν γὰρ ἄνδρες, οὐχὶ τὴν πόλιν λέγω, μέμνησϑε τοῦϑ᾽ ὅτι οὐχὶ τὴν πόλιν λέγω, ἀλλ᾽ ἀνδράρια μοχϑηρὰ παρακεκομμένα κ. τ. λ.

580 Band II, S. 332 ff.

581 Laut Plutarch, de curios. 8 verbot der »Gesetzgeber« von Thurioi, daß die Bürger in der Komödie verhöhnt würden, mit Ausnahme der μοιχοί und der πολυπράγμονες. Also war mit der Gründung von Thurioi gleich auch die Komödie dahin verpflanzt worden. – Bemerkenswert ist Plutarchs Äußerung de adulat. 27: Die Komiker hätten wohl αὐστηρὰ καὶ πολιτικά vorgebracht, aber durch gemeinen Spott (βωμολοχία) übertönt sei dies nutzlos geblieben.

582 Vgl. oben S. 204.

583 Vgl. Frösche 151 ff. – Über Kinesias mit seiner Dithyrambik vgl. auch Vögel 1373 ff. Seine derbe Verhöhnung Lysistr. 829 ff. – Zur musikalischen Kritik, welche die Komödie übte, vgl. auch das Wort des Komikers Phrynichos über Lampros, der ein Lehrer des Sophokles gewesen war: Er war ein Wassertrinker, ein zwitschernder Übersophist, eine Mumie der Musen, ein Fieber für die Nachtigallen, ein Hymnus des Hades.

584 Wenn z.B. Strepsiades in den Wolken die Stimme eines klagenden Gläubigers hört, so fragt er (1261): Es hat sich doch nicht einer der Götter des Karkinos laut gemacht? woraus per conjecturam erraten werden muß, daß einer der drei Tragiker dieses Namens jammernde Götter auf die Bühne gebracht haben möge. Gegen einen Karkinos und seine Söhne findet sich auch eine lange und dunkle Invektive Frieden 782.

585 Allerdings verleidete Athen dem Euripides, der deshalb zuletzt nach Makedonien ging.

586 Die Botschaft nach dem Hades in Sachen der Poesie hatte übrigens Aristophanes nicht hier allein, sondern auch im Gerytades, vgl. Athen. XII, 75.

587 Schon in den Acharnern 457 und 478 wird z.B. darauf angespielt, daß seine Mutter eine Kräuterhändlerin gewesen sei.

588 Auch in den Motiven wiederholt er sich. Thesm. 96 wird Agathon herausgerollt, wie Acharn. 411 Euripides.

589 Band II, S. 335.

590 Darüber, daß die Tragödie gegen diese Angriffe nicht reagierte, vgl. das Wort des Xenokrates bei Diog Laert. IV, 2, 6: μηδὲ γὰρ τὴν τραγῳδίαν ὑπὸ τῆς κωμῳίασδ σκωπτομένην ἀποκρίσεως ἀξιοῦν.

591 S. oben S. 239.

592 Vgl. Müller II, 200. 259 ff.

593 Später zur Zeit des ältern Dionys kommt dann in Syrakus Sophron mit seinen Mimen. Vgl. oben S. 114. Auf die mittlere Komödie konnte auch er noch allenfalls einwirken, auch auf Plato hat er eingewirkt.

594 Vgl. Suidas s.v. Antimachos und den ersten Bios des Aristophanes.

595 Vgl. Band II, S. 335 f.

596 Vgl. O. Müller II, S. 267.

597 Vgl. ebenda S. 282.

598 Athenäos VIII, 15 sagt von sich selbst, er habe mehr als 800 Dramen der mittlern Komödie gelesen und exzerpiert. – Vgl. hierüber auch O. Müller II, S. 269.

599 Charakteristisch ist hiefür die Athen. VI, 1 mitgeteilte Tirade, worin Antiphanes ausführt, wie gut es die Tragödie mit ihren völlig bekannten Figuren habe, die man bloß zu nennen brauche, damit der Zuschauer alles ergänze: ἡμῖν δὲ ταῦτ᾽ οὐκ ἔστιν, ἀλλὰ πάντα δεῖ εὑρεῖν, ὀνόματα καινὰ, τὰ διῳκημένα πρότερον, τὰ νῦν παρόντα, τὴν καταστροφὴν, τὴν εἰσβολήν. Ἄν ἕν τι τούτων παραλίπῃ Χρέμης τις ἢ Φείδων τις ἐκσυρίττεται. Πηλεῖ δὲ πάντ ἔξεστιν ἢ Τεύκρῳ ποιεῖν.

600 Suidas: καὶ πρῶτος οὗτος ἔρωτας καὶ παρϑένων φϑορὰς εἰσήγαγεν.

601 So nach dem ersten Bios des Aristophanes, der es mit dem Verbot der persönlichen Angriffe motiviert.

602 Von dem Komiker Philiskos eine des Zeus, eine des Pan, eine des Hermes und der Aphrodite, eine der Artemis und des Apollon. – Übrigens kam auch die Mißhandlung menschlicher Liebesverhältnisse aus vergangener Zeit vor: Es gab außer dem Phaon von Platon, der noch der alten Komödie angehörte, noch von vier Dichtern Stücke mit dem Titel »Sappho,« und ein Liebesverhältnis des Archilochos und Hipponax zu Sappho brachte Diphilos auf die Bühne. Vgl. O. Müller I, S. 314, Anm. Athen. XIII, 72.

603 Vgl. das Eßraisonnement, womit er laut Athen. II, 64 in der Amaltheia des Eubulos auftrat: »Wärmer oder härter gebraten oder mittendurch – das ist für jeden wichtiger als Troja zu nehmen. Und ich bin nicht gekommen, um mich mit Kohl oder Silphion oder mit tempelräuberischen (d.h. wohl sehr teuern) und bittern Nebenschüsselchen oder mit Zwiebeln zu füttern; sondern gegessen habe ich, was für Fraß, Kraft und Gesundheit das erste ist, tadelloses und vieles gekochtes Rindfleisch und herrliche Knöchel und drei (Schnitte) gesalzenes Ferkel.« – Im Linos des Alexis (Athen. IV, 57) ließ Linos seinen Zögling aus vielen Büchern, darunter alle möglichen Dichter, eines herausgreifen, und dieser griff nach einem Kochbuch des Simos, der sich, wie Linos bemerkt, neuerdings mit der Tragödie abgibt und unter den Schauspielern der beste Koch, unter den Köchen der beste Schauspieler ist.

604 Über die Verwertung einzelner Stände, besonders der Sklaven, als eine Art von Charaktermasken, bereits in der alten Komödie, vgl. oben S. 250.

605 Vgl. das Verzeichnis bei Suidas, ed. Westermann, p. 172 ff.: der Schellenträger, der Hierophant, der Wucherer, das kleine Grabdenkmal, Antilaïs, die Erbtochter, der Phylarch, der Ausgetauschte, Verwechselte, die Demo-Satyrn, der Konisalos (Kobold der Esse), die Heroen, die Skythen (d.h. die Polizei).

606 Athen. VIII, 38. – Man weiß nur nicht, welche Stelle das Bild im Drama, einem »Geryones«, einnahm.

607 Athen. X, 18.

608 Z.B. Alexis bei Athen. II, 45 mit dem Tragiker Kleänetos, der nie eine Bohnenschale habe liegen lassen.

609 Athen. II, 54. Die Komik ist freilich, wie O. Müller II, S. 267 richtig bemerkt, sehr schwach, zumal die Sache nicht mehr unmittelbar wie in den Wolken des Aristophanes, sondern in der Erzählung eines Dritten vorkommt und nicht mehr in enger Beziehung auf Staat und Leben, sondern als kümmerliche Spötterei. – Aus Ephippos findet sich ferner bei Athen. XI, 120 die Schilderung eines Platonikers, welcher ein Elegant im nettesten Putz ist. – Alexis läßt bei Athen. XII, 63 einen Sklaven erzählen, wie sich sein junger Herr bei Aristipp in die Lehre begeben und mit welchem Erfolg. Ebenda findet sich aus Antiphanes die Schilderung eines Akademikers als eines eleganten und mäßigen alten Herrn.

610 Athen. III, 54.

611 Athen. IV, 52. Von Alexis gab es ein Stück ἡ Πυϑαγορίζουσα.

612 Aristophon im Πυϑαγοριστής bei Athen. IV, 53.

613 Athen. XIII, 1.

614 Ebd. IV, 7.

615 Ebd. VIII, 21.

616 Ebd. VIII, 22.

617 Ebd. X, 38.

618 O. Müller II, S. 263. – Über den Parasiten vgl. O. Ribbeck, κόλαξ.

619 Athen. IV, 58.

620 Ebd. IV, 68.

621 Ebd. IV, 69.

622 Ebd. IX, 67.

623 Wenn dies nicht eher Philemon war, dessen Bios sagt: ἤκμαζε βραχὺ Μενάνδρου πρότερος.

624 Quintilian, inst. orat. X, 1, 69: Qui vel unus, meo quidem judicio, diligenter lectus ad cuncta quae praecipimus sufficiat: ita omnem vitae imaginem expressit, tanta in eo inveniendi copia et eloquendi facultas, ita est omnibus rebus, personis, affectibus accommodatus. – Ovid, amor. I, 15, 17 zählt seine vier Haupttypen auf: Dum fallax servus, durus pater, improba lena vivent, dum meretrix blanda, Menandros erit.

625 Vgl. Gellius XVII, 4, welcher sagt, Philemon habe ambitu gratiaque et factionibus über Menander zu siegen gepflegt; als dieser ihn einst nach einem solchen Siege antraf, habe er ihn gefragt: Sage mir, ob du nicht rot wirst, wenn du mich besiegst. – Und doch soll sich Philemon wieder »durch eine gebundene und periodische Schreibart unterschieden und mehr für Vorleser als für Schauspieler geeignet haben«. Vgl. O. Müller II, S. 281. Apulejus, Florida 16 (ed. Bip. II, 132), der ihn irrig für einen Dichter der mittlern Komödie hält, schildert ihn doch wohl nach eigener Lektüre richtig: Reperias apud ipsum multos sales, argumenta lepide inflexa, agnatos lucide explicatos, personas rebus competentes, sententias vitae congruentes, joca non infra soccum, seria non usque ad cothurnum, Rarae apud illum corruptelae: et uti errores, concessi amores. Nec eo minus et leno perjurus et amator fervidus et servulus callidus et amica illudens et uxor inhibens et mater indulgens et patruus objurgator et sodalis opitulator et miles proeliator sed et parasiti edaces et parentes tenaces et meretrices procaces.

626 Vgl. O. Müller II, 278, wo die Parallele zwischen Menander und Epikur gezogen wird.

627 Vgl. O. Müller II, S. 270 f.

628 Vgl. über Tracht und Masken B. Arnold in Baumeisters Denkmälern S. 822 ff.

629 Nach O. Müller II, 282.

630 Auch die Briefe Alkiphrons noch geben sich als in dieser Zeit geschrieben.

631 Vgl. O. Müller II, 277.

632 So geht die Athen. III, 61 mitgeteilte Stelle aus dem Συνεξαπατῶν des Baton in gefährlicher Bosheit direkt gegen Epikur: Ein Vater wirft dem Pädagogen vor, daß er den Sohn liederlich mache und ihn zum Trinken schon vormittags anleite. – B: Wie? du beschuldigst mich, weil er leben lernt? – A: Ist das Leben? – B: Ja, wie die Weisen sagen. Epikur wenigstens sagt doch wohl, das Gute sei der Genuß usw. Die nämlichen Philosophen, die in ihren Vorträgen angeblich immer den Weisen suchen, als sei ihnen dieser entlaufen, wissen doch trefflich, wie und wo man diesen und jenen Fisch anfaßt.

633 Vgl. Athen. VI, 1 (aus Diphilos).

634 Vgl. die Stellen über Ktesippos, den Sohn des Chabrias, aus Diphilos, Timokles und Menander bei Athen. IV, 60. Sonst heißt es von Menander Athen. XII, 72, er sei ἥκιστα λοίδορος gewesen.

635 Plut. fragm. περὶ ἔρωτος: τῶν Μενάνδρου δραμάτων ὁμαλῶς ἁπάντων ἓν συνεκτικόν ἐστιν ὁ ἔρως, οἷον πνεῦμα κοινὸν διαπεφυκώς. (Bernadakis VII, 130).

636 Welches ist das Verhältnis von Theophrasts Charakteren zur neuern Komödie? Er ist offenbar viel reicher an Figuren und an Einzelcharakterzügen derselben, als die Komödie je sein konnte, und was er bietet, ist mehr als nur ihre einzeln auf einem Tisch vorgezeigten Puppen, und dennoch fühlt man eine gewisse Komplizität. – Waren wohl die Athen. IV, 66 erwähnten χαρακτῆρες des Satyros (II. Jahrh.) ähnlicher Art?

637 Es würde sich lohnen, den poetischen Sklaven und seine Geschichte von Eumäos, dem Wächter im Agamemnon, den tragischen Pädagogen und Ammen über den Davus hin bis auf Leporello und Figaro durchzugehen.

638 Beispiele aus Lynkeus, Diphilos Philemon s. Athen. IV, 8-10, eine Tirade aus Menander IV, 72.

639 So in dem hübschen Beispiel Athen. III, 60 aus den Σύντροφοι des Damoxenos. Er meint gegen seinen Mitredner: »Wenn du jetzt einen Koch siehst, der unwissenschaftlich ist und nicht den ganzen Demokrit und den Kanon Epikurs durchgelesen hat, so mag er dir gestohlen werden.« Und nun wird die philosophische Lehre gepriesen, aus welcher man lerne, in welcher Jahreszeit jeder einzelne Nahrungsstoff am besten sei. – B: Du scheinst dich auch auf Medizin zu verstehen? – A: Wie jeder, der ins Innere der Natur eingedrungen. Denke nur, wie groß die Unerfahrenheit der jetzigen Köche ist! Sie machen aus ganz entgegengesetzten Fischen eine Sauce, und reiben Sesam drein. Solche Disharmonie zu durchschauen ist die Sache der geistreichen Kunst (ἐμψύχου τέχνης), und nicht Töpfe zu waschen und nach Rauch zu stinken. Ich gehe gar nicht mehr in die Küche; ich sitze nur in der Nähe und sehe zu, und während andere arbeiten, erkläre ich ihnen Ursache und Wirkung. – B: Du bist ein Harmoniker, nicht ein Koch! – Hierauf sagt A seine Küchenkommandos her, ganz als wäre er an Ort und Stelle. Er mischt nach höherem Zusammenklang und nach besondern Zahlenverhältnissen. Nur Epikur hat die Lust so verdichtet und vermehrt; er allein sah das Richtige; die von der Stoa suchen umsonst unaufhörlich, was es ist, und können es daher auch keinem andern beibringen.

640 So in dem von Athen. IX, 22 mitgeteilten langen Fragment aus Sosipatros, das dem Inhalte nach in die neuere Komödie zu gehören scheint. Der Redner erklärt dann, der wahre Koch müsse zuerst über Himmelserscheinungen und Aufgang und Niedergang der Gestirne berichtet sein, und in welchem Zeichen die Sonne stehe, und wissen, wie alle Speisen, je nach den Bewegungen des Weltalls, ihre Würze empfangen; die Architektonik müsse er wegen Licht, Luft und Rauch kennen, die Strategik, weil die Ordnung (τάξις) in allen Künsten etwas Weises ist usw. – Auch ein Koch des Nikomachos (Athen. VII, 37) kocht μουσικῶς und setzt für die vollendete Kochkunst alle Künste voraus. – Aus Euphron wird uns Athen. IX, 24 ein μάγειρος πολυμαϑὴς καὶ εὐπαίδευτος vorgestellt, welcher seinem Schüler beim Abschied sechs große Vorgänger aufzählt, welche jeder eine Schüssel klassisch produziert haben (er verrät u.a., daß man in Athen den ζωμὸς μέλας, wahrscheinlich eine Nachahmung des spartanischen, kochte), dann aber sich selber als Erfinder des Stehlens nennt; denn »keiner (d.h. kein Koch) haßt mich deshalb, sondern alle stehlen«; worauf folgt, wie der Schüler selber aus einem Bock die Niere beiseite getan. – Das Fragment aus Dionysios (ebd. 27) scheint die feierliche Anrede eines Kochs an einen Schüler, der an einem Fleischgericht sein Examen ablegen soll. – Als Erfinder einer τυραννικὴ φακῆ am Hofe des Agathokles spielt sich auch einer auf, der bei Seleukos Saucenmacher war und dann noch für den attischen Tyrannen Lachares unter schwierigen Umständen ein Gastmahl kochte (Athen. IX, 70). – Ein solcher Koch konnte hochmütig zwischen einem μάγειρος und einem bloßen τὀψοποιός distinguieren, worauf sein Mitredner endlich findet: ἄνϑρωπε, μέγας εἶ! (ebd. 69).

641 Athen. XIV, 80 (aus Athenion).

642 Nach Anaxippos bei Athen. IX, 68.

643 Athen. VII, 39 aus Diphilos.

644 Denjenigen des Philemon, dessen Tirade Athen. VII, 32 zitiert, befällt ein Sehnen, Himmel und Erde zu erzählen, wie er seine Fische gekocht hat ... Wäre es gar ein Meeraal gewesen, wie ihn Poseidon den Göttern in den Himmel bringt, so wären alle Gäste zu Göttern geworden. »Ich habe die Unsterblichkeit gefunden! Mit dem bloßen Duft kann ich Tote erwecken!«

645 Ebd. IX, 30.

646 Ebd. IX, 29 (aus Straton).

647 An der eben angeführten Stelle (Athen VII, 39) gibt Diphilos eine kräftige Parallele, indem der Mietkoch den vom Schiffbruch geretteten Seefahrer, der den gelobten Opferschmaus darbringen will, abfahren läßt, weil er nur weniges aufwenden kann, während er sich dem glücklich mit reichem Gewinn Angelangten, einem wüsten Gesellen, auf das freundlichste empfiehlt. Dann folgt noch der Gegensatz eines verschwenderischen fils de famille und eines von kümmerlichen Leuten veranstalteten Essens, welche ihre Beiträge ad hoc zusammengetan haben, wobei man die ganze Nacht dienen muß und von den gemeinen Kerls erst noch schlecht behandelt wird, wie mit sehr realistischem Detail ausgeführt wird. – Auch ein Fragment des Euphron (Athen. IX, 21) scheint zu beweisen, daß die Köche sich vor den Picknicksgesellschaften in acht nehmen mußten, dagegen bei Hochzeitsessen nach Vermögen betrogen.

648 Athen. IX, 20 aus Poseidippos.

649 Immerhin mag eben das Faktum hin und wieder vorgekommen sein.

650 Dies Motiv (der Menächmen) wird dann von Shakespeare in der Komödie der Irrungen noch übertrieben, indem zu den zwei sich gleichenden Herren noch zwei sich gleichende Diener kommen.

651 Beiläufig mögen hier bei Gelegenheit der Motive von den vielversprechenden Titeln menandrischer Stücke eine Anzahl angeführt werden. Wir erfahren von: den Brüdern, dem Fischer, der Messenierin oder der Geweihten (Ἀνατιϑεμένη), der Andrierin, die von Terenz mit der Perinthierin kontaminiert wurde, dem Zwitter (Ἀνδρόγυνος), den Vettern, den Arrhephoren (Trägerinnen der Pallasmysterien) oder der Flötenspielerin, dem Schild, dem für sich selbst Trauertragenden (ἑαυτὸν πενϑῶν), dem sich selbst Strafenden (ἑαυτὸν τιμωρούμενος), dem Ring, den Zwillingsschwestern, dem Bauern, dem Murrkopf, dem Aberglauben, dem doppelten Betrüger, der Waise mit Erbgut, dem Schmeichler, dem Depositum, dem Gespenst, dem Schatz, der Trunkenheit, dem Misogyn, dem Zorn, dem Halsband (πλόκιον) usw.

652 Laut der Stelle bei Lukian, Pseudolog. 4.

653 Hier besonders findet sie O. Müller, II, S. 280. Vgl. oben S. 266.

654 Lykophron, der Dichter der Kassandra, als Dichter einer der Pleias, von Ptolemäos Philadelphos mit Anordnung der Schriften komischer Dichter in der alexandrinischen Bibliothek beauftragt, schrieb nicht nur περὶ κωμῳδίας, sondern dichtete außer 20 vergessenen Tragödien ein δρᾶμα σατυρικόν auf den Philosophen Menedemos, und zwar zum Hohn (ἐπὶ κατακωμήσει), worin er das geringe Essen der Philosophen verspottete.

655 Athen. X, 40. Das betreffende Fragment macht den Mnesiptolemos lächerlich, indem es ihn in höchst preziösen Worten einen Mischtrank beschreiben läßt.

656 Athen. III, 31. Ein Stück von ihm hieß der »Eubulotheombrotos«, ein anderes, Athen. IV, 51 erwähntes die »Galater«; in letzterm möchte ein Mitredner den Göttern drei Dialektiker opfern. In dialogischer Form waren auch das zweite und dritte Buch der »Sillen« gehalten, worin Timon von Phlius die zeitgenössischen Philosophen verspottete.

657 Laut Suidas war ihr Urheber der Tarentiner Rhinthon, der Sohn eines Töpfers, wie sein sizilischer Zeitgenosse Agathokles; auch sie wird kurz Phlyakographie genannt.

658 Athen. XIV, 84.

659 Ἰακὴ καὶ τεχνητικὴ ἀσωτία bei Athen. X, 54.

660 Dio Chrys., or. XIX, p. 487. Über das Fortleben der tragischen Aufführungen vgl. auch Lukian de saltat. c. 27.

661 Apul. metam. X, p. 232 ff.


Anmerkungen: A1 Oeri: Wurfschaufeln. A2 Oeri: ästhetisch und unentbehrlich. A3 Oeri: Äa. A4 Oeri: panhellenistischem. A5 Oeri: im eigenen. A6 Oeri: v. Chr. A7 Oeri: Und nun bedenken wir. A8 Oeri: Pythagoreer. A9 Oeri: aus. A10 Oeri: die andere. A11 Oeri: Athenern. A12 Oeri: Aufzeichnungen. A13 Oeri: weite. A14 Oeri: hätten. A15 Oeri: herumstreichend. A16 Oeri: die Schuld. A17 Oeri: gefährdeter. A18 Oeri: sanften. A19 Oeri: dem Selbstmord. A20 Oeri: Tragödien. A21 Oeri: die beiden von der Tragödie zu erweckenden Wirkungen. A22 Oeri: Thematis. A23 Oeri: die Aufmerksamkeit. A24 Oeri: des nach ihr benannten Stückes. A25 Oeri: hiefür. A26 Oeri: sie. A27 Oeri: den Inseln. A28 Oeri: Zeus. Doch hat ... Gewalt; denn Götter ... herrühren. A29 Oeri: und droht Ägisth. A30 Oeri: Hekabe. A31 Oeri: tieferer. A32 Oeri: die pathologische Schilderung des Herganges in Gesicht und Gebärden. A33 Oeri: läßt er. A34 Oeri: Charakter. A35 Oeri: er. A36 Oeri: Hans-Koches. A37 Oeri: Entführungsgeschichte. A38 Oeri: Kitharisten und Kitharistinnen.

Quelle:
Jakob Burckhardt: Gesammelte Werke. Darmstadt 1957, Band 7.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Griechische Kulturgeschichte
Griechische Kulturgeschichte - Band I
Griechische Kulturgeschichte (insel taschenbuch)

Buchempfehlung

Goldoni, Carlo

Der Diener zweier Herren. (Il servitore di due padroni)

Der Diener zweier Herren. (Il servitore di due padroni)

Die Prosakomödie um das Doppelspiel des Dieners Truffaldino, der »dumm und schlau zugleich« ist, ist Goldonis erfolgreichstes Bühnenwerk und darf als Höhepunkt der Commedia dell’arte gelten.

44 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon