Gamelang-Musik Ich bin seit heute 2 Uhr nachmittag, 26. November, wie jemand, dem man sein Todesurteil verkündigt hat. Denn in einem Leben existieren zu müssen, in dem dieses Ereignis möglich war, ist die verlängerte Qual des Hinsterbens. Ich hoffe ...
Ganz kleine Sachen
Geburt und Wiedergeburt » Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. « Joh. 3, 6. Unter den verschiedenen Systemen, die in der dunkeln Lehre der Elemente oder Grundprinzipien der körperlichen Dinge von ...
Gedicht Wer bist Du, was bist Du, wie bist Du?!? Du bist dreimal hintereinander auf dem schmalen düsteren Hotel- Gange, in der Nähe meiner Zimmertüre gesessen, in der Hoffnung deines jungen Herzens, ich würde aufschließen! Du bist dreimal hoffnungslos weggegangen ...
Gedicht Ich nahm ein Mädchen zu mir über Nacht. Das macht nichts. Bevor sie einschlief, sagte sie: »Sind Sie ein Dichter?!?« »Weshalb? Vielleicht. Das macht nichts.« »Ich habe nämlich auch einmal gedichtet –.« »?!?« »Ich hab' Dich so gern. Nun bist Du ...
Geheime Nachricht von D.J. Swifts letztem Willen. Mylord! Ich bin seither nicht im stande gewesen, Ihnen die verlangte Nachricht von einigen besonderen Umständen des swiftischen Testaments zu geben. Nunmehr habe ich Gelegenheit gefunden, von allem nähere Nachricht einzuziehen, und ...
Geiz und Verschwendung Der Geizige rafft Geld und Gut zwecklos zusammen; der Verschwender bringt es zwecklos durch. Der Geizige hat keinen, der Verschwender hat einen unnützen Genuß von dem Seinigen. Der Geizige kann auf die goldene Mittelstraße zurückkehren, sobald er ...
Rainer Maria Rilke Generationen In unseren Stuben riecht es am Donnerstag nach Tomaten, am Sonntag nach Gänsebraten, und jeden Montag ist Wäsche. So sind die Tage: der rote, der fette, der seifige. Außerdem giebt es noch die Tage hinter der ...
Genesung Du bist Deinem höchsteigenen Dasein wiedergegeben. Eine zufällige Gnade unverdienten Schicksals. Du kommst direkt aus Deinem eigenen Grabe heraus, wirst es leider bald wieder vergessen, wo Du Dich Monate lang befunden hast! Wenn wir es würdigen könnten dauernd, welchen ...
Genesung Weil Einer nicht am Typhus starb , war's darum blos ein leichtes Fieber ?!? Glauben Gnädige an eine Liebe nicht, weil Einer nicht daran verdarb ?!? Verbrannt zu Asche, hebt der Phönix sich, verklärt durch Schmerz, in Himmelshöhen – – versengst Du einem ...
Geräusche Wenn es in den alten Äpfelbäumen rauscht, ist es anders. Und wenn es in Tannenwipfeln rauscht, ist es anders. Wenn es über Felder braust, ist es anders. Wenn es im Weidenbusche rauscht, ist es anders. Wenn es über Almwiesen ...
Gerichts-Verhandlung »In welchem Zustande befand er sich denn damals?!« sagte man. »Schrecklich, etwa Absynth?!?« Durchaus nicht. Der Vertheidiger konnte keinerlei Entschuldigungen aushecken. Er sagte blos einige unangenehme Dinge über die Constitution seines Clienten. »Nun,« sagte der Richter zu Herrn ...
Gerichtsverhandlung 3. Mai 1907 in Wien Die Mutter des unehelichen Kindes, der fünfjährigen süßen Elisabeth, hatte auf einer breiten Blechtasse kleine glühende Kohlenstücke dicht aneinandergereiht. Darauf legte sie das nackte Körperchen ihres Kindchens – – –. Das Kind faltete die Hände wie zum ...
Karoline von Günderode Geschichte eines Braminen Ich bin, sagte Almor, in Smirna geboren. Mein Vater, ein Franzose und reicher Kaufmann, der von der Christlichen zur Mahomedanischen Religion übergegangen war, behandelte mich, so selten ich auch vor ihm erschien, kalt und ...
Clemens Brentano Johann Joseph von Görres Entweder wunderbare Geschichte von BOGS dem Uhrmacher, wie er zwar das menschliche Leben längst verlassen, nun aber doch, nach vielen musikalischen Leiden zu Wasser und zu Lande, in die bürgerliche Schützengesellschaft aufgenommen zu werden Hoffnung ...
Rainer Maria Rilke Geschichten vom lieben Gott
Hanß Michael Moscherosch Gesichte Philanders von Sittewald In welchen aller Weltwesen, aller Mänschen Händel, mit ihren natürlichen Farben der Eitelkeit, Gewalts, Heucheley, Thorheit bekleidet, offentlich auff die Schau geführet, als in einem Spiegel dargestellet und gesehen werden.
Gespräch über Beine I Als ich im Coupé saß, sagte der Herr gegenüber: »Ihnen kann man die Beine nicht abtreten.« Ich sagte: »Wieso?« Der Herr sagte: »Sie haben keine Beine.« Ich sagte: »Merkt man das?« Der Herr sagte: »Natürlich.« Ich ...
Gespräch über einen Zweiten mit einem Ersten »Mit mir allein beisammen bist du nie so lustig und herzig«, sagte der »glückliche Liebhaber«, eigentlich also der unglückliche. »Ja, da habe ich doch zuviel zu berücksichtigen für dein Glück, Geliebtester.« »Mit ihm ...
Ulrich von Hutten Gespräch büchlin