Familie

[199] Familie (vom lat. familia, bei den Römern die Hausgenossenschaft, die sich aus den Kindern, dem Gesinde und den Sklaven zusammensetzt) heißt die durch Geschlechtsvereinigung von Mann und Weib gestiftete Gemeinschaft der Eltern und Kinder, welche durch gleiche Interessen, Gefühle und Gesinnungen zusammengehalten wird. Die Familie, besonders wenn sie auf Monogamie beruht, weckt die gegenseitige Liebe bei ihren Angehörigen und das Autoritätsgefühl bei den Kindern, sie führt zur Bändigung der egoistischen Triebe und zur neidlosen Anerkennung der Verdienste der anderen und ist die Grundlage aller Kultur, besonders der Sitte, Religion und der Gesellschaft, des Staates. Durch sie werden die nachhaltigsten Einflüsse auf die heranwachsende Generation unwillkürlich durch die Sitte und absichtlich durch die Erziehung ausgeübt. Die Auflösung des Familienlebens ist daher stets[200] der Vorbote oder die Folge allgemeinen sozialen Verderbens. Vgl. Ehe. Riehl, die Familie. 9. Aufl. Stuttgart 1882.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 199-200.
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199 | 200
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