Contarīni

[266] Contarīni, edles venezian. Geschlecht, das durch eine große Anzahl berühmter Männer glänzte. Der erste Doge aus dem Geschlecht war Domenico C. (1043–71); unter ihm wurde der Bau der Markuskirche in ihrer jetzigen Gestalt begonnen; außerdem erbaute er die Kirche San Niccolo auf dem Lido. – Jacopo C., Doge 1275–80, unterdrückte einen Aufstand der Städte Triest und Capo d'Istria, nötigte Ancona zur Unterwerfung unter die Herrschaft Venedigs auf der Adria, dämpfte eine Empörung auf Kandia und erwarb mehrere Plätze in Dalmatien, Istrien und in der Romagna. – Andrea C., Doge 1367–82, übernahm, nachdem der lange dauernde Krieg zwischen Venedig und Genua seit der Eroberung Chioggias durch die Genuesen eine für Venedig ungünstige Wendung genommen hatte, im Dezember 1379 selbst den Oberbefehl und zwang 1380 Chioggia zur Ergebung, 1381 Genua zum Frieden. Er war der erste Doge, dem von Staats wegen eine Leichenrede gehalten wurde. – Niccolò C., Doge von 1630 bis 1631, verfaßte mehrere Schriften, von denen die sehr ausführliche »Istoria veneta«, welche die Jahre 1597–1604 umfaßt, noch handschriftlich vorhanden ist; im Druck erschien: »De rerum perfectione libri VI« (Vened. 1576), ferner »Modo della elezione del serenissimo principe di Venezia« (Rom 1630). – Carlo C. war Doge 1655–56. Unter seiner Regierung schlug der venezianische Admiral Mocenigo die türkische Flotte unter den Kanonen der Dardanellen. – Domenico C. II. war Doge 1659–74. In seine Regierung fiel der verheerende Krieg gegen die Türken um Kandia 1663–67. Andre Mitglieder der Familie waren:

1) Gasparo, Kardinal, geb. 16. Okt. 1483 in Venedig, gest. 24. Aug. 1542 in Bologna, studierte Philosophie in Padua, ging 1521 als venezianischer Gesandter auf den Reichstag zu Worms, begleitete Kaiser Karl V. auf seinen Reisen durch Belgien, England, Spanien und brachte 1523 die Allianz Venedigs mit ihm zustande. 1528 suchte er als Gesandter Venedigs den Papst Clemens VII. vergebens vom Abschluß eines Separatfriedens mit dem Kaiser zurückzuhalten; nachdem dieser erfolgt war, schloß er 1529 zu Bologna für Venedig Frieden mit Karl. Obwohl bisher Laie, wurde C. 1535 von Papst Paul ll I. zum Kardinal ernannt und war seitdem unermüdlich für die Kirche tätig. Die christlichen Glaubenslehren in der Tiefe erfassend, drang er über den äußern Werkdienst hinweg auf Heiligung der Seelen und näherte sich in der Rechtfertigungslehre den deutschen Reformatoren.[266] Wiederholt stellte er Paul III. die Notwendigkeit einer durchgreifenden Kirchenverbesserung vor und ward von demselben in eine zu diesem Zweck niedergesetzte Kommission berufen, aus deren Beratungen 1537 die freimütige Schrift »Consilium de emendanda Ecclesia« hervorging. 1541 strebte er als päpstlicher Legat auf dem Reichstag zu Regensburg die Vereinigung der Protestanten mit der katholischen Kirche an und machte auch verhältnismäßig weitgehende Konzessionen, fand aber bei der Kurie wenig Dank für seine übrigens erfolglosen Verhandlungen. 1542 wurde er zum Legaten in Bologna ernannt. Seine bekannteste Schrift ist »De magistratibus et republica Venetorum« (Par. 1543; ital., mit Anmerkungen von Grafso, Vened. 1678). Vgl. Brieger, Gasparo C. und das Regensburger Konkordienwerk (Gotha 1870); Dittrich, Regesten und Briefe des Kardinals Gasparo C. (Braunsb. 1881); Derselbe, Gasparo C., eine Monographie (das. 1885); Braun, Kardinal G. C., oder der Reformkatholizismus im Lichte der Geschichte (Berl. 1903).

2) Simone, geb. 27. Aug. 1563, gest. 10. Jan. 1633, war venezianischer Gesandter an mehreren italienischen Höfen, bei Philipp II. von Spanien, Ludwig XIII. von Frankreich, dem Papst Paul V. und dem Sultan Mohammed III. Auch als lateinischer Dichter hat er sich einen Namen erworben. Vgl. Farsetti, Vita di Simone C. (Vened. 1772).

3) Ludovico, venezian. Staatsmann, gest. 1653, bewog 1629 Ludwig XIII. zu einem Bündnis mit Venedig, um Österreich an der Besetzung des Veltlins zu hindern, und war venezianischer Gesandter bei den Verhandlungen über den Westfälischen Frieden.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 266-267.
Lizenz:
Faksimiles:
266 | 267
Kategorien: