Freie Künste

[61] Freie Künste (Artes liberales, ingenuae oder bonae), bei den Römern die Kenntnisse und Fertigkeiten, die man des freien Mannes für würdig hielt, im Gegensatze zu den unfreien, von Sklaven betriebenen niedern Beschäftigungen. Sie bildeten nach der landläufigen Ansicht des spätern griechisch-römischen Altertums den »Kreis der höhern Erziehung (enkyklios paideia)«. Seit Marcianus Capella (um 400 n. Chr.) galt allgemein die Siebenzahl der freien Künste: Grammatik, Dialektik, Rhetorik; Arithmetik, Geometrie, [62] Musik, Astronomie. Das ganze Mittelalter hielt an ihr fest. Ihm entstammen die Gedächtnisverse: Gram. loquitur, Dia. vera docet, Rhe. verba colorat; Mus. canit, numerat Ar., Geo. ponderat, Ast. colit astra. Die drei ersten bildeten das Trivium und wurden in den danach benannten Trivial- oder Elementarschulen gelehrt, die vier letztern, die nur in höhern Lehranstalten vorgetragen zu werden pflegten, das Quadrivium. Die freien Künste wurden vollzählig in der untern oder Artistenfakultät der mittelalterlichen Universitäten, der heutigen philosophischen, gelehrt, daher die höchste Ehrenstufe in dieser die des Magister artium liberalium war. Noch heute wird dieser Titel an ältern Universitäten den Doktoren der philosophischen Fakultät nebenher beigelegt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907, S. 61-62.
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