Tscherokēsen

[775] Tscherokēsen (Cherokee), nordamerikan. Indianerstamm der Irokesen, wohnten früher in Südcarolina, Georgia und Tennessee, unterwarfen sich 1785 nach blutigen Kämpfen den Vereinigten Staaten und wurden 1838 in das Indianerterritorium übergeführt, wo sie im Nordosten desselben, mit andern Stämmen gemischt, ein Gebiet von 40,000 qkm bewohnen. Die T. sind in der Kultur weit vorgeschritten, haben große Dörfer mit wohnlich eingerichteten Häusern, über 30 öffentliche Schulen mit zum Teil eingebornen Lehrern und 5000 Schülern, betreiben Ackerbau sowie ausgedehnte Rindvieh-, Schaf- und Pferdezucht. Was sie an Kleidung, Ackergerätschaften etc. bedürfen, fertigen sie selbst an (vgl. Tafel »Indianische Kultur I«, Fig. 17), auch betreiben sie Sägemühlen und gewinnen Salz aus den zahlreichen Salzquellen ihres Gebietes. Sie haben ihre besondern Gesetze und eine nach dem Muster der Vereinigten Staaten eingerichtete republikanische Regierung mit geschriebener Verfassung. Ihre im Aussterben begriffene Sprache gehört mit dem Tschokta etc. zu der Gruppe der appalachischen Sprachen Nordamerikas. Ein Elementarbuch derselben erschien in Park Hill, Arkansas (2. Aufl. 1846); eine kurze Grammatik lieferte H. C. v. d. Gabelentz im 3. Bande von Höfers »Zeitschrift für die Wissenschaft der Sprache« (1851), eine sprachvergleichende Darstellung Fr. Müller im 2. Bande seines »Grundrisses der Sprachwissenschaft« (Wien 1882). Von der Union erhalten die T. Jahrgelder für ihre im Osten des Mississippi abgetretenen Ländereien. Ihre Zahl betrug 1890: 25,357 Köpfe. Nach Thomas Cyrus waren die Vorfahren der T. die Urheber der Ohio Mounds. Vgl. Royce, The Cherokee Nation (Washingt. 1887); Th. Cyrus, The Cherokees in Pre-Columbian times (New York 1890); Mooney, Sacred formulas of the Cherokees (Washingt. 1891).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 775.
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