Hyde [2]

[654] Hyde (spr. Heihd), 1) Edward H., Earl of Clarendon, geb. 1608 zu Dinton in Wildshire; studirte in Oxford, bildete sich hierauf unter seinem Oheim Nikolas H., Präsidenten der King's Bench, praktisch für das Recht aus; erwarb sich im Langen Parlament unter König Karl I. großen Ruf, ergriff bei Ausbruch des Bürgerkriegs die Partei des Königs u. wurde Kanzler der Schatzkammer, begleitete 164444 den Prinzen Karl (nachmaligen König Karl II.) nach der Insel Jersey, wurde von diesem nach Karls I. Hinrichtung nach Madrid gesandt, um die Unterstützung Spaniens zu vermitteln, 1657 von Karl II. im Haag zum Großkanzler ernannt, trug nach Cromwells Tode wesentlich zur Thronbesteigung Karls II. bei, wurde 1660 Kanzler der Universität Oxford, 1661 Peer u. Baron H, Viscount von Cornbury u. Graf von Clarendon; er fiel dann aber in Ungnade, weil er der Anglikanischen Kirche zu sehr anhing, im Parlament einen Antrag auf Gewissensfreiheit bekämpfte u. die Trennung der königlichen Ehe verhinderte, u. wurde 1667 verbannt. Seine an das Oberhaus eingesendete Vertheidigungsschrift wurde auf Befehl beider Häuser durch den Henker verbrannt, u. er st. 1674 in Rouen; er schr. u.a.: Hist. of the rebellion and civil wars in England from 1641–60, Oxford 1702–4, 3 Bde., Fol., u.ö. 2) Anna, s. Anna 65). 3) Thomas, geb. 1636 zu Billingsley in Yorkshire u. st. 1703 als Lehrer des Hebräischen u. Arabischen; er schr. u.a.: Veterum Persarum et Magorum religionis historia, ebd. 1700, u. übersetzte die historischen Bücher des N. T. in das Malaiische, Oxf. 1677. 4) Jean Guillaume, Graf H. de Neuville, auch von Bemposta, geb. in Charité sur Loire, wo sein Vater, ein Brite, eine große Knopfmanufactur besaß, begab sich um 1790 nach Paris, wurde aber erst 1797, als zu der Partei Clichy gehörig u. als Anhänger der Bourbons bekannt. Er knüpfte 1799 Verständnisse mit den Insurgenten in der Vendée, mit Georges u. A. an, ja rieth dem ersten Consul persönlich, die Bourbons wieder auf den Thron zu setzen, u. errichtete in Paris eine geheime bourbonische Gegenpolizei u. ein vollständiges Spioniersystem. Deshalb sollte er 1800 verhaftet werden; er entkam aber nach England; nach seiner Rückkehr nach Frankreich lebte er verborgen in Lyon u. erhielt 1805 die Erlaubniß, seine Angelegenheiten zu ordnen u. nach Spanien zu gehen. Von da ging er nach New York, wo er seinen ganzen Einfluß bei Moreau anwendete, um denselben 1813 zu bewegen, nach Europa zu gehen u. gegen Napoleon zu kämpfen. 1814 kehrte er nach Paris zurück u. wurde von Ludwig XVI. zu diplomatischen Sendungen gebraucht. 1815 folgte er Ludwig XVIII. nach Gent, wurde dann Deputirter vom Departement de la Nièvre, wo er zu den Ultraroyalisten gehörte, erhielt 1816 den Grafentitel u. wurde 1822 Gesandter bei den Vereinigten Staaten. Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde er von dem Departement Nièvre wieder gewählt u. Gesandter in Lissabon. Dort unterstützte er 1823 die Regierung gegen den Aufruhr Dom Miguels u. wurde deshalb von Johann VI. zum Grafen von Bembosta ernannt. 1824, als dort der englische Einfluß zu bedeutend wurde, verließ er seine Stelle u. trat wieder in die Kammer ein, wo er mit Chateaubriand einer der eifrigsten Gegner Villèles war. 1828–29 war er Minister, verweigerte 1830 dem König Ludwig Philipp die Eidesleistung, blieb mit den älteren Bourbons stets in Verbindung, wurde später verhaftet, aber bald wieder freigelassen; 1849 versuchte er vergebens wieder eine politische Rolle zu spielen u. in die Nationalversammlung gewählt zu werden; er st. 28. Mai 1857 in Paris u. schr.: Eloge historique du général Moreau, New York 1814.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 654.
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