Kinkel

[494] Kinkel, 1) Gottfried, geb. 11. Aug. 1815 in Oberkassel; studirte in Bonn u. seit Michaelis 1834 in Berlin Theologie, habilitirte sich 1836 in Bonn als Privatdocent u. reiste, um Studien zu einer Geschichte der Christlichen Kunst zu machen, nach Italien. Nach seiner Rückkehr 1838 wurde er Hülfsprediger bei der Evangelischen Gemeinde in Köln u. evangelischer Religionslehrer am Gymnasium in Bonn, wurde aber seiner Predigerstelle entsetzt, als er 1843 eine geschiedene Katholikin (s.d. Folg,) heirathete. K, reichte nun auch seine Entlassung von der Gymnasialstelle ein, trat 1845 zur Philosophischen Facultät über, hielt Vorlesungen über Kunstgeschichte u. Literatur u. wurde 1846 zum außerordentlichen Professor der Kunst-, Literatur u. Culturgeschichte ernannt. 1848 wurde er der erste Führer der Demokratie in den Kreisen Bonn u. Sieg, stiftete einen Handwerkerbildungsverein, im Mai einen demokratischen Verein u. übernahm im August die Redaction der Bonner Zeitung, in der er social-demokratische Grundsätze vortrug; 1849 gründete er die Neue Bonner Zeitung u. redigirte den Spartakus, ein Arbeiterblatt; er wurde auch zum Abgeordneten für die zweite preußische Kammer gewählt u. schloß sich nach deren Auflösung dem bewaffneten Zuge der Bonner Demokraten-Partei am 10. Mai nach Siegburg an, wo er sich an dem Sturme auf das Zeughaus beteiligte. Steckbrieflich verfolgt ging er in die Pfalz u. wurde hier Secretär Fenners von Fenneberg, trat im Juni in die Willichische Freischaar u. ward in dem Gefecht an der Murg am 29. Juni verwundet u. von den Preußen gefangen. Zur Verbüßung der gerichtlich ihm zuerkannten lebenslänglichen Haft wurde er nach Naugardt in Pommern u. 1850 nach Spandau geführt, entkam aber hier u. floh über Swinemünde nach London, wo er seit dem April 1851 Vorlesungen über die Geschichte des modernen Drama hielt. Im September d. I. reiste er nach Nordamerika, um dort zur Unterstützung der nächsten, von London aus zu unternehmenden Revolutionirung Deutschlands Geldbeiträge zu sammeln; 1853 erhielt er eine Anstellung als Lehrer der Deutschen Sprache u. Literatur am Westbourne College zu London. Er schr.: Predigten über ausgewählte Gleichnisse u. Bildreden Christi, Köln 1842; Gedichte, Stuttg. 1843, 6. A. 1857; Geschichte der bildenden Künne bei den christlichen Völkern, Bonn 1845; Otto der Schütz, ebd. 1846, 23. Aufl. 1859; Erzählungen (mit Johanna K.), ebd. 1849. Auch gab er das Jahrbuch rheinischer Dichter 1847 heraus u. begründete 1857 in London die deutsche Zeitschrift Hermann; vgl. K-s Biographie von Strodtmann, Hamb. 1850, 2 Bde. 2) Johanna, geb. 8. Juli 1807 in Bonn, Tochter des dortigen Gymnasiallehrers Morkel, zeigte früh großes musikalisches Talent, heirathete 1823 den Buchhändler Mathieux, trennte sich jedoch nach einem halben Jahre wieder von ihm u. wurde 1840 rechtskräftig geschieden, worauf sie 1843 den Vorigen heirathete. 1851 folgte sie demselben nach London u. st. daselbst, 17 Nov. 1858 in Folge eines Sturzes aus dem Fenster; sie schr. außer den Erzählungen mit dem Vorigen: Acht Briefe über Clavierunterricht Stuttg. 1852; in ihrem Nachlasse fand sich der Roman Haus Ibeles in London.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 494.
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