Rösten

[382] Rösten, 1) das Austrocknen u. Bräunen vegetabilischer Stoffe, auch des Meerschwamms (vgl. Gebrannter Schwamm), indem man sie der Wirkung des Feuers bis zu dem Grade aussetzt, daß empyreumatisches Öl darin erzeugt wird, ohne daß sie jedoch wirklich verkohlen; 2) das gleiche Verfahren mit Stoffen, welche zur Nahrung bestimmt sind, wie der Kaffeebohnen beim sogenannten Brennen derselben, s.u. Kaffee; 3) Zwieback bereiten, indem man das zerschnittene Brod od. Einback wieder in den Ofen schiebt; 4) Mehl u. zu Suppen bestimmte Brod- u. Semmelschnittchen in einem Tiegel trocken der Hitze aussetzen, so daß sie braun werden u. einen brenzlichen Geschmack bekommen; zuweilen thut man auch Butter dazu, welche zugleich mit braun wird; 5) auf dem Roste braten; 6) das Mürbewekken des abgehauenen Getreides (bes. des Hafers), wenn es auf dem Felde dem Thau od. Regen ausgesetzt ist; ebenso 7) das Mürbewerden des Flachses, damit sich die Bastfasern leicht von den holzigen Theilen trennen, s.u. Flachs B); 8) aufbereitete, zum Theil gepochte u. geschlämmte Erze durchglühen, damit theils die Erzstücke mürbe werden, theils flüchtige Stoffe, z.B. Wasser, Kohlensäure, Schwefelarsen u. Schwefel entfernt, wieder andere aber, um die weitere Verhüttung zu erleichtern, oxydirt werden; so röstet man Eisen-, Zink-, Blei-, Kupfererze, auch den beim Kupferschmelzen gewonnenen Rohstein. Das R. geschieht entweder in Haufen unter freiem Himmel auf einem trocknen, mit Kohlenstaub überschütteten Platze (Röst-stätte, Rösthof, Röste), u. heißt dann Blockrösten; od. zwischen einer Einfassung von Mauern (in Röststadeln, s.u. Eisen III. A); od. in einem Hause ohne Seitenwände (Röstschuppen, Rösthaus, Rösthütte), dessen Dach auf Säulen ruht; in dem Röstschuppen u. Rösthause werden gewöhnlich mehre Röststätten angelegt; endlich in dem Röst- od. Brennofen. In dem Röstofen röstet man vorzüglich solche Schliche u. Erze, von welchen man den Arsenik u. den Schwefel in Gift- u. Schwefelfängen gewinnen will, doch können auch die gewöhnlichen Röststätten so eingerichtet werden, daß man den Schwefel dabei gewinnen kann. Der Plan, auf welchem das Erz zum R. in einen Haufen geschüttet wird, heißt Rostbett, so nennt man auch die unterste Schicht Holz dieses Haufens. Zu Unterhaltung des Feuers nimmt man das schlechteste Scheitholz u. Buschholz (Röstholz), doch auch Kohlen. Das Anbrennen des Holzes (Anstecken des Rostes) geschieht mit glühender Schlacke. Das Erz in den Ofen bringen, heißt Rost ansetzen u. zwar das muldenweise Aufschütten Roststürzen; dasselbe an die Seite des Ofens bringen, Rost fortsetzen; beim zweiten R. des Erzes das, was im ersten Rösthaufen unten lag, oben darauf stürzen, od. auch das beim R. unten liegende Erz mit Krücken herausziehen u. oben darauf stürzen, Rost wenden; das geröstete Erz aus dem Haufen nehmen, Rost abstrecken (Rost abziehen); das geröstete Erz in Wasser abschrecken, daß es in kleine Stücken zerspringe, Rost abkühlen. Die Arbeiten beim R. leitet der Dingherr od. Röster (Rostführer. Erzröster); die Rostjungen zerschlagen bes. das geröstete Erz mit Handfäusteln; die Rostschläger zerschlagen die zusammengeschmolznen Erze wieder in Stücke.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 382.
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