Montmorency

[183] Montmorency heißt ein berühmtes franz. Geschlecht, dessen Stammhaus einige Stunden von Paris bei der gleichnamigen Stadt lag, während der Revolution aber zerstört wurde. Ein M. nannte sich den ersten Baron der Christenheit und es ist behauptet worden, ihr Stammvater habe mit dem Könige Clodwig zugleich die Taufe empfangen, ja [183] in einem ihrer Schlösser befand sich ein Gemälde, die Sündflut darstellend, auf dem einem in den Wogen untersinkenden Menschen, der einen Stammbaum emporhielt, die Worte in den Mund gelegt waren: »Gott, rette den Stammbaum der M.« – In den Kriegen Franz l. gegen Kaiser Karl V., und in den spätern Kämpfen mit den Hugenotten spielte der Marschall und Connetaote Anne de M., geb. 1493, eine wichtige Rolle, war überhaupt einer der berühmtesten Feldherren des 16. Jahrh. und starb an den im Nov. 1567 in der Schlacht bei St.-Denis gegen die Hugenotten empfangenen Wunden. – Henri II., Herzog von M., geb. 1595, war ein nicht weniger tapferer General, wurde im 18. Jahre Admiral von Frankreich und zeichnete sich während des Religionskriegs 1620–22 bei der Belagerung von La Rochelle und im mantuanischen Erbfolgekriege (s. Mantua) aus, wo er den Marschallstab verdiente. Als er sich aber jetzt mit Gaston, Herzog von Orleans, gegen die Gewalt des Cardinals Richelieu, des allmächtigen Ministers Ludwig XIII., auflehnte, ward er von den gegen ihn ausgesandten königl. Truppen gefangen, vom Parlament zu Toulouse als Hochverräther zum Tode verurtheilt und aller frühern Verdienste und der erhobenen Fürbitten ungeachtet, am 30. Oct. 1632, jedoch nicht öffentlich hingerichtet, was die einzige erfolgte Milderung seines Urtheils war. – Unter Ludwig XVIII. war ein Herzog Matthieu von Laval-M. einige Zeit Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen und starb im März 1826 als Gouverneur des Herzogs von Bordeaux. – Ein anderer Laval-M. bekleidete seit dem Oct. 1829 die Stelle eines franz. Botschafters in London, wo nach der Juliusrevolution der Fürst Talleyrand sein Nachfolger wurde, und verweigerte im Aug. 1830 als Mitglied der Pairskammer den dem neuen Könige Ludwig Philipp zu leistenden Eid.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839., S. 183-184.
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