Böttcherei

[138] Böttcherei, Herstellung von Fässern, Tonnen, Eimern, Bottichen. Sie erfolgt heute zum großen Teil durch Maschinen (s. Faßfabrikation, maschinelle).

Die Arbeit des Böttchers besteht in der Herstellung der Böden, der Dauben und der Reifen zum Zusammenhalten der Dauben. Das Material für Fässer ist hauptsächlich Eichenholz, ferner Kiefern-, Tannen- und seltener Buchenholz. Das Böttcherholz wird durch Zerspalten der Baumstämme vorgerichtet; nur für minderwertige Gegenstände durch Zersägen, da hierbei die Holzfasern zerschnitten werden und die Festigkeit des Holzes leidet. Die Herstellung der Böden und Dauben erfordert eine besonders genaue Arbeit, da ihre Fugen dicht schließen müssen. Die Faßböden werden aus mehreren stumpf gegeneinander stoßenden Brettern hergestellt und diese durch Dippel, d.h. kurze hölzerne Rundstifte, miteinander verbunden. Die runden oder ovalen Böden werden mit ihrem zugeschärften Rande in eine Nut oder Kimme der Dauben eingesetzt. Die Dauben werden ohne Verbindung aneinander gefügt und durch Reifen zusammengehalten. Die Reifen bestehen aus zusammengenieteten Bandeisen oder bei weniger guten Fässern aus gespaltenem Birken- oder Weidenholz. Die Schneidwerkzeuge des Böttchers sind Beile, Messer, Sägen, Hobel, Bohrer.

Zu den Beilen gehört: das Segerz oder Breitbeil (s. Beil) zum Behauen der rohen gespaltenen Stäbe. Es hat eine breite, gekrümmte, in eine Spitze auslaufende Schneide; ferner das Lenkbeil oder die Binderbarte mit gerader langer Schneide und rechteckigem Blatt, besonders zum Behauen der Daubenseiten, und die Kliebhacke, welche die Form einer kleinen Axt hat. Als Schnittmesser benutzt der Böttcher Geradschneidemesser (Geradeisen), Krummschneidemesser (Krummeisen und Krummhaue oder Dechsel, mit quer zum Stiel stehender Schneide) und Stemmmesser. Fig. 1 zeigt ein etwa 27 cm langes und 5 cm breites Geradeisen. Zum Spalten der Hölzer wird die Spaltklinge oder das Klöbeisen verwendet, indem man es durch Schläge auf den Rücken mit der hölzernen Kimmkeule in das Holz eintreibt. Zur Bearbeitung der hölzernen Faß Reifen dienen die Binderschnitzer und Bindermesser; erstere besonders zur Herstellung der Einschnitte, mit denen die Reifenenden ineinander gehakt werden und so das Schloß bilden. Krummschneidemesser werden zu sehr verschiedenen Arbeiten gebraucht und kommen in mannigfacher[138] Gestalt vor. Sie dienen besonders zur Aushöhlung der Dauben. Fig. 2 und 3 zeigen Krummeisen, deren Länge etwa 25 cm, deren Breite 5 cm beträgt. Zum Ausarbeiten kleiner offener Gefäße dienen Schaber. Fig. 4 und 5 zeigen Rundschaber. Rundschaber mit langem Stiel heißen Stockschaber.

Die Steinmesser dienen zum Stemmen (Abenden) der Transportfässer. Das ganze Messer ist 30 cm, die Schneide 12 cm lang und 10 cm breit.

An Sägen benutzt der Böttcher besonders folgende: die große Spannsäge mit 100 cm langem und 5 cm breitem Blatt, die Handsäge, deren Blatt 70 cm lang und 3 cm breit ist. Die große Schweifsäge hat ein 70 cm langes und 2 cm breites Blatt. Die kleine Schweifsäge hat ein 60 cm langes und 1 cm breites Blatt, und die Türchensäge zum Türchenaussägen ein 50 cm langes und 1/2 cm breites Blatt. Das wichtigste Werkzeug des Böttchers ist der Hobel, der je nach seiner Bestimmung in sehr verschiedenen Formen und Abmessungen verwendet wird. Die wichtigsten sind der Rauhhobel (Schürfhobel) zum Verarbeiten der äußeren Rundungen der Dauben, der Glatthobel zum Schlichten derselben; der Gärbhobel, Fig. 6, zum Aushobeln von Fässern, etwa 15 cm lang, hat in der Länge und Breite abgerundete Sohle. Der Kopfhobel zum Hobeln des Kopf- und Hirnholzes hat ebenfalls abgerundete Sohle und ist 12 cm lang. Der Geradhobel zum Hobeln der Köpfe beim Stemmen ist 30 cm lang. Mit dem Absäuberhobel werden die fertigen Fässer abgehobelt. Der Bauchhobel dient zum Nachhobeln im Bauche des Fasses, das mit dem Absäuberhobel vorgehobelt ist. Der Backenhobel dient zum Aushobeln der fertigen Fässer. Die Sohle paßt sich der Faßwandung genau an. Den Schiffshobel verwendet man beim Aushobeln von Bottichen. Der Kranzhobel dient zur Herstellung von Verzierungen an den Vorderböden der Lagerfässer. Der Einmandel, auch Streifhobel, wird sehr häufig gebraucht, besonders zum Verhobeln der Dauben und Bodenstücke. Der Hobel ist 25 cm lang, 8 cm breit und 7 cm hoch. Er wird mit beiden Händen mittels eines Doppelgriffes über das. Werkstück geführt. Diesem Hobel gleicht der Zweimandel von 34 cm Länge, der von zwei Arbeitern geführt wird und besonders zum Nachstreifen der Dauben verwendet wird, die mit dem Einmandel schon vorgearbeitet sind. Zum Fügen (Blöcheln) der schweren Lagerfaßdauben dient der Blöchelhobel, Fig. 7. Er hat Doppelgriffe und ist 50 cm lang, das Schneideeisen 9 cm breit; die Sohle ist gerade. Der Scheuerhobel dient zum Abhobeln der Böden, wenn sie schon im Faß eingebunden sind, der Bodeneinschneidehobel zum Anschneiden der Böden, deren Rand durch ihn gleichmäßig dick bearbeitet wird. Die Stirnenden der Dauben werden mit dem Stemmhobel, Fig. 8, bearbeitet. Die Nut oder Kimme zur Aufnahme des zugeschärften Randes des Bodens wird mit dem Kimmhobel, Fig. 9, hergestellt. Er trägt zwei Vorschneider a und b für die Seitenwände der Nut und zwischen diesen die Räumeisen c. Das Blatt d wird beim Hobeln gegen die Stirnenden der Dauben gepreßt. Durch die Schrauben e wird der Abstand des Blattes vom Hobeleisen eingestellt. Ein andres Werkzeug zur Herstellung der Kimme (Gargel oder Kröse) ist der Gargel- oder Bodenkamm, Fig. 10. Er wird mit dem Blatt a gegen den Rand der Dauben (Gestemm) gedrückt und im Innern herumgeführt. Hierbei schabt das am Stiel b verstellbare, mit mehreren scharfen Zähnen versehene Kröseeisen c die Nut aus. Der Schabhobel dient zur Bearbeitung der äußeren Seiten der Faßböden. Mit dem Bodenbramschnitt, Fig. 11, wird der Boden verziert (verbrämt), mit dem Froschbramschnitt, Fig. 12, die innere [139] Fläche der über den Boden hervorragenden Dauben (Frösche). Mit dem Querstreifhobel werden Ringe in der Richtung des Umfanges eingehobelt. Die Sohle des Hobels ist dem Faßdurchmesser entsprechend ausgehöhlt. Zu den Hobeln ist noch zu rechnen die Fügebank. Sie besteht aus einem schweren Holzblock von 150 cm Länge und 15 cm Breite, dessen eines Ende auf dem Boden, dessen andres auf zwei Füßen ruht. Die Werkstücke werden über das in der Mitte angebrachte Scheideisen mit beiden Händen hingeführt. – Außer den genannten Hobeln kommen noch andre den besonderen Arbeiten angepaßte Hobel zur Verwendung.

Von Bohrern kommen in Betracht der Zapfenbohrer und Spundbohrer. Mit dem ersteren werden Zapfenlöcher von geringem Durchmesser gebohrt, mit dem letzteren, Fig. 13, der nach Art eines Schneidzirkels mit verstellbarem Messer versehen ist, große Spundlöcher.

Die Bearbeitung der Hölzer und Fässer erfolgt auf der Schneidbank, dem Endbock, dem Streifbock, dem Faßstuhl, dem Bodenstuhl, dem Blöchelstock und der Ausschneidefäule. Die mit starken Füßen versehene Schneidbank, Fig. 14, dient besonders zum Beschneiden der Dauben mit den Schnittmessern. Sie ist 200 cm lang und 55 cm hoch. Der rittlings auf dem Brett A sitzende Arbeiter tritt gegen den Fuß B der um den Bolzen C drehbaren Sattelstange und klemmt dadurch zwischen dem Sattel E und dem Kopf D das eine Ende der Dauben fett, deren andres er gegen seine Brust stützt. – Auf den Endbock, einen geraden, 30 cm hohen und 80 cm langen, auf vier Füßen ruhenden Bock, stellt man kleine Fässer zum Zwecke bequemer Bearbeitung. – Der Streifbock gleicht dem Endbock, ist 50 cm hoch und dient zum Streifen (Abhobeln) der größten Dauben und Bodenstücke mit dem Einmandel oder Zweimandel. – Der Faßstuhl wird zum Abhobeln (Absäubern) kleiner Fässer verwendet. Er gleicht einem umgekehrten Bock, dessen vier etwa 55 cm hohe Füße nach oben stehen. Zwischen diese wird das Faß gelegt, dessen Boden zur Verhütung der Verschiebung gegen eine schrägstehende Stütze ruht. – Der Bodenstuhl, etwa 60 cm hoch, findet beim Rundsägen der großen Lagerfaßböden Verwendung. Er gleicht einem Faßstuhl, auf dessen Füßen spitze Nägel angebracht sind, die sich in den darauf gelegten Boden eindrücken. – Der Blöchelstock dient zum Einspannen der schweren Lagerfaßdauben, die mit dem Blöchelhobel gefügt werden. Er besteht aus einem schweren Klotz von 50 cm Durchmesser und 25 cm Dicke, hat drei Füße, von denen einer unten ein langes Querholz trägt, um dem Bock einen festen Stand zu geben. Auf dem 70 cm hohen Blöchelstock befinden sich zwei aufrecht stehende Hölzer, deren eines eine starke Schraube trägt. Zwischen dieser und dem andern Holzstück wird das eine Ende der Daube festgespannt, während das andre in einem Einschnitt der Schneidebank ruht. – Die Ausschneidefäule wird beim Ausschneiden der Faßdauben verwendet. Sie besteht aus einem vom Boden bis zur Decke reichenden Balken von etwa 20 cm Seitenlänge. An diesem werden die Dauben mittels Haken und Schrauben so befestigt, daß sie schräg nach unten hängen. Der Arbeiter kann bei dieser Befestigung der Dauben das Ausschneiden, das bedeutende Anstrengung erfordert, mit dem ganzen Körpergewicht ausführen. – Zum Abmessen und Aufzeichnen von Rissen gebraucht der Böttcher Zirkel, die besonders kräftig konstruiert sind; den gewöhnlichen Zirkel, den vierspitzigen Zirkel, den Stockzirkel und den Ovalzirkel. Der vierspitzige Zirkel mit zwei Schenkelpaaren hat an einem Ende bewegliche, am andern feste Spitzen. Er dient besonders zum Anfertigen von Lenkruten, d.h. Schablonen zur Herstellung von Dauben. Mit dem Stockzirkel werden Risse hergestellt, für die der Schenkelzirkel nicht ausreicht. Er besteht aus einer Stange mit einer festen und einer verstellbaren Spitze. Mit dem Ovalzirkel, der einem Stockzirkel ähnlich ist, werden ovale Risse gezogen. Er besteht aus dem Stock, mit einer festen Spitze zum Einreißen und zwei verstellbaren Schiebern, und einem rechtwinkligen Kreuz. – Als Schlagwerkzeuge dienen dem Böttcher außer gewöhnlichen eisernen Hämmern der Schlägel zum Festklopfen der Holzreifen und in Verbindung mit einem andern Hammer der Setzhammer zum Aufsetzen auf Eisenreifen und das Treibholz zum Aufsetzen auf Holzreifen. Außer den genannten Werkzeugen kommen für die Böttcherei noch folgende in Betracht: der Faßzug, zum Zusammenpressen der oberen und unteren Enden der Dauben, Fig. 15. Beim Drehen der hölzernen oder[140] eisernen Schraubenspindel A mittels des Hebels B wird der Quersteg C und mit ihm das Seil oder die Kette D angezogen, die in dem festen Querholz E geführt ist. – Der Wärmstuhl, der dem Faßstuhl ähnlich ist, dient zum Nachwärmen der Fässer, die bereits gekocht oder gedämpft sind, mittels einer eisernen Pfanne, auf der Feuer angezündet wird. – Die Reifenzange aus starkem Eisen dient zum Aufziehen der Kopfreifen, der Schilfhaken zum Bodeneinziehen der Fässer, das Dübellocheisen zum Anfertigen der Dübel für die Faßböden, und das Meßrädchen, mit einem Durchmesser von 25 cm, zum Messen großer Eisenreifen. Ueber die Herstellung von Fässern s. Faßfabrikation.


Literatur: Karmarsch-Fischer, Mechanische Technologie, I und II, Leipzig 1888 und 1891; Schmidt, A., Der Großböttcher, Elberfeld 1897.

Dalchow.

Fig. 1., Fig. 2.
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Fig. 3.
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Fig. 4.
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Fig. 5.
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Fig. 6., Fig. 7., Fig. 8.
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Fig. 9., Fig. 10., Fig. 11.
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Fig. 12.
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Fig. 13.
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Fig. 14.
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Fig. 15.
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Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 2 Stuttgart, Leipzig 1905., S. 138-141.
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