Bedürfnisanstalten [1]

[641] Bedürfnisanstalten, im weiteren Sinne alle baulichen Anlagen, die dem Menschen gestatten, die Leibesentleerungen bequem und unter Wahrung von Anstand und Sitte vorzunehmen, während die Ausscheidungen selbst entweder einem Sammelbehälter – Grube, Reservoir, Bassin, Tonne, Eimer – zugeleitet[641] und von diesem aus besonders beseitigt werden oder zur unmittelbaren Fortleitung gelangen (Wasserklosetts in Verbindung mit Schwemmkanalisation); im engeren Sinne diejenigen der eben genannten Anlagen, die für den Massengebrauch bereitgestellt sind. Es ist hierbei zu unterscheiden zwischen den Bedürfnisanstalten in öffentlichen Gebäuden, insbesondere in Gasthäusern, Theatern, Krankenhäusern, Irrenhäusern, Schulen, Fabriken, Gefängnissen, Bahnhöfen u.s.w., überhaupt von allen Orten, die bestimmungsgemäß Menschen in größerer Anzahl aufzunehmen haben, und den eigentlichen öffentlichen Bedürfnisanstalten auf städtischen Straßen und Plätzen. Anstalten, die zur Aufnahme sowohl der festen als auch der flüssigen Abscheidungen dienlich sind, heißen Aborte; nur zur Aufnahme des Urins und zwar vorzugsweise zum Gebrauche für das männliche Geschlecht dienende führen den Namen Pissoire.

Bedürfnisanstalten für den Einzelgebrauch. Einzelaborte und die verschiedenen Abortsysteme sind in dem Art. Abort bereits beschrieben und in [1] hinsichtlich der Wasserklosetts kurz behandelt. Durch Wasser spülbare Einzelpissoire bestehen am geeigneten aus offenen Wandbecken von Steingut, Porzellan oder emailliertem Eisen, die halbkreisförmige oder Schnabelform besitzen (Fig. 1 u. 2) und von denen durch ein besonderes, mit Wasserverschluß versehenes Ablaufrohr die Flüssigkeiten abgeleitet werden. Die Wasserspülung geschieht entweder mittels eines über der Schale ausmündenden Zapfhahns oder noch besser durch kontinuierliche Randspülung. Behufs Wasserersparnis können die Pissoirschalen mit selbsttätiger intermittierender Spülung mit Hilfe eines Hebers oder einer Kippschale versehen werden [3], S. 302 ff. Bei der Anordnung Fig. 3 ist eine kleine Kippschale am oberen Ende des Pissoirbeckens angebracht; das Umkippen und Wiederaufrichten des Gefäßes erfolgt nach dessen Füllung bezw. Entleerung selbsttätig. Am Zulaufhahn lassen sich Wasserzufluß und damit Füllungsdauer sowie Spülintervalle genau regulieren. Auch selbsttätige Spülung eines Pissoirs durch Niederdrücken einer Trittplatte seitens des Besuchers ist hie und da angewendet worden [3]. Wo wenig Platz, wie z.B. in Eisenbahnwagen, vorhanden ist, werden zweckmäßig Klappissoire angewendet.

Bei der Konstruktion nach Fig. 4 steht die Klappschale durch eine Stange mit dem Wasserhahn in der Weise in Verbindung, daß beim Oeffnen der Schale auch der Hahn geöffnet wird und somit, solange das Pissoir offen steht, Wasserspülung stattfindet [4]. Ein einfaches Klappissoir ohne Spülung zeigt Fig. 5. Diese Apparate sind aus Eisenguß hergestellt, die innen emailliert, außen bronziert sind [5], Bl. 2.

An Stelle der Pissoirschalen oder Becken treten nicht selten erhöhte Ablaufrinnen oder Bodenrinnen. Erstere sind weniger empfehlenswert und namentlich für Wasserspülung unzweckmäßig (s. Fig. 6). Bei Anordnung der Bodenrinne kann die Rückwand entweder geradlinig, winklig oder halbkreisförmig sein (s. Fig. 7). Der Ablauf befindet sich bei solchen Einzelpissoiren in der Mitte der Bodenrinne. Vom Fußstande[642] aus muß der Boden Gefälle nach der Rinne hin besitzen; hierdurch geht bei der winkel- und halbkreisförmigen Rückwand die Rinne mehr in eine muldenförmige Fläche über, deren tiefsten Punkt der Ablauf bildet. Ueber diesen Mulden werden eiserne Fußgitter gelegt, um ihnen ein recht großes Gefälle geben zu können. Die Wasserspülung bei den Pissoiren mit Fußrinnen erfolgt derart, daß aus dem die Rücken- und zweckmäßig auch die Seitenwände umsäumenden Spülrohr diese Wände vermittelst nach innen gekehrter Löcher vollständig mit Wasser berieselt werden. Auch durch eine mit Einkerbungen versehene, horizontal an den Pissoirwänden laufende Wasserrinne kann diese Berieselung erfolgen. Als Material für die Pissoirwände sollten Platten aus Marmor, Granit, Syenit, Schiefer, Steinzeug und allenfalls Zementverputz gewählt werden, Holz nicht. Die Rinnen werden zweckmäßig aus Stein, Tonplättchen, emailliertem Eisen, Asphalt oder Zement hergestellt.

Bedürfnisanstalten für den Massengebrauch in öffentlichen Gebäuden u.s.w. Soweit es sich nicht um die ausschließliche Benutzung für das weibliche Geschlecht handelt, wird das Massenpissoir mit dem Massenabort meist in nahe räumliche Verbindung gebracht, gewöhnlich dadurch, daß man den Vorraum zu den Männeraborten mit Pissoirständen versieht. Frauenaborte müssen einen besonderen Eingang haben und von den Bedürfnisanstalten der Männer mindestens durch eine Zwischenwand getrennt sein. Ein Vorraum ist stets erwünscht. Man hat folgenden technischen und hygienischen Anforderungen zu entsprechen:

a) Die Aborte und Pissoire sollen in genügender Anzahl vorhanden sein, ausreichende Abmessungen besitzen und in allen Teilen aus festen und widerstandsfähigen Baustoffen hergestellt werden.

b) Jede Anstalt sollte durch direktes Licht beleuchtet sein und reichliche Lüftung zulassen.

c) Auf die Ermöglichung der Wasserspülung ist großer Wert zu legen.

d) Gegen Zugluft und Kälte ist das Abortinnere ausreichend zu schützen.

e) Die Bedürfnisanstalten sind möglichst in der Nähe von Nebenräumen oder auch an abgesonderten Orten zu errichten, besonders wenn Wasserspülung untunlich ist. Sie dürfen indessen nicht zu weit von den Aufenthaltsräumen entfernt liegen, müssen leicht zu finden und bequem zu erreichen sein.

f) Wo die Exkremente nicht sofort Schwemmkanälen übergeben werden können, hat ihre Ansammlung unter Vermeidung jeder Verunreinigung des Bodens und der Luft, ganz besonders der Innenluft der Häuser zu geschehen. Alle die verschiedenen Abortsysteme, wie Gruben, Tonnen, das System des pneumatischen Transports durch Röhren, das der Gruben mit Ueberläufen, im Zusammenhang mit Desinfektionseinrichtungen, sind deshalb auf das vollkommenste einzurichten.

Fig. 8, 8a, 9 und 10 zeigen die Anordnung der Bedürfnisanstalten in solchen öffentlichen Gebäuden, die vorwiegend oder fast ausschließlich von Angehörigen des männlichen Geschlechts besucht werden. Bei Fig. 8 dient der Vorraum zu den Klosetts gleichzeitig als Pissoirraum. Die nebenanliegende Toilette ist mit dem Vorraum durch eine Türe verbunden und kann sowohl als Vorzimmer zur Bedürfnisanstalt wie auch für sich allein benutzt werden, da Pissoir und Toilettenraum je einen eignen Eingang vom Korridor aus besitzen. Fig. 8a zeigt die Anordnung einer mit dem Pissoir vereinigten Toilette, welche wie die Aborte vom Korridor aus nur durch einen gemeinsamen Vorraum zugänglich ist. Fig. 9 zeigt die Anordnung im Pathologischen Institut der Universität zu Bonn, bemerkenswert durch den zur Kleiderablage bestimmten Seitenkorridor, aus dem der Eingang in das als Vorraum für das Klosett dienende Pissoir führt. Fig. 10 gibt die Anordnung in der Technischen Hochschule zu Hannover wieder. Pissoir und Klosett sind durch einen Vorraum getrennt, und die ganze Bedürfnisanstalt ist als kleiner Gebäudeflügel an den Korridor angebaut. Fig. 11–15 einschließlich zeigen die üblichen[643] Anordnungen der Bedürfnisanstalten in Kliniken und Krankenhäusern. Die Aborteinrichtungen dürfen nicht zu weit von den Krankensälen entfernt sein. Zweckmäßig werden die Räume für die Bedürfnisanstalten sowie für Bad, Teeküche und Wartepersonal unmittelbar nebeneinander gelegt; vgl. Fig. 11, 11a und 12. Die Forderung nach möglichster Geruchlosigkeit der Bedürfnisorte sowie einer guten Erhellung und Lüftung derselben ist für Krankenhäuser besonders wichtig. Wasserklosetts mit kräftiger Spülung verdienen mit Rücksicht auf die Erfüllung der ersteren Forderung den Vorzug. Vielfach wird unmittelbar neben dem Krankensaal ein Raum für bewegliche Aborte, Nachtstühle, vorgesehen, vgl. Fig. 13 (Flügel der Irrenklinik der Universität zu Tübingen), wodurch der Vorteil erreicht ist, daß für die weniger gehfähigen Kranken, die noch nicht in die Leibschüssel (Stechbecken) ihre Entleerungen von sich geben müssen, den Abort fast ohne Temperaturwechsel noch erreichen können. Auch für den Zweck der nicht selten erforderlichen Aufbewahrung der Exkremente bis zur Visite des Arztes sind die Nachtstühle sehr geeignet. Nachahmenswert erscheint die Anordnung der Bedürfnisanstalt für die Kranken der Irrenklinik der Universität Marburg, in der besonderer Wert auf die Ermöglichung des direkten Eintritts in die Klosetträume vom Krankensaale aus gelegt ist. (Fig. 14.). – Eine ähnliche Anordnung, wobei jedoch in sehr zweckmäßiger Weise die Bedürfnisanstalt unter Vermittlung einer zwischen dieser und dem Baderaum angeordneten Halle vom Krankensaal aus betreten wird, zeigt die Klinik der Universität zu Halle (Fig. 15). – Für mindestens zehn Kranke ist ein Abort herzustellen [7], S. 40.

Für Irren-, große Erziehungs- und Strafanstalten sind außer den Wasserklosetts mit selbsttätiger Spülung auch gelüstete feste Spülaborte, bei denen die Spülung täglich zwei- bis dreimal gleichzeitig durch das Aufsichtspersonal vorgenommen wird, empfehlenswert. Sitze solcher Abortanlagen werden durch die Aktiengesellschaft Schäfer & Walker, Berlin ([6], Tafel 44) geliefert (s. Fig. 16, 17, 18). Der Sitz hat einen Wasserverschluß, in dessen trichterförmige Erweiterung das Klosettbecken unter Belassung eines Zwischenraumes mündet, so daß sich die oberhalb des Wasserverschlusses etwa befindende übelriechende Luft nicht im Abortbecken ansammeln und in den Abort- oder Zellenraum entweichen kann. Sie wird vielmehr nach einem besonderen Abführungsrohre x, das mit einem Lüftungsschlot y in Verbindung steht, angesaugt und abgeführt. Durch das zweite, vom Sitz ausgehende Rohr l, das den Zutritt frischer Luft vermittelt, mündet das von einer für alle Klosetts gemeinschaftlichen Wasserleitung abzweigende Spülrohr w. Durch letzteres können nach Oeffnung des Absperrhahns der Wasserleitung sämtliche Aborte in bestimmten Zwischenräumen gespült werden, ohne daß der Kranken- oder Gefangenenraum u.s.w. betreten zu werden braucht. Beschädigungen können bei diesem Klosett, das bewegliche Teile überhaupt nicht besitzt und dessen Sitz und Deckel aus starkem Holze bestehen, während alles übrige von Eisen ist, kaum vorkommen.

In Gasthäusern, Restaurationen, Kasinos sind die Bedürfnisanstalten so anzubringen, daß sie nicht allzu auffällig erscheinen, trotzdem aber leicht gefunden werden und von Männern und Frauen ohne Begegnen zu erreichen sind. Auf hundert Männer werden zwei Pissoirstände und mindestens ein Abort und dieselbe Zahl für je zweihundert fernere Gälte[644] gerechnet. Auf einhundert Frauen sind zwei und für jedes Hundert mehr je ein Abort anzunehmen [8], S. 25. Beispiele sind aus Fig. 19, 20, 21 und 22 zu ersehen. Ein Vorraum vor den Abortanlagen, der gleichzeitig als Toiletteraum dient, sollte bei besseren Lokalen nie fehlen. Fig. 21 und 22 geben ein Beispiel einer größeren Massenanlage [8], S. 66. Wo es schwierig ist, Männer- und Frauenaborte zu trennen, ist jedenfalls die Pissoiranlage von den Aborten getrennt zu halten. Bei Massenanlagen ist auch die Trennung der Piffoiranlagen von den Männeraborten zu befürworten.

In Theatern sind für jedes Stockwerk die zugehörigen Bedürfnisanstalten für das Publikum womöglich zu beiden Seiten und zwar von den Rundgängen aus erreichbar anzuordnen. Die Anordnung, daß auf einer Seite die Männeraborte, auf der andern Seite die Frauenaborte sich befinden, verdient den Vorzug Die Frauenaborte sollten hier stets durch einen Toiletteraum von dem allgemeinen Zugang getrennt sein. Bei den Bedürfnisorten für die Männer kann Waschgelegenheit in den Pissoiren Platz finden. Auf je 150 Männer sollten durchschnittlich zwei Pissoirstände und ein Abortsitz, auf je 150 Frauen zwei bis drei Abortsitze entfallen.

Die Bedürfnisanstalten in Gefängnissen werden, wo es sich um gemeinschaftliche Haft handelt, gleichwie in öffentlichen Gebäuden an den Enden der Korridore als Massenanlagen errichtet [9], S. 263. In Gefängnissen mit Einzelhaft bestehen gegenwärtig noch meist die Abort- und Pissoireinrichtungen aus einzelnen mittels Zugstange nach den Korridoren herausziehbaren, in den Zellen untergebrachten Leibstühlen (Fig. 23 und 24).

Bei Kasernen erhalten die Bedürfnisanstalten für je 20–25 Mann einen Abortsitz und einen Pissoirstand [3], Bd. 4, 7, S. 489; vielfach, so in Preußen, ist vorgeschrieben, die Bedürfnisanstalten für die Mannschaften nicht in den Kasernen selbst, sondern in eignen Gebäuden unterzubringen. Fig. 25 zeigt die Normaleinteilung in preußischen Kasernen für ein Bataillon. Abortanlagen mit direkten Abfuhrwägen, mit festliegenden Kotbehältern (Bassinsystem), sowie das Tonnensystem und bei Wasserspülung die sogenannten Trogaborte (vgl. Fig. 29, 32, 33 und 34), neuerdings aber auch die für Schulen gemäß Fig. 27, 28 und 28a empfohlenen Anlagen finden hier am häufigsten Anwendung.

Für Fabriken, große Lagerplätze u.s.w. kommen die gleichen Konstruktionstypen zur Verwendung. Fig. 26 zeigt eine durch die Halberger Hütte ausgeführte Anordnung [11].

Die Bedürfnisanstalten für Schulen sollen, sofern man nicht in der Lage ist, Klosettanlagen mit reichlicher Wasserspülung anzuwenden, außerhalb des Schulhauses errichtet werden. Die Lage nach Osten und Norden verdient den Vorzug. Bei größeren Schulen, besonders bei Mädchenschulen, muß unbedingt gefordert werden, daß die Kinder vor den Unbilden schlechter Witterung geschützt, also vermittelst überdachter Gänge zu den Bedürfnisanstalten gelangen können und daß diese behufs Schutzes vor der strengen Winterkälte heizbar eingerichtet werden. Bei Wasserklosettanlagen[645] in letzterer, an sich gesundheitlichen, Forderung schon wegen des gebotenen Schutzes der Wasserleitung gegen Einfrieren nachzukommen. In Volksschulen wird für je 40 Knaben ein Abortsitz und ein Pissoirstand und für je 25 Mädchen ein Sitz angenommen [12], S. 134 ff. Auch für Schulen finden die durch Fig. 27, 32, 33 und 34 dargestellten Abortsysteme vorzugsweise Anwendung. Eine in den Schulen Wiesbadens durch den Verfasser eingeführte Konstruktion, die sich gut bewährt, ist in Fig. 28 und 28a dargestellt. Ein Spülreservoir, dem konstant Wasser zufließt und dessen Füllungszeit am Zulaufhahn geregelt werden kann, ist durch eine Rohrleitung sowohl mit allen Klosettsitzen als auch den Pissoirrinnen verbunden. Die Klosetttrichter münden unmittelbar in ein in schwachem Gefälle liegendes Rohr ein, das an seinem unteren Ende mit einem Siphon derart abgeschlossen ist, daß es stets völlig mit Wasser gefüllt bleibt. An seinem oberen Ende ist dieses Sammelrohr mit dem von dem Zentralspülbehälter ausgehenden Hauptspülrohr verbunden. Wenn das Spülreservoir vollständig gefüllt ist, was je nach der Zulaufhahnstellung dreibis achtmal des Tages geschieht, so entleert es sich durch einen Heber, der durch ein Kippgefäß zur Wirksamkeit gebracht wird, selbsttätig. Hierbei strömen mit großer Gewalt reichliche Wassermengen durch die Klosettbecken, Pissoirrinnen und das erwähnte Sammelrohr, alle Flächen gut abspülend und alle Fäkalstoffe mit sich fortnehmend.

Auf Bau- und Werkplätzen empfiehlt sich, wo Wasserspülaborte zulässig sind, die Errichtung der einfachen Trogklosetts, wie solche in Fig. 29 veranschaulicht sind. Die Konstruktion einer fahrbaren Bedürfnisanstalt ist aus Fig. 30, 30a und 30b ersichtlich. – Am einfachsten müssen notgedrungen die Bedürfnisanstalten auf Militärbiwaks und vorübergehenden Lagerplätzen hergestellt werden. Man hebt hier einen ca. 1,20 m tiefen Graben von 0,80–1,00 m Sohlenbreite und von 12,00 m Länge für je ein Bataillon aus. Der Sitz wird durch ein auf Kreuzböcken am Grabenende ruhendes Rundholz gebildet, während die auf der gegenüberliegenden Seite und den Schmalseiten aufgeworfene Erde die Rückendeckung bildet. Mit Aufhebung des Lagers wird die ausgeworsene Erde wieder auf die Fäkalien gefüllt [11], S. 267.

Ueber Abortanlagen an Bord von Schiffen s. S. 26 und [6].

In ausgedehnten Bahnhofsanlagen, besonders in solchen mit unterirdischen Durchgängen, m man mit Rücksicht auf die Forderung leichten Erreichens von den Wartsälen und dem Bahnsteig aus vielfach genötigt, die wichtigsten Zwischensteige mit besonderen Bedürfnisanstalten auszustatten. Es dienen hierfür Baulichkeiten, wie sie im folgenden Abschnitt (Oeffentliche Bedürfnisanstalten) beschrieben sind. Eine recht zweckmäßige Einrichtung ist es, wenn die [646] Bedürfnisanstalten in Empfangsgebäuden sowohl vom Bahnsteig als auch vom Gebäudekorridor aus erreichbar sind. Einfache, auf dem Bahnsteig stehende Pissoirstände ohne Schutzwände, wie sie auf italienischen Bahnhöfen noch anzutreffen sind, widersprechen dem Schicklichkeitsgefühle und müssen deshalb unter allen Umständen als unzulässig bezeichnet werden. Die Verbindung von Toiletteräumen mit den Bedürfnisanstalten ist bei größeren Bahnhofsanlagen zweckmäßig. Ein Beispiel bietet Fig. 31 [12]. Auf kleinen und mittleren Bahnhöfen werden die Bedürfnisanstalten im Gegensatz zu der Anordnung in den neuen größeren Bahnhöfen saß durchweg als freistehende Baulichkeiten aufgeführt. Ihre Innenräume sind für die beiden Geschlechter in der Weise getrennt, daß für dieselben der Zutritt auf vermiedenen Seiten erfolgen muß. Die Pissoirräume sind oft den Aborten für die Herren vorgelegt. Ein besonderer Eingang für Pissoir- und Abortsraum verdient aber mit Rücksicht auf die bessere Kommunikation den Vorzug. – Bei Bahnhöfen mit starkem Massenverkehr hat sich die Einrichtung von Bedürfnisanstalten zum getrennten Gebrauch für Ankommende und Abreisende als zweckmäßig erwiesen [13], S. 67.[647]

Bei großem Massenverkehr, an dem das weibliche Geschlecht wesentlichen Anteil nimmt, sind auch Frauenpissoire angelegt worden, so z.B. auf dem Südfriedhof zu Leipzig, ohne Sitze konstruiert; die Fußböden sind als Zementtröge ausgebildet, über die nur eiserne Gitter eingelegt wurden [14], S. 299.

In den Fig. 32, 33 und 34 sind Beispiele verschiedener Massenabortanlagen unter Zugrundelegung der verschiedenen. Trockenabortsysteme zur Darstellung gebracht. Für Wasserklosettanlagen bieten Fig. 27, 28a und 28b und 29 die entsprechenden Beispiele.

Bei einfachster Ausführung von Massenklosetts stellen sich die Kosten für den Sitz einschließlich Fallröhren, Ventilation und Kotbehälter, an dessen Stelle beim Schwemmsystem die Kanalleitung tritt, aber ohne Gebäude, auf durchschnittlich 120 ℳ. Dieser Preis steigt bei besseren auf etwa 150 ℳ. und bei den feineren Klosettanlagen oder bei Abortanlagen mit Desinfektion auf ungefähr 200 ℳ. Bei Pissoireinrichtungen ist ohne Berücksichtigung der Gebäude bei sparsamer, sich nur auf das Nötigste beschränkender Ausführung für den Stand eine Ausgabe von 20 ℳ. anzunehmen, sofern für Wasserspülung keine Vorsorge getroffen wird. Bei Wasserspülung und mittelguter Ausführung kommt der Stand durchschnittlich auf 50 ℳ., um bei seiner Ausführung bis auf 200 ℳ. und mehr zu stehen.

Oeffentliche Bedürfnisanstalten sind für jede größere Stadt eine unbedingte Notwendigkeit. Ausreichende Anzahl, möglichste Geruchlosigkeit, richtige Versorgung mit Licht und Luft, Erhaltung größter Reinlichkeit und Ordnung, Rücksichtnahme auf das Anstandsgefühl der Passanten und Bewohner der Nachbarhäuser sind Forderungen, denen die Bedürfnisanstalten in Städten ganz besonders genügen müssen. Die für den Gebrauch seitens des männlichen Geschlechts bestimmten öffentlichen Pissoire einer Stadt sollten so zahlreich sein, daß auf mindestens zweitausend Einwohner ein Pissoirstand trifft. Es kommen für Städte, abgesehen von den später noch zu erwähnenden, immer mehr Anwendung findenden Oelpissoiren, nur Pissoire mit Wasserspülung in Betracht. Die kontinuierliche Wasserspülung verdient hierbei vor der intermittierenden den Vorzug, weil die zu letzterer erforderlichen Einrichtungen: Spülbehälter, Schwimmer, Heber u.s.w. in den öffentlichen Anstalten leicht Beschädigungen ausgesetzt sind und in strengen Wintern Betriebsstörungen durch Einfrieren eher zu befürchten flehen. Alle Pissoirstände sollten zum Schutz gegen Regen- und Schneefälle überdacht werden.

Bei den sogenannten Schneckenpissoiren (Fig. 35 und 36) wird gegen die Umfassungswand, die auf den größten Teil ihrer Länge bespült wird und an deren. Fuß sich eine Rinne befindet, uriniert; sie haben den Nachteil, daß Fuß- und Beinbekleidung des Besuchers leicht vom Spülwasser bespritzt oder sonstwie verunreinigt werden können, und daß der Eintretende dem Herauskommenden schlecht ausweichen kann, besonders beim zwei- und mehrständigen Pissoir. Bei letzteren muß der Eingang zur Anstalt durch eine besondere Schutzwand den Blicken Vorübergehender entzogen werden. – Um den Nachteil der bei Schneckenpissoiren unangenehm nahen Begegnung der Aus- und Eintretenden zu vermeiden, sind solche Pissoire mit je einem besonderen Zugang zu jedem Standplatze konstruiert worden (Fig. 37).

Eine entschiedene Verbesserung gegenüber den Schneckenanlagen sind die in neuester [648] Zeit fast nur allein zur Anwendung kommenden Ständepissoire in Reihen- oder in Fächerstellung der Stände (Fig. 38–48). Pissoire mit Umfangsständen sind in Fig. 38–45, solche mit freien Innenständen in Fig. 46–48 veranschaulicht. Hierbei ist in Fig. 39, 46 und 47 Fächerstellung und in Fig. 40–45 und 48 Reihenstellung angewendet. Die Umfangspissoire haben gegenüber denjenigen mit Innenständern den Vorteil, daß ihr Inneres vom Besucher vollständig übersehen werden kann und reichlicherer Platz für das Ausweichen geboten ist Dieser Vorteil wird indessen wesentlich in all den Fällen beschränkt, in denen nur eine Oeffnung dem Aus- und Eintritte dient. Allen Umfangspissoiren haftet der Nachteil an, daß große Flächen vom Urin benetzt werden und die Reinhaltung daher eine schwierige ist oder doch mehr Spülwasser erfordert. – Bei der Innenstellung der Stände weist die Reihenstellung keine besonderen Vorzüge gegenüber den Umfangspissoiren auf, höchstens denjenigen, daß die Außenwände in ihrem unteren Teil entweder ganz offen oder, was vorzuziehen ist, durchbrochen hergestellt werden können, wodurch eine wirksame Ventilation erzielt wird. Indes können auch bei den Umfangsständen die durchbrochenen Außenwände angewendet werden, sofern zwischen den Ständerückwänden und den Umfangswänden, sei es durch Schrägstellen oder Abrücken der ersteren, ein Zwischenraum von etwa 15 cm gelassen wird. Die Anlagen nach Fig. 38 und 39 sind übrigens frei von den Mängeln der Umfangspissoire. Sie vereinigen mit den Vorzügen der Umfangsstände die Vorteile der freien Fächerstände, die in der aufs möglichste beschränkten Größe der vom Urin benetzten Fläche bestehen. – Bei den Anlagen mit Fächerständen sind zwei Arten der Urinabführung zu unterscheiden. Vgl. Fig. 49 und 50. Bei der einen ist ein zentrales Urinbecken mit beständigem oder intermittierendem Wasserzulauf und Ablauf durch ein Ueberlaufrohr angeordnet, bei der andern fehlt das Becken ganz und wird durch eine Bodenrinne, die durch ein Eisengitter abgedeckt ist, ersetzt. In diesem Fall werden die Trennungswände bis zum Boden hinabgeführt und liefern das sie bespülende Wasser an die Bodenrinne ab, wodurch auch diese eine Spülung erfährt. Besondere Randspülung für Bodenrinnen ist bis jetzt wohl nur selten ausgeführt worden, dürfte aber zu empfehlen sein. Die Konstruktion mit Bodenrinne verdient erfahrungsgemäß den Vorzug. Der Inhalt des Zentralbeckens nimmt nämlich durch den Urin, durch Zigarren- und Papierreste u.s.w. bald ein sehr unsauberes Aussehen an. Auch Verstopfungen des Ueberlaufrohres treten sehr leicht ein. Die Anordnung von einzelnen Urinbecken wird bei den öffentlichen Bedürfnisanstalten als nicht zweckmäßig erachtet, mit Rücksicht auf die hier vorhandene Gefahr der Beschädigung und Verstopfung.

Die Standweiten sollten durchschnittlich 0,75–0,90 m, die Eingänge 0,85–1,20 m Weite haben. Wo nur ein Eingang zu mehreren Ständen vorhanden, ist derselbe mindestens 1,20 m breit zu wählen. Die Höhe vom Fußboden bis Unterkante des Daches soll wenigstens 2,40 m betragen. Die Trennungswände der Stände müssen durchschnittlich 0,42 m tief und mindestens 1,40 m hoch sein. Bei Fächerständen darf kein kleinerer Winkel als 60° gewählt werden. In Fig. 49–51 sind einzelne der gebräuchlichsten Typen im Grundriß und Ansicht dargestellt. Im allgemeinen ist hinsichtlich des Kostenaufwandes anzunehmen, daß bei der üblichen Ausführungsweise: »Glatte oder gewellte Eisenblechwände zwischen guß- oder walzeifernen Pfosten, Zink- oder Eisendach, undurchlässiger Stein-, Asphalt- oder Zementfußboden, Zwischen- und Rückwände der Stände aus poliertem Stein«, die Pissoiranlagen, einschließlich Wasserzu- und Abführung, nebst Beleuchtungsvorrichtung, unter der Annahme kurzer Anschlußleitung 200–300 ℳ. oder durchschnittlich 250 ℳ. und bei seiner Ausstattung durchschnittlich 500 ℳ., auf den Stand gerechnet, kosten. Die jährliche bauliche Unterhaltung der öffentlichen Pissoire erfordert für den Stand durchschnittlich 20 ℳ. Die Wartung wird gewöhnlich durch das Straßenreinigungspersonal besorgt. Der Wasserverbrauch beträgt pro Stand jährlich 1000–1500 cbm.

Dieser große Wasserverbrauch hat in zahlreichen Städten zur Einrichtung der sogenannten Oelpissoire geführt, wodurch ganz wesentliche Ersparnisse in den laufenden Kosten erzielt werden. Bei denselben wird auf Wasserspülung vollständig verzichtet und das Pissoir dadurch geruchlos gehalten, daß alle durch den Urin benetzten Flächen täglich einmal mittels eines Lappens oder harten Pinsels mit Oel abgerieben werden. An den mit Oel befeuchteten Flächen[649] kann der Urin nicht mehr haften und fließt vollständig dem tiefsten Rinnenpunkte zu, an dem zu seiner Aufnahme der sogenannte Oelsiphon (D.R.P. Nr. 72361) eingebaut ist (Fig. 52). Dieser besteht aus einem runden Behälter, in dem ein mit Abschlußdeckel versehener Zylinder von geringem Durchmesser und in diesem ein noch engeres Rohr so steckt, daß ein sogenannter Glockenwasserverschluß gebildet wird, in den der Urin durch die im Deckel angebrachten Oeffnungen einfließt. Dieser Glockensiphon ist zum Teil mit Oel gefüllt, das in einer Stärke von 1–2 cm obenauf schwimmt. Fließt nun in den Siphon Urin, so sinkt dieser sofort unter die leichtere Oelschicht und bringt dadurch eine entsprechende Menge des im Siphon unter der Oelschicht befindlichen Urins zum Abfluß durch den Auslauf des Siphons. Durch die stets oben schwimmende Oelschicht wird jeder Geruch des im Siphon vorhandenen Urins nach dem Pissoir zu abgehalten. Geeignetes Oel wird von den meisten chemischen Fabriken geliefert. Das Oelpissoir hat sich für die Städte, die immer mehr zu größter Sparsamkeit im Wasserverbrauche genötigt werden, von nicht zu unterschätzender Bedeutung erwiesen, da es bei guter Wartung gelingt, ein solches Pissoir, abgesehen von dem nicht unangenehmen Oelgeruch, ebenso geruchfrei zu halten als eine mit ausreichender Wasserspülung versehene Anlage.

Die öffentlichen Aborte werden gewöhnlich mit den Pissoiranlagen gemeinsam errichtet und besitzen in der Regel eine Männer- und Frauenabteilung (Fig. 53). Bei der fast stets starken Frequenz des Männerpissoirs ist jedoch die Benutzung einer solchen Anstalt für die Frauen peinlich. Entsprechender werden die öffentlichen Aborte ohne Pissoiranlagen errichtet, sofern dieselben auch für die Benutzung von Frauen dienen sollen (Fig. 54). Selbstredend sind die Eingänge für Männer und Frauen auch bei den Abortanlagen möglichst entfernt voneinander zu legen. Den Schicklichkeitsrücksichten gegen die Frauen ist durch Anordnung eines Warteraumes im Gebäudeinnern Rechnung zu tragen. Den Pissoiranlagen Aborte anzufügen, die nur für Männer benimmt sind, fleht selbstverständlich nicht das geringste Bedenken entgegen. Jede mit Abort versehene öffentliche Bedürfnisanstalt bedarf einer ständigen Aufsicht und Wartung; es ist daher im Innern ein Raum für den Aufenthalt der Aufsichtsperson (Wartefrau) anzubringen. In diesem oder im Vorplatz bezw. im Warteraum, bei großen Bedürfnisanstalten wohl auch in besonderen Zellen, ist Waschgelegenheit zu bieten. Für die Winterzeit ist die Bedürfnisanstalt mit Heizeinrichtung zu versehen. – Die Kosten der öffentlichen Bedürfnisanstalten sind, wie bereits erwähnt, nicht unbedeutend. Einschließlich Beleuchtung, Heizung, Wasserversorgung und Kanalisation stellten sich beispielsweise die Baukosten einer Bedürfnisanstalt mit vier getrennten Sitzabteilungen, Wärterin- und Toiletteraum in einfacher Ausführung auf 4400 ℳ., einer solchen mit eisernem Oberbau in Verbindung mit einem sechsständigen Pissoir auf 8600 ℳ. Eine Bedürfnisanstalt nach Fig. 54 erfordert bis zu 7000 ℳ. Baukosten. – Durchschnittlich muß für den Klosettsitz auf eine Ausgabe von 1000 ℳ. gerechnet werden.

Es liegt in der Natur der Sache, daß Bedürfnisanstalten dort aufgeteilt werden müssen, wo sich ein großes Verkehrsleben entwickelt; aber gerade da werden sie gewöhnlich als recht hinderlich empfunden. In den größeren südfranzösischen Städten, namentlich in Marseille, sind deshalb die dem öffentlichen Gebrauche dienenden Aborte in die Häuser in der Art verlegt, daß sie sich an der Trottoirseite, von der aus sie betreten werden können, wenig von den umgebenden Kaufläden unterscheiden. Man tritt zunächst in einen Vorraum, in dem sich die Warteiran befindet. In der Regel ist eine Eintrittsgebühr von 20 Cts. festgesetzt.

Die unterirdischen Bedürfnisanstalten nehmen den öffentlichen Stadtflächen den geringsten Platz weg, hindern nicht den freien Ausblick und erweisen sich am wenigsten[650] störend für den Verkehr, so daß sie für große Städte besonders empfehlenswert sind. Fig. 55 stellt diejenige auf dem Charing-Cross-Platz in London [17] dar. Die Männerabteilung derselben hat 28 Pissoirstände, 12 Wasserklosetts, einen Waschraum mit zwei Waschbecken und eine Wärterkabine nebst Gerätekammer. Sie ist von der Frauenabteilung, die ihre eigne Wärterin hat, durch eine Mauer getrennt. Diese Abteilung enthält fünf Wasserklosetts und zwei Waschbecken im Warteraum. Die Gebühr für Wasserklosetts und Waschbecken beträgt je 1 Penny für die Person. Der Gebrauch der Pissoiranstalt ist unentgeltlich. Jede Tür zu einem Wasserklosett öffnet sich von selbst, nachdem in einen Schlitz ein Pennystück eingeworfen ist. Das Licht erhält die Anstalt von oben durch Faywardsche prismatische Glaslinsen. Die Lüftung erfolgt durch im Fußsteg liegende durchbrochene Gitter und durch die Eingänge. Abgeleitet wird die Luft nach dem als Ventilator dienenden, über der Mitte der Anstalt oberirdisch stehenden großen Gaskandelaber. Die Entwässerungskanäle werden durch eine andre Laterne besonders entlüftet. Die Innenmauern der Anstalt sind mit elfenbeinfarbig glasierten Ziegeln bedeckt, zu den Holzarbeiten ist Eichenholz verwendet. Die Anstalt hat 81200 ℳ. gekostet. In London bestehen mehrere derartige Anstalten (vgl. [3], Bd. 9, S. 339, [16], S. 40 u. f.).

Bedürfnisanstalten mit Verbrennung der Exkremente. In neuester Zeit hat man auch die Aufgabe gelöst, die Exkremente unmittelbar nach ihrer Entstehung in der Bedürfnisanstalt selbst durch rauch- und geruchlose Verbrennung unschädlich zu machen und aus ihnen eine düngerhaltige Asche zu gewinnen. Hierzu dient das Patentfeuerklosett mit Löhnholdtscher Patentsturzflammenfeuerung ([15] und Fig. 56). Die Fäkalien sowie der Urin fallen durch das unmittelbar an die Aborte angeschlossene Rohr in die im unteren Teile des Löhnholdtschen Ofens befindliche, nach außen verschlossene Trockenschale (Retorte), in der die flüssigen Bestandteile durch die durchziehenden Heizgase völlig verdampft und die festen Rückstände zu geruchloser Poudrette ausgetrocknet werden. – Die nach der Retorte führenden Klosettfallröhren sind unter den Aborttrichter durch eine bewegliche Klappe, die sich nur bei der Benutzung selbsttätig öffnet, geschlossen. Der Betrieb der oberhalb der Trockenschale befindlichen Feuerung ist ein kontinuierlicher. Trotzdem ist eine fortdauernde aufmerksame Bedienung nicht zu entbehren. Eine solche Bedürfnisanstalt ist in der Armaturen- und Maschinenfabrik, A.-G., vormals J.A. Hilpert, in Nürnberg zur Ausführung gekommen, wird dort durchschnittlich während der Woche tausendmal von Arbeitern benutzt und soll sich gut bewährt haben. Kosten des Brennmaterials fallen pro Tag und Kopf 3 Pf. betragen. Auch Arnheim–Berlin hat eine Feuerklosettanlage erdacht und in Nedlitz erfolgreich zur Ausführung gebracht. Obwohl die Feuerklosetts besonders für[651] Krankenhäuser große Bedeutung erlangen könnten, weil durch sie alle Infektionskeime am sichersten zerstört werden, so werden sie doch kaum größere Verwendung finden, da ihr Betrieb im Vergleich zu andern Einrichtungen umständlich und auch nicht ausreichend geruchlos ist.


Literatur: [1] Emmerich, Ueber Wasserklosettanlagen, Sonderabdruck aus Bayer. Industrie- und Gewerbeblatt, München 1892. – [2] Behring, Bekämpfung der Infektionskrankheiten, Hygienischer Teil, von Brix, Pfuhl und Nocht, Leipzig 1894. – [3] Handbuch der Architektur, Darmstadt 1883. – [4] Katalogabteilung I, von W. und R. Göbel, Leipzig 1892. – [5] Illustr. Preisverzeichnis, David Grove, Berlin. – [6] Preisliste Nr. 119 der Aktiengesellschaft Schäfer & Walker, Berlin. – [7] Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin 1890. – [8] Baumeister, Städtisches Straßenwesen und Städtereinigung, im Handbuch der Baukunde, III, 3, Berlin 1890. – [9] Taschenkatalog von Rud. Boecking & Co., Halberger Hütte bei Saarbrücken. – [10] Eulenberg & Bach, Schulgesundheitslehre, Berlin 1891. – [11] Mothes, Baulexikon, Leipzig und Berlin 1882. – [12] Katalog von Volz & Wittmer, Straßburg. – [13] Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin 1892. – [14] Verwaltungsbericht der Stadt Leipzig, 1888. – [15] Gesundheits-Ingenieur, München 1894. – [16] Weyl, Studien der Straßenhygiene, Jena 1893. – Außer dieser im Text erwähnten Literatur wird noch verwiesen auf: Broschüre Das Eisenhütten- und Emaillierwerk, Neusalz a. O., Abortanlagen, erste Ausgabe; Katalog Nr. 6 von Heinrich Pichler, Frankfurt; Broschüre von C. Maquet über Sanitätsgerätschaften, Heidelberg und Berlin; Katalog Nr. 4 der Tangerhütte; Zirkular von E. v. Koppen & Co., Köln-Ehrenfeld, Ueber Latrinenanlagen; Desgl. von Schmahl, Mainz-Mombach; Otto Poppe, Kirchberg i. S., Ueber Torfmüllabortanlagen; Katalog der Torfmüllklosettfabrik Karl Fischer, Bremen; Zirkulare der Aktiengesellschaft für Eisen- und Wellblechkonstruktionen, vormals Breest & Co., Berlin; Zirkulare und Preislisten von Kullmann & Lina, Frankfurt a.M.; Zirkulare Wilh. Tilmanns, Remscheid; Broschüren von Gebrüder Schmidt, Weimar, Fabrik für Abortanlagen; Desgl. von D. Aktienges. Hemelingen bei Bremen, Fabrik für Torfmüllstreuklosettanlagen; Dietrich, Ueber öffentliche Urinieranstalten, Nr. 81 des Wochenbl. für Baukunde, 8. Jahrg., 1886; Frühling, A., Die Entwässerung der Städte, Handbuch der Ing.-Wissensch., 3. Teil, 4. Bd., Leipzig 1903, S. 277; Esmarch, E. v., Hygienisches Taschenbuch, Berlin 1902, S. 175–177.

F. Brix.

Fig. 1., Fig. 2.
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Fig. 3.
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Fig. 4., Fig. 5.
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Fig. 6.
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Fig. 7.
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Fig. 8., Fig. 8a., Fig. 9., Fig. 10.
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Fig. 11.
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Fig. 11a.
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Fig. 12.
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Fig. 13., Fig. 14.
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Fig. 19.
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Fig. 20.
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Fig. 21., Fig. 22., Fig. 23.
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Fig. 26.
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Fig. 28., Fig. 28a.
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Fig. 29.
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Fig. 30b.
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Fig. 32.
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Fig. 46., Fig. 47., Fig. 48.
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Fig. 49.
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Fig. 50.
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Fig. 52.
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Fig. 53., Fig. 54.
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Fig. 55.
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Fig. 56.
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Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 641-652.
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