Gonzenbach

[128] Gonzenbach, 1) Karl, Kupferstecher, geb. 21. Juli 1806 in St. Gallen, gest. daselbst 13. Juni 1885, bildete sich zuerst bei Lips in Zürich, dann bei Felsing und Amsler in München, darauf bei Fr. Forster in Paris und zuletzt in Italien. Seit 1838 in München ansässig, arbeitete er meist nach Künstlern der klassizistischen und neudeutschen Schule in Umriß- und Kartonstich. Seine Hauptwerke sind: Gunther und Brunhilde; Siegfried und Kriemhild, nach Schnorr; der Tod Winkelrieds, der Schwur auf dem Rütli und der Tellschuß, nach L. Vogel; der Verbrecher aus verlorner Ehre, nach Kaulbach; fünf Blätter aus dem Leben einer Hexe und vier Blätter aus dem Leben eines Künstlers, nach Genelli. Vgl. Hahn, Kupferstecher Karl Arnold G. (St. Gallen 1898).

2) August von, schweizer. Politiker und Historiker, geb. 16. Mai 1808 in St. Gallen, gest. 29. Sept. 1887 in Bern, gebildet im Fellenbergschen Institut zu Hofwil, studierte die Rechte in Basel und Jena, wurde 1833 Staatsanwalt in St. Gallen, Mitglied des Großen Rates und zweiter Gesandter seines Kantons an der schweizerischen Tagsatzung, die ihn 1834 zum eidgenossischen Staatsschreiber ernannte. Nachdem er dies Amt 13 Jahre hindurch bekleidet, wurde er bei der Neuwahl im Sommer 1847 wegen seiner zum Sonderbund hinneigenden konservativen Gesinnung übergangen; doch nahm er auch später noch am öffentlichen Leben teil als Mitglied des bernischen Großen Rates 1850–75 und des schweizerischen Nationalrats 1854–75, wo er der konservativen Partei angehörte. Unter seinen zahlreichen politischen und historischen Schriften sind hervorzuheben: »Über die Handelsverhältnisse zwischen der Schweiz und den Zollvereinsstaaten im Jahre 1840« (Luzern 1845); »Darstellung der Handelsverhältnisse zwischen der Schweiz und Österreich in den Jahren 1840 und 1845« (Bern 1847); »Leben und Wirken des gewesenen eidgenössischen Kanzlers Markus Mousson« (im »Berner Taschenbuch«, 1864); »Der 10. August 1792« (ebenda, 1866); »Die schweizerische Abordnung anden Friedenskongreß in Münster und Osnabrück« (Archiv des historischen Vereins Bern, Bd. 9); »Rückblicke auf die Lostrennung der schweizerischen Eidgenossenschaft vom Reichsverband durch den Friedenskongreß von Münster und Osnabrück« (im »Jahrbuch für schweizerische Geschichte«, 1885) und »Der General Hans Ludwig pou Erlach von Castelen« (Bern 1880–82, 3 Bde.), sein Hauptwerk.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 128.
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