Gruppe [4]

[468] Gruppe, Otto Friedrich, Dichter und Schriftsteller, geb. 15. April 1804 in Danzig, gest. 7. Jan. 1876 in Berlin, widmete sich in Berlin philosophischen, naturwissenschaftlichen und altdeutschen Studien, lieferte Kunstberichte als ständiger Mitarbeiter an der »Allgemeinen Preußischen Staatszeitung« und ward 1835 deren Feuilletonredakteur. Nachdem er[468] 1842 und 1843 im Ministerium der geistlichen Angelegenheiten gearbeitet hatte, wurde er 1844 zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät zu Berlin ernannt; 1863 erhielt er die Stellung eines ständigen Sekretärs der königlichen Akademie der bildenden Künste. Unter seinen zahlreichen Schriften verdienen Auszeichnung: »Antäus. Briefwechsel über die spekulative Philosophie« (Berl. 1831), gegen die Hegelsche Philosophie gerichtet und im »Wendepunkt der Philosophie im 19. Jahrhundert« (das. 1834) weiter ausgeführt; »Ariadne, die tragische Kunst der Griechen« (das. 1834); »Die römische Elegie« (Leipz. 1838, 2 Bde.); »Über die Theogonie des Hesiod« (Berl. 1841); »Über die Fragmente des Archytas und der ältern Pythagoreer« (das. 1840); »Die kosmischen Systeme der Griechen« (das. 1851); »Gegenwart und Zukunft der Philosophie in Deutschland« (das. 1855); »Minos« (Leipz. 1859) u. »Äakos« (Berl. 1872), in welch letztern Werken die Interpolationen in den römischen Dichtern (namentlich Horaz, Bergil, Ovid) behandelt werden. Als Dichter debütierte G. mit einem aristophanischen Lustspiel: »Die Winde«, von Absolutulus von Hegelingen (1827, 2. Aufl. 1832), trat dann mit epischen Dichtungen hervor, von denen »Alboin« (Berl. 1830), »Königin Berta« (das. 1848), »Theudelinde« (das. 1849), »Kaiser Karl« (das. 1852), »Firdusi« (Stuttg. 1856), »Nuth, Tobias, Sulamith« (Berl. 1857) hervorzuheben stud. Außer einer Sammlung seiner »Gedichte« (Berl. 1835) ließ G. zahlreiche Dichtungen zerstreut, teils in Chamissos »Musenalmanach«, teils in einem von ihm selbst begründeten und redigierten »Musenalmanach« (1851–55), erscheinen. Es folgten: »Vaterländische Gedichte« (Neuruppin 1866), dazu als neue Folge: »Der Krieg von 1866« (das. 1868, neue Ausg. 1883). Als Dramatiker versuchte er sich mit einem Drama. »Otto von Wittelsbach« (Berl. 1860), und einer Fortsetzung des Schillerschen »Demetrius« (das. 1861). Gruppes Dichtungen gehören zur akademischen Epigonenliteratur. Als Literarhistoriker trat er hervor mit den Anthologien. »Der deutsche Dichterwald« (Berl. 1849, 3 Bde.) und »Sagen und Geschichten des deutschen Volkes aus dem Munde seiner Dichter« (das. 1854), den Schriften. »Deutsche Übersetzerkunst« (Hannov. 1858), »Reinhold Lenz, Leben und Werke« (Berl. 1861) und dem literarhistorisch-kritischen, auf selbständigem Urteil beruhenden Werk »Leben und Werke deutscher Dichter« (Münch. u. Leipz. 1864–72, 5 Bde.). Vgl. Hirschberg, Otto Friedr. G., in der »Zeitschrift für Bücherfreunde« (1904).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 468-469.
Lizenz:
Faksimiles:
468 | 469
Kategorien: