Francisco, S.

[459] S. Francisco (spr. San Fransisco, Francesco, Franzisco, Franzesco), 1) Grafschaft im Staate Californien (Hochcalifornien, Nordamerika), 121/2 QM.; im N. u. N. O. von der San Franciscobai, im W. vom Stillen Ocean, im S. u. SW. vom San Francisquito-Creek begrenzt; theilweis gebirgig (durch die Sierra Morena od. Brown Mountains, bis zu 2000 Fuß hoch); Boden reich u. fruchtbar, schöne Waldungen; Producte: Weizen, Gerste, Kartoffeln, Rindvieh, Pferde, Gold aber nur in geringerer Menge als in den weiter nördlich gelegenen Grafschaften; die projectirte San F.-San José-Eisenbahn wird die Grafschaft durchschneiden; 1852 36,150 Ew.; 2) Hauptstadt darin, liegt auf einer sanft ansteigenden Ebene einer zwischen dem Stillen Ocean u. der San Franciscobai gelegenen schmalen Landzunge, an einer von zwei hervorspringenden Landspitzen (Clarks Point im N., Rincon Point im S.) gebildeten halbkreisförmigen Bucht; regelmäßig gebaut, sämmtliche Straßen sich rechtwinkelig kreuzend, große öffentliche Plätze (Squares od. Plazas); die Häuser meist von Holz, einige von Eisen; 20 Kirchen, 8 Banken, mehrere Theater, Münze (doch sämmtliche Gebäude klein); 12 Zeitungen; gelehrte Gesellschaft: California Academy of Natural Sciences; Bibliothek: Mercantile Library. Der Handel, von der Lage der Stadt begünstigt, ist von großer Wichtigkeit u. Ausdehnung, namentlich als Hauptausfuhrplatz des gesammten Californischen Goldes; 1852 liefen 990 Schiffe mit zusammen 444,000 Tonnen ein u. 1527 Schiffe mit zusammen 494,000 Tonnen aus. Regelmäßige Dampfschifffahrt nach Panama, Marysville, Sacramento, San José, Santa Clara u. Alviso; Eisenbahn projectirt nach San José; 1849, 1850, 1851 große Feuersbrünste, die beinahe die ganze Stadt zerstörten. Bevölkerung u. Ausdehnung ungeheuer im Wachsen: 1847 nur 459 Ew. 1852 34,776 Ew. (darunter nur 5245 weibliche), 1857 durfte sie auf mindestens 50,000 angeschlagen werden. Die erste Ansiedelung in F. fand 1776 durch die Spanier statt; sie nannten den Platz Yerba buena (d.i. gutes Kraut), wegen eines dort häufig wachsenden Heilkrautes, u. legten daselbst eine Missionsstation der Franciscaner u. einen Militärposten (Presidio) an. Die Mission hatte 1831, zur Zeit ihrer Blüthe, bereits 7000 Indianer getauft. Bald darauf begannen die Feindseligkeiten der mexicanischen Regierung gegen die Missionen, u. Yerba buena kam in Verfall. 1847 wurden die ersten Goldlager in der Nähe gefunden, von wo an sich die rasche Entwickelung der Stadt datirt. Als 1848 Californien an die Vereinigten Staaten fiel, wurde der Name Yerba buena in San Francisco umgewandelt; 3) (Cap S. F.), Vorgebirg am Panamagolf des Stillen Oceans; 4) Zweig der Cordilleren in der südamerikanischen Republik Bolivia; 5) Vorgebirg an der Westküste der südamerikanischen Republik Ecuador; 6) Fluß im Kaiserthum Brasilien, entspringt in der Provinz Minas Geraes, nimmt die Flüsse Velhas, Karaktu, Verde, Carynhauha u. Rio Grande auf u. fällt nach einem Laufe von 320 Meilen in den Atlantischen Ocean; 7) Hafenplatz in der brasilianischen Provinz Alagoas, an der Mündung des gleichnamigen Flusses. 8) (S. F. de Alacāma), Ort im Departamiento Potosi in der Republik Bolivia; 9) (S. F. de Campeche), Fluß im mexicanischen Staate Yucatan, mündet an der Westküste dieses Staates in die Campechebai; 10) (S. F. de la Mar), Ort im mexicanischen Staate Puebla, von Indianern bewohnt; 11) (S. F. de la Selva), Stadt in der chilenischen Provinz Atacama, so v.w. Copiapo 3); 12) (S. F. del Monte), Stadt in der chilenischen Provinz Santiago; 13) (S. F. del Oro), reiche Goldmine int mexicanischen Staate Chihuahua, unweit San José de Parral; 14) (S. F. de Paulo), Stadt in der brasilianischen Provinz Rio Grande do Sul; 15) (S. F. de Quito), so v.w. Quito; 16) (S. F. Mountain), Spitze der Anden in der chilenischen Provinz Santiago, 16,900 Fuß; 17) (S. F. Xichu), reiche Gold- u. Silbermine im mexicanischen Staate Queretaro.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858, S. 459.
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