Halen [1]

[869] Halen, 1) Juan van H., Graf von Peracampos, geb. 1790 auf der Insel Leon, stammte aber aus einer belgischen Familie; trat, 15 Jahre alt, als Seecadet in das Marinecorps u. machte die Schlacht von Trafalgar als solcher mit, wurde Seeoffizier u. in Madrid zum Dienst der Admiralität bestimmt. Am 2. Mai 1808 befehligte er ein Partisancorps in Madrid, entfloh dann zu der spanischen Armee, unterwarf sich aber später, wurde Ordonnanzoffizier bei dem König Joseph u. begleitete denselben auf seinen Reisen, verrieth diesen aber 1812, indem er zu den Alliirten überging u. mehreren, von den Franzosen besetzten Festungen in Nordspanien vorgeblich in Josephs Namen den Befehl überbrachte, diese Plätze an die Spanier zu übergeben, was jedoch nicht überall gelang. Ende 1815 wegen einer Verschwörung gegen Ferdinand VII. verhaftet, bald wieder befreit, nahm er als Oberstlieutenant an den geheimen Clubs von Murcia Theil, wurde deshalb verhaftet, vor die Inquisition gestellt, entkam aber, trat in russische Dienste u. focht um 1819 gegen die Völker am Kaukasus. Als die Revolution 1820 in Spanien ausbrach, nahm er seinen Abschied u. kehrte nach verschiedenen Schwierigkeiten, die ihm Rußland u. Österreich machten, nach Spanien zurück, kämpfte als Adjutant Mina's daselbst, ging, als die Revolution durch die französische Invasion unterdrückt wurde, erst nach Habanna, dann nach Nordamerika u. endlich nach Belgien, woher er stammte. Als 1830 die belgische Revolution ausbrach, übernahm er am dritten Tage des Aufstandes den Oberbefehl über die belgischen Insurgenten u. vertrieb die Niederländer aus Brüssel. Wegen Streitigkeiten mit Potter legte er aber das Commando nieder u. wurde Militärgouverneur in Südbrabant. Auch dieser Stelle wurde er im October als Generallieutenant u. mit 10,000 Francs jährlicher Pension entlassen, bald darauf des Orangismus angeklagt, aus Mangel an Beweisen jedoch freigesprochen, lebte nun in Brüssel, wurde aber 1836 von der Königin Christine nach Spanien berufen, u. erhielt hier eine Division, mit der er die Carlisten in Navarra schlug. Wegen einer Verschwörung zu Gunsten der Constitution, in die er den greisen Palafox mit verwickelte, verhaftet, wurde er bald wieder frei gelassen, ging 1838 auf kurze Zeit nach Frankreich, befehligte dann in Aragonien u. wetteiferte dort mit dem carlistischen General Cabrera in Hnrichtungen u. Gräueln, führte kurze Zeit das Commando des. Centrums u. wurde 1840 Generalcapitän von Catalonien. Treuer Anhänger von Espartero, hielt er diese Provinz in Ordnung,[869] bis Ende November 1842 dort eine Revolution ausbrach, durch die van H, aus der Stadt vertrieben wurde. Als alle Ermahnungen zur Ruhe nichts fruchteten, beschoß er Barcelona vom Montjuich aus u. brachte es zur Unterwerfung. Nach Esparteros Sturze 1843 verließ er Spanien wieder u. lebte in England u. Brüssel 2) Antonio van H., Bruder des Vorigen, kämpfte wie er in dem Spanischen Befreiungskriege, stieg in den carlistischen Kriegen zu den höheren Graden, wurde Marescal del Campo, Chef des Generalstabes von Espartero; von dem Ministerium oft angefeindet, hielt er sich doch u. war im November bei seinem Bruder in Barcelona zum Besuch, als der Aufstand dort ausbrach u. die Truppen aus der Stadt vertrieben wurden; nach dem Sturz Esparteros 1843 ging er mit diesem ebenfalls nach England.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 7. Altenburg 1859, S. 869-870.
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