Visconti [2]

[190] Visconti, 1) Ennio Quirino, Archäolog, geb. 1. Nov. 1751 in Rom, gest. 7. Febr. 1818 in Paris, Sohn des Giambattista Antonio V. (geb. 1712, gest. 2. Sept. 1784), Präse.ten der Altertümer zu Rom. ein frühreifes Wunderkind, studierte die Rechte, ward vom Papst zum Ehrenkämmerer und Unterbibliothekar im Vatikan und, nachdem er den 2. Band von dem durch seinen Vater begonnenen »Museo Pio-Clementino« (1782–1807, 7 Bde.) bearbeitet, 1787 zum Konservator des Museum capitolinum ernannt. Bei der ersten Besetzung Roms durch die Franzosen wurde er Minister des Innern der neuen provisorischen Regierung und 1798 einer der Konsuln. Bei Annäherung der neapolitanischen Armee 1799 ging er nach Paris, wo er zum Aufseher der Sammlungen des Louvre und Konservator der Altertümer sowie zum Professor der Archäologie ernannt wurde. In dieser Stellung besorgte er 1801–03 treffliche Kataloge der Schätze des Museums. Dann folgten seine beiden andern Hauptwerke, wozu Napoleon I. die[190] Anregung und die Mittel gab, die »Iconographie grecque« (Par. 1811, 3 Bde. u. Atlas) und die »Iconographie romaine« (das. 1817–29, 4 Bde. u. Atlas, Bd. 2–4 von Mongez). 1817 ward er nach Eng land eingeladen, um die Statuen, die Lord Elgin in den Trümmern des Parthenon gefunden hatte, abzuschätzen; bei dieser Veranlassung schrieb er das »Memoire sur les ouvrages de sculpture du Parthénon« (Par. 1818). Eine Gesamtausgabe seiner Werke besorgte Labus (Mail. 1818–22, 2 Bde.). – Sein Bruder Filippo Aureliano V., gest. 30. März 1831 in Rom, gab als Fortsetzung des »Museo Pio-Clementino« das »Museo Chiaramonti« heraus. Ein zweiter Bruder, Alessandro V., geb. 1757 in Rom, gest. daselbst als Arzt 7. Jan. 1835, machte sich ebenfalls als Archäolog und Numismatiker bekannt.

2) Louis Tullius Joachim, franz. Architekt, Sohn des vorigen, geb. 11. Febr. 1791 in Rom, gest. 1. Dez. 1853 in Paris. machte seine Studien in Paris und widmete sich unter Percier und Fontaine der Architektur, ward 1817 Bauleiter an der Weinhalle in Paris, 1822 Inspektor beim Bau des Finanzministeriums und 1825 Architekt der Pariser Nationalbibliothek. Seine hervorragendsten Arbeiten sind das Grabmal Napoleons I. im Invalidendom und die Entwürfe zum Ausbau des Louvre, die aber von seinem Nachfolger Lefuel (s. d.) stark verändert wurden.

3) Pietro Ercole, Archäolog, Sohn des Alessandro V., geb. 1302, gest. 14. Okt. 1880 in Rom, wurde frühzeitig Mitglied der päpstlichen archäologischen Akademie, für die er 1823 seine ersten Arbeiten über altchristliche Inschriften und römische Funde lieferte, dann ihr ständiger Sekretär und 1836 Kommissar der Altertümer und Direktor der vatikanischen Sammlungen in Rom, zugleich Professor an der Universität. Seine Ämter legte er 1870 nieder. Er beschrieb die vom Fürsten A. Torlonia veranstalteten Ausgrabungen zu Cäre, gab einen Katalog des Torlonia-Museums (1876 u. 1883) sowie die Gedichte der Vittoria Colonna (mit Biographie, 1840) heraus. Seine »Geschichte der Familien Roms und des Kirchenstaats« (1847, Bd. 1–5) blieb unvollendet. Vgl. v. Reumont, Biographische Denkblätter (Leipz. 1878). – Sein Neffe Carlo Lodovico V. starb 20. Juni 1894 als Direktor der päpstlichen Museen.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 190-191.
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