Paris (Mythologie)

[108] Paris (Mythologie), Sohn des Priamos und der Hekuba; ein schöner Jüngling, durch welchen nach dem Beschluß des ewigen Fatums das blühende Troja unterging. Weichlich von Natur, mußte er oft den Vorwurf unmännlicher Feigheit hören. Die sanften Künste[109] des Friedens, Gesang und Zitherspiel, und die Tändeleien der Liebe zogen ihn mehr an, als Krieg und Kampfgetümmel. Seine Mutter träumte vor seiner Geburt, aus ihrem Schoße lodere eine brennende Fackel, welche die Stadt entzündete und verzehrte. Dieser Traum wurde nur allzuwahr. Um Unglück zu verhüten, ließ Priamos den Knaben am Berge Ida aussetzen, dort erzog ihn mitleidig ein Sclave zum Hirten, und er wurde der Gemahl Oenonens. Als bei Peleus Hochzeit die Eris den Zankapfel unter die drei Göttinnen, Juno, Venus und Minerva warf, wählten sie den schönen verliebten Hirten zum Schiedsrichter, und jede verhieß ihm reichen Lohn, wenn er ihr den Preiß zuerkenne. Here versprach ihm einen Welttheil, Pallas den höchsten Ruhm, Aphrodite das schönste Weib der Erde. Die Göttinnen mußten entkleidet vor dem irdischen Richter stehen, den die überstrahlenden Reize der Liebesgöttin und der verheißene süße Lohn gleich mächtig zur Entscheidung für die letztere hinrissen. Das schönste Weib war Helena, die Gemahlin des Menelaos, die Paris entführte. Doch ist nicht immer die schönste Frau auch die beglückendste. Menelaos beschwur ganz Griechenland zur Rache, ein ungeheures Heer zog nach Kleinasien, der trojanische Krieg entstand. Dieser zehnjährige, verderbliche Kampf machte endlich auch Paris zum Helden, mindestens mit dem fern-hintreffenden Geschoß. Er erlegte den Achilles, und wurde von den vergifteten Pfeilen Philoktet's auf den Tod verwundet. Seine erste treue Gemahlin, die er um Helena's Willen verlassen hatte, hätte ihn zu heilen vermocht, aber die allzutief Gekränkte that es nicht, und Paris starb, worauf Oenone sich aus Schmerz und Reue erhing.

–ch–

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 8. [o.O.] 1837, S. 108-109.
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108 | 109
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