Livórno [2]

[633] Livórno, Hauptstadt der gleichnamigen ital. Provinz (s. oben) und einer der wichtigsten Hafen- und Handelsplätze Italiens (s. den Plan, S. 634), liegt 14 km südlich von der Mündung des Arno an der Flachküste des Ligurischen Meeres, wird von mehreren Kanälen durchschnitten und steht durch einen schiffbaren Kanal mit dem Arno in Verbindung. Vom Hafenkai zieht die Hauptstraße Via Vittorio Emanuele in ostnordöstlicher Richtung durch die Mitte der Stadt und kreuzt den großen Platz gleichen Namens. Bemerkenswert sind unter den Bauwerken: der Dom (aus dem 17. Jahrh.), außer dem die Stadt noch 23 Kirchen (darunter eine evangelische, anglikanische, griechisch-katholische, armenische) sowie eine große Synagoge von 1603 besitzt; ferner der ehemalige großherzogliche Palast (von 1605), das Stadthaus (1720), die Börse, die Präfektur, der Palast Larderel (mit Gemäldesammlung). Von Denkmälern sind die Marmorstatue des Großherzogs Ferdinand I. am Hafen, die Standbilder Ferdinands III. und Leopolds II. auf der Piazza Carlo Alberto, das Reiterstandbild Viktor Emanuels II. (auf dem gleichnamigen Platz) und die Denkmäler Cavours und Garibaldis zu erwähnen. Eine 1792 angelegte, 22 km lange Wasserleitung aus den Bergen von Colognolo versieht die Stadt mit gutem Trinkwasser. Die Bevölkerung beträgt (1901) 79,342, mit Einschluß der Vororte 98,321 Seelen, darunter etwa ein Fünftel Juden. Der Hafen besteht aus dem 1854 angelegten äußern Hafen, Porto nuovo, der durchschnittlich 6 m tief ist und durch einen bogenförmig vorgelegten Wellenbrecher von 1000 m Länge mit zwei Leuchttürmen geschützt wird, und dem innern, von den Mediceern angelegten Bassin, Porto vecchio, das durch zwei Dämme abgeschlossen wird und Bollwerke aus dem 12. bis 16. Jahrh. besitzt. Auf einer Felseninsel im Außenhafen erhebt sich ein 1303 errichteter Leuchtturm. Eisenbahnverbindungen bestehen über Pisa einerseits nach Florenz, anderseits nach Genua und nach Rom, regelmäßige Dampfschiffsverbindungen mit den italienischen Häfen, mit Malta und der Levante, mit Korsika, Marseille, Hamburg etc. Der Verkehr von Handelsschiffen im Hafen von L. gestaltete sich 1902 wie folgt:

Tabelle

Im J. 1886 belief sich der Gesamtverkehr auf 8459 Schiffe von 2,787,705 Ton., im J. 1893 auf 7799 Schiffe von 2,276,731 T. Auf den Dampfschiffverkehr kamen (1902) 3654 Schiffe von 3,754,615 T. Nächst der italienischen Flagge behaupteten die englische und französische Flagge den Vorrang. Der deutschen gehörten 1902: 89 Schiffe von 90,244 T. Gehalt mit 35,223 T. Ladung im Einlauf und 19,755 T. Ladung im Auslauf an. Der Wert der Ausfuhr betrug 1904: 52,4 Mill., der der Einfuhr 78,4 Mill. Lire. Die Hauptartikel des Handels sind in der Ausfuhr: Olivenöl, Wein, kandierte Früchte, Borax und Borsäure, Weinstein, Seife, Hanf, rohe Häute, Quecksilber, Korallenarbeiten, roher[633] und bearbeiteter Marmor und Möbel; in der Einfuhr: Spiritus, Petroleum, Zucker, Tabak, rohe Baum- und Schafwolle, rohe Häute, Metalle, Steinkohlen und Getreide. 1901 wurden in L. 61,316 Reisende ein- und ausgeschifft. Eine lebhafte Entwickelung hat in den letzten Jahren die Industrie von L. genommen; sie umfaßt insbes. den Schiffbau (die große Schiffswerfte der Gebrüder Orlando mit 1500–2000 Arbeitern baut die großen italienischen Panzerschiffe), die Herstellung von Briketts, Kupfer-, Messing-, Eisenguß-, Stahl-, Ton-, Glas-, Seiler- und Teigwaren, Maschinen, Zündhölzern, Seife, Mehl, kandierten Früchten, Spiritus, Leder, Knöpfen, Korallenarbeiten etc. sowie die Buchdruckerei.

Sehr reich ist L. an Humanitäts- und Wohltätigkeitsanstalten, von denen die beiden Lazarette an der Küste, das große Spital (1622 gegründet) samt Findelanstalt und das Waisenhaus die bedeutendsten sind.

Lageplan von Livorno.
Lageplan von Livorno.

An wissenschaftlichen Anstalten bestehen ein Lyzeum und Gymnasium, eine Marineakademie, ein nautisches Institut, ein Technisches Institut, eine Technische Schule und eine wissenschaftliche Akademie (Accademia Labronica) mit ansehnlicher Bibliothek (40,000 Bände). L. ist der Sitz eines Präfekten und der übrigen Provinzialbehörden, eines Bischofs, einer Handels- und Gewerbekammer und zahlreicher Konsulate fremder Staaten (darunter auch eines deutschen). Von den Anlagen ist insbes. der nach der südlichen Vorstadt Ardenza führende Viale Regina Margherita zu nennen. Noch weiter südlich erhebt sich der Montenero, mit der Wallfahrtskirche Madonna di Montenero. Längs der Küste befinden sich schöne Villen und Seebadeanstalten. – L. ist wahrscheinlich identisch mit dem antiken Portus Pisanus oder ad Herculem. 1397 kam der Ort unter die Herrschaft des Jacopo Appiano, dann an die Visconti und 1421 an Florenz. Alessandro de' Medici befestigte die Stadt und baute die Zitadelle; Cosimo I. erklärte den Hafen für einen Freihafen (den ersten im Mittelmeer). Seit Ferdinand I., der L. 1593 einen umfassenden Freiheitsbrief gab und die Stadt zum Zufluchtsort aller Verfolgten (Juden, Protestanten etc.) machte, gelangte es zu großem Wohlstand und merkantiler Bedeutung. Vgl. Vivoli, Annali di L. (Livorno 1842, 4 Bde.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 633-634.
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