Citronen

[163] Citronen (Poma citri, Fructus c.), die reisen Früchte des Citronenbaumes, eiförmig, länglich, meist am oberen Ende mit einer Warze. Ihre (verschieden dicke) Schale ist eigen hellgelb (Citronen gelb), mit einer Menge kleiner Höhlen angefüllt, die ein eigenes ätherisches Öl (Citronenöl) enthalten, davon uneben, auf der inneren Seite aber glatt u. weiß, schwammig u. geschmacklos; unter ihr findet sich in 8,9 od. 10 häutige Fächer getheiltes Fleisch, welches in vielen kleinen Saftbläschen einen saueren Saft von eigenem Geschmack (Citronensaft) enthält u. zugleich in jedem Fache 2 weiße, eiförmige, zugespitzte, bitterschmeckende Samen einschließt. Die C. variiren sehr in Größe, Form u. Qualität. Hauptspielarten sind: a) Citronate (Cedratfrüchte), b) Limonien, c) Limetten, d) Bergamottcitronen, e) Bastardcitronen (rund), sämmtliche auch als Spielarten der eigentlichen C. betrachtet, u. alle mit zahlreichen Untervarietäten; vgl. Citrus A)–D). Die C. kommen bes. aus Nizza u. Mentone in Sardinien, Triest u. Fiume, Roveredo, Bogliacco, Gargnano, Torbole, in den italienischen Confinen von Tyrol, Calabrien, Faro in Portugal, Malaga u. Velez-Malaga in Spanien u. Genua. Die genuesischen heißen im Handel fünflegige Kisten citronen, die aus den Gegenden am Lago di Garda siebenlegige. Die genueser, triester u. messinaer halten je nach der Größe der Früchte 500–600 Stück, die gardseeischen od. großen Kisten 7–800 u. endlich die spanischen u. portugiesischen 400–450 Stück. In Gewächshäusern gezogene erlangen nicht die Güte der in jenen Ländern im Freien wachsenden. In der Türkei liefert besonders Scio[163] reichliche C., die über Brody, Tarnopol etc. nach dem Norden kommen. Zum Verkauf werden die C. noch vor völliger Reise abgenommen u. dann in Papier gepackt u. so in Kisten versendet. Die dünnschaligen sind am besten. In feuchter Luft u. Wärme sind sie, bes. verpackt, der Verderbniß unterworfen, welche sie unschmackhaft macht, auch den mit ihnen zubereiteten Speisen u. Getränken einen bitteren, widerlichen Geschmack mittheilt. Die C. sind des gewürzigen Öls der Schalen u. ihrer angenehmen Säure wegen beliebt u. dienen in vielerlei Art als Zuthat zu Speisen, wie auch zum Getränk. Der Citronensaft (Succus citri, Citronensäure, mit etwas Pflanzenschleim), meist ohne das Öl der Schalen, dient zum Küchengebrauch in mancherlei Art u. in der Färberei, auch als Zuthat zu den Getränken (mit Wasser vermischt zu Citronenwasser, unter Zusatz von Zucker zur Limonade, mit Wasser u. Weingeist zu Barbadosschem Wasser, mit Wein u. Zucker zu Citronenwein, zu Punsch u. dgl.), ist auch in vielen Krankheiten, bes. fieberhaften, sehr heilsam. Er dient auch zu mancherlei technischen Zwecken, zum Fällen der Lackfarben, u. sonst Seidenfärbern, Buchbindern u. anderen. Er wird von Orten, wo C. gebaut werden, in Pipen, halben Pipen u. Oxlhosten, in großer Menge versendet u. erhält sich, abgeklärt, auf gläserne Flaschen gefüllt u. mit etwas Öl bedeckt, od. gut verkorkt, an kühlen Orten, lange. Für lange Reisen verdickt man ihn auch zu einem Muß, entweder an der Sonne od. über Feuer. Durch Frieren kann er bis zum 8. Theil concentrirt werden. Die Citronenschalen (Cortices citri) dienen, besonders kleingeschnitten od. gereinigt, als Zuthat an Speisen, auch mit Zucker eingemacht als Leckerei; getrocknet werden sie von Italien aus versendet, sind aber so von wenig Werth, auch bitter; aus ihnen wird Citronenöl (s.d.) gewonnen. Die Citronenkerne (Semina citri) wurden sonst gegen Würmer ärztlich verordnet u. haben einen bitterlichen Geschmack. Saft, Schalen u. Kerne der C. u. die ganzen C. dienen einzeln od. zusammengesetzt zu einer Menge Bereitungen. Die wichtigsten sind: in der Kochkunst, wo scheibenartig geschnittene Citronen, in Brühen, zum Auflegen od. Umlegen von Braten, od. auch in Wasser od. überhaupt Getränke geworfen werden, um selbigen einen säuerlichen Geschmack zu geben; die Mischung des Citronensaftes mit Molken als Citronenmolken; der Beisatz der Citronenstoffe zur Citronengallerte (Citronengelée, Citronensülze), Citronensauce, s. u. Gelée, Creme, Sauce. Der Conditor benntzt sie dagegen zu Citronenbrod, wo dem auf Citronen abgeriebenen Zucker, in Wasser aufgelöst, Kraftmehl aus Weizen beigemengt u. dieser Teig gebacken wird; zu Citronenschnitten, wo klarer Zucker mit Citronensaft auf Semmelschnitte od. Oblaten gestrichen wird, die man dann an einem warmen Ort hart werden läßt; zu Citronenspänen, welche wie die vorigen auf Wasseroblaten gebacken u. durch Hin- u. Herziehen einer glühend heißen Feuerschippe so lange glacirt werden, bis sie oberhalb hart geworden sind; zu Citronenconserven, aus gereinigtem Zucker, mit abgeriebenem Gelben von Citronenschalen u. Citronensafte, unter Tabelliren desselben bereitet, in papierene Kapseln gefüllt u. erkaltet vom Papier abgezogen; zu Citronenküchelchen. aus Citronenöl, Citronensaft u. Zucker, mittelst Traganthschleim zu kleinen Küchelchen geformt; Citronenzuckerplätzchen, aus gestoßenem Zucker, mit Beimengung einiger Tropfen C-saft bereitet; zu Citronenmorsellen, zu 1 Pfund Zucker werden 4 Loth Citronensaft gemischt. Auch braucht man die C. zu Citro nensyrup (Syrupus succi citri), aus Citronensaft u. Zucker, zur Limonade benutzt; u. zieht Citro nenbranntwein (Citronenliqueur) über die Schalen ab, od. bereitet durch Ausziehen der Citronenschale mit Weingeist Citronenessenz (Essentia cor ticum citri); benutzt auch das Mark, mit Essig gemischt, zu Citronenessig.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 163-164.
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