Molĭtor

[366] Molĭtor 1) Johann, so v.w. Regiomontanus; 2) Gabriel Johann Joseph, Graf M., geb. 1770 zu Hayange im Moseldepartement; trat beim Beginnen der Revolution als Volontär in die Armee, wurde 1791 Hauptmann bei der Nord-, 1792 bei der Mosel-, 1793 Generaladjutant bei der Ardennenarmee, erhielt hier ein eignes Commando; 1794 war er wieder bei der Moselarmee, befehligte bei Kaiserslautern unter Hoche eine Brigade, zeichnete sich dort bes. bei Wegnahme der Weißenburger Linien aus, war dann bei der Mosel-, Rhein- u. Donauarmee, u. wurde bei einem Angriff auf Mainz, Ende 1795, schwer verwundet; 1799 wurde er Brigadegeneral bei der Schweizerarmee unter Massena u. zeichnete sich gegen die Österreicher u. Russen bei Glarus, Muttenthal, Schwyz u. Näfels aus; 1800 bei der Rheinarmee stehend, befehligte er den Rheinübergang zwischen Stein u. Diesenhofen, that sich dann bei Stockach u. Möskirch hervor, wurde in die rechte Flanke der Armee nach Tyrol detachirt, lieferte hier eine Menge Gefechte u. nahm endlich Feldkirch u. besetzte Graubündten. Divisionsgeneral geworden, befehligte er die siebente Militärdivision in Grenoble, führte 1805 Massenas Vortrab in Italien, zeichnete sich bei Caldiero aus, war dann Generalgouverneur in Dalmatien, entsetzte 1806 Ragusa u. erfocht mehre Vortheile über die Russen u. Montenegriner. 1807 focht er gegen die Schweden in Pommern, befehligte den linken Flügel der Belagerung von Stralsundu. wurde nach der Einnahme Gouverneur von Schwedisch Pommern, wo er bis Ende 1808 blieb u. den Titel Graf u. große Dotationen empfing. 1809 befehligte er unter Massena eine Division, zeichnete sich bei Neumark, Aspern, Wagram aus, commandirte 1810 in den Hansestädten u. 1811 in Holland, focht unter Macdonald 1814 bei la Chaussee, Chalons u. la Ferté Jouarre u. befehligte dann das zweite Corps bis zu Ende des Feldzugs, 1823 aber das zweite Corps der Pyrenäenarmee u. durchzog mit diesem unter dem Herzog von Angoulème Spanien. Nach der Rückkehr wurde er Marschall von Frankreich u. Pair; schloß sich 1830 der Revolution an, behielt seinen Platz in der Pairskammer, wurde später unter Ludwig Philipp Commandeur der Invaliden u. unter Louis Napoleons Präsidentschaft, nachdem er diese Commandatur an Hieronymus abgetreten hatte, Ende 1848 Großkanzler der Ehrenlegion. Er st. 28. Juli 1849 in Paris; ihm wurde in Nancy eine Statue errichtet. 3) Joseph Franz, geb. 8. Juli 1779 in Oberursel unweit Frankfurt a. M., studirte seit 1797 in Mainz u. Marburg Philosophie u. Geschichte, wurde 1806 Lehrer am jüdischen Philanthropin u. zugleich am Gymnasium in Frankfurt bis 1812, wo er als Lehrer an das Lyceum kam; 1814 wurde diese Anstalt aufgehoben, u. er lehrte noch bis 1824 am Philanthropin, worauf er privatisirte u. st. 23. März 1860. Er gehörte der mildern Seilerschen Richtung in der Katholischen Kirche an u. schr.: Philosophie der Geschichte, Frankf. 1827, dann München 1834–53, 4 Bde. (unvollendet, soll von Mor. Brühl vollendet werden) 1. Bandes 2. A. 1853, u. gab mit Kollmann heraus: Zeitschrift für eine künftig aufzustellende Rechtswissenschaft nach dem Princip eines transcendentalen Realismus.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 11. Altenburg 1860, S. 366.
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