Säen

[745] Säen, 1) Samen zu Hervorbringung neuer Pflanzen in den dazu gehörig vorgerichteten Boden ausstreuen. Es gehört dazu vollkommner, gesunder, keimfähiger Samen u. eine besondere Geschicklichkeit, den Samen regelmäßig auf den Acker zu vertheilen. Entweder wird das S. mit der Hand od. mit Maschinen verrichtet, s. Drillen u. Säemaschine. Der Säemann trägt den Samen während des Säens in dem Säetuche, einem viereckigen leinenen Tuche, von dem er 2 Zipfel um die rechte Schulter zusammenbindet, die 2 andern unter dem linken Arm zusammengeschlungen hat. Entweder wird halbkreisförmig od. im halben Mond von der rechten zur linken Hand, auf schmalen Beeten, od. auf Einem Beine gesäet, wo der Säemann beim Tritte des rechten wirft, dabei aber kürzere Schritte macht, od. mit zwei Beinen, wo er bei jedem Tritte greift u. säet u. dann längere Schritte macht; ingleichen mit Einem Gange, wenn der Säemann mitten auf dem Beete geht u. dasselbe ganz überwirft, was auf einer Breite von 8 Fuß geschehen kann, od. mit zwei Gängen, wenn er an der Beetfurche hinauf- u. an der andern herabgeht u. jedesmal das halbe Beet mit Samen bewirft.[745] Der Same muß frei u. hoch, in der Richtung der Augenhöhlen mit steifem Arm u. völlig geöffneter Hand ausgeworfen, die Faust nicht zu voll genommen u. beim Wurf sogleich geöffnet werden. Große Samenkörner werden aus voller Hand, kleine aber, wie Mohn, Rübsen, Klee, nur mit drei Fingern gesäet. Entweder geschieht die Saat (Ansäung) im Frühjahr (Sommersaat) od. im Herbst (Wintersaat). Im Allgemeinen darf nur dann gesäet werden, wenn der Boden rein von Wurzeln u. Kräutern ist, sich nach dem Pflügen gesetzt hat u. in der gehörigen Gahre befindet. Eine frühe Wintersaat ist einer späteren stets vorzuziehen, weil sich die Pflanzen noch vor Winter bestocken u. dann dem Froste besser widerstehen können; nur darf die Saat auch nicht allzufrüh geschehen, namentlich in warmem Klima u. gutem Boden, damit sich die Pflanzen nicht überwachsen, mastig u. weichlich werden. Die Sommersaat gedeiht in der Regel um so besser, je früher sie geschah, voraussichtlich, daß der Boden erwärmt ist; ausgenommen davon sind solche Pflanzen, welche von Nachtfrösten leiden. Warme u. kräftige Äcker besäet man im Herbst zuletzt, im Frühjahr zuerst. Guter Boden, wenn er rein von Unkraut, gehörig gelockert u. gepulvert ist, wenn man guten Samen hat, diesen vollständig u. zur gehörigen Tiefe unterbringt, die Pflanzen gut pflegt u. ihnen das Klima zusagt, muß dünn besäet werden; findet aber das Gegentheil Statt, so muß man stärker säen. Eben so muß man dabei Rücksicht nehmen auf die Saatzeit (frühe Saaten bestocken sich mehr u. müssen also dünner geschehen als die späten), u. auf die Beschaffenheit des Samenkorns (bei nicht völlig reisen Samen sind viel Körner nicht lebenskräftig genug, um gesunde, kräftige Pflanzen hervorbringen zu können). Je kleiner die Samen, je nässer u. fester der Boden, je feuchter Klima u. Witterung ist, desto seichter, nur 1/2 Zoll tief, darf der Same untergebracht werden; etwas tiefer hingegen, 1–2 Zoll, wenn die Samen groß, Klima u. Witterung trocken u. heiß u. der Boden locker ist. Gewöhnlich wird der Same auf die rauhe od. vorher eingeeggte Furche gesäet u. dann in der Länge u. wohl auch in der Quere untergeeggt od. mit dem Exstirpator untergebracht. Bei den Alten geschah das S. (Satio, Seminatio, gr. Spora, Sporetos, Sporos) wie bei uns; der Säemann (Sator, gr. Sporeus, Sporeutes) streute den Samen (Semen, gr. Sperma) aus einem Korbe mit der Hand aus, u. zwar so, daß bei jedem Trittein Auswurfgeschah. Das S. unter die Furche war gewöhnlich u. dann wurde die Saat noch mit einer Egge od. einem Rechen od. überdeckt. Die beste Zeit zum S., bes. für Weizen u. Gerste, war vom Herbstäquinóctium bis zum Wintersolstitium; im Frühjahr wurde gesäet, so bald es das Wetter erlaubte. Überhaupt waren die Alten in der Beobachtung der Witterung beim S. sorgfältig.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 745-746.
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