Säemaschine

[744] Säemaschine, Maschine zum Aussäen der Samen; gewährt der Handsaat gegenüber folgende Vortheile: Möglichkeit des Säens auch bei starkem Winde, Ersparniß an Samen, gleichmäßigere Vertheilung u. Unterbringung der Samen, was auch ein gleichmäßigeres u. früheres Keimen zur Folge hat. Nach der Construction der wirksamen Theile, welche den Samen ausstreuen, werden die S-n in 4 Klassen eingetheilt: A) S-n nach dem Cooke'schen System mit Schöpflöffeln, bestehen aus einem 6–12 Fuß langen, auf 2 Fahrrädern ruhenden, vorn mit einer Scherendeichsel versehenen Kasten, in welchem eine Welle gelagert ist. Der Kasten enthält einzelne Abtheilungen, welche abwechselnd zur Aufnahme von Saat bestimmt sind od. den Säemechanismus enthalten. Letzter besteht in runden auf der Welle festgekeilten eisernen Scheiben, welche auf beiden Seiten sogenannte Löffel tragen, welche die Saat aufnehmen, während der Umdrehung der Welle in die Höhe führen, dann aber gerade über einem Blechtrichter fallen lassen, welcher die Samen nach dem hinten unter der S. hängenden Vertheilungsbret führt. Die Löffel sind größer od. kleiner, je nach der Samengattung. B) Walzenmaschinen- od. S-n nach dem Ducket'chen od. Alban'schen System mit kastenförmigen Vertiefungen in den Walzen, von Labahn mehrfach verbessert. Sie haben zwei Kästen, von denen der obere zur Aufnahme der Samen dient, der untere die Säevorrichtung enthält. In letzterem ist eine Welle gelagert, auf welcher in bestimmten Entfernungen, u. zwar unmittelbar unter den Abflußöffnungen des oberen Kastens, kleine Walzen von Holz aufgeschoben u. befestigt sind. Diese Walzen haben kastenförmige Vertiefungen, welche zur Aufnahme der Saat dienen; sie sind oben von einer halbcylinderförmigen Hülfe überdeckt, auf der sich ein kastenförmiger Trichter befindet, welcher die aus dem Saatkasten kommenden Samen aufnimmt u. zur Walze führt. In diesem Trichter befindet sich eine kleine Abstreichbürste, durch welche die Vertiefungen der Walzen gleichmäßig abgestrichen werden. Die durchgehende Welle wird durch 2 Getriebe bewegt u. bestimmt das Saatquantum durch ein Verschieben der Welle, indem dann ein Theil der kastenförmigen Vertiefung von der darüber befindlichen Hülfe verdeckt, mithin der Raum für das auszustreuende Quantum verringert wird. C) Bürstensäemaschinen, bei denen die Samen durch Bürsten aus dem Kasten gestrichen werden. Auf die durchgehende Welle, welche durch ein Getriebe von dem Fahrrad aus bewegt wird, werden in den entsprechenden Entfernungen kleine Walzen von Holz aufgeschoben u. befestigt, welche ringsum mit Bürsten besetzt sind. Diese kehren die Saat gegen eine Öffnung an der hintern Wand des Saatkastens; diese Öffnung ist mit einem größern Blechschieber geschlossen, der an verschiedenen Stellen, welche auf die Öffnung des Saatkastens treffen, mehr od. weniger größere Löcher hat. Je nachdem nun eine Stellung der Schieber mit mehr od. weniger Löchern vor der Öffnung im Kasten gewählt wird, streuen die Bürsten den Samen durch die Löcher u. säen mithin verschiedene Quantitäten. D) S-n nach schottischem System mit sogenannten Säerädern. Sie bestehen aus einem Kasten, in welchem unten, ähnlich wie bei den Bürstensäemaschinen, auf einer durch die Umdrehung des Fahrrades bewegten Welle kleine Schaufelrädersitzen, welche den Samen aufnehmen u. durch eine Öffnung an der Hinterseite des Kastens heraus u. auf das Vertheilungsbret führen. Außerdem unterscheidet man noch Säepflüge, wo S. u. Pflug in einem Geräth vereinigt sind; die bekanntesten Säepflüge sind der Fichtnersche u. der Arouxsche. In neuester Zeit kommen die S. mit Schöpflöffeln immer mehr in Gebrauch u. haben die Walzen- u. Bürstensäemaschinen fast ganz verdrängt. Noch besser als das Löffelsystem ist das Schneckensystem. Unter den älteren Maschinen des Bürstensystems gibt man allgemein den Vorzug der Schmidt'schen, Alban'schen, [744] Kämmerer'schen u. Born'schen, unter den älteren Maschinen des Löffelsystems der Garrett'schen S. Die S-n aus diesen vier Klassen säen entweder in Reihen, wenn die Samen in Saatröhren fallen u. in diesen hinter sogenannten Furchenziehereisen in den Boden gelangen (s. Drillen), od. breitwürfig, wenn die Samen beim Austritt aus der S. auf den Boden fallen. Viele S-n können auch zu beiden Saatmethoden benutzt werden, wobei der Drillapparat nach Belieben weggenommen od. angehängt werden kann. Einige neuere S-n lassen den Samen in Unterbrechung ausfallen, indem entweder die Saatröhren durch bewegliche Schieber abwechselnd geschlossen u. geöffnet werden od. die Samen am sich drehende horizontale Säescheiben auffallen, welche nur in gewissen Distanzen mit Löchern zum Durchfallen des Samens versehen sind: S-n zur tropf- od. horstweisen Saat; diese dienen vorzüglich zur Saat der Runkelrüben u. Möhren in Reihen. In der neueren Zeit werden an viele S-n auch Kästen zur Aufnahme pulverförmiger Dungstoffe angebracht, so daß zugleich mit dem Samen Dünger in den Boden gelangt. Ferner theilt man die S-n noch ein in Gespannsäemaschinen, welche durch Gespanne fortbewegt werden, u. in Handsäemaschinen, welche von Menschen gezogen od. geschoben werden. Endlich unterscheidet man noch S-n, welche blos gröbern Samen, u. S-n, welche blos seinen Samen (Gras-, Klee-, Raps-, Rübensamen) säen, doch sind viele S-n auch so eingerichtet, daß mit ihnen sowohl grobe als seine Samen gesäet werden können. Zu den bessern S-n gehören außer den schon oben angeführten: a) die Drewitz'sche Schneckensäemaschine zur Breitsaat; der säende Theil besteht in 12 eisernen Stäbchen, welche auf der außerhalb des Saatkastens befindlichen Saatwelle angebracht u. auf ihrem Umfange mit einer spiralförmig gestellten Kannelirung versehen sind b) Kämmerers Universalsäemaschine, Schneckensystem, für Breit- u. Reihensaat, für alle Arten Getreide, Hülsenfrüchte u. seine Samen, sowie zum Vertheilen gepulverter Dungstoffe eingerichtet, besteht aus einem nach unten konisch zulaufenden Kasten, unter welchem ein eisernes Band angeschraubt ist, in dem sich in angemessenen Entfernungen Samenöffnungen befinden. Dieselben werden durch Schieber mit gleichen Öffnungen geschlossen u. können mittelst einem Hebel in jeder beliebigen Weite der Öffnung regulirt werden. Ein Zeiger auf einer Welle gibt auf einer außerhalb des Kastens angebrachten Scala das Saatq uantum an. Die den Säeöffnungen entfallenden Samen gelangen auf den Preller u. von da auf den Breiter. c) Die kleine englische S. zur Breitsaat; die Deckel des Säekastens haben die Länge einer Beetbreite, die Samen fallen durch die Öffnung auf ein mit dreieckigen Klötzchen benageltes Vertheilungsbret, an welchem die Samen gleichmäßig abspringen. d) Andree'sverbesserte S. zur Breitesaat, Löffelsystem; sie säet mit nur 5 Zahnrädern u. regulirt das Aussaatquantum so, daß beliebig dick u. dünn gesäet werden kann, was leicht durch Wechseln der Räder bewirkt wird. e) Jordan's Walzensäemaschine, zur Reihen u. breitwürfigen Saat, hat am Samenkasten durchlöcherte Säescheiben, welche drehbar u. mit Löchern von ungleicher Größe versehen sind, wodurch die Maschine zur Saat der verschiedenen Sämereien brauchbar wird; auch ist sie mit Dungstreuapparat versehen. f) Alban-Bernhardi'sche S. zur Breitsaat, Walzensystem; der Ubergang des Saatgetreides aus dem Rumpfe zu den Säewalzen ist durch Büchsen, welche trichterartig auf den Säewalzen aufsitzen, vermittelt; man kann mit dieser Maschine ganz schmale Streifen des Ackers besäen. g) Garrett's Klee- u. Grassäemaschine zur Breitsaat, Löffel- u. Bürstensystem, von den Bürsten werden Grassamen, von den Löffeln Klee- u. Ölsamen gesäet. h) Garrett's Drillmaschine besteht aus 2 mit einander verbundenen Apparaten; der eine dient zum Ausschöpfen, der andere zum Vertheilen u. Unterbringen der Samen. Der Schöpfapparat besteht aus einer in einem Kasten zur Aufnahme der Saat horizontal gelagerten Welle, auf welcher in bestimmten Entfernungen u. Abtheilungen runde Scheiben mit Schöpflöffeln auf beiden Seiten befestigt sind. Die von den umgehenden Schöpflöffeln aufgenommenen Samen werden durch dieselben Schöpflöffel in seitliche Trichter geführt u. von diesen in die einzelnen Trichter der Vertheilungsapparate geleitet. Letztere Trichter stehen mit Hebeln in Verbindung, welche nach hinten geöffnete Schare tragen, die im Boden Rillen ziehen. In der Öffnung der Schar ist eine Röhre befestigt, in welche der letzte Trichter des Vertheilungsapparates den Samen führt. Um die Schare in beliebiger Tiefe arbeiten zu lassen, sind die Hebel beweglich i) Smith's Drillmaschine, u. k) Hornsby's Drillmaschine, beide im Wesentlichen ebenso construirt wie Garrett's Drillmaschine. l) Sack's Drillmaschine, zur Handsaat, säet mit 1 Gange u. 1 Röhre u. ist für jede Samenmenge stellbar. m) Jacquet-Robillon's S., eine mit abstehenden Bürsten garnirte Welle treibt die Samen durch Löcher kleiner Stellscheiben; die Samen fallen durch Trichter u. Röhren in 6–7 Reihen u. eine nachfolgende Egge u. Walze bringen die Samen unter. n) Benner'sche Handsäemaschine für 2 Reihen, von gleicher Construction wie die Jordan'sche S. o) Englische Hand-Kleesäemaschine besteht aus vielen aneinander gereihten Säekapseln. p) Kutzer'sche Runkelrübensäemaschine für Menschenkraft.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 744-745.
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744 | 745
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