Innocenz

[416] Innocenz, Name von 13 Päpsten. I. I., der Heilige, gebürtig aus Albano, reg. vom 18. Mai 402 bis zum 12. März 417; er befestigte das Ansehen des röm. Stuhles im Abendlande, trat im Orient zwar ebenso vergeblich als kräftig für Chrysostomus auf, desto wirksamer aber gegen die Donatisten und Pelagianer. Unter ihm brandschatzte u. plünderte Alarich (s. d.) Rom. Gedächtnißtag 28. Juli. – I. II., vorher Gregorius Papareschi, ein Römer, wurde 1130 Papst, bekam 1130–38 an Anaklet II. einen Gegenpapst, vor dem [416] er nach Frankreich fliehen mußte, fand jedoch am hl. Bernhard von Clairvaux einen einflußreichen Fürsprecher u. wurde vom Kaiser Lothar 1132 u. wiederholt 1136 nach Rom zurückgeführt. Zu Rom hielt er 1139 die 10. allgem. Kirchenversammlung, welche die Anhänger des Arnold von Brescia sowie die Simonisten verdammte u. den Roger von Sicilien bannte. Später trat I. II. auch gegen Abälard auf, wurde 1141 veranlaßt, über den Aufenthaltsort Ludwigs VII. das Interdict auszusprechen, hatte mit Empörungen der Römer zu kämpfen u. st. 1143. – I. III. (s. d.). – I. IV., Sinibald Fieschi aus Genua, Papst 1243 bis 1254, trat mit aller Macht gegen die Hohenstaufen auf (neuer Bann und Absetzung Friedrichs II. durch das Concil von Lyon 1245, Unterstützung der Gegenkönige Heinrich Raspe 1246, des Wilhelm von Holland), st. aber 1254 am 7. Dezbr., nachdem 5 Tage vorher Manfred das päpstliche Heer geschlagen hatte. – I. V., Pierre de Tarentaise (Moutiers in Savoien), erwählt 1276, st. schon nach 6 Monaten. Er hinterließ viele Schriften. – I. VI., Stephan Albert, ein Franzose, reg. 1352–62 gut, aber zu Avignon u. als in seiner letzten Zeit eine furchtbare Pest auch viele Cardinäle wegraffte, ersetzte er dieselben durch lauter Franzosen u. Anverwandte. – I. VII., Cosmas Megliorati aus Sulmone in den Abruzzen, gewählt 1404, wollte sein Versprechen, für Beseitigung der Kirchenspaltung nöthigenfalls selbst seiner Würde zu entsagen, nicht halten, huldigte in hohem Grade dem Nepotismus, wurde durch eine Empörung aus Rom vertrieben, st. 1406, nachdem er kaum 2 Jahre gegen Benedict XIII. in Avignon sich behauptet hatte. – I. VIII., Giov. Battista Cibo, ein Genueser, folgte 1484 Sixtus IV., überhäufte seine Kinder, deren er 16 gehabt haben soll, mit Beneficien, predigte Einigkeit gegen die Türken, verschmähte aber auch Händel nicht, wenn Geld dabei herauskommen konnte und erwies dem Sultan den Gefallen, gegen jährlich 40000 Kronen Bajazets II. Bruder Zizim in Gefangenschaft zu behalten. I. VIII. st. 1492. – I. IX., Papst am 29. Okt. u. gest. am 30. Dezbr. 1591, hinterließ Schriften gegen Macchiavelli, über Platons Staat u.s.f., die meist noch ungedruckt sind. – I. X., Giambatista Pamfili, ein Römer, Papst von 1644–55, reg. im Ganzen rühmlich und sehr thätig, wurde aber trotz seinen 72 Jahren seit dem Antritte des Pontificates mit Verläumdungen nicht verschont, weil seine Bruderswittwe Olympia Maldachini ihn sehr beherrschte. Er verdammte 5 Sätze des Jansenius, suchte die Leiden der Katholiken Englands zu mildern, unterstützte die Venetianer gegen die Türken und protestierte mit Rücksicht auf die gefährdeten Interessen der deutschen Kirche durch eine Bulle vom 3. Jan. 1651 feierlich gegen den westfäl. Frieden. – I. XI., Benedict Odescalchi aus Como, geb. 1611, Cardinal 1647, Papst 1676 bis 89. Regierte vortrefflich, ähnlich Sixtus V.; mit Ludwig XIV. gerieth er in schweren Zwist, weil I. XI. das Asylrecht der Gesandtenwohnungen in Rom nicht und noch weniger ein frz. Staatskirchenthum dulden wollte (vgl. Bossuet, Gallikanische Kirche). Weder Ludwigs XIV. Dragonaden noch die Aufhebung des Edictes von Nantes fanden die Billigung dieses Papstes, dessen Heiligsprechung von mehren Nachfolgern vergeblich betrieben wurde. – I. XII., ein Pignatelli, geb. 1615 zu Neapel, 1681 Cardinal, 1691 Papst, ein Wohlthäter der Armen; bestätigte die französ. Bischöfe nach ihrer Unterwerfung, verbot das Lottospiel, st. 1700, und hinterließ ein eigenes Bullarium. – I. XIII., ein Conti, reg. 1721–24 trotz seiner Kränklichkeit vortrefflich, wiewohl er den schändlichen Dubois (s. d.) zum Cardinal werden ließ; suchte Parma u. Piacenza vergeblich als päpstliche Lehen zu bewahren.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 416-417.
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