Cortēz, Fernando

[301] Cortēz, Fernando oder Hernando, der Eroberer Mexikos, geb. 1485 zu Medellin in Extremadura von adligen, doch armen Eltern, gest. 2. Dez. 1547, widmete sich anfangs zu Salamanca der Rechtswissenschaft und erlangte so eine unter den damaligen spanischen Konquistadoren seltene Bildung. Von Abenteuerlust erfaßt, schiffte er sich 1504 nach Westindien ein. Seine literarischen Kenntnisse empfahlen ihn dem Statthalter Don Diego Velazquez, den er nach Cuba begleitete, und desien Sekretär er wurde. Als nun Velazquez, der schon zweimal versucht hatte, in Mexiko Fuß zu fassen, eine neue Expedition ausrüstete, wurde C. an die Spitze derselben gestellt und entfaltete alsbald einen so großen Eifer, daß Velazquez argwöhnisch seinen Auftrag zurücknahm. Doch wußte C. die Versuche, ihn zurückzuhalten, zu vereiteln und segelte 18. Febr. 1519 von Havana mit elf kleinen Schiffen ab. Die Mannschaft bestand aus 670 Mann, worunter 400 spanische Soldaten, 200 Indianer und 16 Reiter nebst 14 Feldgeschützen waren. C. umfuhr die östliche Spitze von Yucatan, lief in den Fluß Tabasco ein und erstürmte die Stadt Tabasco, worauf sich die dortigen Indianer bereit erklärten, sich dem König von Spanien zu unterwerfen, Tribut zahlten und 20 Sklavinnen lieferten; von diesen wurde Marina die Geliebte und treue Gefährtin des Eroberers, dem sie als Dolmetscherin wichtige Dienste leistete. C. setzte darauf seine Fahrt in nordwestlicher Richtung fort und landete 21. April 1519 an der Stelle der spätern Stadt Veracruz. Die Eingebornen empfingen ihn zwar freundlich, aber Montezuma, der König von Mexiko, lehnte sein Anerbieten eines Besuchs ab. Allein die reichen Geschenke, mit denen der König C.' Weggang erkaufen wollte, reizten diesen und seine Begleiter vielmehr zum Bleiben. Um eine Rückkehr seiner Begleiter zu verhindern, zerstörte er seine Schiffe und brach 16. Aug. 1519 mit 500 Fußsoldaten, 16 Reitern und 6 Geschützen, wozu noch 400 Soldaten des Kaziken von Cempoalla kamen, auf. Die Bewohner von Tlascala griffen die Spanier an, wurden aber zu Paaren getrieben und verbanden sich nun mit C. gegen Mexiko. Durch 6000 derselben verstärkt, gelangte C. nach Cholula. Als die Bewohner dieser volkreichen Stadt einen verräterischen Überfall gegen ihn planten, bestrafte er sie so blutig, daß sich ihm alle Orte auf dem Wege nach Mexiko widerstandslos ergaben. Montezuma empfing ihn 8. Nov. 1519 vor den Toren der Hauptstadt und ließ den Spaniern einen Palast als Wohnung anweisen, den C. mit seinen Kanonen besetzte. Der Umstand, daß ein Feldherr Montezumas eine spanische Niederlassung an der Küste auf Montezumas Befehl überfallen hatte, veranlaßte C. zu dem kühnen Schritte, den Kaiser (17. Nov.) in seinem eignen Palast gefangen zu nehmen und im spanischen Lager festzuhalten. Der gefangene Fürst regierte dem Namen nach fort; in Wirklichkeit aber war von nun an C. der Gebieter: er brachte endlich den unglücklichen Monarchen so weit, daß dieser die Oberherrschaft Kaiser Karls V. förmlich anerkannte und sich zur Zahlung eines jährlichen Tributs verstand. Die Spanier erbeuteten ungeheure Schätze. Velazquez hatte unterdessen eine Flotte von 18 Schiffen mit 800 Mann und 12 Kanonen unter dem Oberbefehl des Panfilo Narvaez abgesendet, um C. nebst seinen Offizieren gefangen zu nehmen und die Eroberung von Neuspanien zu vollenden. Auf die Nachricht[301] hiervon ließ C. 150 Mann unter Pedro de Alvarado in Mexiko zurück und marschierte 20. Mai 1520 mit den übrigen 250 Mann dem Feind entgegen. Er überfiel Narvaez in der Nacht und nahm ihn mit dem größten Teil seiner Leute gefangen; die meisten traten in seine Dienste. Ein Aufstand der Mexikaner bewog ihn, eiligst nach Mexiko zurückzueilen. Hier wurde er in seiner Festung von dem ganzen mexikanischen Volke belagert und in eine so verzweifelte Lage versetzt, daß er, nachdem Montezuma 30. Juni 1520 von den Aufrührern getötet worden war, sich gezwungen sah, die Stadt zu verlassen. Der Rückzug geschah in der Nacht vom 1. zum 2. Juli, der sogen. noche triste, und wurde mit dem Verlust von 860 Spaniern, sämtlicher Geschütze und Büchsen, den meisten Pferden, der Bagage und der Schätze sowie Tausender von Tlascalanern erkauft. Mit den Trümmern seines Heeres stieß C. auf ein ungeheures mexikanisches Heer, dem er, obwohl selbst verwundet, glücklich entkam. Am 8. Juli erreichten die Spanier Tlascala. Durch neue Truppen verstärkt, brach er 28. Dez. von Tlascala von neuem gegen Mexiko auf, wo inzwischen der Neffe des Montezuma, Guatimozin, auf den Thron gelangt war. C. nahm die zweite Stadt des Reiches, Tezcuco, machte sie wegen ihrer günstigen Lage zum Hauptquartier und eroberte von da aus die Städte am See von Mexiko. Abermals durch 200 Soldaten, 80 Pferde und 2 schwere Kanonen und durch zahlreiche Indianer verstärkt, ließ er 28. April 1521 von drei Seiten her den Angriff gegen die Hauptstadt Mexiko beginnen. Erst nach Zerstörung von drei Vierteln der Stadt trafen die drei Abteilungen der Spanier 27. Juli auf dem großen Marktplatz in der Mitte der Stadt zusammen. Nachdem Guatimozin selbst gefangen worden war, ergab sich 13. Aug. der Überrest der Stadt. Auf den Verdacht eines Komplotts wurden Guatimozin und die Kaziken von Tezcuco und Tacuba bald darauf hingerichtet. Das mexikanische Reich ward, nachdem die Hauptstadt gefallen, leicht unterworfen, und C. wurde, obgleich die Partei des Velazquez am Hof gegen ihn tätig war, von Karl V. als Oberfeldherr und Statthalter von Neuspanien bestätigt. Er schritt alsbald zum Wiederaufbau der Hauptstadt und stellte Ruhe und Ordnung im Reiche her. 1524 unternahm er einen Zug nach Honduras, das er für das Vizekönigreich Neuspanien gewann. Doch bald ward C. bei Karl V. des Amtsmißbrauchs beschuldigt. Als der Kaiser deshalb 1526 Untersuchungsrichter nach Mexiko schickte, begab sich C. freiwillig nach Spanien, ward aber vom König mit der größten Auszeichnung empfangen, mit dem Orden von Santiago geschmückt und mit dem Titel eines Marques del Valle de Oajaca und bedeutenden Ländereien in Neuspanien belohnt. 1530 schiffte sich C. wieder nach Mexiko ein, wurde aber nicht wieder an die Spitze der Provinz gestellt. Mißvergnügt darüber, ging C. auf neue Entdeckungen aus und fand nach unglaublichen Gefahren und Beschwerden 1536 die Halbinsel Kalifornien. Er kehrte darauf nach Spanien zurück, seine Ansprüche fanden jedoch kein Gehör. Immer auf günstigern Bescheid hoffend, zog er sich in die Einsamkeit bei Sevilla zurück, wo er starb. Seine Gebeine wurden in Mexiko beigesetzt, verschwanden aber 1823. C. hinterließ einen Sohn, Don Martin, dessen männliche Nachkommen im dritten Geschlecht ausstarben. Seine Titel und Besitzungen gingen dann an den neapolitanischen Herzog von Monteleone über. – C. ist einer der edelsten Charaktere unter den spanischen Konquistadoren. Ein Teil seiner ausführlichen (fünf) Briefe über seine Feldzüge ist abgedruckt in Lorenzanas »Historia de nueva España« (Mexiko 1770), ein andrer in Gayangos' »Cartas y relaciones de Hernando C. al emperador Carlos V« (Par. 1866), französisch herausgegeben von Vallée (das. 1879) und Charnay (das. 1903). Vgl. außer Prescotts »Geschichte der Eroberung von Mexiko«: Folsom, The dispatches of Hernando C. (New York 1843); Helps, Life of Hernando C. (Lond. 1871, 2 Bde.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 301-302.
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