Stauffer-Bern

[876] Stauffer-Bern, Karl, Maler, Kupferstecher und Bildhauer, geb. 2. Sept. 1857 zu Trübschachen im Emmental, gest. 24. Jan. 1891 in Florenz, bildete sich an der Kunstakademie in München bei Löfftz, Diez und dem Kupferstecher I. L. Raab und siedelte 1880 nach Berlin über, wo er zunächst als Bildnismaler tätig war. Zwei Bildnisse seiner Mutter, zwei seiner Schwester und mehrere andre Bilder besitzt das Museum in Bern, das Bildnis Gustav Freytags die Berliner Nationalgalerie. Später wandte er sich, durch den Münchener Radierer P. Halm angeregt, der Radierung zu, bei der er Grabstichel und Nadelarbeit mit Ätzung[876] zu außerordentlich plastischer Wirkung verband, so daß einige seiner 37 Blätter den allerbesten Leistungen der neuern graphischen Kunst beizuzählen sind, so die Bildnisse seiner Mutter, seiner zweiten Schwester, des Fräulein Dohm, Menzels (zwei verschiedene), Halms (vier verschiedene), G. Freytags (Brustbild und im Garten stehend), G. Kellers (sitzend) und K. F. Meyers. Auch vortreffliche Aktstudien befinden sich darunter. 1888 ging er nach Rom, wo er sich mit M. Klinger auch der Bildhauerkunst widmete, ohne es jedoch darin zu einem wirklichen Erfolge zu bringen. Eine unglückliche Liebesangelegenheit zerrüttete seinen Geist und führte sein frühes Ende herbei. Vgl. Bode, Berlin er Malerradierer (2. Aufl., Wien 1891); Brahm, Karl S., sein Leben, seine Briefe, seine Gedichte (5. Aufl., Leipz. 1903); Lehrs, Karl S. Verzeichnis seiner Radierungen und Stiche (Dresd. 1907, mit dem »Traktat der Radierung« aus dem Nachlaß).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 876-877.
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