Bergen op Zoom

[601] Bergen op Zoom, 1) Stadt im Bezirk Breda der niederländischen Provinz NBrabant, an einem Kanale, unsern der sich schon zu einem mächtigen Strom erweiternden Schelde. Der Name od. Zoom (auf dem Saum) bezieht sich auf die Reihe von Hügeln, auf denen sie erbaut ist. Sie ist bedeutende Festung nach holländischem System von Coehorn u. And. (1699) angelegt u. hat ein verschanztes Lager an der Südseite, das durch 3 Forts mit Sternbergen verbunden ist, wodurch beide eine fast unangreifbare Stellung bilden. B. hat 3 Kirchen, Zeichneninstitut, starke Ausfuhr von Anchovis, viele Töpfer u. guten Hafen; 7000 Ew. – Bergen, welches schon im 9. Jahrh. vorkommt, war im 13. Jahrh. der befestigte Hauptort einer dem Grafen Gerhard v. Wezemale gehörigen Herrschaft (s. unten 2) Die Stadt trat 1576 der Verbindung der Niederländer bei, ward 1577, nach der Vertreibung der spanischen Besatzung, u. noch mehr 1688 u. 1727 in seinen Festungswerken verstärkt u. 1628 das verschanzte Lager angelegt; 1581 versuchten die Spanier vergebens sie zu überfallen; 1583 öffnete sie dem Herzog von Alençon für Frankreich freiwillig die Thore; 1588 belagerte sie der Herzog von Parma vergebens u. 1597 mißlang ein Überfall des Erzherzogs Albert; drei ähnliche der Spanier 1605 glückten ebenfalls nicht, u. 1622 mußte Spinola eine Belagerung aufheben. 1747 ward B. nach dreimonatlicher Belagerung der Franzosen unter Marschall Löwendahl genommen (s.u. Österreichischer Erbfolgekrieg); 1795 capitulirte es ohne Vertheidigung, u. die englische Garnison ward kriegsgefangen. Im Decbr. 1813 wurde die Stadt von den Verbündeten blockirt; am 10. März 1814 versuchten die Engländer unter Grayam einen Sturm auf die Stadt, doch wurde derselbe von der französischen Besatzung zurückgeschlagen; am 11. April capitulirte B. u. erkannte die Neugestaltung der Dinge an. 2) Ehemals Herrschaft (später Markgrafschaft) ebenda; im 13. Jahrh. den Grafen von Wezemale gehörig, kam dieselbe durch Heirath an die van Boutersem u. ebenso an die van Glimes; Karl V. erhob sie 1533 zur Markgrafschaft. Diese kam nun nach u. nach durch Heirath an die Häuser Merode, Heerenberg, Hohenzollern u. 1662 an Friedrich Moritz de la Tour d'Auvergne, dessen Enkelin Mariane 1722 den Pfalzgrafen Johann Christian von Sulzbach heirathete, wodurch die Markgrafschaft an das Haus Pfalz u. später an das Haus Pfalzbaiern kam; dies besaß sie unter Hoheit der Generalstaaten bis 1801, wo Baiern sein Eigenthumsrecht an die damalige Batavische Republik abtrat. Die Einkünfte betrugen 90,000 Gulden. Das Land, 41/2 Ml. lang u. 21/2 Ml. breit, war außer der Stadt in 4 Quartiere getheilt u. mag etwa 31,000 Ew. enthalten haben.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 601.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: