Szechēnyi

[172] Szechēnyi (spr. Sehtschehnji), ein der Katholischen Konfession folgendes altes ungarisches Adelsgeschlecht, welches 1697 den Grafenstand erhielt; bes. berühmt sind: 1) Michael S., zeichnete sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. unter der Regierung Maximilians im Kriege gegen die Türken aus. 2) Georg S., war im 17. Jahrh. unter der Regierung Leopolds I. erst Bischof von Weszprim, Raab u. Fünfkirchen, dann Primas von Ungarn. 3) Paul S., war Erzbischof von Kalotsa, trat trotz seiner Anhänglichkeit an die Habsburgische Dynastie doch energisch für die verbrieften Rechte u. Freiheiten der Magyaren in die Schranken u. trug wesentlich mit zur Wiederherstellung des guten Verhältnisses zwischen Österreich u. Ungarn bei, welches durch den Aufstand Rakoczys u. das Verfahren der österreichischen Regierung sehr gestört worden war. 4) Graf Franz S., war Obergespann des Somogyer u. Tolnauer Comitats u. Banusstellvertreter von Kroatien u. Slawonien. Er verwandte einen Theil seines bedeutenden Vermögens zu wissenschaftlichen Zwecken u: erwarb sich namentlich durch die Gründung des Nationalmuseums in Pesth große Verdienste um Ungarn; er st. 20. Dec. 1820. 5) Graf Stephan S., geb. 21. Sept. 1791 in Wien, jüngster Sohn des Vorigen, trat 1809 in österreichische Militärdienste u. machte die Kriege 1813–15 als Rittmeister bei Merveldts Uhlanen mit, ging nach dem Frieden auf Reisen nach Deutschland, England, Frankreich, Spanien u. dem Orient u. nahm 1825 den Abschied, um als Abgeordneter in den ungarischen Reichstag zu treten. Hier suchte er vor Allem einen Bürgerstand zu gründen, unterstützte die Donaudampfschifffahrt, den Seidenbau u. die Industrie u. gründete zur Ausbildung einer Nationalliteratur 1830 die Ungarische Akademie, 1832 das ungarische Nationaltheater u. das Conservatorium der Musik, für seine Standesgenossen die Nationalcasinos zu gemeinsamen Besprechungen über die Hebung des Nationalsinnes u. die Pferderennen zur Veredlung der einheimischen Thiere. Dabei war er nicht revolutionär u. erklärte sich 1841 durchaus gegen den ungarischen Ultraliberalismus. 1846 wurde er Präsident der Communicationsabtheilung beider Statthalterei u. bewirkte die Theißregulirung. Auf dem Reichstage 1847 trat er in scharfe Opposition gegen Kossuth. Nach dem Ausbruch der Revolution 1848 nahm er noch Theil an den Sitzungen der Legislative, trat im April in das unter Batthyanyi gebildete Ministerium u. übernahm das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten u. des Handels; aber erregt durch die extremen Pläne Kossuths, die er nicht abwenden konnte, wurde er im September geisteskrank u. sprang während eines Anfalls von Irrsinn bei Gran vom Dampfschiff in die Donau, wurde aber gerettet u. in die Privatirrenheilanstalt zu Döbling bei Wien gebracht, wo er sich so benahm, daß an seiner Geisteskrankheit mehrfach gezweifelt worden ist. Weil man eine Verbindung zwischen ihm u. seinen politischen Gesinnungsgenossen im Auslande vermuthete, fand 3. März 1860 plötzlich bei ihm eine Haussuchung statt; sein Zustand verschlimmerte sich in Folge davon wieder, so daß er sich in der Nacht vom 7. zum S. April 1860 erschoß. Er wurde in der Familiengruft zu Groß-Zinkendorf beigesetzt. Er war seit 1836 vermählt mit Crescentia geb. Reichsgräfin Seilern u. Aspang, Wittwe des Grafen Karl Zichy von Vasangkeö, u. hinterließ zwei Söhne Graf Bela Stephan Maria (geb. 1837) u. Graf Eugen Georg Stephan Karl (geb. 1839). Er schr.: Hitel (Über den Credit, deutsch, Lpz. 1830); Über Pferde, Pferdezucht u. Pferderennen, Pesth 1830; Licht od. aufhellende Bruchstücke u. Berichtigung einiger Irrthümer u. Vorurtheile. ebd. 1832; Vorschläge zur Verbesserung, Lpz. 1833; Über die Donauschifffahrt, Ofen 1836; Einiges über Ungarn, Pesth 1839; Über die Ungarische Akademie, Lpz. 1843; Politische Programmfragmente, Lpz. 1847, 2 Thle. Vgl. A. Csengery, Ungarns Redner u. Staatsmänner, Wien 1852, 2 Bde. Gegenwärtiger Chef ist 6) Graf Johann, Neffe des Vor. u. Sohn des 1855 verstorbenen Grafen Ludwig von seiner ersten Gemahlin Aloysia geb. Gräfin Clam-Gallas, geb. 3. Juni 1802, ist erblicher Burggraf von Egervar, Herr der Majoratsherrschaft Segesd u. Nagy-Dorog etc., seit 1825 mit Agathe geb. Gräfin Erdödy vermählt; sein ältester Sohn Ladislaus ist 1826 geboren. 7) Graf Emmerich, Stiefbruder des Vor., aus des Vaters zweiter Ehe mit Franciska geborne Gräfin Wurmbrand, geb. 15. Febr. 1825, ist seit 1860 österreichischer Gesandter bei dem König Franz II. von Neapel in Rom.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 172.
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