Dastehen

*1. A stieht do wie a grusser Höjar1.Robinson, 318.

1) Gomolcke (921) hat dafür: Stiht a doch do, wie a gruss Noy-Joahr.


*2. A stieht do wie a hültzern Girgel.Robinson, 342; Gomolcke, 920.


*3. Dastehen als die Pfeiffer, so den Tantz verderbet haben.Pauli, Postille, II, 151b.


*4. Dastehen wie das Hündlein von Breda. Schuppius.


*5. Dastehen wie ein betrönnter Hund.Mathesy, I, 97a.


*6. Dastehen wie ein Narr.Schuppius.


*7. Du stehst da wie Herr Tilmann.Kirchhofer, 119.

Wie ein Klotz oder Oelgötze. Herr Tilmann kommt noch in andern deutschen Sprichwörtern vor.


*8. E stît dô wä en ôfgeliese Wangert1. (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 174, 142.

1) Ein abgelesener Weingarten. – Um Theilnahmlosigkeit zu bezeichnen.


*9. Er steht da und hat Maulaffen (s.d.) feil.


*10. Er steht da wie Butter an der Sonne.Kirchhofer, 252; Mayer, II, 88.

Frz.: Il se fond en raison comme beurre au soleil.


*11. Er steht da, wie der Bock vor dem Metzger.Kirchhofer, 272.


*12. Er steht da, wie der Esel vor der Schmiede. (Nürtingen.)

Verdutzt.


*13. Er steht da, wie der Gabbek in Köln (am kölner Rathhause).

Der Gabbek, ein Wahrzeichenbild der Stadt Köln, wie der Schnapphans von Jena (s.d.), ist ein mit dem Uhrwerk am Rathhaus in Verbindung gebrachtes Brustbild eines bärtigen Mannes, der mit jedem Glockenschlage das Maul zu öffnen hat. Gabben heisst gähnen oder den Mund aufsperren. (S. Gabbitz.) (Vgl. Artikel Städtewahrzeichen in der Illustrierten Zeitung. Leipzig 1858, Nr. 798, S. 254.)


*14. Er steht da, wie der Ochs an der Krippe.


*15. Er steht da wie der steinerne Stephan.


*16. Er steht da, wie die Kuh vorm grünen Thor. (Ostpreuss.)


*17. Er steht da, wie die Rose unter den Dornen.


*18. Er steht da wie die verlassene Schildwache.


*19. Er steht da wie ein alter Bauernfünfer. (Rottenburg.)

Rathlos.


*20. Er steht da wie ein armer Sünder.


*21. Er steht da wie ein Blaserohr.

Lang, dürr, steif.


*22. Er steht da wie ein Duckmäuser.


*23. Er steht da wie ein Elgger Mann. (Schweiz.) – Kirchhofer, 73.

Unbehülflich, einfältig wie ein Klotz. Männliche Figuren aus Backwerk und schlecht geformt, heissen an mehrern Orten Elggermänner, nach dem Flecken Elgg. Vielleicht, weil dies Backwerk zuerst da gemacht worden ist. Im schlesischen Riesengebirge sagt man: Er steht da wie ein Dalsack. (S. Aussehen 6.)


*24. Er steht da wie ein Kind, dem die Hinkel (Hühner) das Brot gefressen haben. (Nassau.)

Einfältig, verlegen, betrübt.


*25. Er steht da wie ein Klotz.

Frz.: Le voilà planté, comme une couche (quille).


*26. Er steht da wie ein Narr.Schuppius.


*27. Er steht da wie ein Paar neue Schweizerhosen.

Macht sich sehr breit und wichtig.


*28. Er steht da wie ein polnischer Ochs. (Stockerau.)


*29. Er steht da wie ein zweihenkeliger Topf.

Die Hände, besonders bei mündlichem Streit, in die Seiten stemmend.

Frz.: Faire le pot à deux anses.


*30. Er steht da wie eine gebackene Birne. (Schles.)


*31. Er steht da wie eine gebadete Maus. (Francken.) – Frommann, III, 354.

Von jemand, der beschämt dasteht, weil er sich muss tadeln lassen, ohne Grund zur Rechtfertigung zu haben.

*32. Er steht da wie eine Töpferschürze.


*33. Er steht da wie Hans Michel Meerrettich. (Schles.)


[559] *34. Er steht da wie Matz Votz von Dresden.


*35. Er steht da wie Peter Möffert. (Schles.)

Von einem dummen Gaffer, der mit offenem Munde und in verlegener Stellung dasteht. Wahrscheinlich hat es irgendwo einen Peter Möffert gegeben, dessen Name sprichwörtlich geworden ist.


*36. Er steht da wie Petrus am Kohlfeuer.


*37. Er steht da wie 's Kind beim Drecke.


*38. Er steht da wie Sanct-Näf mit dem steinernen Hosenladen.Kirchhofer, 134.


*39. Er steht da, wie wenn ihm der Hund das Brot genommen hätte. (Baiern.)

Rathlos.


*40. He steit dar as êne Lüchterpîpe1.Richey, 185.

1) Leuchterröhre, in der das Licht steht. – Wenn jemand steif dasteht und nichts anzugreifen weiss.


*41. He steit do, as wenn he usen leewen Heern 'n Schûr (Schauer) Regen afbidden will.Bueren, 694.


*42. He stund dar as en apen Kroos.


*43. Hei stond doa, ässe Bueter an der Sunne. (Westf.)

Beschämt und den Blicken anderer ausgesetzt.


*44. Se stönnen doa, as de Gänse, wenn't grummelt. (Westf.)


*45. Sie sind dagestanden wie gebetene Zeugen.


*46. Stît a doch do, als wenn a loammen wull. Gomolcke, 922.

Holl.: Hij staat er bij, of hij dukaten zal kakken. (Harrebomée, I, 167.)


*47. Stît a doch do wî a Licht üm drei Haller. Gomolcke, 918; Frommann, III, 408, 331.


[560]

48. Was stehst du da und thust mich schelten? Geh deiner Strass' und lass mich gelten. Herz, 17.

Hausinschrift in der Schweiz.


*49. Dä steht do wie 'nen hölze Herrgott. (Bedburg.)


*50. Dastehen, als ob ihm in die Hand geschissen sei.

»Wenn ich nun in das Reich der Himmel kommen werde, so wird der Heiland fragen: wo sind eure Unterthanen? so werde ich dastehen, als ob mir in die Hand u.s.w.« (Schaltjahr, II, 459.)


*51. Dastehen für Petersdreck. (Franken.)

Nichts gelten.


[1117] *52. Dastehen wie der Bube, der die Milch verschüttet hat.Auerbach, Dorfgeschichten, III, 174.


*53. Dastehen wie der dumme Junge von Mutschen.Ueber Land und Meer, 1862, S. 275a.


*54. Dastehen wie der Gottverlassmichnicht. Auerbach, Barfüssele, 94.


*55. Dastehen wie der Kuhhirte von Ringelheim, dem das Mundstück gefror.Hermes, I, 324.


*56. Dastehen wie der Lalenkönig auf der Rheinbrücke zu Basel.Gotthelf, Käserei, 316.

Mit offenem Maul und grossen Augen.


*57. Dastehen wie der Ochs am Berge.


*58. Dastehen wie der Prinz in der Komödie. Hackländer, Dunkle Stunden, II, 241.


*59. Dastehen wie die geölten Mönche.Theatrum Diabolorum, 395b.


*60. Dastehen wie ein Bettpisser. (Königsberg.) – Frischbier, II, 447.


*61. Dastehen wie ein Pflock.Larisch, 29.

Belegstelle: Stieh og nie dou wie ej Pflouck, rühr dich e Bissel.


*62. Dastehen wie eine Bildsäule.

Vor Erstaunen, Schreck wie versteinert.


*63. Dastehen wie Lot's Weib.

Verblüfft.


*64. Die steht do, als wenn n' ken drei zälle künnt. (Bedburg.)


*65. Du stehst da, wia 's Mandel beim Sterz. Hügel, 156b.

D.h. sehr verblüfft.


*66. Du stehst da wie der Dadermann (Vogelscheuche) im Garten. (Rott-Thal.)


*67. Er steht da wiar an ang'mahlener Türk'. Hügel, 168b.

D.h. sehr verblüfft.


*68. Er steht da wie der Hundsfott vorm Herrgott.Frischbier, I, 3594.


*69. Er steht da wie ein bedröppter Lohgerber. Frischbier, II, 499.


*70. Er steht da wie ein bepisster Pudel.Frischbier, II, 500.


*71. Er steht da wie ein Bettpisser. (Köthen.)

Verlegen, beschämt.


*72. Er steht da wie ein Butterfladen.Frischbier, II, 501.


*73. Er steht da wie ein entlaubter Stamm.

Aus Schiller's Wallenstein, III, 13, wo Wallenstein klagt: »Da steh' ich – ein entlaubter Stamm


*74. Er steht da, wie ein Stockfisch.

» . ...Ich aber stund da wie ein Stockfisch.« (Simplicissimus, 86.)


*75. Hei steit dâ wî e Hupke Onglöck.Frischbier, II, 502.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Der Weg ins Freie. Roman

Der Weg ins Freie. Roman

Schnitzlers erster Roman galt seinen Zeitgenossen als skandalöse Indiskretion über das Wiener Gesellschaftsleben. Die Geschichte des Baron Georg von Wergenthin und der aus kleinbürgerlichem Milieu stammenden Anna Rosner zeichnet ein differenziertes, beziehungsreich gespiegeltes Bild der Belle Époque. Der Weg ins Freie ist einerseits Georgs zielloser Wunsch nach Freiheit von Verantwortung gegenüber Anna und andererseits die Frage des gesellschaftlichen Aufbruchs in das 20. Jahrhundert.

286 Seiten, 12.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon