[344] Elfen (Mythologie), nordisch Alsen, bilden im Glauben der Völker, welche die Länder des nördlichen Europa's bewohnen, seit undenklichen Zeiten das Grundelement einer niedern und untergeordneten Geisterwelt, die unter den mannichfaltigsten Namen von Zwergen, Erd- und Bergmännchen, Kobolden, Nissen, Nickebolden, Moosweibchen, Trollen, Wichtlein, Schrettlein, Unterirdische etc. sich bald als freundliche, hilfreiche Wesen, bald und meist aber als neckende, heimtückische, rachsüchtige und schadenfrohe Geister geltend machen. In den nordischen Göttersagen, so wie auch in den slavischen Mythen kommen schon gute und böse, lichte und Schwarzelfen vor, und diese Unterscheidungsweise findet noch heute Statt, denn der Glaube an sie ist so tief in das Herz der Völker, namentlich des gemeinen Mannes, gewurzelt, daß keine Aufklärung im Stande ist, diesen Glauben gänzlich auszurotten. Die guten Elfen schweben in der Luft, wiegen sich auf Blumen, schlummern in Lilienkelchen und blauen Blüthenglocken, tanzen auf dem grünen Rasen, wodurch die bekannten Elfenringe entstehen, oder sie wohnen friedlich in kleinen Hügeln am Meeresstrand, auf einsamen Heiden, oft auch unter den Hütten und Häusern der Menschen; sie lieben die Reinlichkeit, die Stille, die Andacht, die Musik, den Tanz, sie wissen, daß sie keine seligen Geister sind, aber sie haben eine Hoffnung auf Erlösung. Ost hört man in milden Sommernächten ihren leisen Gesang. Aber sie sind auch reizbar, empfindlich, schwer versöhnlich. Die bösen Elfen erregen Krankheit, Viehsterben, Hader und Zwist, bringen den Menschen Verderben, wann, wie und wo sie können. Tausend liebliche und schaurige Mährlein leben im[344] Volke von den Elfen; viele Lieder singen und sagen von ihnen, auf das Verschiedenartigste wird ihre Gestalt, ihr Aussehen beschrieben. Bald sind sie holdselig anzuschauen, bald grauenhaft, mit spitzen Köpfen, Telleraugen, Höcker auf dem Rücken, von Farbe und Kleidung weiß, silbergrau, grün, fahl, aschfarbig, braun und schwarz. Die Elfen haben auch Könige, einer davon ist Oberon (s. d.), und ihre Mythologie wurde von manchen Dichtern, namentlich von englischen, trefflich benutzt. So spricht in Shakespear's Sommernachtstraum ein Else zu einem andern, vortrefflich den Charakter der Elfen nach dem Volksglauben bezeichnend:
Wenn Du nicht ganz Dich zu verstellen weißt,
So bist Du jener schlaue Poltergeist,
Der auf dem Dorf die Dirnen zu erhaschen,
Zu necken pflegt, den Milchtopf zu benaschen.
Durch den der Brau mißräth, und mit Verdruß
Die Hausfrau athemlos sich buttern muß;
Der oft bei Nacht den Wandrer irre leitet,
Dann schadenfroh mit Lachen ihn begleitet,
Doch wer dich freundlich grüßt, dir Liebes thut,
Dem hilfst Du gern, und ihm gelingt es gut.
Bist Du der Kobold nicht?
worauf der Elfe Droll erwiedert:
Du hast's gerathen,
Ich schwärme Nachts umher auf solche Thaten,
Ost lacht bei meinen Scherzen Oberon; u. s. w.
nach Schlegel's Uebersetzung Die schottischen Hochlande und Irland sind voll von Elfen und Elfensagen, das Land ist ganz geeignet, Schauplatz jeglichen Geisterspuks zu sein, und die fruchtbare Phantasie der Einwohner, ganz heimisch in allen Gebieten des Aberglaubens, ist erfinderisch an Schilderungen ihres Aussehens, ihrer Gestaltung, ihrer Waffen und Rosse. Schön und reizend wird das Elfenland geschildert; es ist unterirdisch, von mildem Licht erleuchtet,[345] funkelnd von Gold und Edelsteinpracht sind die Wohnungen, grünend, blühend und früchtereich die Gärten. Manchen Menschen beglücken die Elfen mit Zaubergaben, manchen bleiben sie einzeln oder in der Mehrzahl lange Zeit als Hausgeister dienstfertig, aber ihre Berührung ist gefährlich, ja schon ihr Erblicken ist Unheil drohend. Sie sind mit vorherrschender Neigung Kinderdiebe, sie sind die Bringer der Wechselbälge, mißgestalteter kränklicher Elfen, die sie an die Stelle gesunder, wohlgestalteter Menschenkinder unterschieben. An solchem Wechselbalg haftet Unheil und Verderben, er gedeiht nicht, und ist stets heimtückisch, widerwillig und unersättlich gefräßig. Dient ein Else einer Menschenfamilie als Hausgeist, so muß ihm auch Speise und Trank regelmäßig an einem besondern Ort hingestellt werden, sonst wird er unzufrieden. Ein solcher Diener ist der Brownie, von dem irische und schottische Elfenmährchen Viel zu sagen wissen. Die Elfinnen sind sehr schön, außerordentlich klein, aber von zartestem Gliederbau; die Augen Sternen gleich, die Wänglein roth und weiß, ihr Haar goldgelb, aber dabei verlockend und gefährlich. Gern irren und sahen sie den nächtlichen Wanderer, und wer einmal in die Gewalt der Elfen gefallen, kehrt selten oder nie zu den Menschen zurück.
ch
Brockhaus-1809: Die Elfen · Die Mythologie
Brockhaus-1911: Elfen · Römische Mythologie · Nordische Mythologie · Slawische Mythologie · Skandinavische Mythologie · Mythologie · Germanische Mythologie · Deutsche Mythologie · Japanische Mythologie und Religion · Griechische Mythologie
DamenConvLex-1834: Ares (Mythologie) · Apis (Mythologie) · Asen (Mythologie) · Arethusa (Mythologie) · Anubis (Mythologie) · Amphitrite (Mythologie) · Amphion (Mythologie) · Anahid (Mythologie) · Anadyomene (Mythologie) · Asgard (Mythologie) · Bel (Mythologie) · Baldur (Mythologie) · Bellona (Mythologie) · Belial (Mythologie) · Baal (Mythologie) · Ate (Mythologie) · Asterie (Mythologie) · Atropos (Mythologie) · Atlas (Mythologie) · Adrastäa (Mythologie) · Adonis (Mythologie) · Aëllopus (Mythologie) · Aeakus (Mythologie) · Aditi (Mythologie) · Acheron (Mythologie) · Abbadon (Mythologie) · Ades (Mythologie) · Actäon (Mythologie) · Aeolus (Mythologie) · Alrunen (Mythologie) · Alfadur (Mythologie) · Ammon (Mythologie) · Althäa (Mythologie) · Ahriman (Mythologie) · Aërope (Mythologie) · Aeonen (Mythologie) · Agni (Mythologie) · Aganippe (Mythologie)
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