Adams [2]

[95] Adams (spr. äddäms), 1) Samuel, nordamerikan. Staatsmann, geb. 27. Sept. 1722 in Boston, gest. daselbst 2. Okt. 1803, war Kaufmann und seit 1765 Mitglied der Legislatur von Massachusetts. Als Sprecher bei den Meetings tätig, die anti-englische Bewegung in den Kolonien in Gang zu bringen, und 1774 als Abgeordneter von Massachusetts in den Delegiertenkongreß gewählt, drang er hier alsbald auf den Kampf mit England und wirkte beim Zustandekommen der Unabhängsgkeitserklärung mit. Washingtons Bestrebungen für Erweiterung der Macht der Zentralregierung trat er entgegen und schloß sich der Partei der Demokraten an. 1789–94 bekleidete er den Posten eines Gouverneurs von Massachusetts und trat 1797 vom öffentlichen Schauplatz ab. Vgl. Wells, Life and public services of Samuel A. (Bost. 1865, 3 Bde.); Morse, Samuel A. (das. 1884); Hosmer, Life of Samuel A. (das. 1885).

2) John, zweiter Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, geb. 31. Okt. 1735 zu Braintree (jetzt Quincy, Massachusetts), gest. 4. Juli 1826, eröffnete seine politische Laufbahn damit, daß er in mehreren Schriften die Rechte der Kolonien mit Wärme und Sachkenntnis darlegte. 1774 als Vertreter von Massachusetts in den ersten Kongreß von Philadelphia gewählt, war er bei der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 beteiligt. Nachdem er die Konstitution von Massachusetts hatte abfassen helfen, kam er Ende 1779 zur Anknüpfung von Friedensunterhandlungen mit England nach Paris, dann als Gesandter nach Holland, wo er durch Unterhandlungen und Schriften Kabinett und Volk für die Sache seines Vaterlandes gewann. Von dort kehrte er 1782 wieder nach Paris zurück und brachte hier, von Franklin, Jefferson, Jay und Laurens unterstützt, den Frieden mit England glücklich zu stande (3. Sept. 1783). In den Kämpfen um die Unionsverfassung war er einer der Führer der föderalistischen (antizentralistischen) Partei; trotzdem berief ihn Washington als Vizepräsident an seine Seite, und nach dessen Rücktritt wurde er trotz der Gegenbestrebungen der Antiföderalisten 1797 zum Präsidenten der Union erwählt. Durch die Maßregeln, die er zur Erhaltung der Neutralität der Republik Frankreich gegenüber ergriff, namentlich durch seine Fremden- und Aufruhrakte bei der demokratischen Partei, die Anschluß an Frankreich verlangte, mißliebig geworden, unterlag er bei der Neuwahl 1801 seinem Gegner Jefferson. A. trat in das Privatleben zurück und starb auf seinem Landgut Quincy. Unter seinen Schriften ist besonders die »Defence of the constitution and government of the United States« (1787, 3 Bde.) hervorzuheben. Seine sämtlichen Werke mit BiographieLife and works of John A.«, Boston 1850–56, 10 Bde.) und die »Familiar letters of John A. and his wife Abigail, during the revolution« (New York 1876) wurden von seinem Enkel Charles Francis A. (s. unten 4) herausgegeben. Vgl. J. Q. und C. F. Adams, Life of John A. (Boston 1871, 2 Bde.); Morse, John A. (das. 1884); Chamberlain, John A. (das. 1898).

3) John Quincy, sechster Präsident der Vereinigten Staaten, Sohn des vorigen, geb. 11. Juli 1767 in Braintree, gest. 23. Febr. 1848, begleitete seinen Vater 1778 nach Frankreich, dann nach Holland und England, trat 1791 als Anwalt auf, ging als Gesandter 1794 nach dem Haag und 1797 nach Berlin. Unter Jeffersons Präsidentschaft als Anhänger der föderalistischen Grundsätze seines Vaters 1801 abberufen, widmete er sich wieder der Advokatur und wurde 1802 in den Senat von Massachusetts, 1803 in den Senat der Union gewählt. Als Verteidiger der[95] gegen England erlassenen Embargoakte mit seinen Parteigenossen zerfallen, lebte er in Zurückgezogenheit, bis ihm unter Madisons Präsidentschaft 1809 der Gesandtschaftsposten in Petersburg übertragen wurde. Nachdem er 24. Dez. 1814 mit Gallatin und S. Clay den Frieden von Gent abgeschlossen und dann als Gesandter in London fungiert hatte, ward er 1817 vom Präsidenten Monroe zum Staatssekretär des Auswärtigen ernannt, nach Monroes Rücktritt aber im März 1825 zum Präsidenten der Union erwählt. Schon vorher war A. ins Lager der Antiföderalisten (Zentralisten) übergetreten. Da seine Verwaltung in der äußern Politik Unglück hatte, unterlag er 1828 bei der Präsidentenwahl gegen Jackson. Er zog sich deshalb zunächst aus dem öffentlichen Leben zurück, ward aber 1831 wieder ins Repräsentantenhaus gewählt, wo er eine unabhängige Stellung einnahm. Von seinen Schriften sind die »Briefe über Schlesien« (zuerst im »Portfolio«, Philad. 1803; übersetzt von Friese, Bresl. 1805) auch in Deutschland bekannt geworden. Vgl. »Diary of John Quincy A.« (hrsg. von C. F. Adams, Philad. 1874–77, 12 Bde.) und die Biographien von Seward (New York 1853), Josiah Quincy (Bost. 1858), Morse (das. 1882) und Stoddard (New York 1887).

4) Charles Francis, nordamerikan. Jurist und Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 18. Aug. 1807 in Boston, gest. 21. Nov. 1886. Nachdem er als Anwalt und Publizist sich bekannt gemacht, stellte ihn 1848 die Freibodenpartei als Kandidaten für die Vizepräsidentschaft auf. Seit 1859 als Vertreter von Massachusetts im Kongreß, ward er 1861 von Lincoln zum Gesandten für London ernannt, wo er viel dazu beigetragen hat, den während des Bürgerkriegs (1861–1865) drohenden Bruch zwischen England und der Union abzuwenden. Im Winter 1871/72 war er Mitglied des Genfer Schiedsgerichts in dem Alabamastreit. Er gab die hinterlassenen Papiere seines Großvaters und Vaters (s. oben, 2 u. 3) heraus. Seine Biographie schrieb sein gleichnamiger Sohn (s. unten: Adams 8).

5) William, einer der bedeutendsten erbaulichen Schriftsteller Englands, geb. 1814, gest. 1848 als Vikar zu St. Peter in Oxford. Seinen Ruf gründete er durch die »Sacred allegories« (oft aufgelegt).

6) John Couch, Astronom, geb. 5. Juni 1819 in Laneast bei Launceston in Cornwall, gest. 20. Jan. 1892 in Cambridge, studierte daselbst, begann 1841 Untersuchungen der Unregelmäßigkeiten in der Bewegung des Uranus und berechnete zuerst Masse und Bahn des störenden Planeten (vgl. Neptun). 1858 wurde A. Professor in Cambridge. Er schrieb: »An explanation of the observed irregularities in the motion of Uranus« (Lond. 1846); »Lectures on lunar theory«, hrsg. von Sampson (das. 1900). Seine »Scientific Papers« gibt Adams heraus (Bd. 1, Cambr. 1896, mit Biographie von Glaisher; Bd. 2, 1900).

7) Charles Kendall, nordamerikan. Historiker, geb. 24. Jan. 1835 in Derby (Vermont), studierte an der Universität von Michigan, der er seit 1867 als Professor der Geschichte angehörte, wurde 1885 Präsident der Cornell-Universität (Ithaca) und 1892 Präsident der Universität von Wisconsin in Madison. Er schrieb: »Democracy and monarchy in France« (New York 1874; deutsch, Stuttg. 1875); »The relations of higher education to national prosperity« (New York 1877); »Manual of historical literature« (3. Aufl., das. 1889); »Christopher Columbus« (das. 1892) und gab »Representative British orations« (das. 1884, 3 Bde.) heraus

8) Charles Francis, volkswirtschaftlicher und politischer Schriftsteller, Sohn von A. 4), geb. 27. Mai 1835 in Boston, bis 1890 Präsident der Union-Pacific-Eisenbahngesellschaft; schrieb: »Railroads, their origin and problems« (New York 1878); »Life of Richard H. Dana« (das. 1890, 2 Bde.); »Three episodes of Massachusetts1 history« (das. 1892, 2 Bde.); »Massachusetts, its historians and its history« (das. 1893) und die Biographie seines Vaters: »Charles Francis A., by his son« (das. 1900).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 95-96.
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