Altar [2]

[379] Altar (o. lat. alta ara), jede künstliche Erhöhung zur Darbringung von Opfern, im Altertum ursprünglich aus Rasen, Erde, Steinen oder Holz roh aufgebaut. Griechen und Römer machten aus den Altären Werke der Kunst (Fig. 1), sie bildeten sie aus Stein und brachten an den Ecken Widderköpfe (Hörner) an, ursprünglich wirkliche Schädel der geschlachteten Tiere. später durch Skulptur hergestellte. Auch schmückte man den A. zum Opferdienst mit Kränzen und Binden. Man errichtete einzelnen Göttern und auch mehreren zusammen Altäre, in Rom auch den Kaisern, wie überhaupt auch Heroen dieser Ehre teilhaftig wurden. Bei Griechen und Römern standen die Altäre außer in Tempeln an den Straßen und Plätzen, in Hainen und bei Quellen und an andern Orten des Verkehrs. Eroberer pflegten die Grenze ihres Vordringens durch die Errichtung eines Altars zu bezeichnen. Lange erhielt sich auch bei den Juden die altnationale Sitte, auf den Höhen Altäre zu errichten, bis seit Josias der von Salomo erbaute Tempel in Jerusalem ausschließliche Kultusstätte wurde. Hier stand der Brandopferaltar im Vorhof unter freiem Himmel; an den vier Ecken befanden sich Hörner, die mit dem Opferblut bestrichen wurden. Der Räucheraltar im Heiligtum, auf dem nur Räucherwerk verbrannt wurde, war mit Gold überzogen. Die katholische Kirche hat nach ihrer Opfertheorie den Abendmahlstisch in einen A. umgewandelt. In den christlichen Kirchen stand der A. in der ältesten Zeit frei vor der Apsis (s. d.), dann in der Chornische, stets gegen Morgen gerichtet. Später unterschied man den Hochaltar im Chor (Choraltar) und die Seitenaltäre, die zuerst für Privatmessen benutzt wurden.

Fig. 1. Antiker Altar.
Fig. 1. Antiker Altar.

Die romanische Kunst behielt die seit dem 6. Jahrh. gebräuchliche Tischform mit steinerner Deckplatte für den A. bei, wofür der A. in der Allerheiligenkapelle zu Regensburg ein charakteristisches Beispiel ist, überwölbte ihn aber häufig mit einem Bogen oder Baldachin (ciborium), wie z. B. im Dom zu Regensburg und in St. Stephan zu Wien, und schmückte ihn reich mit Bildwerk und Aufsetztafeln aus Gold, Email und Elfenbein (s. auch Antependium). Die Gotik wählte zuerst Holz zu ihren Altären, die jedoch mit Schnitzerei, Malerei oder Vergoldung reich ausgeschmückt wurden. Die charakteristische Gestalt ist die des Flügelaltars, der in der Regel innen mit plastischen, außen mit gemalten Darstellungen versehen ist. Die umfangreichsten Altäre dieser Art sind: das Jüngste Gericht in der Marienkirche zu Danzig, der Hochaltar in der Klosterkirche zu Blaubeuren, die Krönung Marias im Münster zu Breisach und der Brüggemannsche A. im Dom zu Schleswig. Die Renaissance hat den Altären Architekturformen der Antike verliehen, die dann von der Barockkunst noch reicher ausgebildet wurden, so daß schließlich nicht bloß der Hochaltar, sondern auch die Seitenaltäre zu selbständigen Architekturwerken wurden, die man auf das üppigste mit Skulpturen und Zieraten aus kostbaren Materialien ausstattete. Das Altarbild im eigentlichen Sinn, als großes Gemälde, das den Hauptbestandteil des Altarschmuckes ausmacht, datiert aus der Renaissancezeit. Auf dem A. stehen Kruzifix, Blumen und Lichte, ferner aus Wachs bestehende Altarkerzen, die ursprünglich an die Nachtzeit des Abendmahls erinnern sollten, jetzt aver, auch in protestantischen Kirchen, bei andern hohen Festen, Trauungen, Taufen etc. ebenfalls an gezündet werden. Gleichfalls zum Schmuck dient die Altarbekleidung, deren Farbe seit dem Mittelalter in den katholischen und z. T. auch in den lutherischen Kirchen nach den verschiedenen kirchlichen Zeiten und Feiern wechselt (weiß bei Christusfesten, Bischofsweihen etc. vom 24. Dez. bis 13. Jan., grün vom 13. Jan. bis [379] Septuagesimä und in der Trinitatiszeit, rot zu Pfingsten, an Apostel- und Märtyrerfesten, schwarz am Karfreitag, violett in der Advents- und Fastenzeit).

Fig. 2. Silbervergoldeter Feldaltar eines Großkomturs des Deutschen Ordens (1388 in Elbing angefertigt, jetzt im Schloß zu Marienburg). 1/3 der Größe.
Fig. 2. Silbervergoldeter Feldaltar eines Großkomturs des Deutschen Ordens (1388 in Elbing angefertigt, jetzt im Schloß zu Marienburg). 1/3 der Größe.

Über den A. gebreitet wird das Altartuch (palla, mappa, auch Altartwehle genannt), ein seines weißes, oft gesticktes und mit Stickereien eingefaßtes Leinentuch. Vor dem Gebrauch muß jeder A. vom Bischof geweiht werden. Zur Feier der Messe außerhalb des Kirchengebäudes, auf Reisen, im Feld, ist ein Tragaltar im Gebrauch, gewöhnlich ein mäßiger Steinwürfel, in dem, wie in jedem katholischen A., Reliquien eingeschlossen sind, und der beim Gebrauch auf einen Tisch oder ein angemessenes Gestell gesetzt wird, oft aber auch in Form eines Diptychons aus vergoldetem Silber und andern Metallen (Fig. 2). In der lutherischen Kirche hat auch der A. vieles von der katholischen Kirche beibehalten, während

die reformierte zum einfachen Abendmahlstisch zurückgekehrt ist. Die griechische Kirche bedient sich eines tischartigen Altars von Stein oder Hotz und hat in der Regel in jeder Kirche nur einen A. Vgl. Schmid, Der christliche A. und sein Schmuck (Regensb. 1871); Münzenberger und Beissel, Zur Kenntnis und Würdigung der mittelalterlichen Altäre Deutschlands (Frankf. a. M. 1890–1901).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 379-380.
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