Durham [1]

[422] Durham (spr. Dörrem), 1) Grafschaft (auch Bisthum genannt) im Norden von England. 45,44 QM.; grenzt an Northumberland, an die Nordsee, an Yorkshire, Westmoreland u. Cumberland; im Allgemeinen gebirgig: an der Küste hohe schneeweiße Kalkfelsen, im Westen u. Norden die östlichen Zweige der Peak-Mountains od. Penninischen Gebirge; Flüsse: Tyue, Tees (mit einem 50 Fuß hohen Wasserfall), Wear u. Sterne; Boden u. Klima im Norden u. Westen unfruchtbar u. rauh, im Westen eben, fruchtbar u. mild; Producte: Steinkohlen (die reichsten Gruben bei Hatton, s.d.), Blei, Eisen, Marmor, Soolquellen, Flachs u. Getreide (doch ist der Ackerbau nicht bedeutend), starke Rindviehzucht (die kurzgehörnten Durhamkühe geben täglich gegen 24 Quart Milch, von der vortrefflicher Käse bereitet wird, vgl. Rau, Über das D.-Vieh, Stuttg. 1857), Pferdezucht, Fischerei; Industrie von großer Wichtigkeit, namentlich in Eisen, Blei, Baumwolle, Wolle, Lein (Segeltuch), Glas, Leder, Papier, Geschirren, Vitriol, Salmiak etc., Schiffsbau; lebhafter Handel, zahlreiche Eisenbahnen (die Verzweigungen der York-Newcastle-Eisenbahn); 1851: 411,532 Ew. 2) Hauptstadt derselben am Wear, auf einem steilen Hügel, von Wällen umgeben; Sitz des protestantischen Bischofs der Erzdiöcese York, welcher bis 1832 zugleich Pfalzgraf von D. (Bishop of the Palatinate) war; prächtige Kathedrale, 1093 erbaut, im 16. u. 17. Jahrh. theilweis zerstört, Ende des 18. Jahrh. restaurirt; darin die Grabmälerdes St. Cuthbert u. des Beda Venerabilis; das alte, von Wilhelm dem Eroberer erbaute Schloß war die Residenz des Pfalzgrafen, seit 1832 dem Domcapitel übergeben, jetzt darin die 1837 incorporirte Universität; Oswaldskirche, Sternwarte, Schatzkammerhaus; auf dem Marktplatz großer Brunnen mit der merkwürdigen Quelle Salvator-Hang, welche die ganze Stadt mit gutem Trinkwasser versorgt, mehrere gelehrte Gesellschaften, Manufacturen in Wolle u. Baumwolle, Papierfabriken etc., lebhafter Handel; steht durch Zweigbahnen mit dem Eisenbahnnetz zwischen York u. New-Castle in Verbindung, sendet 2 Mitglieder ins Parlament, gibt der Familie Lambton den Titel eines Grafen (Earl) von D.; 1851: 13,188 Ew. – D. ist eine Anlage der Angelsachsen u. hieß Anfangs Dunholme; 998 wurde das Bisthum von Lindisharne hierher gelegt; 1069 wurde es von den Normännern eingenommen, diese aber alle von den Durhamern erschlagen; als Bischof Wilhelm sich 1088 in ein Bündniß gegen König Wilhelm II. eingelassen hatte, wurde D. von einem königlichen [422] Heere eingenommen; am 20. Oct. 1346 hier Niederlage der Schotten u. Gefangennehmung des Königs David durch die Engländer. 1645 wurde D. von den Schotten erobert, aber 1646 wieder verlassen u. hielt es D. in dem Bürgerkriege stets mit der Partei, welche die Oberhand hatte. 3) Städtischer Bezirk mit Postamt (Post-township) in der Grafschaft Cumberland des Staates Maine (Nordamerika); 2000 Ew. 4) Städtischer Bezirk mit Postamt in der Grafschaft Greene des Staates New-York, am Catskill-Creek; 2700 Ew. 5) Städtischer Bezirk mit Postamt in der Grafschaft Bucks des Staates Pennsylvanien, am Delaware-River; 1000 Ew.; 6) Grafschaft im mittleren Theile der englischen Colonie Neu-Süd-Wales (Australien).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 422-423.
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