Patras

[747] Patras (ital. Patrasso, türk. Baliabadra), 1) Eparchie der griechischen Nomarchie Achaia u. Elis; 2) Hauptstadt darin am Ionischen Meere, mit befestigter Citadelle im Norden der Stadt, Sitz des Nomarchen u. eines Erzbischofs, hat Gymnasium, Hellenische u. 4 Gemeindeschulen, Gerichtshof erster Instanz, Friedensgericht u. Lazareth, schönen u. geräumigen Hafen, ist der vorzüglichste Handelsplatz der ganzen Halbinsel für Ausfuhr (namentlich Korinthen, für welche es der Stapelplatz ist) u. Einfuhr, eine der schönsten Städte Griechenlands mit etwa 20,000 Ew., welche sich durch Handels- u. Gewerbsthätigkeit auszeichnen (1853 besaß es über 100 Schiffe verschiedener Größe zu fast 3000 Tonnen u. mit 600 Matrosen); 3) Meerbusen, darnach genannt, Theil des Ionischen Meeres, zwischen Nordgriechenland u. dem Peloponnes, schließt sich westlich durch das Vorgebirge Papas, wo er mit jenem Meere, u. östlich durch das Castell von Morea (Rhion od. die Kleinen Dardanellen), wo er mit dem Meerbusen von Korinth in Verbindung steht. – Die Stadt P. (Paträ im Alterthum), eine der ältesten, war von Ionern gegründet u. hieß Anfangs Aroë. In Folge ihrer äußerst günstigen Lage hob sich frühzeitig ihr Handel u. sie bildete bald eine der ersten der 12 Achäischen Republiken. Aus einem Defensivbündnisse mit der Stadt Dyme um 280 v. Chr. entstand der Achäische Bund (s.d.). Unter dem römischen Kaiser Augustus, welcher dort eine Militärcolonie (Colonia Augusta Aroe Patrensis) gründete, war P. die angesehenste Stadt von Achaia, auch in der christlichen Legende bekannt durch die Sage vom Märtyrertode des Apostels Andreas, welcher daselbst das Evangelium gepredigt haben u. dort begraben sein soll. Im Mittelalter, wo P. von den Heerzügen der Barbaren im Ganzen weniger zu leiden hatte, erfreute es sich unter allen Städten des eigentlichen Griechenlands des größten Wohlstandes u. einer regen Betriebsamkeit der Bewohner. Im Jahre 1205 entrissen es die Franken den Griechen, u. die Stadt wurde Sitz des Herzogthums Achaia. P. war der letzte feste Ort in Morea, wo die Franken sich behaupteten; nachdem im Mai 1430 die Griechen unter dem Despoten von Mistra, Constantin Dragasos, dem nachmaligen letzten Kaiser von Byzanz, die Stadt P. erobert hatten, hielt sich die Citadelle noch ein ganzes Jahr lang. Im Jahre 1445 nahmen es die Türken unter Sultan Amurat ein, denen es dann die Venetianer zu verschiedenen Malen bis zum Jahr 1715 vorübergehend entrissen, u. eben so ging es im Jahre 1770 während des russisch-griechischen Aufstandes auf kurze Zeit den Türken verloren. 1820 litt P. viel durch ein Erdbeben. Im Griechischen Freiheitskriege 1821 begannen die Feindseligkeiten auf der Halbinsel auch frühzeitig in P.; die Griechen daselbst u. in der Umgegend ergriffen zahlreich die Waffen, u. die Türken waren genöthigt, in die Citadelle sich zurückzuziehen, wo die Griechen sie längere Zeit mit wechselnden Erfolgen belagerten. Auch die[747] Stadt P. selbst ging wieder an die Türken verloren u. sie blieb, wie überhaupt die Gegend umher, bei der hohen Wichtigkeit des Punktes für die Unternehmungen der kriegführenden Theile zu Lande u. zur See der Gegenstand fortwährender Kämpfe. Erst 1828 wurde Stadt u. Festung von den französischen Hülfstruppen für Griechenland in Besitz genommen. Hier Mitte Dec. 1847 Soldatenaufstand unter Hauptmann Merentitis, wobei die Bank u. die Staatskasse geplündert u. ein Gefecht im Hafen zwischen den Regierungstruppen u. den Rebellen geliefert wurde, die Letztern schifften sich ein.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 12. Altenburg 1861, S. 747-748.
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