Blitz

[266] Blitz oder Wetterschlag heißt der gewöhnlich vom Donner begleitete, aus Gewitterwolken im Zickzack oder geschlängelt und mit großer Schnelligkeit gegen andere Wolken oder gegen die Erde schlagende Funke. Im letzten Falle trifft er meist hohe Gegenstände, z.B. Bäume und läuft an ihnen hinab, daher es sehr lebensgefährlich ist, bei Gewittern unter Bäumen zu verweilen; er schlägt aber auch unmittelbar in die Erde und ins Wasser. Die feuchten Ausdünstungen zahlreicher Menschenversammlungen, der Viehställe, der Zugwind, besonders der durch Feuerung vermehrte in den Essen, wirken ebenfalls anziehend auf den Blitz. Fällt der Blitz auf Gebäude, so sucht er zunächst das vorhandene Metall auf, und findet er äußerlich eine ununterbrochen zur Erde führende Verbindung von Metallen oder andern, die Elektricität gut leitenden Körpern, so fährt er in der Regel daran hinab, ohne Schaden anzurichten. Ist jedoch keine solche Leitung vorhanden, so dringt er in das Gebäude, springt von einem Metallgegenstande zum andern, zerschmettert und entzündet häufig, was sich dazwischen oder in der Nähe befindet, und da dies in wenig Augenblicken an vielen Stellen geschieht, so stehen vom Blitz getroffene Häuser oft schnell ganz in Flammen. Auch wenn er nicht zündet, hinterläßt er in den durcheilten Räumen widerlich riechende Schwefeldämpfe, fährt aber zuletzt allemal in die Erde. Menschen und Thiere, welche der Blitz trifft, bleiben entweder auf der Stelle todt, wobei sich jedoch innere Theile nie verletzt finden, oder sie werden gelähmt und mindestens ohnmächtig zu Boden geworfen, erhalten auch zuweilen so starke Brandwunden, daß sie noch an den Folgen derselben sterben.

Die große Ähnlichkeit, welche man zwischen dem Blitze und der verstärkten Elektricität wahrnahm, brachte um die Mitte des vorigen Jahrh. mehre Naturforscher auf die Vermuthung, daß derselbe ein großer elektrischer Funke sei, durch welchen die einander entgegengesetzte Elektricität (s.d.) von Gewitterwolken oder von Gewitterwolken und der Erde sich auszugleichen bestrebe. Der Nordamerikaner Benjamin Franklin (s.d.) brachte jedoch zuerst Mittel in Vorschlag, durch welche die elektrische Natur des Blitzes bewiesen und zugleich die Möglichkeit dargethan wurde, Gebäude, Schiffe u.s.w. gegen die zerstörenden Wirkungen des Blitzes durch ununterbrochene metallische Leitungen zu sichern, welche von ihren höchsten Punkten bis in die Erde oder das Wasser reichen und nach ihrem Zwecke Blitzableiter genannt werden. Sie müssen aus Metall bestehen, weil man keinen bessern Leiter der Elektricität kennt, und z.B. an einem Gebäude alle höchsten Punkte desselben, also die ganze Firste und die darauf befindlichen Rauchfänge, ohne Unterbrechung umfassen und ebenso ins Wasser oder an feuchten Stellen in die Erde geführt werden, weil trockene Erde auf die weitere Leitung ungünstig wirkt. Ist keine feuchte Stelle in der Nähe, so füttert man die Stelle, wo der Ableiter ins Erdreich geht, bis zu einer gewissen Tiefe mit Holzkohlen aus, welche denselben Nutzen gewähren. Gewöhnlich setzt man auf die Firste eine, oder wenn das Gebäude länger als 50 F. ist, mehre bis 15 F. hohe, mit kupfernen und vergoldeten Spitzen versehene sogenannte Auffangestangen, welche mit der ganzen Leitung genau verbunden und bestimmt sind, den Blitz zuerst aufzunehmen; indessen hält man sie jetzt von vielen Seiten für überflüssig. Die zu Blitzableitern brauchbaren Metalle sind Eisen, das meist in Stangen, Kupfer, Messing und Blei, die größtentheils in Streifen, die erstern auch in Form aus mehren Drähten geflochtener Seile dazu verwendet werden. Die Stangen werden durch metallene Stützen, die Streifen durch Nägel unmittelbar am Gebäude befestigt, was keinerlei Nachtheil hat, weil der Blitz die Hauptleitung, wenn sie nicht mangelhaft ist, nicht verläßt. Wichtig ist in dieser Beziehung, daß die Ableitung eine zur Aufnahme der elektrischen Materie hinlänglich große Oberfläche darbietet, weil im entgegengesetzten Falle der Blitz leicht einen Theil der Leitung durch Schmelzen zerstört und auf andere Gegenstände überspringt, wodurch der ganze Zweck verfehlt wäre. Bei Kupfer und Messing, welche die meiste Leitungsfähigkeit besitzen, kann die Oberfläche am kleinsten, beim Blei muß sie unter den genannten Metallen am größten sein. Von höchster Wichtigkeit ist noch, daß die Leitung unter sich genau verbunden ist, weil jede Unterbrechung dem Blitz Gelegenheit gibt, seine zerstörende Wirkung zu äußern; auch müssen aus demselben Grunde die Blitzableiter von Rostflecken und dergl. rein gehalten werden, was am bequemsten durch einen Firnißanstrich geschieht. In Deutschland wurde der erste Blitzableiter 1769 am Jakobsthurme in Hamburg errichtet. – Blitzröhren, Blitzsinter, auch [266] Fulgurit sind vom Blitze, wenn er in Sandboden schlägt, aus Quarzkörnern zusammengeschmolzene Röhren, deren Inneres oft verglaset ist. Sie stehen im Sande, der um sie herum roth sieht, sind zuweilen 30 F, lang, einen Zoll weit und werden besonders in der senner Haide in Lippe-Detmold, am Regensteine bei Blankenburg, unweit Dresden, zu Nietleben bei Halle a. d. Saale, zu Pillau bei Königsberg in Preußen und an andern Orten gefunden.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 266-267.
Lizenz:
Faksimiles:
266 | 267
Kategorien: