Härtel

[835] Härtel, 1) Gottfried Christoph, Buchhändler, geb. 27. Jan. 1763 in Schneeberg, gest. 25. Juli 1827 auf seinem Rittergut Cotta, trat, nachdem er in Leipzig die Rechte studiert hatte, auch mehrere Jahre als Hauslehrer und literarisch tätig gewesen war, in das Geschäft von Breitkopf (s. d.) zu Leipzig, das fortan Breitkopf u. Härtel firmierte. Als Gottlob Breitkopf 7. April 1800 starb, setzte er H. zum Universalerben ein, und unter dessen Leitung gelangte das Geschäft, das sein Vorgänger nahezu als verloren betrachtet hatte, sehr bald wieder zu hoher Blüte. Er gründete 1799 die »Allgemeine Musikzeitung«, die das erste derartige Unternehmen in Deutschland war und bis 1865 bestanden hat; ferner 1812 die »Leipziger Literaturzeitung« (bis 1834) und veranstaltete billige Ausgaben der musikalischen Klassiker; auch vereinigte er mit seiner Buchdruckerei eine lithographische Anstalt und Notenstecherei und errichtete 1806 eine Pianofortefabrik, die jedoch später wieder aufgegeben wurde. Von seinen Söhnen Hermann (geb. 27. April 1803, gest. 4. Aug. 1875) und Raimund (geb. 9. Juni 1810, gest. 10. Nov. 1888) trat letzterer 1832, ersterer 1835 in die Firma ein. In ihrem Musikverlag erschienen die Werke von Weber, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Chopin, Rich. Wagner, H. Berlioz u. a., so daß derselbe gegenwärtig über 30,000 Nummern umfaßt; auch veranstalteten[835] sie kritische Gesamtausgaben der Werke von Beethoven, Mozart, Schubert, Palestrina u. a., daneben die billige »Volksausgabe Breitkopf u. Härtel«. Der Buchverlag des Geschäfts, das jetzt außer der Verlagsanstalt aus einer Buch- und Steindruckerei, Schriftgießerei, Notenstecherei, Stereotypie, galvanoplastischen Anstalt und Buchbinderei besteht, ist in ausgedehnter Weise der Musikwissenschaft gewidmet, doch sind auch die allgemeine Wissenschaft, die schöne Literatur (Werke von Felix Dahn), Rechtswissenschaft (Puchta, Ihering, Wächter), Theologie (die Werke K. v. Hases), Naturwissenschaften, Medizin, klassische Philologie vertreten. Nach dem Tode der Söhne des Neubegründers der Firma Breitkopf u. Härtel traten an deren Spitze zwei Enkel des letztern, Wilhelm Volkmann (geb. 12. Juni 1837, Bruder des Chirurgen Richard v. Volkmann [s. d.], gest. 24. Dez. 1896) und Dr. Oskar v. Hase (s. Hase 2). Mitbesitzer sind gegenwärtig die Witwe Wilhelm Volkmanns und deren Sohn Dr. Ludwig Volkmann (geb. 9. Jan. 1870).

2) Robert, Bildhauer, geb. 21. Febr. 1831 in Weimar, gest. 5. Mai 1894 in Breslau, erhielt in Weimar bei Preller Unterricht im Zeichnen und kam dann zu einem Goldschmied in die Lehre, fand später als Bildhauer bei den Restaurationsarbeiten der Wartburg Beschäftigung und trat dann in Dresden ins Atelier Hähnels. Nachdem er sich selbständig gemacht, entstanden eine Statue der Poesie für die Großherzogin von Sachsen-Weimar und für das Museum in Weimar ein 36 m langer Fries in Hochrelief mit einer Darstellung der Hermannsschlacht und den Seitenfriesen des Jugendlebens der Germanen und der Aufnahme der Helden in Walhalla. Andre in Dresden von ihm ausgeführte Arbeiten sind: eine kolossale Erzbüste des Philosophen Fries für Jena (1873), das Kriegerdenkmal für Weimar, die Gruppe Kreon und Antigone für das neue Hoftheater in Dresden und mehrere Statuen für die Albrechtsburg in Meißen. 1878 wurde er als Lehrer an die Kunst- und Kunstgewerbeschule in Breslau berufen, wo er unter anderm die Bronzefiguren Dürers und Michelangelos und zwei Giebelfiguren für das Museum der bildenden Künste, eine Statue Kaiser Wilhelms I. für das neue Regierungsgebäude und das Denkmal Friedrichs d. Gr. für Tarnowitz schuf.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 835-836.
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