Zeugdruck [1]

[988] Zeugdruck bezweckt die farbige Gestaltung von Geweben in einer den Erzeugnissen der Buntweberei ähnlichen Wirkungsweise mittels ein- oder mehrfacher, durch das beabsichtigte Muster bestimmter und begrenzter Färbung und erfordert das Zusammenwirken des komponierenden Künstlers, des Graveurs, des Koloristen, des Druckers und Färbers.

Die mittels ebener oder walzenförmiger Druckformen auf das Gewebe zu übertragende Farbflüssigkeit, welche entweder eine Lösung des Farbstoffes bezw. Farbbildners oder eine solche der Beize oder die Mischung eines gelösten oder ungelösten Farbstoffs mit der Beiz- bezw. Fixierungsflüssigkeit sein kann, bedarf eines Verdickungsmittels, durch das sie zur sogenannten Druckfarbe wird. Dieses Verdickungsmittel muß neutraler Natur sein, damit es die Fähigkeit des Gewebes nicht beeinträchtigt, sich mit den Bestandteilen der Druckfarbe zu vereinigen; sodann muß es sich leicht wieder von dem Gewebe entfernen lassen. Die in dieser Beziehung geeignetsten Substanzen sind die verschiedenen natürlichen Gummiarten, Gummi arabicum, Gummi Senegal, Tragantgummi, ferner der Leim, das Weizenmehl, die Weizenstärke sowie die Umwandlungsprodukte der Kartoffel-, Weizen- und Maisstärke: das Leiogomme, die licht- und dunkelgebrannte oder geröstete Stärke, das Dextrin, British Gum, Gommelin, Ly-chô, schließlich Ton und Chinaclay. Ihre Anwendung hängt sowohl von der Natur der zu bedruckenden Faser wie des aufzudruckenden Farbstoffs bezw. der Beize ab. Im Seidedruck bedient man sich des arabischen, besonders aber des billigeren Senegalgummis, da es sich hier vielfach um Erzielung zarter Farbeneffekte handelt und die Gummiarten bei ihrer vollkommenen Wasserlöslichkeit, ihrer Farblosigkeit und Indifferenz ohne den geringsten Einfluß auf die herzustellende Farbe sind. Bei dunkeln Farben wird der in Wasser unlösliche, darin aber aufquellende und dann eine schleimige Masse bildende Tragantgummi oder das British Gum angewendet. Im Wolldruck dient als Verdickungsmittel vornehmlich der Senegalgummi, aber auch Tragantgummi, Dextrin, Leim und Weizenstärke. Der Baumwolldruck macht von allen genannten Substanzen mit Ausnahme des zu kostspieligen arabischen Gummis Gebrauch. Ein [988] Verdickungsmittel besonderer Art ist das Albumin, insofern es auch fixierend auf die Farben wirkt. Wird die Mischung eines unlöslichen farbigen Körpers (Zinnober) mit der Lösung reinen Eialbumins oder minder reinen, aber billigeren Blutalbumins auf einen Stoff gedruckt und dann der Wirkung von Wasserdampf ausgesetzt, so gerinnt das Albumin und befestigt, auf dem Gewebe fest haftend und den farbigen Körper umhüllend, diesen mit der Faser. – Die physikalische Beschaffenheit, d.h. die größere oder geringere Konsistenz der Druckfarbe, hängt von der Größe des zu erzeugenden Müllers ab. Ist dasselbe ein schweres, d.h. nimmt es eine verhältnismäßig große Fläche ein, so pflegt man sie zähflüssiger zu halten, als wenn ein leichtes, d.h. kleines Muster vorliegt. Der Pflatsch- oder Klotzprozeß, wie er auf der Klotzmaschine (s.d.) oder mittels der Walzendruckmaschine ausgeübt wird, bei dem es sich um ein einseitiges bezw. beiderseitiges vollständiges Bedecken des Gewebes mit der Druckfarbe, also um ein möglichst vollständiges Auslaufen der letzteren handelt, bedient sich ganz dünner Farbflüssigkeiten.

Die Zusammensetzung einer Druckfarbe richtet sich nach den farbigen Wirkungen, welche erzielt werden sollen, nach den Farbstoffen und Farbbildnern bezw. Beizen, welche zu fixieren sind, und nach der Natur des Gewebes, welches dem Druck unterliegt. Es lassen sich in dieser Hinsicht im allgemeinen folgende lieben Arten unterscheiden:

1. Die Druckfarbe besteht wesentlich aus anorganischer Körperfarbe oder Farblack und aus Albuminlösung. Die Fixierung erfolgt durch Dämpfen (Anwendung im Baumwolldruck).

2. Die Druckfarbe enthält als wesentlichen Bestandteil einen organischen Farbstoff. Ist er ein substantiver und wasserlöslich, so sind neben der Verdickung nur Substanzen wie Essigsäure und Glyzerin vorhanden, welche seine Löslichkeit und seine Vereinigung mit der Faser befördern. Nach dem Aufdruck führt ein Dämpfprozeß die Fixierung mit dem Gewebe herbei (Anwendung im Woll- und Seidedruck). Ist der Farbstoff unlöslich und besitzt er keine Affinität zur Faser, wie Indulin oder Indigo, so ist die Druckfarbe mit einem Lösungsmittel (Acetin) oder das zu bedruckende Gewebe mit einem Reduktionsmittel (Traubenzucker) zu versehen, das während eines Dämpfprozesses seine lösende Wirkung auf ihn ausübt und ihm in die Faser einzudringen ermöglicht (Anwendung im Baumwolldruck).

3. Die Druckfarbe enthält neben der Verdickung eine farbbildende organische Substanz, die im Moment des Aufdrückens die Farbe hervorruft (Diazoverbindung auf mit Naphthol grundiertem Baumwollgewebe) oder erst durch Oxydation die Farbe liefert, weshalb das Oxydationsmittel der Druckfarbe beigefügt ist (Anilinschwarz aus Anilinsalz. Im Baumwolldruck angewendet).

4. Die Druckfarbe enthält die Beize. Nach deren Fixierung und nach Entfernung der Verdickung führt die Ausfärbung im Bade eines Beizenfarbstoffes zur Bildung farbiger Muster an den von der Druckfarbe vorher bedeckten Stellen (Kombination von Druckerei und Färberei, Herstellung gemusterter Färbeware im Kattundruck).

5. Die Druckfarbe enthält eine Mischung von Beize und Farbstoff. Die Fixierung erfolgt beim Verhängen an der Luft oder beim Dämpfen, wobei entweder die Bildung des unlöslichen Farblackes stattfindet, oder, wenn ein solcher bereits vorhanden ist, dieser in Lösung geht und von der Faser aufgenommen wird, um nach Verflüchtigung des Lösungsmittels unlöslich in der Faser zu bleiben (Genre vapeur et application, Anwendung im Baumwolldruck).

6. Die Druckfarbe enthält teils mechanisch wirkende, wie Harze, Fette, Ton, Bleisulfat, teils chemisch wirkende Substanzen, wie Zinkoxyd, Rhodankalium, Calciumacetat, Kupfersulfat und -nitrat, Bleinitrat, Zinnsalz, Kaliumsulfid, welche das Eindringen des Farbstoffes oder des Beizmittels in das ungefärbte oder gefärbte Gewebe an denjenigen Stellen verhindern, welche von ihnen bedeckt sind (Reserve, Schutzpapp. Anwendung des Reservagedrucks im Baumwoll- und Seidedruck, s. Reservage).

7. Die Druckfarbe enthält Substanzen, die dazu dienen, einem bereits gefärbten oder gebeizten Gewebe den Farbstoff oder die Beize auf chemischem Wege durch Ueberführung in lösliche Form stellenweise zu nehmen (wegzuätzen). Gegenüber Beizen, die meist Metalloxyde sind, benutzt man Alkalisalze schwacher, die Faser nicht angreifender Säuren, wie Zitronen-, Oxal-, Weinsäure; gegenüber Farbstoffen oxydierende Agentien, wie Kaliumbichromat (mit Schwefelsäure), rotes Blutlaugensalz (mit Natronlauge), oder reduzierende Substanzen, wie Zinnsalz, Zinnoxydulnatron, Zinkstaub, Formaldehydsulfoxylat (Rongalit c). (Aetze, Enlevage, Anwendung im Baumwoll-, Woll- und Seidedruck, s. Aetzfarben.)

Bereitung der Verdickungen und Druckfarben s. in [2], [10], [14], [18], [19], [21].

Die Uebertragung der Druckfarbe auf das Gewebe wird gegenwärtig hauptsächlich auf dreierlei Weise bewirkt. Beim Handdruck mittels des Holzmodels, welcher das Muster oder Teile desselben (bei mehrfarbigen Mustern bedarf es ebenso vieler Model) in erhabener Form, teils aus Holz, teils aus Metall hergestellt, trägt und nach dem Benetzen mit der Druckfarbe diese durch die Hand des Druckers dem Gewebe übermittelt, welches sich auf dem elastischen Drucktisch in gespanntem Zustande befindet. Der Perrotinedruck (Perrot, 1834) bedient sich ähnlicher, aber der Breite des Gewebes entsprechend längerer Druckformen, auf welchen das Muster durch geformte Messingstifte erhaben wiedergegeben ist und die meist zu drei abwechselnd mit mäßigem Federdruck gegen das Zeug schlagen, nachdem sie durch Farbwalzen mit Druckfarbe versehen sind, währenddessen das Gewebe jedesmal um die Breite einer Form vorrückt. Der jetzt weitaus am meisten ausgeübte Walzendruck benutzt kupferne oder messingene Walzen, in die das Muster eingraviert ist. Die Walzen werden durch andre, tuchüberzogene Walzen mit der Druckfarbe gespeist und durch elastische Stahlschneiden (Abstreichmesser), welche sich dicht an die Walzen anlegen, von aller an deren Oberfläche haftender Farbe befreit, so daß nur die in den das Muster bildenden Vertiefungen haftende Farbe durch starken Druck auf das Zeug übertragen wird. Es werden ein- bis zwölffarbige Walzendruckmaschinen (Rouleaux) gebaut.[989]

Baumwolldruck (s. Bd. 1, S. 589).

1. Anwendung der Beizenfarbstoffe. Dieselben bilden die so geschätzten widerstandsfähigen Farben erst mit Tonerde-, Chrom- und Eisenbeizen, häufig unter Zuhilfenahme von Kalk- bezw. Zinnpräparaten. Da diese erst in der Wärme als Dampffarben entstehen, so kann man die Beizenfarbstoffe in der Kälte mit den betreffenden Beizen mischen. Neben dem Verdickungsmittel enthalten die Druckfarben alle zur Lackbildung notwendigen Ingredienzien in geeigneter Form, mit Ausnahme von Fettsäureverbindungen, die fast immer durch vorherige Behandlung des Stoffes mit Türkischrotöllösungen appliziert werden, ferner gewisse Substanzen, meist freie organische Säuren, darunter als wichtigste die Essigsäure, welche die Verbindung des Farbstoffes mit der Beize bei gewöhnlicher Temperatur verhindern. Den Farbstoff enthalten die Druckfarben entweder in gelöster Form oder meist als sein verteilten Teig. Ist der Aufdruck erfolgt, so ist es namentlich für schwere Alizarinmuster von Vorteil, zunächst durch eine Passage durch den mit Dampf erfüllten Mather-Plattschen Dämpfapparat den Ueberschuß der flüchtigen Säuren wegzuschaffen, dann erst die Ware zu dämpfen. Dies geschieht entweder in liegenden zylindrischen Dämpfapparaten, welche die Ware, samt einer Unterlage zu einem breiten Bande aufgewickelt, auf einem wagenartigen Gestell hängend, aufnimmt, während ca. 1 Stunde bei ca. 1 Atmosphäre Druck, oder in Continuedämpfern, mit Dampf angefüllten Hängen, durch welche mit Hilfe von Leitrollen und Leitstangen die Ware in breitem Zustande geführt wird. Hierauf gibt man der Ware zur Abstumpfung des Restes der Säure und zur Vervollständigung der Fixation der Farblacke auf zwei Rollenständern die Kreidepassage (in 1 l Wasser von 80° 10 g Schlemmkreide enthaltend), wäscht am Clapot, malzt zur Entfernung der Stärkeverdickung und zur Reinigung des Weiß im Kuhkotmalzbade (auf 300 l Wasser von 75° 2 kg Kuhmist und 1 kg Malz enthaltend) und seist in gleicher Absicht und zur Belebung der Farben auf der Färbekufe mit Marseiller Seife (3–5 g Seife pro 1 l Wasser von 70°, Dauer 1/2–1 Stunde). Um das Weiß des Musters, welches nach dem Seifen und Waschen meist getrübt erscheint, rein erscheinen zu lassen, wird die Ware gechlort. Man unterscheidet ein Dampfchlor und ein Trockenchlor. Bei ersterem werden die Stücke auf der Klotzmaschine mit einer schwachen Chlorkalklösung imprägniert, worauf sie einen mit Wasserdampf gefüllten Kalten passieren. Beim Trockenchlor läuft die mit Chlorkalklösung befeuchtete Ware direkt über die Trommeln einer Trockenmaschine. Die fertigen Farben werden zuweilen weiß geätzt, z.B. der Türkischrotlack durch Aufdruck einer sehr konzentrierten Lösung von Natronlauge und darauffolgendes Dämpfen aufgelöst (s. Aetzfarben).

2. Anwendung der Tanninfarbstoffe. Ihre Befestigung auf der Faser beruht darauf, daß sie mit Gerbsäuren Salze zu bilden vermögen. Bei der Bereitung einer tanninhaltigen Druckfarbe macht man von der Eigenschaft der Tanninfarblacke Gebrauch, in Essigsäure löslich zu sein, die man der verdickten Mischung von Tannin und Farbstoff hinzufügt. So können beim Druckprozeß die nun in Lösung befindlichen Körper, Tannin und Farbstoff, in die Poren des Gewebes eindringen. Die Essigsäure entweicht teils schon beim Trocknen, vollständig aber beim Dämpfen, und der Tanninlack bleibt unlöslich auf dem Gewebe zurück. Dieser besitzt jedoch noch keine genügende Widerstandsfähigkeit gegen Seife, und es ist daher nötig, der Ware die Brechweinsteinpassage (3 g Brechweinstein und 15 g Schlemmkreide pro 1 l Wasser von 70°) zu geben mit dem Erfolg, daß nun der mit Antimonoxyd verbundene Farblack unlöslich der Faser anhaftet. Die Brechweinsteinbäder enthalten wegen der Antimonoxyd lösenden Wirkung des sich bildenden sauern Kaliumtartrats ein Gemisch von Brechweinstein und Kreide, demnach auch unlösliches basisches Antimonsalz, welches aber durch das saure Kaliumtartrat fortwährend gelöst wird. Nach der Behandlung in der Antimonlösung wird die Ware gewaschen und kalt geseift. Die meisten Tanninfarbstoffe gewinnen an Lebhaftigkeit, wenn sie auf Gewebe gedruckt werden, welches durch Klotzen in einer mit Kasein nebst Borax verdickten Lösung von zinnsauerm Natron präpariert ist. In dieser Weise werden sie in Kombination mit Säurefarbstoffen und verschiedenen Metallsalzen bei der Herstellung des Lucca-Artikels, einer Imitation der indischen Schals, auf der Faser fixiert. Tanninfarben lassen sich durch Vordruck einer Antimonsalzreserve reservieren und teilweise durch Aufdruck starker Natronlauge und Glukose oder eines Gemisches von Blutlaugensalz und Chloraten und nachfolgendes Dämpfen ätzen (s. Aetzfarben).

3. Anwendung der Küpenfarbstoffe. Bezüglich der Anwendung des Indigo s. Indigodruck. – Das Indanthren der Badischen Anilin- und Sodafabrik gibt mit Natronlauge und einem geeigneten Reduktionsmittel, am besten Natriumhydrosulfit, eine blaue Lösung, eine Art Küpe, aus welcher Baumwolle den Farbstoff direkt aufnimmt, ohne daß, wie bei Indigo, ein Vergrünungsprozeß stattfindet; es entsteht sofort eine blaue Färbung, welche sich, aus dem Färbebad an die Luft gebracht, nicht merklich verändert. Indanthren liefert recht wirksame Töne von großer Lebhaftigkeit und Schönheit, wie sie bisher in ähnlicher Echtheit auch nicht annähernd erreicht werden konnten. Es kann im Zeugdruck auf zweierlei Weise fixiert werden. Einmal durch Aufdruck von Indanthren S mit Natronlauge und Zinnoxydul und nachheriges Dämpfen, sodann durch Aufdruck von Indanthren S mit Eisenvitriol und Zinnsalz und darauffolgende Passage durch Natronlauge. Indanthren S eignet sich auch vorzüglich für Reserveartikel. Man bedruckt den Stoff mit einem Schutzpapp aus British-Gum-Verdickung, Natriumchlorat und Weinsäure, trocknet bei 50°, überdruckt mit Indanthren S-Druckfarbe (Eisenvitriol und Zinnsalz), trocknet ein zweites Mal, zieht durch Natronlauge von 20° Bé bei 70°, wäscht und säuert nach dem Kalleschen D.R.P. Nr. 167077 zweckmäßig in verdünnter Oxalsäurelösung, weil auf diese Weise stets lebhafte Drucke und ein reines Weiß erzielt werden. – Das bei einer geringen Modifikation der Darstellungsweise des Indanthrens entstehende Flavanthren, weiches in der Küpe blaue Farbe, aber als Farbstoff selbst, auf der Faser durch Autoxydation an der Luft ein reines und sehr echtes Gelb liefert, wird in gleicher Weise wie[990] Indanthren fixiert. Dem Uebelstand, daß das Weiß bei der Passage durch Natronlauge zuweilen stark anblutet, begegnet man bei beiden Farbstoffen nach einer Erfindung der Höchster Farbwerke dadurch, daß man 15% der Farbstoffe mit 12% Hydrosulfit in stark Natronlauge enthaltender Verdickung aufdruckt und dämpft. Sowohl nach dem Natronlaugeverfahren als auch nach dem Dämpfprozeß lassen sich sehr echte graue Töne mit Melanthren erzielen, während Violanthren CD, in entsprechender Weise angewendet, dem Alizarineisen ähnlich, aber lebhaftere Töne von großer Echtheit liefert. Die genannten Farbstoffe lassen sich miteinander kombinieren. – Thioindigorot B eignet sich zur Herstellung bläulichroter Töne in hervorragender Weise wegen der Leichtigkeit, mit der es sich fixieren läßt und wegen der hohen Echtheitseigenschaften. Zur Fixierung wird die den Farbstoff und Aetznatron enthaltende Druckfarbe auf den Stoff gedruckt und nach dem Trocknen kurze Zeit bei 106–108° in dem in den D.R.P. Nr. 109800 und 126596 beschriebenen Dämpfapparat gedämpft. Hierbei wird der Farbstoff reduziert und in Form seiner Leukoverbindung auf der Faser fixiert. Beim Auswaschen der Stücke entwickelt sich dann durch Reoxydation das Thioindigorot.

4. Anwendung der Entwicklungsfarben. Die Anwendung der auf der Faser entwickelten Azofarben ist dieselbe wie in der Färberei. Man präpariert das Gewebe mit Betanaphthol, trocknet und druckt mit der verdickten Lösung des diazotierten Amins (s. Entwicklungsfarben). Betreffs Kombinationen mit Paranitranilinrot s. Rotblauartikel. – Ueber Anwendung des Anilinschwarz s.d. Die im Baumwolldruck auf der Faser entwickelten Mineralfarben sind dieselben, die auch zum Glattfärben verwendet werden. Ueber ihre Anwendung s. Eisenchamois, Kaliblau, Manganbister. Für Chromgelb wird meist ein Gemisch von essig- und salpetersauerm Blei entsprechend verdickt aufgedruckt, nach dem Trocknen durch eine kalte Ammoniaklösung passiert und dann in einer Lösung von Kaliumbichromat behandelt. Zur Erzeugung des Chromorange wird das fixierte Chromgelb orangiert, indem man die Ware in einem heißen Kalkbade behandelt.

5. Anwendung der Albuminfarben. Eine Reihe von Mineralfarben, wie Zinnober, Chromgelb, Chromorange, Chromgrün, Ultramarin, Ockerarten, ferner Ruß, Farblacke, werden mit Albumin verdickt aufgedruckt, und infolge Gerinnung des Albumins wird ihre Fixierung durch Dämpfen bewerkstelligt. Aber auch Lösungen von Farbstoffen wie Fuchsin und Methylviolett werden in dieser Weise beteiligt. Die Gleichmäßigkeit der Druckfarbe wird dadurch erreicht, daß man dieselbe auf Kegelmühlen sorgfältig mahlt. Die Albuminfarben werden vorwiegend zur Herstellung farbiger Aetzmuster auf indigoblauem Grunde benutzt.

6. Anwendung des Reservagedrucks. Dieses Verfahren bezweckt, die Aufnahme bezw. die Entwicklung einer Farbe, die durch Klotzen oder Färben auf den Stoff gebracht wird, durch vorherigen Aufdruck gewisser Substanzen (s. Reservagen) an den bedruckten Stellen zu verhindern. Die wichtigsten Reserveartikel sind die gemusterten Indigofärbeartikel (s. Blaudruck), Anilinschwarzartikel (Prudhommes Aetzverfahren, s. Anilinschwarz), die mehrfarbigen Alizarinrot- und Alizarinviolettartikel (s. Alizarin) und die mehrfarbigen Azoartikel (s. Rotblauartikel).

7. Anwendung des Aetzdrucks. Diese gestattet, mit dem vorhandenen Walzenmaterial die Zahl der Artikel bedeutend zu vermehren, indem mit derselben Walze, die ein buntes Muster in weißem Grunde drucken würde, umgekehrt ein weißes Muster in farbigem Grunde durch Zerstörung resp. Lösung der Farbe oder Beize hervorgerufen wird. Indem man der Aetzfarbe einen Farbstoff hinzufügt, welcher von dieser nicht verändert wird, und den man dann auf dem Gewebe fixiert, oder indem man mit der Aetze eine Beize aufdruckt, nach deren Fixierung man die Farbe durch späteres Ausfärben entwickelt, gelingt es, auch andre Farben als Weiß zum Vorschein zu bringen (s. Aetzfarben).

8. Gemusterte Färbeartikel. Die Herstellung derartiger, stets Weiß im Muster enthaltender Ware, welcher zum Teil auch die durch Reservieren und Aetzen fabrizierten Artikel zuzurechnen sind, besteht in einer Kombination von Druckerei und Färberei, insofern eine oder mehrere Beizen auf das Gewebe aufgedruckt und nach deren Fixieren die Farbe durch Ausfärben mit Beizenfarbstoffen entwickelt wird. (Näheres s. unter Alizarin und Alizarinfarbstoffe.)

Wolldruck.

Das örtliche Färben wollener Zeuge ist im allgemeinen eine einfachere Operation als das Bedrucken der Baumwolle, da die Beteiligung der Farbstoffe, als welche hauptsächlich Säurefarbstoffe dienen, infolge größerer Verwandtschaft dieser zu der Wollfaser leichter zu bewerkstelligen ist. Sie erfolgt durch bloße Anwendung von Wasserdampf. Die mit Gummi, British Gum, Dextrin verdickten, unter Zusatz einer organischen Säure, meist Essigsäure, zuweilen auch Glyzerin, bereiteten Druckfarben werden entweder durch Handdruck (bei sehr breiter Ware) oder durch Walzendruck auf das Gewebe übertragen. Letzteres muß sehr sorgfältig gereinigt, unter Umständen auch (mit Wasserstoffsuperoxyd und Natriumbisulfit) gebleicht sein (s. Wollwäsche und Bleichen). Nach einer Beobachtung von Mercer fallen die meisten Farben viel voller aus, wenn die Wolle vor dem Bedrucken gechlort worden ist. Dies geschieht zweckmäßig in einer verdünnten Lösung von unterchlorigsauerm Natron und Schwefelsäure, bei deren Gebrauch jedoch vorsichtig zu verfahren ist, da die Wolle sonst gelb und rauh wird. Die Aufnahmefähigkeit der Wolle für Farbstoffe wird ferner dadurch erhöht, daß man sie mit Zinn präpariert, sie stannatiert. In der Regel vereinigt man beide Präparationen in der Weise, daß man die Ware erst mit einer Lösung von zinnsauerm Natron imprägniert und dann chlort. Auch im Wolldruck lassen sich die so beliebten Aetzeffekte in mannigfacher Weise verwerten. Als Aetzen dienen Zinkstaub und Bisulfit bezw. Formaldehydnatriumsulfoxylat (Rongalit c) für Weißätzen, Zinnsalz für Buntätzen. Leicht ätzbar sind die meisten Azofarbstoffe, als Buntätzen geeignet sind die meisten Tanninfarbstoffe, die Eosine und die Säurefarbstoffe der Triphenylmethanreihe.[991]

Seidendruck.

Derselbe arbeitet mit denselben Hilfsmitteln wie der Wolldruck; er gestaltet sich insofern noch einfacher, als ein Präparieren des zu bedruckenden Materials sich erübrigt. Die Aetzartikel werden wie im Wolldruck fabriziert; zum Unterschied von letzterem werden einige Artikel durch Reservieren mit Fettreserven und Ausfärben hergestellt.


Literatur: [1] Badische Anilin- und Sodafabrik, Die Anwendung der Alizarinfarben, Ludwigshafen a. Rh. 1898. – [2] Benade und Storck, Der Zeugdruck, Artikel in Karmarsch und Heerens Technischem Wörterbuch, Prag 1890. – [3] Bregha, L., Handbuch des gesamten Baumwollzeugdruckes, Leipzig 1881. – [4] Leopold Cassella & Cie., Die Diaminfarben, Frankfurt a.M. 1895/96; Die Druckerei von Baumwollgeweben, Frankfurt a.M. 1905. – [5] Crookes, A practical handbook of dyeing and calico-printing, London 1874. – [6] Dépierre, Traité de la teinture et de l'impression des matières colorantes artificielles, Paris 1892. – [7] Duerr, Bleaching and Calico-Printing, London 1896. – [8] Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Cie., Die Farbstoffe auf dem Gesamtgebiete der Druckerei, Elberfeld 1896; Die basischen Farbstoffe der Farbenfabriken, ihre Anwendung auf dem Gebiet der Druckerei und Färberei, Elberfeld 1899; Die Beizenfarbstoffe der Farbenfabriken auf dem Gebiet der Druckerei und Färberei, Elberfeld 1901. – [9] Farbwerke vorm. Meister, Lucius & Brüning, Die Farbstoffe der Farbwerke, Höchst 1896; Die auf der Faser erzeugten unlöslichen Azofarben, Höchst 1898; Die Teerfarbstoffe der Farbwerke Höchst auf dem Gebiete der Baumwolldruckerei, Höchst 1907. – [10] v. Georgiewics, Lehrbuch der chemischen Technologie der Gespinstfasern, Leipzig und Wien 1908. – [11] Joclét, Woll- und Seidendruckerei, Wien 1879. – [12] Kertész, Die Anilinfarbstoffe, Braunschweig 1888. – [13] v. Kurrer, Geschichte des Zeugdrucks, Nürnberg 1840; Lehrbuch der Färberei und des Kattundrucks; Das Neueste in dem Gebiet der Färberei und des Kattundrucks, Berlin 1861. – [14] Lauber, Handbuch des Zeugdrucks, Leipzig 1901/05. – [15] Lehne, Tabellarische Uebersicht über die künstlichen organischen Farbstoffe und ihre Anwendung in Färberei und Zeugdruck, Berlin 1893, Ergänzungsband, Berlin 1898/99. – [16] Möhlau, Organische Farbstoffe, welche in der Textilindustrie Verwendung finden, Dresden 1890. – [17] Noelting und Lehne, Anilinschwarz und seine Anwendung in Färberei und Zeugdruck, Berlin 1904. – [18] Persoz, Traité théorique et pratique de l'impression des tissus, Paris 1846. – [19] Sansone, Der Zeugdruck, Berlin 1890. – [20] Schützenberger, Traité des matières colorantes comprenant leurs applications à la teinture et à l'impression, Paris 1867; Die Farbstoffe mit besonderer Berücksichtigung ihrer Anwendung in der Färberei und Druckerei, Berlin 1873. – [21] Stein, Bleicherei, Druckerei, Färberei und Appretur der baumwollenen Gewebe, Braunschweig 1883. – [22] Zipser, Geräte u. Maschinen der Wäscherei, Bleicherei, Färberei u. Druckerei, Wien 1894.

R. Möhlau.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 8 Stuttgart, Leipzig 1910., S. 988-992.
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